Für alle Bach-Fans

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andris_k.

Guest
Ich habe einen sehr coolen Benutzer auf youtube entdeckt.

http://www.youtube.com/user/BachScholar

Es gibt sehr gute Aufnahmen von allen Inventionen mit angeblich wissenschaftlich bewiesenen Tempo-Angaben und noch vieles mehr.

Vielleicht wird es für jmdn. auch interessant sein
 
DonBos

DonBos

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Interessant ist es auf jeden Fall, aber dass mir seine Interpretationen wirklich gefallen, kann ich nicht behaupten.

http://www.youtube.com/watch?v=lnbTibt5Fn8&feature=PlayList&p=AE2100376BF671BF&index=1
Diese sehr schöne Invention z.B. klingt für mich so wie er sie spielt einfach irgendwie so tot. Emotionslos. Stur durchgespielt, ganz ohne falsche Töne, aber auch irgendwie ganz ohne wirkliche Gestaltung der beiden Stimmen.

Zum so perfekten Tempo kann ich persönlich nur sagen, dass ich das Tempo als zu schnell empfinde. Ich habe mir jetzt diese wissenschaftliche Grundlage nicht durchgelesen, die narrensicher sagt, dass Bach da ein Tempo von haargenau 63 Vierteln pro Minute wollte, drum kanns sein, dass ich mich irre und da tatsächlich was belegbares dran ist. Aber irgendwie will ich nicht an ein so streng vorgeschriebenes Bachsches Tempo glauben (würde ich bei anderen Komponisten auch nicht tun) und halte sowas für durchaus interessant (so ein Temposystem auszuklügeln bzw. zu verstehen ist bestimmt auch keine einfache Aufgabe), aber gewiss nicht für uneingeschränkt nachahmenswert.

Klar, Bach hatte bestimmt eine Tempovorstellung von diesem Stück. Aber in Bachs Kopf reinschauen und wissen, welche Tempovorstellung genau das nun war, kann wohl keiner.

Schön, wenn man ein perfektes Tempo findet. Aber wenn dabei die Gestaltung irgendwie vor die Hunde geht, dann ist mit dem perfekten Tempo allein noch nix gewonnen. (Was aber nicht heißen soll, dass ein fest vorgeschriebenes Tempo automatisch immer die Gestaltung zerstören würde.)
 
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Castati

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Über die Idee der "magischen Formel" von BachScholar habe ich mit meinem Klavierlehrer schon kurz gesprochen. Er hat meinen ersten Eindruck bestätigt, nämlich, dass der Herr mit größter Wahrscheinlichkeit ein Scharlatan ist (ein eingebildeter noch dazu). :)

Zur Invention 2 kann ich nur zustimmen. Hör dir mal Goulds Interpretation an, halb so schnell, doppelt so toll.
 
DonBos

DonBos

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...nämlich, dass der Herr mit größter Wahrscheinlichkeit ein Scharlatan ist (ein eingebildeter noch dazu). :)
Der Eindruck hat sich mir auch aufgedrängt, nachdem ich mir gestern Nacht dann doch noch seine Einführung zum Thema durchgelesen habe.

Kurz gefasst, er schreibt da von sich selbst in der dritten Person und vergleicht sich und seine "Entdeckung" des Bachschen Temposystems mit dem Apostel Paul und mit Mohammed, und mit deren "Entdeckung" des Monotheismus. Dann nennt er einige Aspekte, wie Bach seine Stücke in gewisse Tempoverhältnisse setzt (Präludium-Fuge-Paare z.B. in genau gewolltem Tempoverhältnis - kann ich mir sogar noch vorstellen irgendwie), sowie dass Bach die genaue Dauer seiner Stücke vor der Komposition plante, also die genau Taktanzahl und das absolute Tempo schon feststand, bevor überhaupt ein Ton niedergeschrieben wurde - das halte ich für Quatsch.

Auch finde ich es etwas sehr vermessen, sich selbst mit Religionsgründern zu vergleichen.
Dazu kommt, dass der Monotheismus an sich genau so richtig oder falsch ist, weil unbeweisbar, wie der Polytheismus und der Atheismus. Womit der Vergleich damit nicht nur vermessen ist, sondern auch an Beweiskraft mangeln lässt.

Abgesehen davon, findet sich in der Einführung vieles, jedoch nirgendwo ein wissenschaftlicher Beleg, oder eine Herleitung für die Tempotheorie.
In den Kommentaren, die man bei Youtube zu seiner Einführung abgeben kann, verweist er hierbei auf seine wissenschaftliche Arbeiten, die seine Theorie auch belegen. Diese sind aber nur für Geld auf einer Homepage von ihm zu erwerben (z.B. 20 Seiten PDF Tempoanalyse irgendeines Bachschen Werks für "nur" 11,99 Dollar...).

Außerdem kann man den Kommentaren auf Youtube entnehmen, dass dieser BachScholar anscheinend auch unbequeme kritische Meinungen teilweise einfach löscht, anstatt auf diese einzugehen, oder Leute einfach diskreditiert, weil sie ja erst 20 Jahre alt sind, und man ja erwiesenermaßen erst ab etwa 25 Jahren fähig sei, solche komplexen Dinge komplett zu verstehen. Auch nicht gerade die feine Art.

Und wenn man dann tatsächlich mal ein Stück von ihm anhört, und dazu den Kommentar liest, dann ergeben sich schon die nächsten Ungereimtheiten...
So kann man laut seinen Erläuterungen anscheinend herausfinden, dass Präludium und Fuge Nr. 1 (C-Dur) aus dem WTK I beide ganz genau 2:00 Minuten dauern sollten in Bachs Planung und dazu dann auch noch das Verhältis der Geschwindigkeit der beats per minute in einem geplanten ganzzahligen Verhältnis stehen...
...das alles mit der "kleinen" tolerablen Abweichung, dass hierfür das Präludium 36 Takte haben müsste, und nicht 35. Da frage ich mich doch, warum Bach, wenn er sich schon so komplizierte Temposysteme ausklügelt und einhalten will, dann nicht auch tatsächlich 36 Takte komponiert hat, was er bestimmt hätte tun können, sondern nur 35...

Und so weiter, und so fort...

Nee danke, das ist nix für mich.
 
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ganymed

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Mal ganz ehrlich: Man hört doch sofort, dass der nicht wirklich Ahnung von dem Verlauf der Stimmen an. Sondern nur wie die meisten Pianisten alle drei Stimmen sofort gleichzeitig spielen und nicht einzeln üben und jede Stimme einzeln im Kopf haben. Ich finde, dass er auch nie eine Stimme die gerade das Thema spielt ein wenig mehr hervortreten lässt als die anderen. Sein Spiel gleicht der eines Leierkastens.

Aber es ist sehr lustig zu sehen wie er die Youtube Benutzer mit seinem vermeintlichen Halbwissen beeindruckt. Haha
 
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andris_k.

Guest
Mal ganz ehrlich: Man hört doch sofort, dass der nicht wirklich Ahnung von dem Verlauf der Stimmen an. Sondern nur wie die meisten Pianisten alle drei Stimmen sofort gleichzeitig spielen und nicht einzeln üben und jede Stimme einzeln im Kopf haben. Ich finde, dass er auch nie eine Stimme die gerade das Thema spielt ein wenig mehr hervortreten lässt als die anderen. Sein Spiel gleicht der eines Leierkastens.

Aber es ist sehr lustig zu sehen wie er die Youtube Benutzer mit seinem vermeintlichen Halbwissen beeindruckt. Haha
Na beeindrucken tut er jetzt nicht unbedingt. Es würde mir im Traum nicht einfallen die meisten zweistimmigen Inventionen so schnell zu spielen wie er das tut, wobei ich natürlich nicht mal ein zehntel seiner Fähigkeiten habe. Ich fands aber trotzdem interessant das Ganze :)
 
thepianist73

thepianist73

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Bin schon früher auf diesen Herrn aufmerksam geworden. Ich bin ebenfalls der Meinung, dass er a) völlig langweilig spielt (d.h. die richtigen Tasten drückt) und b) meines Erachtens nicht viel Ahnung hat, was er da spielt. Sonst würde er anders spielen. Gerade bei der 2. Invention merkt man wenn die 2. Stimme einsetzt, dass er eigentlich die ganze Polyphonie verliert resp. gar nicht gestalten kann. Er spielt einfach Note gegen Note.

Sein seltsames Geschreibe über die Tempi und seine abstrusen Theorien habe ich so noch nie gehört und ich finde sie mehr als "gewagt".

Meiner Meinung nach braucht man weder sein Klavierspiel noch seine Theorien zu kennen geschweige denn zur Kenntnis zu nehmen.

Tipp: Wer auf Youtube Bach schön gespielt und erklärt haben will, zieht sich diese Videos rein. Zum Teil nur Audio (WTK), zum Teil aber Live (Erklärung und danach Vorspiel). Einfach nur gut!!!
Eunice Norton war meiner Meinung ohnehin eine sehr bemerkenswerte Pianistin, die bis ins hohe Alter noch zuhause resp. in ihrem Studio Masterclasses gab (siehe viele private Videos).
 
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Sesam

Sesam

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Das ist ja schrecklich, wie dieser Mann mit dem Pferdeschwanz spielt. Grauenvoll! Grau-en-voll!!! Brrrrrr.

@ thepianist 73: Danke für den link. Toll!

Gruß, Sesam
 
Axel

Axel

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Hallo,

auf die Gefahr, dass ich in der Luft zerissen werde... So schlecht finde ich das nicht.
Das etwas steif-wissenschaftliche Spiel ist die eine Sache, auch das messianische Bewusstsein des Herrn muss nicht gefallen. Aber die These, dass Bach Stücke auf ein "Tempo ordinario" zurückzuführen sind und alle Abweichungen davon von ihm in irgendeiner Weise sehr überlegt und systematisch angezeigt werden ist nicht ganz neu. Das hat etwas für sich, statt einfach zu sagen: wo er nichts vorschreibt, kann ich machen, was ich will. Eine sehr seriöse Abhandlung zum Thema: von Gleich/Sonnleitner: Bach. Wie schnell?

Grüße
Axel
 
fisherman

fisherman

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Das ist ja schrecklich, wie dieser Mann mit dem Pferdeschwanz spielt. Grauenvoll! Grau-en-voll!!! Brrrrrr.
Sesam - wir sind schon wieder mal d'accord. Wenn ich mir Abbildungen von Bach ansehe, kann ich mir bei aller Hinwendung zur Mathematik nicht ein solch seelenloses Geklimpere vorstellen - neee, das hat der Johann bestimmt nicht so gewollt.
 
 

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