Erfahrungsbericht


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Stanzi
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Hallo,

ich war vor einiger Zeit als Pomurla hier. Bin Autodidaktin seit Mai letzten Jahres, seit Mai d.J. jeden Tag sehr konzentriert eine halbe Stunde, Wochenende etwas mehr, mit Chopin Nocturne 9/2, Original, beschäftigt,
Davor habe ich zumindest zwei Stunden täglich gespielt.

Ich hätte beim Beginn meines Klavierspielens nie gedacht, dass ich dieses Stück so früh für meine Begriffe beginnen kann, da es damals und auch heute noch zu meinen Lieblingsstücken zählt.
Trotzdem habe ich, da ich mich beim Lernen und Erlernen kenne, nach knapp einem Jahr mit diesem für mich deutlich schwierigen Stück angefangen und zwar wie schon zuvor beide Hände von Anfang an zusammen, mit Blick auf die Noten und dem anfangs kärglichen Versuch diesen, auf die Tasten zu vermeiden, da er mir vom Gefühl her unnatürlich vorkam und vorkommt.

Ich ertastete mir von jeder halben Stunden zur nächsten die Klänge, orientierte und orientiere mich dabei an den schwarzen Tasten. Konzentriert und sehr langsam. Einige Takte habe ich zuerst ausgelassen, dann sehr wohl dazugenommen. Das Notenmerken kam und kommt automatisch.
Da ich das Stück sehr schätze und oft hörte und höre - im besonderen das Spiel von Artur Rubinstein - ist mir die Melodie geläufig, im Gefühl vorhanden.
Das Pedal habe ich bis letzte Woche nicht verwendet. Ich wagte zwar zwischendurch ein paarmal den Versuch und scheiterte auf der ganzen Linie. Ich brachte linke Hand rechte Hand und Fuß nicht unter einen Hut. Das Nachhallen war grausig, ich viel zu langsam, die Finger fanden noch nicht dorthin, wo der Klang sie hinhaben wollte.

Letzte Woche ein für mich wunderbares Aha. Ich probierte wider, und ich spürte plötzlich, die Konzentration hat sich gelohnt. Jetzt plötzlich findet mein Fuß ganz automatisch dorthin und geht wieder weg, und das im gesamten eingebettet und das Stück relativ flüssig.
Ich habe jetzt das Gefühl, ich kann die Nocturne soweit spielen, dass ich in den nächsten Monaten mit meinem Gefühl und dem Stück "spielen" kann. Und zugleich daran. Mein "Grundstock" - die Noten kennen, die Tastatur kennen, das Pedal ist im groben da. Von da aus gehe ich die nächsten Monate weiter.

Zwischendurch spielte und spiele ich auch kurz andere Stücke, leichtere, die ich vorher spielte, insbesondere um zu sehen, inwieweit mich die Hauptbeschäftigung mit nur einem für mich schwierigen Stück ohne weitere Übungen und ohne weitere theoretischen Kenntnisse und mit nur einer halben Stunde am Tag insgesamt weiterbringt oder abhält.
Und ich muß sagen, sie bringt mich weiter, das Notenbild bei anderen Stücken ist mir relativ rasch geläufig, das Blindspielen nun viel einfacher als davor. Und die Freude am Spielen nimmt zu.

Liebe Grüße
Stanzi
 
M
megahoschi
Guest
Hallo Stanzi,
herzlichen Glückwunsch, dass es Dir so viel Freude bereitet!
Mut hast Du ja, das muss man Dir lassen. Ich würde fast soweit gehen und sagen: die Rubinstein-Interpretationen der Nocturnes sind die Referenzeinspielungen der Nocturnes überhaupt. Da hast Du Dir die Messlatte schon ganz ordentlich hoch gelegt.
Und das ganze auch noch autodidaktisch - wow.
Das Pedal kann wirklich eine ganz schöne Geißel sein. Bis man das so subtil einsetzen kann, dass es verzaubernd wirkt und nicht unsauber ist, das kann ein steiniger Weg sein.
Halt uns doch mal auf dem Laufenden wie es weitergeht, vielleicht können wir Dir ja mit ein paar Kniffen weiterhelfen. Das ist ja das Schöne an so einer Community, über jede Stolperstelle in der Literatur ist hier auch schon mal jemand gestoplert :)
Ansonsten gebe ich Dir mal den Tip Dich selbst aufzunehmen, das kann ganz sinnvoll für die Gehörbildung sein. Denn die Fähigkeit sein eigenes Spiel differenziert wahrzunehmen ermöglicht Dir erst, wirklich weiterzukommen.
:floet:
 
violapiano
violapiano
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Hallo Stanzi,

auch ich gratuliere Dir zu deinem Erfolg und zu der Energie und Konzentration, die du investierst.
Offenbar bist Du mit kritischem Zuhören und Geduld doch recht weit gekommen.:)

Vielleicht lohnt es sich doch Unterricht zu nehmen?:) Wenn Du schon ohne so weit kommst?

Mögest Du weiter viel Freude dran haben!

LG
violapiano
 
M
Musicus
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Hallo Stanzi alias Pomurla,

Hut ab, toll mit welcher Disziplin du zu Werke gehst und dass dies offensichtlich auch belohnt wird.

Mein Eindruck der vergangenen Wochen ist, dass sich die Anzahl der Autodidakten hier im Forum mehrt. Wenn du Lust hast, dann mach doch einen Blog. Das würde manche deiner autodidaktischen Mitstreiter sicher inspirieren.

Viel Erfolg und vor allem Spaß weiterhin!

Herzliche Grüße
Musicus
 
S
Stanzi
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Hallo an Alle,

vielen Dank für Eure Antworten und Chiarina für dein Like. :)

Ich habe nicht das Gefühl, dass ich viel Energie oder Mut oder Disziplin hineinstecke. Was ich tue, ich verkrieche mich in dieser halben Stunde mit allen Sinnen ins Spiel.

Worum es mir bei meinem Erfahrungsbericht und bei meinem Spielen in erster Linie ging und geht, dass wenig Aufwand allerdings: in diesem absolute Konzentration und spielerisches Herangehen auch ohne viel Theorie sehr viel bringen kann. Wenn die Geduld nicht überstrapaziert wird.

@ Megahohshi: Lieb von dir. Ich werde gerne auf dem Laufenden halten und habe vor Monaten schon den einen und anderen Tip hier ausgekundschaftet und aufgesaugt.
Blog @ Musicus dafür bin ich nicht so viel herinnen.
@Violapiano, wenn der Grundstock besser sitzt, dann vielleicht ja. Ich kenne einen Komponisten, Klavierlehrer, ein Indiviudalist, den ich sehr schätze und der meinen Lernstil nachvollzieht, den ich vielleicht alle paar Wochen traktieren werde.
:)

Alles Liebe
Stanzi
 
Madita76
Madita76
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Hallo Stanzi,
ich finds immer wieder toll, wie weit man mit strenger Selbstdisziplin und vor allem Freude an den Tasten kommen kann.
Die Nocturne 9/2 liegt mir im Moment auch sehr am Herzen, ich kanns verstehen, dass sie dich in den Bann zieht. Das Pedalspiel ist, wie alles andere, Übungssache. Du schreibst ja, dass du bereits Fortschritte machen durftest. Und mit deiner Willensstärke kommt sicherlich bald auch das V-Pedal (links) dazu :-)

liebe Grüße und weiterhin viel Erfolg wünscht dir Madita
 
S
Stanzi
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Und mit deiner Willensstärke kommt sicherlich bald auch das V-Pedal (links) dazu :-)

liebe Grüße und weiterhin viel Erfolg wünscht dir Madita

Hallo Madita,

da hast du mich auf eine unbekannte Fährte - in noch unbekannterer Ferne - aufmerksam gemacht, die ich jetzt einmal, vorerst nur kurz, nachgelesen habe (linkes Pedal generell).
Vielen Dank :)


Liebe Grüße
Stanzi
 
S
Stanzi
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Hallo,

es ist einige Zeit vergangen und in ihr habe ich weitere Erfahrungen gesammelt:

Ganz allgemein haben sich meine Sinne, insbesondere mein Gehörsinn, Tastsinn wie ich erfahre um ein Vielfaches seit Beginn meines Klavierspielens gesteigert. Ebenso die Fähigkeit, mich auch ganz allgemein - noch klarer und bewusster konzentrieren zu können und es auch zu tun.

Ich habe bis Mai 2012 fast ausschließlich die Nocturne 9/2 geübt, mit Pedal, beide Hände zugleich, mit Blick auf die Noten und wennmöglich nicht auf die Tasten.
Einige Zeit davor habe ich mir die Nocturne 27/2 von Chopin beim Hören von A. Rubinstein und Mitlesen des Notentextes (Wiener Urtext Edition Schott, die Noten stehen nicht so eng zusammen) so gut es ging, ein bisschen nahegebracht.

Als ich mit diesem Stück letztlich heuer im Mai begann, habe ich schon beim ersten Takt viele Tage gehadert, so schwer vor dem Klavier die Melodie innerlich zu spüren, ich habe die Noten wieder weggelegt, das ging eine ganze Weile so. Erfreulicherweise hat sich das Hin-und Her ausgezahlt, nach zwei drei Wochen war mein Hineinkriechenwollen in diesen Chopin stärker als das Weglegen und ich voll da.
Wie bei der 9/2 spiele ich von Anfang an beidhändig, diesmal gleich mit Pedal, was bei der 9/2 erst nach vielen Monaten möglich war, die Tasten erspüren ist mir hier von Anfang an, auch wenn mir das Stück schwerer vorkommt als die 9/2, leichter gefallen, da mir das Notenbild auf der Tastatur mittlerweile vertraut ist. Die linke Hand ist nach wie vor zu laut, hier versuche ich mich zurückzunehmen, was mir nur schwer gelingt, die Verzierungen kommen bei mir schlecht weg. Ich bin zur Zeit bei Takt 31 von insgesamt 76 und freue mich, wenn ich ab und zu, wenn ich nicht mit Kopfhörer spiele, was hauptsächlich der Fall ist, von einigen Seiten höre, "das ist aber schön". :)
Meine Übungspensum habe ich seit einigen Monaten von einer halben auf rund eineinhalb Stunden täglich erhöht. Die 9/2 übe ich nach wie vor, immer wieder auch einige - für mich leichtere Stücke - allerdings hier nicht wirklich eingehend sonder kurz, Notenlesen, beidhändig zusammenspielen, erahnen wie die Melodie denn klingt und dann wieder zurück zu 27/2.
Ich habe sie nach wie vor nicht über .-)

Liebe Grüße
Stanzi
 
S
Stanzi
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Hallo,

das Auswendigspielen war und ist für mich bis dato nicht von Interesse und habe ich auch als mögliches Tun nicht angestrebt.
Im Gegenteil habe ich eher sehr diszipliniert versucht, mich von meinem inneren sich vordrängenden überraschen und für mich zu schnellen darüberfahrenden Dahinspielens im jeweiligen Moment zu verabschieden. In dem Moment, wo ich merke, jetzt habe ich einige Takte ohne bewusste Konzentration dahingespielt und die eine und andere Note und Ton mit Sicherheit im Nimmersee versenkt, halte ich inne, und kurble mein Tempo um ein Vielfaches herunter und erhöhe die bewusste Konzentration auf die Noten, den jeweiligen Klang.

Gestern Abend war ich plötzlich ganz bewusst interessiert daran, inwieweit ich mit "durchwegs geschlossenen" Augen die Nocturne 9/2 spielen kann.
Und wirklich schön war das Gefühl, tatsächlich blind immer mehrere Takte spielen und sie derart wahrnehmen zu können. Immer fünf sechs Takte am Stück.
Eine sehr schöne Erfahrung.

Liebe Grüße
Stanzi
 
S
Stanzi
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Hallo,

es ist nunmehr fast drei Jahre her, dass mein Digitalpiano und mein autodidaktes Lernen bei mir einzogen.

Meine weiteren Erfahrungen: Ich übe und spiele nach wie vor jeden Tag ungefähr eine Stunde, Wochenende mehr.
Inhalt: Die Nocturne 9/2 zwei- bis dreimal spielen, davon zumindest einmal ohne Pedal, weil ich hier erst richtig merke, was für Fehler (insbesondere bei den Noten) ich einschleichen ließ und lasse. Diese Stellen spiele ich dann wieder sehr langsam. Einmal auch zur Gänze blind spielen, was nicht mein Ziel war, aber wie schon einmal geschrieben "Begleiterscheinung" ist, die ich nicht anstrebte, die mir einfach so begegnete und mich erfreut. :)
Bei der 27/2 bin ich bei Takt 43, wobei ich ab 36 bis 43 noch langsam - aber versuchend fehlerfrei - spiele. Bei dieser nocturne ist es derweil so, dass ich die Takte bis 35 relativ sicher spiele, Blick auf die Noten - wobei ich mich hier ertappe, doch auch sehr oft blind zu spielen - , was dann wieder durch die Takte 36 bis 43 aufgehoben wird, weil ich hier sehr genau auf die Noten achten und hier auch sehr langsam aber immer sicherer und schlüssigerweise schneller unterwegs bin; die Fingersätze sitzen, wobei ich kurz zu den Fingersätzen schreibe, dass ich diese sehr selten aufnotiere; meine Finger liegen eher flach auf der Klaviatur und ich ertaste mir während des Spielens die Tasten und finde auf mir vorkommend "intuitive Weise" die jeweils richtigen Sätze. So als wäre dies: das und nicht anderes, weil am naheliegensten und angenehmensten. Das korrespondiert nicht immer mit den angegebenen Fingersätzen.
Die 27/2 ist also für mich eine Mischkulanz zwischen den Takten bis 35 und von da bis 43, was ich als sehr konstruktiv empfinde, weil sich "eher Dahinspielen" und "sehr konzentriertes Spielen" abwechseln. Ab und zu spiele ich auch hier die mir geläufigen Takte bis 35 blind, was jedesmal ein schönes Gefühl ist.

Sehr gefreut habe ich mich, als ich den Valse de l'Adieu Opus 69 No. 1 von Chopin "probierte". Ich dachte, obwohl er beim Anblick der Noten mir leichter vorkam im Vergleich zur 9/2 und 27/2, an welchen Stücken ich jeweils 1 Jahr arbeitete und noch immer arbeite, dass ich zumindest einige Wochen brauche, um einige Takte relativ fehlerfrei und für meine Empfindung schön spiele. Wie erstaunt und erfreut war ich, als ich die ersten 30 Takte gleich am ersten Abend - wie immer beidhändig von Anfang an - durchspielen konnte. Und das für mein Empfinden schön. :)

Liebe Grüße
Stanzi
 
pianochris66
pianochris66
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Sehr gefreut habe ich mich, als ich den Valse de l'Adieu Opus 69 No. 1 von Chopin "probierte". Ich dachte, obwohl er beim Anblick der Noten mir leichter vorkam im Vergleich zur 9/2 und 27/2, an welchen Stücken ich jeweils 1 Jahr arbeitete und noch immer arbeite, dass ich zumindest einige Wochen brauche, um einige Takte relativ fehlerfrei und für meine Empfindung schön spiele. Wie erstaunt und erfreut war ich, als ich die ersten 30 Takte gleich am ersten Abend - wie immer beidhändig von Anfang an - durchspielen konnte. Und das für mein Empfinden schön. :)

Hallo Stanzi,

Deine Herangehensweise an das Erlernen des Klavierspiels ist schon sehr ungewöhnlich. Sich mit 2 nicht gerade einfachen Nocturne von Chopin über einen so langen Zeitraum zu Beginn zu beschäftigen, da kann man nur den Hut vor ziehen (unabhängig von der Frage, ob andere Methoden nicht besser wären und man dadurch im absehbaren Zeitraum auch diese Lieblingsstücke von Dir "einfacher" bewältigt bekommt).

Deine Methode scheint aber für Dich zu funktionieren wenn ohne großen Schwierigkeiten auch der Walzer op. 69.1 gespielt werden kann. Er gehört sicherlich zu den einfacheren Walzern Chopins, wenn es aber die Originalfassung ist (es gibt ja leider von fast aller klassischer Musik vereinfachte Versionen) gratuliere ich herzlich zu diesem schönen Erfolgserlebnis und wünsche Dir weiterhin viel Freude an Deinen pianistischen Fortschritten.

Liebe Grüße
Christian
 

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Stanzi
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Hallo Christian,

vielen Dank für Deine liebe Nachricht.

Der Watzer entstammt dem zum Digitalpiano mitgelieferten Buch : 50 greats for the Piano, das ein bisschen sehr unhandlich ist - ich nehme Wäschekluppen damit die Seiten zusammenhalten :) und spielte bis dato nur diesen Walzer und das derweil nicht weiter als bis Takt 30.
Meines Erachtens handelt es sich hier sämtlich um Originalstücke.

Liebe Grüße
Stanzi
 
S
Stanzi
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Hallo,

im Mai wird es vier Jahre, dass ich jeden Tag ca. eine Stunde mein Digitalpiano kontaktiere:)

Mein weiterer Erfahrungsbericht:
Ich bin nach wie vor mit nicht nachlassender Begeisterung mit Chopins Nocturne 27/2 beschäftigt und bin mittlerweile bei Takt 51 angekommen.
Nächste Woche werde ich sie das erste mal auf einem Flügel zu "spielen" versuchen, nachdem schon vor einiger Zeit das Gefühl aufkam, ich will auf einem echten Klavier üben. Und das vor einem ausgebildeten Klavierlehrer. Ich begebe mich nächste Woche mit den Noten in der Tasche und aufgeregt und erfreut als Lehrling in sein Ohr und sein Auge.

Liebe Grüße
Stanzi
 
S
Stanzi
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Hallo,

meine beflügelnde Stunde ist vorüber und ich bin um einige Erfahrungen und einen wie ich finde sehr kompeteten ausgebildeten Klavierlehrer reicher.

Ich war nicht nervös vor dem Vorspielen, da meine Vor-freude so groß war und so gar kein Platz für einen Hintergrund wie "was für einen Eindruck mache ich usw.".

Als ich die ersten Tasten drückte, spürte ich einen Unterschied zum Digitalpiano, hier - beim Flügel - eher stärkeres Drücken, dort leichteres. Und ich tat mir ungeheuer schwer mit dem Pedal, ich empfinde es beim Flügel unter meinem Fuß als sehr leicht und ich würgte anfangs jeden Klang ab. Bei meinem Digitalpiano ist es anders, hier bin ich es gewöhnt mehr Druck auszuüben.
Ich kam über die ersten paar Takte der Nocturne nicht hinaus, der Lehrer: langsamer, singe mit, das ist zu schnell, hörst du das, und rechte Hand allein, linke Hand, allein, - ich übe immer gleich beidhändig - und noch musikalische Ausdrücke, wo ich rasch merkte, ich komm nicht mit, kann ihm so gar nicht nicht folgen.
Aber auch der Wunsch, ich will ihm gerne folgen können.

Und so einigten wir uns auf eine wöchentliche Unterrichtsstunde, wo ich beginnend mit ganz leichten Stücken aufbauend unter seinen Anleitung lerne.
Was er mit keinem Wort bekrittelte, auch nicht auf mein Fragen am Ende dieser Stunde, waren meine Handhaltung, mein Sitzen, meine Bewegungen.

Ich freue mich auf den Unterricht, und auch darüber, dass mir durch die Vorarbeit und gerade das "Erlernen" der für mich doch schwierigen Nocturne 27 2 die Noten und ihr Ertasten schon einigermaßen geläufig sind.
Die 27 2 werde ich weiterhin wie gewohnt jeden Tag üben. Nebst der nun dazukommenden Aufgaben :).

Liebe Grüße
Stanzi
 
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Stanzi
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Hallo,

es ist jetzt rund zwei Jahre her, seit ich hier schrieb und seit ich einen Klavierlehrer (abgeschlossenes Studium Konzertfach) habe, dies einmal in der Woche. Was ich von meinem geliebten Chopin jetzt spielen kann, und zwar so, dass es meinem Lehrer, der nicht mit Lob um sich wirft, es tatsächlich gerne hört: Chopin Prelude 28/4. Und dieses gefällt mir auch sehr. Die 9/2 habe ich seitdem nur ganz kurz und die 27/2 überhaupt nicht mehr angerührt, diese ist noch nicht in meinem Schaffensbereich, wie ich inzwischen weiß.

Ein sehr großer Vorteil und Nutzen meines rund dreijährigen autodidakten Übens war und ist: mit dem Notenbild vertraut sein.

Vieles was ich vorher nicht wusste, weiß ich jetzt durch den Lehrer, vieles was ich vorher nicht hörte, ebenfalls. Ich übe am Klang, am Legato, Staccato, an der Artikulation. Am Rhythmus. Mein Übepensum von einer halben bis einer Stunde ist auf zwei Stunden pro Tag angestiegen und meine derzeitigen Stücke sind ua bis auf Weiteres solche aus der Urtext Primo Wiener Urtext Edition wie momentan aus Franz. Suite 2 in c, BWV 813, Menuett von Bach und Etüden wie Burgmüller und gerade eben Kinderetüden von Lemoine. Und es kommen auch vierhändige Stücke, am Anfang ganz einfach für meinen Schülerpart. Das ist eine ganz neue Spielerfahrung.

Fazit: Ohne mein autodiktates Üben hätte ich jetzt keinen Lehrer. Und ohne Lehrer wüsste ich jetzt viel weniger als mit Lehrer. Ich habe das Gefühl, mein Üben und Spielen hat jetzt im Vergleich zu vorher, eindeutig mehr Hand und Fuß. Spaß hat mir das Spielen vorher und auch jetzt gemacht. Der innere Druck mit Lehrer ist größer als ohne, was mich manchmal stört, aber dann doch so wenig, als dass ich nicht mit Freude und Disziplin weitermache. Als Autodidaktin kannte ich die Werke von Brahms, Mozart, Beethoven, Schumann, Schubert, Rachmaninow, Bach und auch Chopin und andere, wenn überhaupt dann nur vom Hörensagen und jetzt „liebe“ ich viele ihrer Werke und kann beim Hören manchmal erkennen, wer der Komponist ist.

Ich bin mit gleicher Freude dabei wie vorher, aber nun auch mit mehr Respekt und Ernsthaftigkeit und nach wie vor mit großer Geduld.

Liebe Grüße

Stanzi
 
Klafina
Klafina
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Hallo,

es ist jetzt rund zwei Jahre her, seit ich hier schrieb und seit ich einen Klavierlehrer (abgeschlossenes Studium Konzertfach) habe, dies einmal in der Woche. Was ich von meinem geliebten Chopin jetzt spielen kann, und zwar so, dass es meinem Lehrer, der nicht mit Lob um sich wirft, es tatsächlich gerne hört: Chopin Prelude 28/4. Und dieses gefällt mir auch sehr. Die 9/2 habe ich seitdem nur ganz kurz und die 27/2 überhaupt nicht mehr angerührt, diese ist noch nicht in meinem Schaffensbereich, wie ich inzwischen weiß.

Ein sehr großer Vorteil und Nutzen meines rund dreijährigen autodidakten Übens war und ist: mit dem Notenbild vertraut sein.

Vieles was ich vorher nicht wusste, weiß ich jetzt durch den Lehrer, vieles was ich vorher nicht hörte, ebenfalls. Ich übe am Klang, am Legato, Staccato, an der Artikulation. Am Rhythmus. Mein Übepensum von einer halben bis einer Stunde ist auf zwei Stunden pro Tag angestiegen und meine derzeitigen Stücke sind ua bis auf Weiteres solche aus der Urtext Primo Wiener Urtext Edition wie momentan aus Franz. Suite 2 in c, BWV 813, Menuett von Bach und Etüden wie Burgmüller und gerade eben Kinderetüden von Lemoine. Und es kommen auch vierhändige Stücke, am Anfang ganz einfach für meinen Schülerpart. Das ist eine ganz neue Spielerfahrung.

Fazit: Ohne mein autodiktates Üben hätte ich jetzt keinen Lehrer. Und ohne Lehrer wüsste ich jetzt viel weniger als mit Lehrer. Ich habe das Gefühl, mein Üben und Spielen hat jetzt im Vergleich zu vorher, eindeutig mehr Hand und Fuß. Spaß hat mir das Spielen vorher und auch jetzt gemacht. Der innere Druck mit Lehrer ist größer als ohne, was mich manchmal stört, aber dann doch so wenig, als dass ich nicht mit Freude und Disziplin weitermache. Als Autodidaktin kannte ich die Werke von Brahms, Mozart, Beethoven, Schumann, Schubert, Rachmaninow, Bach und auch Chopin und andere, wenn überhaupt dann nur vom Hörensagen und jetzt „liebe“ ich viele ihrer Werke und kann beim Hören manchmal erkennen, wer der Komponist ist.

Ich bin mit gleicher Freude dabei wie vorher, aber nun auch mit mehr Respekt und Ernsthaftigkeit und nach wie vor mit großer Geduld.

Liebe Grüße

Stanzi

Ich finde diesen Faden sehr lesenswert!
Hier werden sensibel und aufmerksam Erfahrungen beim Erlernen eines Instruments geschildert. Besonders gut: Dass sich jemand immer wieder im Ein-/Zwei-Jahres-Abstand zu Wort meldet.
 
Zuletzt bearbeitet:
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hpesch
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Gratuliere zur Ausdauer. Effektiv Klavier lernen ist allerdings etwas anderes, auch beim Bergsteigen sollte man lieber bei Zweitausendern anfangen und nicht als erstes in den Himalaya. Prelude Nr. 4 von Chopin ist sehr beliebt, manche fangen tatsächlich damit an. Aber nur Meister schaffen es, den Spannungsbogen des Stücks durchzuhalten.
 
Manuela
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Ein wirklich interessanter Thread, danke für diesen Bericht.

Was aber daraus klar hervorgeht: ein kompetenter Klavierlehrer kann nicht ersetzt werden.
 
S
Stanzi
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Hallo,

es ist wieder einige Zeit seit meinem letzten Schreiben hier vergangen und es sind jetzt bald vier Jahre, dass ich einen Lehrer (abgeschlossenes Studium Konzertpianist) habe und das nach wie vor einmal in der Woche. Das letzte Stück war die Bagatelle 33/3 von Beethoven aus der Urtext Primo Wiener Edition, wie auch die anderen Stücke, ca zehn, seit etwas mehr als 2 Jahren.

Als ich vor mehr als sieben Jahren autodidakt mit dem Spielen begann, warf ich mich voller Freude bald in die Nocturne 9/2 von Chopin und blieb drei Jahre daran, ohne Lehrer.
In der letzten Stunde schlug mir dieser vor, wenn ich wollte, könnte ich jetzt mit der Nocturne 9/2 beginnen.

Auch wenn ich seitdem, bis auf eine kurze Zeit Übens im stillen Kämmerlein vor zwei Jahren, nicht das Bedürfnis hatte, diese Nocturne zu spielen, freue ich mich sehr, seit einigen Tagen wieder dabei zu sein und zu merken, dass ich anders herangehe, als vor noch nicht allzu langer Zeit :)

Liebe Grüße

Stanzi
 
 

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