Erfahrung mit alten Klavieren

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Octagon12

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Moin,

ich hab mir mal die Frage gestellt, ob ich mir mal ein altes Klavier kaufen soll.
Zur Zeit spiel ich ein Digi von Yamaha (hat ca.800€ gekostet).
Muss aber ehrlich sagen, dass Digitalpianos einfach nicht mein Ding sind weil sie halt einfach nicht "echt" sind, also dass feeling is sozusagen nicht da. In meiner Musikschule spiele ich schon auf nen etwas älteren Flügel und darauf macht es einfach viel mehr Spass, obwohl der Flügel auch schon älter ist. ich persönlich finde es bei älteren Modellen sehr schön, dass sie so viel Geschichte in sich tragen, was ich relativ interessant finde.
Und nun wollt ich fragen, wie die Erfahrungen (oder Thesen was weiß ich :D) ihr mit solchen Klavieren oder Flügeln habt.
Noch so zum Kaufpreis: Sollte so um 1000€ liegen
 
Drahtkommode

Drahtkommode

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Hallo Octagon, ein weites Feld.
Was ist für dich alt? Gebraucht oder Vorkriegsware?
Für 1000 Euro lässt sich mit etwas Glück und Geduld ne Menge machen. Allerdings muss man viel rumlaufen, angucken, ausprobieren. Aus welcher Gegend bist du?
 
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Octagon12

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Also alt sehe ich schon als Vorkriegsware an.
Zu Frage 2: Komm aus der Gegend von Mannheim
 
Barratt

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Und nun wollt ich fragen, wie die Erfahrungen (oder Thesen was weiß ich :D) ihr mit solchen Klavieren oder Flügeln habt.
Noch so zum Kaufpreis: Sollte so um 1000€ liegen
Erfahrungen: Die Grundsubstanz muss gut sein. Dann muss man noch einiges investieren (die Verschleißteile sind bei den niedrigpreisigen Angeboten oft abgenudelt) und einen guten Klavierbauer an der Hand haben. Dies vorausgesetzt, kann man für einen kleinen Kaufpreis ein hervorragendes Instrument erwerben.

Ist man sich dessen bewusst, sollte man nicht zögern, eine alte Kiste zu revitalisieren. Wenn man so gar keine Ahnung hat, sollte man auch das Geld dranhängen, das Instrument vor dem Kauf von einem Fachmann checken zu lassen: Ob der Bereich um den Stimmstock in Ordnung ist und vor allem, ob die Platte keinen Riss hat. Ein Schaden am Stimmstock ist nur mit großem Aufwand, ein Bruch der Platte oft gar nicht zu beheben.

These 1: Da draußen stehen noch viele alte Träumchen herum, die teilweise schon zwei Weltkriege überstanden haben.
These 2: Da draußen schwirren Vertreter einer Zunft herum, man nennt sie Klavierbauer :super:, die das Können besitzen, auch hochbetagte Instrumente zu ertüchtigen. Deine Musikschule kann Dir vielleicht jemanden empfehlen, der was drauf hat. :-)
 
agraffentoni

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:super: Für Kracher bin ich immer zu haben...:lol::lol:
 
Rheinkultur

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...die Erfahrungen (oder Thesen was weiß ich :D) (...) mit solchen Klavieren oder Flügeln...
Aufgrund von Erfahrungen könnte man entsprechende Thesen formulieren.

Mit dem Formulieren ist das so eine Sache, da sich verschiedene Faktoren wechselseitig beeinflussen.
  • Markenname: Gibt es den jeweiligen Hersteller heute noch oder hat er sich viele Jahrzehnte am Markt etablieren können, lässt das erwarten, dass sich Qualität offenbar durchgesetzt hat. Allerdings gab es immer unterschiedliche Preiskategorien und die Wahrscheinlichkeit, dass die Substanz noch in brauchbarem Zustand ist, dürfte bei den einstigen Marktführern höher sein.
  • Erhaltungszustand: Ist das Instrument kontinuierlich fachgerecht und sachgemäß gewartet und bespielt worden an "klimatisch" günstigen Orten, hat man als Folgenutzer mehr Freude daran als an einem jahrzehntelang vor sich hin verrottenden Soda-Piano - das heißt so, weil es einfach nur so da rumsteht...
  • Augen- und vor allem Ohrenschein: Niemals auf Verdacht kaufen und idealerweise in fachkundiger Begleitung vor dem Kauf vorstellig werden, so weit man das Angebot nicht selbst auf Herz und Nieren zu prüfen imstande ist.
  • Von einem höheren Bedarf hinsichtlich der Wartung älterer Instrumente ausgehen (Ersatzteil-Beschaffung).
Auf jeden Fall kommt es auf den jeweiligen Einzelfall an. Manches Privatangebot mag günstiger sein, weil daran kein Zwischenhändler verdienen kann. Dafür kann sich ein Defizit auf der fachmännischen Ebene im nachhinein negativ auswirken (plus fehlende Gewährleistung). Bei einem Budget von 1.000 € muss man schon sehr sorgfältig nach Angeboten mit akzeptablem Preis-Leistungs-Verhältnis suchen und den günstigen Anschaffungspreis oftmals durch höhere Folgekosten relativiert sehen.

Sehr allgemeine und wenig konkrete Ausführungen meinerseits? Stimmt. Es liegt aber in der Natur der Sache selbst, dass eine Präzisierung nur bei Vorlage eines bestimmten Angebots möglich ist. Aussagekräftige Rückmeldungen bekommt der Ersteller dieses Fadens vermutlich erst dann, wenn er hier eine konkrete Option vorstellt.

LG von Rheinkultur
 
Barratt

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Herrlicher Katalogtext:

Mit den russischen Klavieren verhält es sich wohl ähnlich, wie mit russischen Autos:

Die funktionieren immer irgendwie, in der Sahara genauso wie am Nordpol und auch dann noch, wenn ein modernes westliches Auto längst versagt. Dennoch sind weder Technik, Material noch Komfort mit deutschen Produkten vergleichbar, der Einsatz erfordert “Kompromissbereitschaft”

Hier haben wir so einen Kandidaten: [...] Ideal für die ersten Jahre des Klavierspiels: Wer darauf das Klavierspielen nicht erlernt, der erlernt es auf einem neuen Steingraeber auch nicht.
:super::lol::super:
 
Klavierretter

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Ich bin ja bekennender Freund von "alten" Instrumenten... aber Deine Preisvorstellung von 1000€ ist m.E. fast das absolute Minimum, wenn Du ein vernünftig klingendes und vor allem gut spielbares Instrument suchst.

Realistisch in dieser Preiskategorie sind gute "Nussbaumschätzchen" von renommierten deutschen Herstellern. Diese Klaviere sind in einem ordentlichen Grundzustand für kleines Geld zu haben... und wenn sich dann ein Klavierbauer mal einen halben oder ganzen Tag damit beschäftigt (Reinigen, regulieren, stimmen, intonieren, evtl. Hämmer abziehen), dann hat hat man ein tolles Instrument, mit dem man die nächsten Jahrzehnte Spaß haben kann... vorausgesetzt, man kann sich mit Nussbaum o.ä. arrangieren.

Ist das Klavier älter und auch noch Schelllack schwarz, wird es schwieriger... zum Einen ist u.U. noch viel mehr zu machen (unbedingt VORHER einen Fachmann schauen lassen) und zum anderen verkauft sich schwarz einfach besser und die Preise sind aus dem Grund schon höher.
Dazu kommt, dass viele dieser ganz alten Klaviere schon mal "restauriert" worden sind... und man findet oft zwar wunderschöne aber absolut gruselig klingende Instrumente, bei denen die alten Hammerköpfe durch chinesische Leimbomben ersetzt worden sind.

Dann lieber ein "unverbasteltes" Instrument nehmen und einen Klavierbauer Deines Vertrauens mit ins Boot holen... und immer VOR einem Kauf das Instrument fachlich begutachten lassen... 250 kg Sperrmüll sind schwierig loszuwerden ;)

LG Georg
 
Rheinkultur

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Noch mehr Texte von der Sorte, dann könnte man in Anlehnung an einen anderen Faden ein neues Thema eröffnen: "Sch... zu Gold machen? Schlechte Instrumente mit tollen Texten überteuert an die Frau und/oder an den Mann bringen".

Im Gegensatz zum Vorbild geht es nämlich nicht darum, mit viel Herzblut als wenig rentabel eingeschätzte Instrumente zu neuem Leben zu erwecken. Hat eher etwas von jenen reißerischen Werbeprospekten, mit denen Reiseveranstalter auf Kundenfang gehen und immer wieder Abnehmer finden, die den Unterschied zwischen "Meerseite" und "Meerblick" nicht kennen.

Vielleicht wirklich mal ein Denkanstoß (diesmal aber ein wichtiger) für die Eröffnung eines neuen Fadens? Dick auftragen kann man nämlich immer dann, wenn man auf der Gegenseite von der Materie wenig Ahnung hat, wofür man womöglich sein Geld so ausgibt.

Vielleicht kann man diesen Liedtext von der Nahrungsmittelbranche auf den Handel von Musikinstrumenten umstricken?:


LG von Rheinkultur
 

Rheinkultur

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Wichtige Einschränkung: Es geht nicht darum, bestimmte Anbieter zu diffamieren, sondern diverse Formulierungen auf ihren Inhalt zu untersuchen und zu erkennen, wo sich Unterschiede zwischen Präsentation und Inhalt ergeben. Wenn Billigprodukte als solche beworben werden, ist nicht unbedingt etwas dagegen einzuwenden. Das ist aber dann der Fall, wenn unterdurchschnittliche Qualität mit irgendwelchen Worthülsen in fragwürdiger Weise zu etwas verbal aufgewertet wird, was gar nicht der Realität entspricht.

LG von Rheinkultur
 
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Noch mehr Texte von der Sorte, dann könnte man in Anlehnung an einen anderen Faden ein neues Thema eröffnen: "Sch... zu Gold machen? Schlechte Instrumente mit tollen Texten überteuert an die Frau und/oder an den Mann bringen".

Im Gegensatz zum Vorbild geht es nämlich nicht darum, mit viel Herzblut als wenig rentabel eingeschätzte Instrumente zu neuem Leben zu erwecken. Hat eher etwas von jenen reißerischen Werbeprospekten...

...wenn unterdurchschnittliche Qualität mit irgendwelchen Worthülsen in fragwürdiger Weise zu etwas verbal aufgewertet wird, was gar nicht der Realität entspricht.
haste den Text wirklich gelesen? auf der Homepage in voller länge?
nicht kapiert?
Warum überteuert?:konfus:
 
Henry

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Ich bin ja bekennender Freund von "alten" Instrumenten... aber Deine Preisvorstellung von 1000€ ist m.E. fast das absolute Minimum, wenn Du ein vernünftig klingendes und vor allem gut spielbares Instrument suchst.
So ganz unter uns Pastorentöchterchen weißt Du selbst das es möglch ist, sofern man auch einen Klavierbauer zur Begutachtung beauftragt. Ich habe beispielsweise mal einen Jugendstieler in Augenschein genommen der für 300 € angeboten wurde. Da mußt wirklich ned vel gemacht werden.

LG
Henry
 
Klavierretter

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So ganz unter uns Pastorentöchterchen weißt Du selbst das es möglch ist, sofern man auch einen Klavierbauer zur Begutachtung beauftragt. Ich habe beispielsweise mal einen Jugendstieler in Augenschein genommen der für 300 € angeboten wurde. Da mußt wirklich ned vel gemacht werden.

LG
Henry
Klar... Ausnahmen bestätigen - wie immer - die Regel...
aber... nehmen wir mal Dein Beispiel:
300€ das Klavier... mindestens 150€ für den Transport... ordentliche Stimmung 100-150€ je nach Verstimmungsgrad, vielleicht nochmal 100-150 fürs Regulieren... macht zusammen schon 6-700€... da ist es nicht mehr weit zu den 1000... müssen die Köpfe noch abgezogen werden und/oder brauchst noch einen Hocker... dann wärst Du schon da...

LG Georg



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bamse

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Meine Erahrung: ein bisschen mehr als 1.000,00 Euro soll das Instrument schon kosten, wenn du was halbwegs spielbares haben möchtest. Ich habe vor einigen Jahren ein Ed. Seiler gekauft aus den 1930-er Jahren. Habe inzwischen einiges machen lassen, u.a. neue Bassdämpfer, aber bin immer noch bei weniger als 5.000,00 Euro. Und sehr glücklich mit meinem Instrument.
Ich hatte damals mehrere Instrumente in der engere Auswahl, habe dann einen Klavierbauer losgeschickt. Von einem Instrument hat er abgeraten, da Renovierung mit eher weniger hochwertige Materialien. Habe mich dann für das Seiler entschieden und bis heute nicht bereut.
Also ja, mit einem alten Instrument kann man durchaus sehr glücklich werden.
 
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Octagon12

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Erstmal danke für die vielen Antworten ^^
@agraffentoni Nah ich glaub n Ostblockkracher wär nix für mich XD

Ich hätte noch eine Frage, zum Thema Begutachtung: Wie viel würde so eine Begutachtung kosten?
Falls ich mir n Klavier von bspw. Ebay kaufe.
 
Rheinkultur

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Also ja, mit einem alten Instrument kann man durchaus sehr glücklich werden.
Je nach der bevorzugten Literatur und Stilistik nicht unwahrscheinlich. Wer spätromantische Werke aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts spielt und ein gutes Instrument aus genau dieser Zeit dazu nutzen kann, erhält eine klangliche Qualität, die sich am Optimum des zur Entstehungszeit Erreichbaren orientieren kann. Manches wäre auf Instrumenten der Gegenwart so kaum mehr denkbar.

Vor längerer Zeit hat ein Saxophonquartett eine meiner Kompositionen auf CD aufgenommen, das ganz bewusst historische Instrumente aus den 1920er-Jahren nutzte. Das Ergebnis waren klangliche Feinheiten und faszinierende Farben, die auf Modellen der Gegenwart kaum mehr realisierbar sind. Eine großartige Erfahrung, die ich wohl nie wieder vergessen werde.

Wie viel würde so eine Begutachtung kosten?
Schwer zu sagen, zumal solche Aspekte wie die aufzuwendende Zeit und der Anfahrtsweg zum Standort des Instruments unterschiedlich ausfallen können. Gut möglich wäre aber, dass sich Gestaltungsmöglichkeiten ergeben, wenn man dem begutachtenden Betrieb etwaige Folgeaufträge in Aussicht stellen kann, indem man ihm die mit dem Erwerb anfallenden Wartungsarbeiten überträgt, um das Instrument wieder in ordentlicher Qualität nutzen zu können. Solche Kontaktpersonen stellen dann nicht nur den derzeitigen Erhaltungszustand fest, sondern diagnostizieren auch, was alles an Folgearbeiten so anfallen wird.

LG von Rheinkultur
 
 

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