Die Sonaten von Alexander Skrjabin

Dieses Thema im Forum "Werke, Komponisten, Musiker" wurde erstellt von Troubadix, 18. März 2013.

  1. Troubadix
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    Troubadix Dorfpolizist Moderator

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    Hier noch zum Vergleich eine schöne Aufnahme von Pogorelich.

    Pogorelich: Skrjabin - Sonate Nr.2 1.Satz Teil 1; Teil 2; 2.Satz

    Viele Grüße!
     
  2. Dreiklang
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    Dreiklang

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    Lieber Troubadix,

    kennst Du das hier schon:

    [video=youtube;sQS8Fav1I48]http://www.youtube.com/watch?v=sQS8Fav1I48[/video]

    ich habe diesen Faden hier nicht so intensiv verfolgt, aber das gefällt mir, was und wie es gespielt wird ;)

    Schönen Gruß
    Dreiklang


    (und viel Spaß beim Hören ;) )
     
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 8. Mai 2013
  3. Troubadix
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    Troubadix Dorfpolizist Moderator

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    Das ist gut gespielt, auch wenn sie was Interpretation und Klangfarben betrifft, meiner Meinung nach mit Ashkenazy nicht ganz mithalten kann, zum Beispiel die letzten Takte der Durchführung und die ersten der Reprise gefallen mir gestalterisch gar nicht. Ihr Tempo sagt mir stellenweise nicht zu, gerade am Anfang könnte sie sich etwas mehr Zeit nehmen, aber das ist wohl Geschmackssache. Sehr gut hat mit die Überleitungspassage zum Seitenthema gefallen. Wie findest du sie denn im Vergleich mit Ashkenazy?

    Freut mich auf jeden Fall, dass dir das Stück gefällt. Wenn du hier im Faden dabei bleibst, mach ich vielleicht noch einen Skrjabin-Fan aus dir. ;)
     
  4. Dreiklang
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    Dreiklang

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    Ashkenazy's Interpretation "zündet" bei mir nicht, auch Pogorelich nicht. Aber Liu hat mich von ersten bis zum letzten Ton schon beim ersten Durchhören fasziniert, ohne daß ich das Stück überhaupt kannte. Das geht mir manchmal so.

    So etwas steht und fällt bei mir immer mit den zur Verfügung stehenden Aufnahmen. Wenn mir ein Interpret Musik vermitteln kann, die mir gefällt, dann gefällt mir letztlich auch der Komponist. Liu ist schon mal ein Anfang ;) Ich befürchte allerdings auch, unsere Vorlieben sind generell etwas unterschiedlich. Schauen wir mal, dann sehen wir schon - wie Kaiser Franz zu sagen pflegt(e) ;) Ich werde mal Deine Fäden nach Aufnahmen filzen und durchhören.

    Schönen Gruß
    Dreiklang
     
  5. Troubadix
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    Troubadix Dorfpolizist Moderator

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    Klavierkonzert op.20 in fis-Moll & Fantasie in h-Moll op.28

    Bevor ich zur dritten Sonate komme, möchte ich der Vollständigkeit halber zwei Werke in aller Kürze erwähnen, die zwischen der zweiten und dritten Sonate entstanden und für die Entwicklung Skrjabins nicht ganz unbedeutend sind, auch wenn er zu beiden Werken ein schwieriges Verhältnis hatte.

    Das Klavierkonzert entstand zwischen 1896 und 1897, also etwa zeitgleich mit dem zweiten Satz der zweiten Sonate und blieb sein einziges Klavierkonzert. Gleichzeitig ist es seine erste abgeschlossene und erhaltene Orchesterkomposition. So konnte Skrjabin endlich für Orchester komponieren und dennoch Beljajew mit dem Klavier im Mittelpunkt der Komposition zufriedenstellen. Es ist sicher richtig, dass die Orchestrierung durch Chopin beeinflusst wurde, die Rolle des Orchesters hat bei Skrjabin aber deutlich mehr Gewicht.

    Der erste Satz wird durch das Horn mit der Tonfolge e-d-cis eröffnet. Ähnlich wie bei der ersten Sonate spielt diese Keimzellen eine wichtige Rolle für das Klavierkonzert. Nach wenigen Takten steigt das Klavier mit derselben Tonfolge ein, alles sehr ruhig und lyrisch (espressivo). Das Orchester stellt das Thema nun komplett vor und wird vom Klavier begleitet, alles schwingt sich zum Forte auf. Das Seitenthema ist mit „Scherzando“ überschrieben, ein leichtes, fröhliches Thema, das durch das Klavier unisono vorgetragen wird. Im weiteren Verlauf folgt der erste Satz streng der Sonatenhauptsatzform. Es gibt keine Solokadenz, überhaupt kommt eine Kadenz, die auch als solche tituliert wird, bei Skrjabin nur ein einziges Mal vor, im Allegro appassionato op.4.

    Der zweite Satz ist ein Andante-Variationensatz mit fünf Variationen über ein liedhaftes Thema, das vom Orchester vorgetragen wird und in Fis-Dur steht. Das Klavier steigt mit Girlanden in der rechten Hand in der ersten Variation eher begleitend ein, während die Melodie von einer Klarinette, später gestützt von Oboe und Fagott, gespielt wird. Die zweite Variation, Allegro scherzando, ändert dann den Charakter des Stückes und rückt das Klavier in den Mittelpunkt. Als starker Kontrast dazu bildet die dritte Variation einen düsteren Trauermarsch mit schweren Oktaven im Bass und nur wenig Beteiligung des Orchesters, das nur gelegentlich „kommentiert“. Im heiteren Allegretto der vierten Variation übernehmen die Streicher zunächst die Melodieführung, durch munteres Laufwerk des Klaviers begleitet, dass dann aber schnell das komplette Geschehen an sich reißt. Die fünfte Variation ist dann lediglich eine verkürzte Form der zweiten Variation. Der dritte Satz ist ein Rondo, bei dem der Pianist einiges zu tun hat. Besonders die linke Hand ist sehr weitgriffig angelegt, was bekanntlich typisch für Skrjabin ist. Skrjabin möchte im Hauptthema des Klaviers „Jede Note sehr markiert, wie eine Trompete“ gespielt haben. In der Coda wird schließlich wieder das Hauptthema des ersten Satzes aufgegriffen.

    Die Anforderungen an den Pianisten sind sehr hoch, auch wenn man das dem Werk gar nicht anhört, beim Blick in die Noten wird das aber schnell deutlich (besonders im zweiten und noch mehr im dritten Satz), was sicherlich etwas Undankbares an sich hat. Vielleicht ist das mit ein Grund dafür, warum dieses traumhaft schöne Konzert relativ selten aufgeführt wird. Um es mal deutlich zu sagen: Ein übliches Laien-Publikum in einem Konzertsaal wird man mit einem Rachmaninoff-Konzert immer mehr begeistern können, als mit dem Skrjabin-Konzert… leider.

    Skrjabins Verhältnis zu diesem Konzert war sehr gespalten. Er verstand es als Jugendwerk und dem stand er generell kritisch gegenüber. Dennoch ließ er sich überreden, es auf einer Wolga-Konzertkreuzfahrt 1910 zehnmal zu spielen, auch wenn er zum Anfang nicht mit einem Jugendwerk dort auftreten wollte. Die Uraufführung 1897 spielte er ebenfalls selbst. Der größte Kritiker dieses Konzertes war Rimski-Korsakow, der gleichzeitig Beljajews Berater war. Er empfand die Orchestrierung als katastrophal schlecht und schlug Beljajew sogar vor, das Konzert von jemand anderem noch mal neu orchestrieren zu lassen. Später änderte sich seine Einstellung zu diesem Konzert und er führte es selber häufig auf.
    Meine Lieblingseinspielung des Konzertes hat Michael Ponti eingespielt, die auf YT leider nur in schlechter Qualität vorhanden ist. Diese hier von Ashkenazy finde ich auch sehr schön.

    Ashkenazy: Skrjabin - Klavierkonzert op.28 in fis-Moll

    Nicht weniger problematisch war sein Verhältnis zu seiner h-Moll Fantasie op.28. Einer Anekdote zufolge konnte er sich später nicht mehr an das Stück erinnern, als es ihm vorgespielt wurde, er konnte sich nicht einmal mehr daran erinnern, jemals eine Fantasie komponiert zu haben. Er spielte das Stück nie im Konzert. Manche haben behauptet, Skrjabins Fähigkeiten als Pianist hätten nicht ausgereicht, um diesem Stück gerecht zu werden, wenn man sich aber anschaut, was der sonst so gespielt hat, kann man das kaum glauben. Tatsächlich ist es wahrscheinlicher, dass er die ganze Entstehungszeit einfach verdrängen wollte. Während seiner Zeit als Professor am Moskauer Konservatorium, blieb dies seine einzige größere Komposition für Klavier. Tatsächlich handelt es sich um ein exorbitant schwieriges und brillantes Werk. Es wurde zwischen 1900 und 1901 komponiert und enthält eine Fülle von kontrastierenden Themen. Das Hauptthema des Stückes wird durch Oktaven in schnellen Gegenbewegungen geführt, zunächst in mittlerer Lage, entfaltet sich aber dann in die Extrembereiche der Klaviatur. Bereits nach vier Takten umfasst die Spannweite vier Oktaven. Die Klangschichtungen, die ich bereits bei der zweiten Sonate angesprochen habe, werden nun bis an die Grenzen des Spielbaren oder besser des Darstellbaren ausgebaut, Skrjabin kann sie oft nur durch Vorschläge realisieren.

    Klangschichten und Vorschläge op.28.JPG

    In Takt 30 lässt ein zartes Seitenthema dem Pianisten kurz Zeit zum Durchatmen, aber auch dieses Thema wird im weiteren Verlauf in einen vollgriffigen Satz gebracht und erhält erst zum Schluss seinen zarten Charakter wieder. Warum wollte er die Entstehungszeit nun verdrängen? Zum einen war die Zeit am Konservatorium nicht gerade seinen glücklichste, zum anderen entfernte er sich in dieser Zeit zunehmend von Beljajew. Skrjabin legte ihm die in dieser Zeit entstandene erste Sinfonie mit Chor-Finale vor und erzählte ihm von seinem Konzept der zweiten Sinfonie, bei dem ein Chor von Anfang an mitmischen sollte. Beljajew stellte belustigt fest, dass Skrjabin mit einer neunten Sinfonie begonnen hat und nun seine zehnte plane (in Anlehnung an Beethoven… eh kloar ;)). Skrjabin hat das tief getroffen, auch wollte er nun endlich für Orchester frei komponieren dürfen und sich nicht auf orchestrale Effekte im Klaviersatz beschränken, wie dies bei der Fantasie der Fall ist. Mit Beljajew wäre das schwierig geworden und wir können froh sein, dass Skrjabin diesen Weg gegangen ist. So schrieb Prokofiev 1910 in der Widmung seines Werkes „Sny“ (Träume): „Dem Komponisten, der mit Rêverie begann…“ und Rêverie (Träumerei) war Skrjabins erstes, erhaltenes Werk allein für Orchester.* Dennoch war die Trennung für Skrjabin nicht einfach, da Beljajew wie gesagt so etwas wie eine Vaterfigur für ihn war, die er sonst nie wirklich hatte, deshalb wohl die Verdrängung dieser Komposition. Kann man diese Fantasie auch als einsätzige Sonate bezeichnen? Im Sinne Skrjabins: Nein! Es handelt sich um einen Sonatensatz ohne Durchführung, wenn man so will ein Kopfsatz einer Sonate, bei dem die anderen Sätze fehlen. Skrjabins einsätzige Sonaten sind anders aufgebaut, als diese Fantasie. Sehr schade ist, dass diese Fantasie nur selten heute zu hören ist. Hier ist eine Interpretation von Berman.

    Berman: Skrjabin Fantasie in h-Moll op.28

    Hier sind die Noten.

    Viele Grüße!

    *Weil es zuvor in diesem Faden erwähnt wurde… Es ist nicht geklärt, ob Prokofiev generell von Skrjabin abgelehnt wurde. Gerne werden beide als Antipoden dargestellt. Prokofievs „Skytische Suite“ wurde von einem Komitee des Verlegers Kussewitzki abgelehnt. Zu diesem Komitee gehörte neben Skrjabin auch u.a. Rachmaninoff und Medtner, die Prokofievs Suite als „Unmusik“ abwerteten. Wie genau Skrjabins Beitrag dazu war, ist meines Wissens nicht ganz geklärt, das gilt auch für das Urteil über Strawinskis Petruschka. Fakt ist, dass Prokofiev ein großer Verehrer Skrjabins war und sich zum Beispiel bei der Suggestion diabolique, neben Liszts Mephisto-Walzer auch von Skrjabins Poèm satanique stark beeinflussen ließ.
     
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 19. Mai 2013
  6. rolf
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    rolf

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    Keltenbarde,
    ein super Beitrag! Jepp, die Aufnahme mit Ponti ist wunderschön, zumal man die Akkordrepetitionen am apotheotischen Durschluß bei ihm tatsächlich deutlich hört!

    aber das hier
    ist bissle... einige lernten allerlei bei Chopin, aber ganz gewiß nicht das orchestrieren (denn das war auch, um es freundlich auszudrücken, nicht eben Chopins Domäne) -- die Orchesterbehandlung des fis-Moll Konzerts, mit welchem Skrjabin als Pianist durch ganz Russland reiste (!), ist schon ausgereift und muss sich nicht hinter der ersten Sinfonie verstecken. Obendrein, da das Konzert weniger solistisch als sinfonisch orientiert ist, ist eher an Schumann als Vorbild zu denken. Neckisch irgendwie: die Folge leidenschaftlicher Kopfsatz, Variationensatz, virtuoses Finale wird sich inRachmaninovs drittem Konzert wiederfinden.

    und ja: das Konzert ist katastrophal schwierig, bösartig weitgriffig - die spieltechnischen Probleme der f-Moll Sonate werden da gesteigert.
     
  7. Troubadix
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    Troubadix Dorfpolizist Moderator

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    Sprich es ruhig aus! :)

    Sigfried Schibli schreibt dazu:

    "Rimski-Korsakow, der - als Berater Beljajews - das Manuskript als erster in die Finger bekommen hatte, fand nichts als vernichtend kritische Worte über Skrjabins Instrumentation, die weniger an die Konzerte Liszts, Tschaikowski, Rimski oder Rachmaninow erinnert denn an diejenigen Chopins. [...] Anders als in den Klavierkonzerten von Beethoven oder Brahms ist der sinfonische Anteil musikalisch gering gegenüber demjenigen des Soloinstruments; und anders als in den Klavierkonzerten Liszts (Skrjabin schätzte vor allem das erste in Es-Dur) ist die thematische Substanz sowohl leicht überschaubar als auch in Gestalt und Ausdruck fixiert, ohne einem Transformationsprozeß unterworfen zu werden."

    Der Orchesterpart war für Skrjabin sehr viel zeitaufwändiger, als der Klavierpart. Nachdem der Orchesterpart anfangs kritisiert wurde, wurde er später sogar sehr gelobt. Ob seine Orchestrierung eher durch Schumann oder Chopin, die er beide sehr verehrte beeinflusst wurde... da muss ich gestehen sind meine Kenntnisse über Orchestrierung nicht ausreichend, um fundiert mitzureden. Ich vertraue da ganz deiner Expertise und danke für den Einspruch, den ich als Anreiz nehmen werde, mich mehr mit dieser Thematik auseinanderzusetzen.

    Noch etwas interessantes zum Konzert: Skrjabin berührt zum Anfang die Tonika fis-Moll kaum. Stattdessen beginnt das Konzert auf der Subdominate und bleibt auf dem Dominantseptakkord stehen. Solches Vermeiden der Tonika findet sich öfter bei Skrjabin, so zum Beispiel bei seinem Prelude op.13 Nr.1.

    Viele Grüße!
     
  8. rolf
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    rolf

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    ...Skrjabin kannte die Musik von Tschaikowski und Wagner, und kannte deren Orchesterbehandlung... mach doch mal folgendes: vergleiche die weitgespannten Kantilenen jeweils im ersten Satz von Skrjabins einzigem und Rachmaninovs zweitem Klavierkonzert hinsichtlich Klangfülle, Klangfarbenmischung etc. im Orchesterklang - du wirst staunen, wie ähnlich die sind :):)
     
  9. Rheinkultur
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    Rheinkultur

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    Chopin ist der Orchesterapparat trotz absolvierter Instrumentationsstudien bei Elsner offensichtlich zeitlebens fremd geblieben: klassik.com : Magazin : 100 Meisterwerke : Klavierkonzert Nr.1 op.11 von Frédéric Chopin

    In diesem Punkt sollte man in der Tat von einem Vergleich Chopins mit Skrjabin absehen...!

    LG von Rheinkultur
     
  10. Dreiklang
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    Dreiklang

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    So wurde also vor 200 Jahren das Lampenfieber beschrieben ;)

    Nun, ich hoffe, das von Dir, Rheinkultur, erwähnte, stellt keine Abwertung dieses wunderschönen Klavier-Konzertes dar, an dem es m.E. nichts auszusetzen gibt:

    Daniil Trifonov with the Israel Philharmonic Orchestra: Chopin, Concerto no. 1 in E minor, op. 11 - YouTube
     
  11. Troubadix
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    Troubadix Dorfpolizist Moderator

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    In der Tat! Was mir aufgefallen ist: Bei Skrjabin haben die Bläser eine größere Bedeutung, als bei Rachmaninow, bei dem die Streicher sehr dominant sind. Besonders ab der Durchführung treten Streicher und Bläser bei Skrjabin eher gleichberechtigt sogar in Dialog miteinander.

    Richtig! Kommt nicht wieder vor. :)

    Dennoch lebt dieses Konzert eindeutig, um nicht zu sagen ausschließlich, vom Klavierpart. Das Orchester spielt eine äußerst untergeordnete Rolle, darf lediglich begleiten und überleiten und hat weit nicht den sinfonischen Charakter wie bei Brahms, Beethoven oder Schumann.

    Das ist in Ordnung, da das Konzert eben einem anderen Konzept folgt, an dem es auch grundsätzlich nichts auszusetzen gibt und keineswegs ist es abwertend, wenn auf diese alt bekannte Tatsache hingewiesen wird.

    Viele Grüße!
     
  12. rolf
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    rolf

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    völlig richtig!!!

    die beiden Chopinkonzerte sind dem brillanten Konversationsstil verpflichtet, ihre Orientierung sind die Klavierkonzerte von Hummel, Moscheles, Kalkbrenner etc., soweit sie um 1820-30 in Warschau bekannt waren - und innerhalb dieser Art von Klavierkonzerten sind sie musikalisch wie pianistisch wohl die Spitze.

    nebenbei: beide Chopinschen Klavierkonzerte werden fast ausschließlich bzgl. des Orchesters als Bearbeitungen gespielt, d.h. die Orchestrierung wird aufgebessert (zumal Chopin selber sie gar nicht komplett orchestriert hatte) -- das wäre doch mal eine dankenswerte Aufgabe für Originalklangfetischisten: die beiden Konzerte mit ihrem ursprünglichen (dünneren) Orchester zu bringen... ;):)

    bzgl. Skrjabin:
    das Klavierkonzert ist nicht seine erste Auseinandersetzung mit dem sinfonischen Orchesterapparat: 1892 arbeitete er an einem Rondo für Orchester sowie an einer Suite für Streichorchester, 1896 parallel zum Klavierkonzert an einem sinfonischen Poem in d-Moll -- und anders als Chopin 1828-30 in Warschau kannte der Kompositions- und Klavierstudent Skrjabin in den 90er Jahren des 19. Jhs. eine Menge an romantischen und spätromantischen Orchesterkompositionen
     
  13. Dreiklang
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    Dreiklang

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    Genau das hatte ich mich gefragt gehabt - nun ist es klar. Ähnlich geht es mir übrigens mit Mozarts Krönungskonzert KV. 537, dem ersten Satz. Wiki schreibt dazu:

    Das mag schon alles richtig sein. Dennoch ist (für mich) der erste Satz zweifellos schönste Konzertmusik, und viele andere von Mozarts Klavierkonzerten erwärmen mich nicht so besonders. Die passende Interpretation dazu:

    Mozart - Piano Concerto No. 26 in D major, K. 537, 'Coronation' (Vladimir Ashkenazy) - YouTube

    Auf einen Nenner gebracht: es kommt wohl auf die charmante, bzw. reizvolle (und originelle) kompositorische Idee an, wie ein Klassikstück wirkt. Weniger auf technisch-formale Kriterien.
     
  14. Troubadix
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    Troubadix Dorfpolizist Moderator

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    Sonate Nr.3 op.23 in fis-Moll

    Die dritte Sonate besteht wieder wie die erste Sonate aus vier Sätzen. Wieder bemüht sich Skrjabin, den Sonatenzyklus zu vereinheitlichen und wieder variiert er seine Vorgehenswese und kommt seinem Ziel etwas näher. Zwar handelt es sich um vier Satze in der typisch, romantischen Reihenfolge, die thematische Umklammerung ist aber sehr ausgeprägt. Charakteristisch für diese Sonate ist der Quartsprung. Der erste und der vierte Satz beginnen sogar mit demselben Sprung (cis-fis). Die Themen des ersten bis dritten Satzes sowie das zweite Thema des Schlusssatzes sind auftaktig. Auch besteht so ziemlich jeder thematische Gedanke dieser Sonate aus derselben, diesmal rhythmischen „Urzelle“ und die sieht so aus…

    Rhythmische Urzelle.JPG

    Hier ein paar Beispiele aus den einzelnen Sätzen.

    Rhythmische Urzelle in den Sätzen.JPG

    Den wirklich entscheiden Schritt in Richtung Einsätzigkeit, setzt Skrjabin aber hier durch die enge Verbindung des dritten und vierten Satzes. Diese sind durch einen selbstständigen Überleitungsteil, der auf dem Kopfthema der Sonate basiert miteinander verbunden bzw. gehen sie so ineinander über. Ansonsten ist die Verbindung von drittem und viertem Satz eher abstrakt, was sich dann in der vierten Sonate entscheidend ändern wird.

    Wie sieht nun diese abstrakte Verbindung aus? Den vierten Satz der dritten Sonate kann man in gleich große Abschnitte zu jeweils 58 Takten unterteilen mit Ausnahme des letzten, etwas größeren Abschnittes. Der dritte Satz, das Andante der Sonate, besteht ebenfalls genau aus 58 Takten. Dabei entsprechen die ersten 58 Takte des vierten Satzes den 58 Takten des Andante-Satzes und beide Abschnitte enden mit dem gleichen Motiv als Abschluss. Diese Formproportionalität ist typisch für Skrjabin und beschäftigte ihn in vielen seiner Werke, teilweise sogar ziemlich verbissen, wie etwa bei der 7. Sonate.

    Skrjabin benutzt in der dritten Sonate noch ein weiteres Mittel, um die Sätze zu verbinden. Er verbindet die Sätze über Kreuz durch Zitate. So hört man am Ende des Andantes plötzlich das erste Thema des Kopfsatzes (ähnlich wie bei Beethovens op.101), aus dem sich immer schneller werdend der Rhythmus des Finales aufbaut. Wie bereits erwähnt gab es so was ähnliches schon bei Beethoven, aber damit nicht genug. Am Ende des vierten Satzes ertönt auf einmal feierlich „maestoso“ das Thema des Andantes in choralhafter Melodie erneut.

    Dann gibt es noch mehrere, kleine Verbindungen, die einem beim Hören kaum auffallen. Das Hauptthema in fis-Moll des vierten Satzes besteht aus einer chromatisch fallenden Quart (fis-eis-e-dis-d-cis). Dieses Thema hat bereits eine Vorstufe im ersten Satz, hier in einem Überleitungsgedanken mit „poco scherzando“ überschrieben in den tiefsten Tönen der Begleitung in A-dur (a-gis-g-fis-f-e).

    Ein weiteres Merkmal dieser Sonate ist die ausgiebig verwendete Kontrapunktik, die die gesamte Sonate durchzieht. Bereits zu Beginn der Durchführung des ersten Satzes werden das erste Thema (Unterstimme) und das Seitenthema (Oberstimme) miteinander verflochten. Ein Kontrapunkt ist auch als Begleiter des Seitenthemas eingewoben. In der Durchführung des vierten Satzes erklingt das Hauptthema zunächst in der Umkehrung (absteigendes Quartintervall mit chromatisch aufsteigenden Tönen). Dieses Thema wird dann mit sich selbst kontrapunktiert in einer immer dichter werdenden Engführung und am Ende durch ein aus der Exposition übernommenes auf- und abwärtsschreitendes Motiv unterbrochen. Dem Schwager Skrjabins und Musikwissenschaftler Boris de Schloezer zufolge, schafft Skrjabin mit dieser Sonate den Durchbruch zur psychologischen Sonate (was eigentlich eher mit seinen späteren Sonaten in Verbindung gebracht wird), einer dramatischen Form des musikalischen Ausdrucks, die auf einem Handlungsdrama mit verschiedenen Peripetien beruht, zur sieghaften Bestätigung eines Subjekts mit freiem Willen.

    Tatsächlich wurde (wahrscheinlich von seiner zweiten Frau Tatjana) ein verbales Programm zu dieser Sonate ca. sechs Jahr nach der Entstehung hinzugefügt. Der Text wurde von Skrjabin autorisiert.

    Hier die deutsche Übersetzung:

    a) Die freie, ungezähmte Seele stürzt sich mit Leidenschaft in Schmerz und Kampf

    b) Die Seele hat eine Art momentaner, trügerischer Ruhe gefunden; ermüdet von dem Leiden, will sie vergessen, singen und blühen – trotz alledem. Aber der leichte Rhythmus, die duftendem Harmonien, sind nur ein Schleier, durch welchen die unruhige, wunde Seele hindurchscheint

    c) Die Seele treibt auf einem Meer von sanften Gefühlen und von Melancholie: Liebe, Traurigkeit, unbestimmte Wünsche, undefinierbare Gedanken von zerbrechlichem, schemenhaftem Reiz

    d) Im Aufruhr der entfesselten Elemente kämpft die Seele, wie trunken. Aus den Tiefen des Seins erhebt sich die ungeheure Stimme des Gott-Menschen, dessen Siegesgesang triumphierend widerhallt! Aber noch zu schwach, fällt sie kurz vor Erreichen des Gipfels zermalmt in den Abgrund des Nichts


    Hier muss aber ganz klar gesagt werden, dass es sich nicht um eine Vertonung des Textes handelt, sondern dass der Text lediglich der nachträgliche Versuch war, den musikalischen Eindruck in Worte zu fassen.

    Neben der vierten und siebenten Sonate, gehörte dieses Werk zu Skrjabins absoluten Lieblingswerken. Dementsprechend hat er sie auch sehr oft aufgeführt. Ich kann das nur zu gut verstehen, denn würde man mich zwingen, meine Lieblingssonate Skrjabins zu benennen, so viele meine Wahl wohl auf diese und es ist einer meiner größten Wünsche, diese Sonate einmal spielen zu können. Das hat sie was mich betrifft mit Beethovens op.110 gemeinsam. Leider hat sie damit auch den sehr hohen Schwierigkeitsgrad des Finales gemeinsam… Da schlägt Skrjabins gemeine linke Hand mal wieder mit aller Brutalität zu. :(

    Obwohl es von dieser Sonate viele Aufnahmen gibt kenne ich nur zwei, die mich voll und ganz überzeugen. Diese sind von Margulis und Kissin. Was Kissin mit dem zweiten Satz anstellt, die fantastische Atmosphäre die er dort herstellt, habe ich noch bei keinem anderen gehört.

    Hier Margulis…



    Viele Grüße!
     
    Zuletzt bearbeitet: 17. März 2014
  15. Gomez de Riquet
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    Gomez de Riquet

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    Wieder einmal vielen Dank, lieber Troubadix,

    für Deine Analysen!

    Zwei Ergänzungen: Ich würde noch (mit dem Blick auf Skrjabins Weg
    zur Einsätzigkeit) die Verwandschaft zwischen dem zweiten Thema
    des Kopfsatzes und dem Hauptthema des dritten Satzes hervorheben,
    und (in Hinblick auf die Sprengung gattungsspezifischer Grenzen)
    die Choralapotheose am Schluß (Hauptthema des dritten Satzes wird
    zum imaginären Choral) als ein Ausdrucksmittel der Symphonik hervorheben.

    Eine Frage: Was hältst Du von Glenn Goulds Einspielung? Ich hänge an ihr,
    weil sie für mich der Erstkontakt mit Skrjabins dritter Sonate gewesen ist.

    Herzliche Grüße!

    Gomez

    .
     
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 2. Juli 2013
  16. Troubadix
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    Troubadix Dorfpolizist Moderator

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    Lieber Gomez,

    vielen Dank für die Ergänzungen!

    Es finden sich auch in jedem Satz die typischen Klangschichtungen, die ich bereits in den vorherigen Beiträgen erwähnt habe als orchestraler Effekt. Im zweiten Satz ist auch wieder sehr schön zu sehen, wie Melodie und Begleitung gegeneinander verschoben werden und die Begleitfigur den Takt überlappt…alles ganz typische Sachen für Skrjabin.

    Als ihm die Sonate einmal vorgespielt wurde, sagte Skrjabin schwärmerisch über eine Stelle des zweiten A-Teils des Andantes, in dem das Thema als Daumenstimme in der linken Hand erklingt: „Hier singen die Sterne!“ Der Klaviersatz ist in der linken Hand so gestaltet, dass die Melodie durch die „Spitzen“ des figurativen Begleitmusters entsteht…auch typisch für Skrjabin.

    Begleitmuster mit Melodielinie als Spitzen.JPG

    Was Goulds Einspielung betrifft...die ist sehr gut gespielt, aber ich kann mich mit der Interpretation der ersten beiden Sätze nicht so recht anfreunden. Der erste Satz ist mir persönlich zu langsam und verhalten gespielt, um mich wirklich mitzureißen. Der zweite Satz ist mir irgendwie zu steif im Tempo gespielt. Bei diesem Satz empfehle ich noch mal unbedingt, sich Kissins Aufnahme anzuhören!

    Den dritten Satz spielt er dagegen sehr schön und berührend. Im Presto kann er mich dann wirklich begeistern. Er bringt dort im Bass Linien in einer Deutlichkeit hervor, die ich so noch nie gehört habe. Das gefällt mir sehr gut!

    Sind natürlich alles nur subjektive Eindrücke und spieltechnisch gibt es sowieso nichts auszusetzen.

    Viele Grüße!
     
  17. Troubadix
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    Troubadix Dorfpolizist Moderator

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    Sonate Nr.4 op.30 in Fis-Dur

    Zwischen der dritten und der vierten Sonate liegen fünf für Skrjabin sehr bedeutsame Jahre. Die Ehe zwischen seiner ersten Frau Wera Iwanowna Issakowitsch wurde endgültig gelöst und er erhielt eine Professur am Moskauer Konservatorium, was mit hoher gesellschaftlicher Anerkennung verbunden war. Auch konnte er nun endlich Orchesterwerke komponieren und aufführen, wofür er schon bald international geschätzt wurde. Trotz dieses Erfolges viel er immer wieder in Depressionen und griff zur Flasche. In dieser Zeit schrieb er folgendes Gedicht, das seinen Seelenzustand gut wiedergibt.

    Die wachsenden Kräfte der göttlichen Natur
    Haben meinen Körper schwach und matt gemacht.
    Lass mich vergessen alle Nahrung,
    Schlaf und sogar Getränk,
    Und lass mich alles zurückstellen für die Herrlichkeit der Kunst.

    Auf Skrjabins Künste als Dichter komme ich gleich noch mal zu sprechen. Den Höhepunkt der Depressionen erlebt Skrjabin 1902, was gleichzeitig eines seiner unproduktivsten Jahre überhaupt darstellt. 1903 ändert sich das jedoch schlagartig. Skrjabin schrieb rund dreißig Klavierwerke, darunter viele seiner bekanntesten Werke wie die Poèmes tragique und satanique sowie zwei der am häufigsten gespielten Klavierwerke Skrjabins, die Poèmes op.32, dazu noch viele Preludes, die Etüden op.42 (berühmt daraus sind die Affanato-Etüde op.42 Nr.5) und natürlich…

    …seine vierte Klaviersonte op.30 in Fis-Dur. Der Sonate ist ein Gedicht aus Skrjabins Feder vorangestellt, das gleichzeitig als Programm der Sonate dient.

    In leichtem Schleier, durchsichtigem Nebel
    Strahlt weich ein Stern, weit weg und einsam.
    Wie schön! Das bläuliche Geheimnis
    Seines Glanzes winkt mir zu, wiegt mich ein.
    Bring mich zu dir, ferner Stern!
    Bade mich in deinen zitternden Strahlen, süßes Licht!
    Heftiger Wunsch, wollüstiger, wahnsinniger, süßer,
    Ohne Unterlaß verlange ich nach dir, kein
    Anderes Ziel habe ich, als zu dir zu gelangen.
    Jetzt! Freudig schwinge ich mich zu dir empor,
    Frei nehme ich meine Flügel.
    Toller Tanz, gottgleiches Spiel!
    Berauschendes, glühendes!
    Zu dir, vielbewunderter Stern,
    Führt mich mein Flug.
    Zu dir, frei geschaffen für mich,
    Zu dienen bis zum Ende - mein Freiheitsflug!
    In diesem Spiel, reine Laune,
    Vergesse ich dich für Augenblicke
    Im Strudel, der mich trägt,
    Drehe ich mich in deinen flackernden Strahlen
    Im Wahnsinn des Verlangens,
    Du verblassendes, du fernes Ziel!
    Du ausgedehntester Stern! Jetzt eine Sonne,
    Flammende Sonne! Sonne des Triumphs!
    Ich komme dir näher in meiner Sehnsucht,
    Bade mich in deiner Wellenbewegung - du Freude-Gott!
    Ich sauge dich ein, Lichtmeer, du Licht meiner selbst,
    Ich verschlinge dich!

    Nun ja… Nun weiß man zumindest, warum Skrjabin als Komponist und nicht als Dichter bekannt geworden ist. :) Skrjabin schrieb gerne solche Sachen, war sich aber gleichzeitig bewusst, dass sein literarisches Talent, nicht an sein musikalisches heranreichte. Das ärgerte ihn sein ganzes Leben lang. Zumindest kann man die Gefühlswelt des Gedichtes in der Komposition wiedererkennen. Auch lässt sich die Zweisätzigkeit erkennen mit aufkeimenden Wunschträumen im ersten und stürmisch-raschem Aufflug zum Wunschziel im zweiten Teil. Nach Skrjabins eigenen Worten symbolisieren die ersten sechs Takte des Andantethemas das „Emporstreben zu der idealen Schöpfermacht“, während die sich anschließenden Takte mit der Bezeichnung „con voglia“ (lustvoll) das Motiv der Sehnsucht oder der Erschöpfung nach der Anstrengung darstellt. An anderen Stellen verwendet Skrjabin stattdessen gerne die Anweisung „languide“ mit der Doppeldeutigkeit „sehnsüchtig“ und „matt, entkräftet“.

    Harmonisch geht es gleich zu Beginn ordentlich zur Sache. Die Tonart der Sonate ist Fis-Dur, doch bereits durch die beiden Quartsprünge (zu Beginn noch mit Nebennoten) mit harmoniefremden Tönen zu Beginn gerät die Tonika ordentlich ins Schweben. Nach einem Halbschluss auf der fünften Stufe Cis in Takt 6, schließt das Thema nicht auf Fis, sondern mit einem tonartlich offenen, dissonanten Schluss in Takt 8. Diese Takte werden modifiziert wiederholt und enden schließlich weit entfernt von der Tonika in einem B-Dur-(Ais-Dur-)Akkord. Schaut man sich dissonanten Schluss in Takt 8 genauer an, so findet man den Akkord h-eis-gisis-cisis. Hmm…Hört man diesen Akkord so ähnlich nicht in diesem Jahr ganz besonders häufig? Eine übermäßige Quart, darüber eine große Terz, darüber eine reine Quart… Tatsächlich ein Tristan-Akkord!

    Sonate 4_Anfang.JPG

    Wagner gewinnt zu dieser Zeit immer mehr Einfluss auf Skrjabin, sowohl in der Harmonik, als auch im Arbeiten mit Motiven, was wir noch besonders ab der 5. Sonate sehen werden. Skrjabin hatte drei Wagner-Lieblingsthemen: Das Liebestrank-Motiv, den Feuerzauber und das Schwertmotiv, von denen sich Skrjabin immer wieder inspirieren lässt. Einen wesentlichen Unterschied gibt es zu Wagner… Wagner löst den aus a-Moll hervorgehenden, mehrdeutigen Akkord zum Dominantseptakkord im Tristan auf, Skrjabin tut das nicht. Skrjabin denkt gar nicht daran, den Akkord hier aufzulösen. Erst in Takt 19ff. und 25ff. wird der Akkord auf Umwegen in einen Sextakkord aufgelöst, dieses Modell wird aber gleich wieder verlassen. Auch im Mittelteil des ersten Satzes bleibt das melodische Quartmotiv weiterhin präsent, eingebettet in Akkorde in der rechten Hand und arpeggierten Bassfiguren. Die Spitzen dieser Bassfigur bilden wieder die Melodie, ähnlich wie in der dritten Sonate beschrieben. Auch im zweiten Satz, der mit Prestissimo volando („fliegend“, eine von Skrjabins Lieblinganweisungen) überschrieben ist, erscheint das Quartmotiv ab der Durchführung fanfarenartig und ist von nun an vorherrschend. Der zweite Satz ist als Sontensatz konzipiert mit einem ersten und einem Seitenthema, das in der Reprise schulmäßig von Cis-Dur in die Tonika Fis-Dur gerückt wird. Nun schiebt sich aber plötzlich das Quartmotiv als „Fremdkörper“ in diesen Sonatensatz ein, ohne in der Exposition vorgekommen zu sein. Die eigentlichen Themen des Satzes kommen nicht mehr zu Wort. Dem Quartmotiv wird am Ende so viel Raum gewährt, dass die Proportionen des Satzes verschoben sind und die Reprise ungewöhnlich früh einsetzt. Wir haben also nun zwei Sätze mit identischen Hauptthemen und damit nicht mal zum Schein unabhängig sind. Damit ist der Weg zur Einsätzigkeit so gut wie geschafft…



    Diese Sonate war eine von Skrjabins Lieblingssonaten. Ich habe mich nie so ganz mit dieser Sonate anfreunden können, aber ab der nächsten geht’s dann richtig ab. ;)
     
    Zuletzt bearbeitet: 17. März 2014
  18. pianochris66
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    pianochris66

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    Wieder ein ganz wunderbarer Beitrag von Dir, lieber Troubadix. Irgendwie kann ich mich mit dem Gedanken, dass Deine Beiträge von einem Autodidakten (wenn auch mit kurzzeitigem und demnächst wiederum Klavierunterricht) stammen nicht anfreunden, Du verhohnepiepelst uns doch:D. Leider sind zwei Deiner Links, u.a. die Sonate, in Deutschland nicht verfügbar:-(. Es wird hoffentlich eine auch für uns mit Noten hinterlegte Version bei YT geben.

    Liebe und aufgrund Deiner Beiträge dankbare Grüße
    Christian
     
  19. Troubadix
    Offline

    Troubadix Dorfpolizist Moderator

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    Nein, allerdings sollte klar sein, dass ich mir das nicht alles selber ausdenke, sondern natürlich bei solchen Beiträgen mir einiges angelesen habe bzw. Literatur verwende (im Szymanowski-Faden habe ich mich mal ausführlich dazu geäußert).

    Das alte Leid... In diesem Fall bei Interesse bitte einfach selber bei Youtube die Stücke suchen, zu allen Stücken Skrjabins gibt es dort genügend Aufnahmen. Leider habe ich keine Möglichkeit hier zu überprüfen, welche Videos in Deutschland funktionieren und welche nicht.

    Noten gibt es alle auf imslp.

    Viele Grüße!
     
  20. pppetc
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    pppetc

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    Dann läßtest halt bleiben - wen sollte das intressiern?!?