Die heikelsten Anfänge

.marcus.

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Wenn ich mich nicht irre, hatten wir das Thema noch nicht? Ich meine nicht die Anfangsgründe des Klavierspielens, sondern fiese erste Takte von Stücken. Wenn vorhanden auch gern mit der Story, wie ihr diese im Konzert bravourös gemeistert oder richtig vergeigt habt.

Bei den Stücken, die ich für ein Schülervorspiel auswähle, achte ich immer ein wenig darauf, wie heikel Beginn und Ende sind. Beides prägt sich gut ein, wenn dagegen in der Mitte mal etwas hapert, fällt das weniger auf. Ich habe mich daher immer auf der sicheren Seite gehalten. Angst hätte ich z.B. vor manchen Chopin-Etüden, die gleich richtig loslegen. Aber zum Glück kann ich die gar nicht spielen :)

((Vielleicht gibt es auch Fälle von vermeintlich "sicheren" Anfangstakten, die dann verborgene Tücken hatten?))

lg marcus
 
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Tolles Thema!
Fies ist der Beginn von op. 111 (wenn man nicht arrangiert)
Den Beginn von op. 106 verteilt fast jeder auf beide Hände.
Ganz fies ist es auch op. 10 von Chopin (z. B. nach der Pause) mit Nr. 1 zu beginnen.
 
Stilblüte

Stilblüte

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Da hätte ich gleich mal zwei:

Den 1. Takt von op. 111 von Beethoven:
34411-06c8d8a91e2550e93fc0cb358ae0759b.jpg

sowie den 1. Takt aus den Miroirs von Ravel, aus dem sich dort befindlichen Satz "Noctuelles":


34412-66090dd226dfea63c2828ffaeb37e2c5.jpg

Wobei beide nicht mit schwierigen Anfängen geizen... Auch op. 2 Nr. 3 von Beethoven oder die Ondine haben keine sehr rücksichtsvollen Anfänge.
 
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Beethoven immer wieder: op. 2,3 wurde schon genannt, op. 22 ist auch mies.
Bei der As-Dur Polonaise finde ich erst den dritten Aufgang unhandlich!
 
Bernhard Hiller

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Und welche "features" sind es bei diesen Anfängen, die sie für euch so schwierig machen? Für mich sind sie sowieso unspielbar, aber neugierig bin ich doch zu erfahren, wie sich das auf fortgeschrittener Stufe darstellt.
Bei Beethoven 111 fällt mir der eigenartige Rhythmus auf, gepaart mit den großen Sprüngen links.
Bei den Miroirs sehe ich einen eigenartigen Rhythmus von Sechzehnteln mit Synkope gegen Achteltriolen.
Bei der Polonaise fällt mir nicht auf.
Aber das ist nur die Analyse eines Hobbyklimperers.
 
mick

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Überaus heikel finde ich den ersten Klaviereinsatz in Ravels D-Dur-Konzert.
 
Stilblüte

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Wenn ein Anfang schwer ist, ist er gleich deshalb doppelt schwer, weil er am Anfang steht. Die ersten Töne zu versemmeln ist viel ungünstiger, als irgendwo in der Mitte mal ein bisschen danebenzulangen. Ähnlich verhält es sich mit Höhepunkten und dem Schluss.

- op. 111: Ja, der schnelle Sprung ist unbequem. Dazu kommt, dass man sich für diese Sonate in einen ganz besonderen emotionalen Spannungszustand begibt (ich jedenfalls), dem es "wehtut", wenn dieser Anfang nicht stimmt. In diesen zwei (bzw. vier) Tönen und den anschließenden Akkorden steckt sehr viel Inhalt. Auch die Schwierigkeit selbst gehört zum Ausdruck dazu! Ich bin strickt dagegen, das zu vereinfachen (obwohl ich an anderen Stellen in anderen Stücken sehr dafür bin, wenn es keine Rolle spielt...)

- Miroirs, Noctuelles: Hier kommt auch einiges zusammen. Der Anfang ist schwer greifbar, sowohl physisch als auch musikalisch. Es ist nur ein leises Rauschen oder Säuseln, eher eine klanggewordene Atmosphäre. Es ist schnell, es ist leise, es ist polyrhythmisch, es enthält Doppelgriffe, es enthält feinste Dynamik auf kurzem Raum, man ist sehr vom Flügel abhängig bzw. der Klang ist je nach Flügel variabel.

- Chopinpolonaise: Doppelgriffe, zumal chromatische, können manchmal fies sein. Da kann man sich auch mal das 4. Scherzo anschauen, oder den 2. Satz vom 2. Klavierkonzert von Saint-Saens oder den 3. vom 1. Klavierkonzert von Beethoven (sowie noch viele andere Stücke...)
 
rolf

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die Anfänge von op.111, Polonaise op.53 und Gaspard de la Nuit finde ich unproblematisch - die Begleitfigur der Ondine hat man vorher zur Genüge geübt, das op.111 maestoso ist technisch unproblematisch, die Polonaise beginnt mit einem derben "Bumm" (Es-Oktaven), das nun wahrlich harmlos ist, die Doppelgriffe sollte man halt geübt haben (dasselbe ist in Beethovens op.101, sogar im c-Moll Konzert, und natürlich im Scherzo der Trauermarschsonate technisch schwieriger und da beklagt sich keiner)

ich finde die Anfänge von den Bildern einer Ausstellung und von Islamey unangenehmer, denn sie sind einstimmig und eigentlich einfach, da besteht die Gefahr, zu schnell einzusetzen. Des weiteren finde ich den Beginn von Mozarts C-Dur Sonate KV331 heikel, denn da geht es gleich in medias res los, keine "Einleitung", d.h. man muss mit dem ersten Ton den angemessenen Tonfall haben, unmittelbar den richtigen Charakter treffen.
 

alibiphysiker

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Also ich würde den Begriff "Anfänge" gerne etwas ausdehnen und auf den Abschnitt des Stückes beziehen, den man benötigt um "reinzukommen". Hier finde ich es sehr unangenehm, wenn auf den ersten 1-2 Seiten bereits viel unangenehmes passiert. Besonders unglücklich haben mich hier die zweite Klaviersonate von Schumann sowie die Klaviersonate von Dutilleux gemacht. Die unmittelbaren "Anfänge" dieser Sonaten sind zunächst unproblematisch, doch bereits nach sehr kurzer Zeit wird es leider extrem knifflig. Und auch hier ist es sehr schade, wenn etwas passiert, auch wenn es nicht der unmittelbare Anfang ist.

Sehr unangenehm und heikel – und das bereits in den allerersten Takten – empfand ich auch op. 10/3 von Beethoven, KV333 von Mozart, Hob. XVI:52 und Hob. XVI:34 von Haydn sowie Brahms op. 116.

Dann gibt es noch eine weitere Kategorie von "Schwierigkeit von Anfängen", nämlich die, wenn man bereits in den ersten Takten ein "künstlerisches Statement" setzen muss, wie bei op. 110, dem vierten Klavierkonzert von Beethoven oder Rachmanninovs drittem Klavierkonzert. Diese Anfänge sind allesamt nicht wirklich heikel, doch dennoch kann man sich mit ihnen sehr lange beschäftigen, ohne wirklich völlig glücklich zu sein.

Ich persönlich fände es auch schön, wenn man Stücke sammeln könnte, deren Schwierigkeit im Verlaufe des Stückes "sinnvoll" ansteigt; die also absolut unheikel anfangen und allmählich auf eine Art und Weise heikler werden, dass man als Pianist nie abgehängt wird bis man sich an die Bühnensituation gewöhnt hat. Für mich fällt z.B. Skrjabins neunte Sonate in diese Kategorie. Das ist auch ein Grund, weswegen ich dieses Stück sehr gern spiele: Wirklich schwer wird diese Sonate erst auf den letzten Seiten und die ersten Seiten fangen ganz harmlos an und werden nur allmählich schwerer. Sehr angenehm für die Bühne!
 
chiarina

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Ich habe mal die op. 111 von Bruno Leonardo Gelber gehört. Er nahm für den Anfang ordentlich "Anlauf" von oben und ich dachte schon "Oh, oh, ob das gut geht?" und bums war der Anfang voll daneben. :003: Aber man freut sich ja, wenn das auch mal den Superprofis passiert. :)

Den Anfang von op. 2 Nr.3 oder auch 10 Nr. 3 finde ich nicht schwierig, dafür aber wie @rolf Mozarts Sonate KV331. Außerdem jede Art von schnellen und schwierigen Etüden (es gibt ja welche, die einen Klavierabend gleich mit Etüden a la op. 10 von Chopin oder den transzendentalen Etüden von Liszt beginnen :angst:) und auch Fugen (Toccata, Präludium und Fuge ...) als erstes Stück bei einem Klavierabend .

Liebe Grüße

chiarina
 
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immer wieder SEHR schwer, mit Beethoven op. 28 beginnen.
Ich liebe da besonders Flügel mit einem richtig bollerigen Bassregister
 
GeneralBass

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Ich finde es bei Fugen zur Zeit noch etwas heikel, wenn langsam die weiteren Stimmen einsetzen, aber vielleicht liegt es auch daran, dass ich mich noch nicht so viel damit beschäftigt habe. Wenn man zu sehr an die Anfangsstimme denkt, kann man das einsetzen der nächsten Stimme(n) bestimmt leicht vergeigen, scheinbar ist es da besonders wichtig direkt alles im Überblick zu haben (ich denke mal das ist bei Klavierstücken generell so, aber da fällt es mir besonders auf).
 
 

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