Czerny / Hanon - Fingerübungen sinnvoll?

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Blumenhaendler

Guest
Ich habe mir von beiden die Hefte gekauft und auch schon ein bisschen damit herumprobiert.
Haltet ihr diese Fingerübungen für gut? Es gibt ja nicht wenige die behaupten, dass sie nicht nur schlecht, sondern sogar schädlich sind. Ich frage mich, warum?
Bin natürlich kein Experte, aber didaktisch erscheint mir das ganze schon sinnvoll. Wenn man eine Sprache oder ein Handwerk lernt, muss man doch auch etliche Male bestimmte wichtige Vokabeln oder Bewegungen so lange üben, bis man sie verinnerlicht hat.
 
cwtoons

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Die sind auch sinnvoll, auch andere. Ich habe mit Czerny und vor allem mit Hanon gelernt. Fand ich zwar grauslich, aber genutzt hat es schon.

Über die Suchfunktion findest hier haufenweise etwas über C und H.

CW
 
Pianojayjay

Pianojayjay

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Ich habe Hanon nur die erste gemacht, nutze sie immer noch zum Aufwärmen. Nummer zwei hat Schostakowitsch übrigens in seinem zweiten Konzert verarbeitet! Czerny hat auch melodische Etüden geschrieben, die machen sogar Spaß! Ansonsten technisch immer schwierigere Stücke raussuchen, da lernt man am meisten ;)
 
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alexius

Guest
Ja, auf alle Fälle sinnvoll.

Es gibt ja nicht wenige die behaupten, dass sie nicht nur schlecht, sondern sogar schädlich sind. Ich frage mich, warum?

Ich glaube, dass diejenigen, die das behaupten, eher die technische Seite solcher übungen kritisieren. Das Problem nach meiner Meinung ist, dass viele Leute unter Czerny - Hanon - Clementi und Tonleiter verstehen, dass man alles wie ein Roboter ohne Dynamik und Ausdruck durchschießt. Man sollte sich aber an Heinrich Neuhaus erinnern, der unter Technik die Synergie von Klang, Fingerfertigkeit und Musikalität verstand und hat keinsefalls alles getrennt geübt (Technik stammt vom Griechischen "Techne", was "Kunst" bedeutet). Als eine tolle Pianistin meine Tonleiter und Arpeggios gehört hat, hat sie darauf bestanden, dass ich auch diese mit Musikalität spiele und auf die Klangqualität achte. Eine Tonleiter ist ja auch Musik.

Noch ein Paar interessante Fakten: Im 19. Jahrhundert gehörte das alles zur musikalischen Ausbildung in Russland (also, Zumindest in der Schule von Nikolai Swerew). In einem Artikel hat Sergej Rachmaninoff sehr ausführlich bechrieben, wie er als Kind unterrichtet wurde. Hanon Übungen waren damals nicht nur ein muss, sondern da musste man sie in jede beliebige Tonalität transponieren können und das wurde auch bei den Prüfungen abgefragt, ohne dass man vorher wusste, welche Tonalität dran kam. Was aber noch wichtiger ist, Rachmaninoff hat sogar nach der Immigration in die USA regelmäßg Tonleiter geübt und Czerny-Etuden wieder aufgefrischt. Das ist wirklich bemrkenswert, weil er damals überwiegend als Konzertpianist tätig (d. h. von rein mechanisch-technischer Seite bestens ausgebildet wurde) war und sowieso fenomenale pianistische Begabung von Natur hatte. Das hat ihm allerdings alles nicht geschadet, sehr-sehr musikalisch zu bleiben. Das bestätigen auch zahlreiche Aufnahmen.

Alex
 
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K

koelnklavier

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Ob es sinnvoll ist, unentwegt Fingerübungen in C-Dur zu üben, sei dahingestellt. Aber welcher Klavierlehrer legt schon Wert darauf, die Fingerübungen von Czerny oder Hanon in allen Tonlagen zu spielen. Da macht nämlich erst richtig Spaß, wenn der böse Daumen auf den unanständigen schwarzen Tasten zu liegen kommt. :mrgreen:

Und überhaupt :Warum mit linker und rechter Hand dasselbe üben? Wo unsere Hände doch spiegelbildlich angelegt sind. (NB: Es soll auch Pianisten mit zwei linken Händen geben, und auch solche, die haben an jeder Hand fünf linke Daumen. :D) Meine Empfehlung deshalb: Die Übungen für jede Hand an den Symetrieachsen D und GIS spiegeln. Das schult das Gefühl für die Topographie der Tastatur und auch das Hören generell ungemein!
 
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rolf

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Und überhaupt :Warum mit linker und rechter Hand dasselbe üben? Wo unsere Hände doch spiegelbildlich angelegt sind.
der arge Pfuscher Fryderyk Franciszek, geboren in einem Kuhdorf unweit von Warszawa, wusste das nicht, und so komponierte er dreist seine Etude op.25 Nr.12 gegen diese Symetrie :):)

Meine Empfehlung deshalb: Die Übungen für jede Hand an den Symetrieachsen D und GES spiegeln. Das schult das Gefühl für die Topographie der Tastatur und auch das Hören generell ungemein!
das fördert zwar in der linken Hand die Sicherheit in diatonischer Skalentopographie nicht besonders, aber dafür macht es immun gegen Dissonanzen :):)

Spaß beiseite: die beiden Symetrietasten d und gis/as (nein nein, GES ist keine) eignen sich prima für symetrische Kobolzereien und das spiegelbildliche üben wurde schon u.a. von Goldenweiser empfohlen - was diverse "Fingerübungen" betrifft, so bringen Brahms und Liszt am meisten (sind aber für Anfänger und auch für Fortgeschrittene nur mit Vorsicht oder unter kundiger Beaufsichtigung/Anleitung sinnvoll)
 
hasenbein

hasenbein

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Rolf, es war sicherlich selbstverständlich volle Absicht von Dir, dass Du "Symmetrie" auf die gleiche Weise falsch geschrieben hast wie Kölnklavier, ne?
 
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alexius

Guest
Ob es sinnvoll ist, unentwegt Fingerübungen in C-Dur zu üben, sei dahingestellt. Aber welcher Klavierlehrer legt schon Wert darauf, die Fingerübungen von Czerny oder Hanon in allen Tonlagen zu spielen. Da macht nämlich erst richtig Spaß, wenn der böse Daumen auf den unanständigen schwarzen Tasten zu liegen kommt. :mrgreen:

Wolfgang, Sergej Rachmaninoff hat das nur über die Übungen von Hanon erzählt. Also, die Ausbildung in den damaligen Tsarischen Schulen dauerte 9 Jahre und die Hanon Übungen wahren ein unentbehrlicher Teil der technischen Ausbildung. Nach dem 5. Jahr gab es eine wichtige Prüfung, wo jede Hanon Übung in jeder Tonlage in einem bestimmten Tempo abgefragt werden konnte. Nach diesem System wurden viele grißartigen Musiker ausgebildet. In der Schule von Nikolai Swerew haben unter anderem solche Titane wie Skrjabin, Rachmaninoff und Siloti studiert. Und, wie gesagt, in seinen späteren Jahren har Rachmaninoff immer wieder an Hanon und Czerny gearbeitet.

Und überhaupt :Warum mit linker und rechter Hand dasselbe üben?

In der Musikliteratur gibt es viele Beispiele, die Unisono gespielt werden.

Wo unsere Hände doch spiegelbildlich angelegt sind. (NB: Es soll auch Pianisten mit zwei linken Händen geben, und auch solche, die haben an jeder Hand fünf linke Daumen. :D) Meine Empfehlung deshalb: Die Übungen für jede Hand an den Symetrieachsen D und GIS spiegeln. Das schult das Gefühl für die Topographie der Tastatur und auch das Hören generell ungemein!

Das klingt sehr sinnvoll und ich stimme dir vollkomen zu. Solche Etuden gibt es bei Czerny doch auch. Ist dieses System in irgendeinem Buch genauer beschrieben?

Alex
 

hasenbein

hasenbein

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Hanon, benutzt zu dem Zweck, die "Finger zu stärken/trainieren" bzw. fingerzentrierte Spielgewohnheiten zu entwickeln, ist nicht gut.

Abby Whiteside:
Why spend dull hours with Hanon when the arm can easily furnish all the power that is needed without specialized training? If we could only believe in nature's way instead of in traditional concepts, so much wasted time, boredom, and ultimate frustration could be avoided.

"Musikalisch" und "un-mechanisch" sowie mit nicht "führenden", sondern dem ganzen Spielapparat "untergeordneten" Fingern gespielt, können hingegen die verschiedensten Übungen, auch welche aus Hanon, nutzbringend sein.

Hingegen ist es Quatsch, zu glauben, was Hanon selber in seinem Buch verbreitet, dass man nur immer schön jeden Tag die Übungen machen müsse, und dann werde man schon gut.

Und schon gar nicht sollte man befolgen, was gleich über der 1. Übung steht: dass man die Finger "gut heben" solle!!!

LG,
Hasenbein
 
F

Flyinggreg

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Leider wird man diese Hanon-Übungen nie mehr loswerden können.... Hanon verwechselt Klavierspielen mit militärischem Drill.
Ich versteh echt nicht, was daran gut sein soll.... Und die Zeugen aus der Vergangenheit - das ist so eine Sache. Wir wissen nicht, wie diese tatsächlich mit dem Hanon-Material umgegangen sind.
Besser ist das Geld in Cortot oder Brahms investiert. Dort findet man sinnvolle Übungsaufgaben zu Hauf, die einen echt weiterbringen.... Zudem erklärt Cortot auch nachvollziehbar, worauf es ankommt.
 
 

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