Chopin, Op. 28/15 ("Regentropfen")

K

Kiwi

Dabei seit
Apr. 2009
Beiträge
40
Reaktionen
1
Hi,

am Wochenende habe ich spontan die ersten 4 Takte angespielt und hatte den Eindruck,
das könnte zu schaffen sein. Auch dehalb, weil das Stück durchweg in getragenem Tempo geschrieben ist.

Jetzt ist es aber so, dass oftmals in der Mitte eines Stückes sich unüberwindliche Barrieren ergeben,
die für den Anfänger nicht offensichtlich sind, bevor er nach vielem Üben auf die Stelle trifft.

Deshalb meine Frage: Welche sind die schwierigsten Stellen, so dass ich mir diese anschauen
und dann entscheiden kann, ob ich das Projekt weiter verfolge?


Vielen Dank und viele Grüße
 
K

koelnklavier

Dabei seit
März 2007
Beiträge
2.612
Reaktionen
1.440
Das hängt davon ab, welche musikalischen Ansprüche Du stellst und wie gut Du innerhalb der Oktavspanne greifen kannst. Manche bekommen schon in den Takten 4,23,79 ein Schleudertrauma, andere haben Schwierigkeiten, über lange Strecken ein as (resp. gis) im pp zu spielen. Und dann gibt es noch die wunderbare Mittelstimme in der RH (T 36-42), die klingen müssen, ohne daß die Oktaven donnern.

Spielbar ist das Prélude sicherlich (zumindst ist es nicht unüberwindlich), aber ob es letztendlich auch ein Genuß ist, zuzuhören, wird Dir Dein Klavierlehrer sagen können.
 
K

Kiwi

Dabei seit
Apr. 2009
Beiträge
40
Reaktionen
1
Das hängt davon ab, welche musikalischen Ansprüche Du stellst und wie gut Du innerhalb der Oktavspanne greifen kannst. Manche bekommen schon in den Takten 4,23,79 ein Schleudertrauma, andere haben Schwierigkeiten, über lange Strecken ein as (resp. gis) im pp zu spielen. Und dann gibt es noch die wunderbare Mittelstimme in der RH (T 36-42), die klingen müssen, ohne daß die Oktaven donnern.

Spielbar ist das Prélude sicherlich (zumindst ist es nicht unüberwindlich), aber ob es letztendlich auch ein Genuß ist, zuzuhören, wird Dir Dein Klavierlehrer sagen können.

Danke, ich werde mir die entsprechenden Takte anschauen.

Zuhören braucht zum Glück keiner ausser mir selbst, noch nicht einmal ein Klavierlehrer.
Schon klar, dass man bei Chopin den musikalischen Anspruch praktisch ins Unendliche treiben kann.
Ich würde niemals diese tolle Musik öffentlich verhunzen.
 
K

Kiwi

Dabei seit
Apr. 2009
Beiträge
40
Reaktionen
1
Hi,

soweit komme ich gut voran mit dem Stück, aber Takt 62 blockiert mich jetzt schon längere Zeit.
Hat jemand vielleicht noch einen Kniff, wie ich den weiten Griff mit der kleinen Sekunde (die ersten beiden Akkorde) sicher (ohne Katzenjammer) und kraftvoll spielen kann?

Vielen Dank und Gruß

8417-0ddea68dfc79c70994cf2f9cabb7eace.jpg
 
E

elli

Guest
Dadurch dass hier schwarze Tasten gespielt werden, ist das doch gar nicht so eklig......

Ich glaube, du musst herausfinden welche Stimme betont sein muss und daran angemessen die Kräfte der Finger verteilen - es gibt ja außerdem noch Pedal.....

8419-a16726f11451c93d377b5173c4598c37.jpg
8420-fe457100a88bdf0cffc2aeadd6a8c7b0.jpg
 
K

Kiwi

Dabei seit
Apr. 2009
Beiträge
40
Reaktionen
1
@xXanonymXx
@elli

Danke für die Antworten.

Fingersatz ist klar. Gibt ja wenig Alternativen, wenn man kein Octopus ist.

Aber es ist ein Glücksspiel, Druck auf den 5. Finger (e2, Melodieton) zu bekommen, ohne dabei d2 zu spielen. Der 5. spielt im ganzen Takt die Melodie und bekommt die Betonung, oder sehe ich das falsch?!
 
Zuletzt bearbeitet:
E

elli

Guest
Ich kann da nicht direkt Stellung beziehen, was die Betonung betrifft, aber soweit ich es verstanden habe, sollte ein Zweiklang die Melodie führen, also eben nicht die oberste Note allein - dann hat man auch kein Problem.

Im folgenden Video und im Text darunter (auf you tube öffnen) gibt es ein paar Hilfen:
 
K

Kiwi

Dabei seit
Apr. 2009
Beiträge
40
Reaktionen
1
Oktaven kannst du ohne Probleme greifen, oder?
Vielleicht liegt deine Hand zu flach?
Oktaven sind normalerweise kein Problem.
Hier sind es aber drei Probleme, die alle gleichzeitig gelöst werden müssen:
1. e2 spielen, ohne d2 mitzuschleifen.
2. Die Sekunde (4. und 5. Finger) so spielen, dass die Reibung nicht zu schräg wird.
3. e2 mit dem 5. Finger kräftig und klar artikuliert spielen.

Ja, ich werde mit der Handstellung noch etwas experimentieren.
 
Zuletzt bearbeitet:
J

jannis

Dabei seit
Sep. 2008
Beiträge
479
Reaktionen
552
Falls die Hand zu klein ist, den Akkord arpeggieren: e1-gis1-dis2-e2 nacheinander anschlagen, dann gis1 mit dem Daumen, dann den e1-gis1-cis2-e2-Akkord. Den Akkord auf "1" im Takt zu arpeggieren waere jetzt nicht so schlimm, betont ihn (was der "1" entspricht). "Frueher", d.h. im 19. Jahrhundert, waren Arpeggieren viel ueblicher als heute. Das hilft auch als Uebung, um die Gewichtung der Toene richtig hinzubekommen. Mit der Zeit das Arpeggieren abbauen, vielleicht gelingen dann sogar alle Toene gleichzeitig. Die Akkorde auf den weniger betonten Taktzeiten auch zu arpeggieren waere weniger schoen, aber im Notfall dezent ausgefuehrt auch nicht so schlimm.
Jannis
 

K

Kiwi

Dabei seit
Apr. 2009
Beiträge
40
Reaktionen
1
Danke Jannis, das werde ich über das WE mal ausprobieren.
 
rolf

rolf

Dabei seit
Feb. 2008
Beiträge
27.844
Reaktionen
17.908
Falls die Hand zu klein ist, den Akkord arpeggieren:
nein, das wirkt da gekünstelt bis kitschig.

wenn Oktavenakkorde mit Binnenspannungen für die Hand zu weitgriffig sind, dann lieber den tiefsten (nach unten oktavierten) Ton weglassen, also z.B. gis1-dis2-e2 statt e1-gis1-dis2-e2

...allerdings... wenn man das Prelude mit allen Tönen korrekt spielen will, dann muss man Nonenakkorde greifen können, denn solche kommen vor: #g-#c1-e1-#a1 taucht mehrmals auf
(die l.H. Dezime Cis-e im Choral muss man nicht greifen können, da die r.H. das e übernehmen kann)

übrigens: die Sekundreibung #d-e klingt nicht "schräg", sondern ist ein ganz normaler und oft verwendeter Vorhalt in Moll
 
A

ag2410

Guest
Hallo!
Bitte, wie Rolf schon erwähnte, nicht arpeggieren, das passt zu diesem Stück nicht.
Da ich mit kleinen Händen "gesegnet" bin, muss ich bei manchen Stücken den tiefsten Ton der r.H. weglassen (ich kann mit Hängen und Würgen eine None greifen. Was bin ich neidisch auf Schüler, die locker eine Dezime greifen können!).
Wenn die tiefsten Töne nebeneinander liegen, zB. r.H. Akkord C-D-H, kann man C-D auch mit dem Daumen spielen.
Oder wenn l.H. und r.H. nah beieinander spielen, kann die linke Hand u.U. den tiefsten Ton der rechten Hand "übernehmen".
In der linken Hand sollte man aber, bei Problemen, den oberen Ton weglassen, nicht den unteren.
Dein JPG: Bei diesem Takt lasse ich im ersten Akkord r.H. das E weg. Das schaffe ich nicht.
(In der linken Hand spiele ich - s. ellis JPG - das Fis und Gis mit dem kleinen Finger...Man muss sich manchmal nur zu helfen wissen)

LG Antje
 
K

Kiwi

Dabei seit
Apr. 2009
Beiträge
40
Reaktionen
1
@rolf
@ag2410

Vielen Dank für die tollen Beiträge. Ton weglassen, das eröffnet ja eine völlig neue Perspektive.
Wenn es mit der Handspreizung gar nicht klappen will, dann ist das die nächste Option.


 
hyp408

hyp408

Dabei seit
Jan. 2010
Beiträge
810
Reaktionen
292
Die größten Probleme hatte ich auch beim herausarbeiten der Mittelstimme in besagter Stelle ... und dann das die Verzierungen elegant, stimmig und mühelos rüberkommen. Mir ist es so ergangen, dass ich eine Zeitlang gebraucht habe um eine Vorstellung darüber zu entwickeln, wie die einzelnen Stellen klingen sollen ... nach einer Weile ging es dann von ganz alleine. Mir persönlich gefällt übrigens die Einspielung von Frau Argerich am besten ... also hier:


etwa ab 6.04 nicht so kitschig wie manch andere Interpreten. So ähnlich müsste man es können ...

Gruss

Hyp
 
A

ag2410

Guest
Noch ein paar Infos zu dem Stück:

http://de.wikipedia.org/wiki/Regentropfen-Prélude

Das Prélude wurde deswegen nicht von Chopin so bezeichnet, da er beim Komponieren nie die Assoziation "Regentropfen" hatte. Es bekam diesen Titel erst später.

Es ist interessant, wie unterschiedlich man gerade dieses Werk interpretieren kann. Man kann es bis zur Unkenntlichkeit verkitschen, ich spiele den Teil in Des-Dur eher wie ein "Lied". Getragen, aber doch mit positiver Stimmung, die dann im cis-moll-Teil kippt. Am Ende wird die Stimmung wieder positiv.

Mir gefällt diese klare, unkitschige Version von Ashkenazy (auch weil er das Werk dynamisch spielt und nicht wie Kaugummi "auseinanderzieht"):
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
E

elli

Guest
Mir gefällt diese klare, unkitschige Version von Ashkenazy (auch weil er das Werk dynamisch spielt und nicht wie Kaugummi "auseinanderzieht"):
ab 3:19 des zitierten Videos kann man ganz deutlich die Betonungen gegen Ende des Teils B hören:
oberen Zweiklänge der rechten Hand:
8426-1505470f28be0701d02db8e3d158e538.jpg

und hier die mittleren Zweiklänge der rechten Hand:
8429-4423d53b2e9625485e15961e156b0020.jpg

Dieses Notenbeispiel ist vor Cortot herausgegeben, man sieht im 2. Notenzitat auch deutlich den Akzent vor der oberen mittleren Note (sich vergrößert anzeigen lassen)

Ob ich mich mit der Betonung der Zweiklänge jeweils verhört habe, und doch eigentlich nur die jeweiligen Obertöne des angesprochenen Zweiklangs gemeint sind, frage ich mich allerdings....

Zu den B-Teil lass ich noch Cortot zu Wort kommen:
8430-f400d8e2c6602225f9c896f8dd7565f8.jpg

Die LIteratur findet man bei Imspl z.B.
 
K

Kiwi

Dabei seit
Apr. 2009
Beiträge
40
Reaktionen
1
@elli
@hyp408
@ag2410


Habe die Videos angeschaut, danke, auch für die vielen Hinweise.
Ich werde parallel versuchen, die Handspreizung weiter zu trainieren bzw. eine Note zu opfern.
Der eine oder der andere Weg wird dann hoffentlich funktionieren.
 
 

Top Bottom