Cembalo

motz-art
motz-art
Dabei seit
8. Sep. 2007
Beiträge
246
Reaktionen
210
Gibt es hier eigentlich Tastenfreaks, die auch das Cembalo traktieren?
Hier ist Platz für ein Orgel Unterforum. Lohnt sich ein Cembaloforum nicht?
Ich wäre der erste Gast!!
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
Rheinkultur
Rheinkultur
Super-Moderator
Mod
Dabei seit
1. Apr. 2012
Beiträge
9.907
Reaktionen
9.205
Eben - warum eigentlich nicht?

Notfalls wären entsprechende Themen und Fäden auch im erwähnten Orgel-Unterforum unterzubringen, da das Cembalo zum einen durch die nicht seltene Zweimanualigkeit und die am Klavier nicht vorhandenen Registriermöglichkeiten (ohne anschlagsdynamische Tastatur) als Instrument eher mit der Orgel als mit dem Klavier verwandt sein dürfte. Zum anderen ist das Cembalo als Zweitinstrument eher bei Organisten und Kirchenmusikern gefragt, auch wenn etliche Pianisten schon mal Erfahrungen mit Continuoparts gemacht haben dürften. Und wer sich gerne mit vorklassischem Repertoire beschäftigt, kann dieses seinerzeit führende Tasteninstrument (das eigentlich eher ein Zupfinstrument/Chordophon mit Tastatur ist) ohnehin nicht einfach außen vor lassen.

Themenvorschläge zu Spieltechnik, Musizierpraxis, Repertoire, Ausbildung, Einsatzmöglichkeiten im Ensemble etc. dürfte es in reicher Fülle geben - wie wär's?

LG von Rheinkultur alias Gast Nummero Zwo
 
Lisztomanie
Lisztomanie
Dabei seit
20. Aug. 2012
Beiträge
1.422
Reaktionen
346
Ich wäre auch dafür!

Zwar habe ich selber leider (noch) kein Cembalo, aber ich durfte schon das ein oder andere Publikum mit meinem Continuo-Spiel erfreuen, und - wie ja manche auch schon gelesen haben - interessiere ich mich sehr für Frühklassische Musik und da könnte eine weiterführende Auseinandersetzung mit Instrument und Spielpraxis (Generalbass, Registration...;)) durchaus nützlich sein...=D

Herzliche Grüße

Lisztomanie alias Gast Nummero Drei
 
motz-art
motz-art
Dabei seit
8. Sep. 2007
Beiträge
246
Reaktionen
210
Ich habe schon immer ein Faible für dieses Instrument gehabt. Ich besitze ein zweimanualiges Cembalo in flämische Bauweise, das ich vor 2 Jahren günstig gebraucht erstehen konnte.

Zur Zeit beschäftige ich mich intensiv mit den Goldbergvariationen.

Wenn man versucht, sie parallel auf Cembalo und Klavier zu erarbeiten, hat mam es mit zwei erheblich unterschiedlichen Stücken zu tun.
Ich weiß immer noch nicht, was mir eigentlich besser gefällt. Ich schwanke da wie ein Rohr im Wind!
 
Drahtkommode
Drahtkommode
Dabei seit
19. Jan. 2011
Beiträge
2.108
Reaktionen
2.034
Hallihallo,

ich mache gerne mit ;-)

Es grüßt
Die Drahtkommode (nur 1 olles "modernes" Cembalo)
 
motz-art
motz-art
Dabei seit
8. Sep. 2007
Beiträge
246
Reaktionen
210
Etwa so ein erschöckliches Neupert Teil in "Bach Disposition"?
Zwei Manuale 16 Fuß und 5 Pedale.
Ich habe auf so was während des Studiums in den 70ern gespielt.
Damals war ich mir absolut sicher: NIE CEMBALO!

Wie sich das geändert hat!
 
Rheinkultur
Rheinkultur
Super-Moderator
Mod
Dabei seit
1. Apr. 2012
Beiträge
9.907
Reaktionen
9.205
Etwa so ein erschöckliches Neupert Teil in "Bach Disposition"?
Zwei Manuale 16 Fuß und 5 Pedale.
Ich habe auf so was während des Studiums in den 70ern gespielt.
Damals war ich mir absolut sicher: NIE CEMBALO!

Wie sich das geändert hat!
Die Vorstellungen von einer idealen Interpretation haben sich im Laufe der letzten Jahrzehnte gewaltig gewandelt - und auch die zur Realisierung erforderlichen Instrumente. Das erwähnte Neupert-Teil gehörte ganz offensichtlich in eine Zeit, in der man die Möglichkeiten der Klangfarben-Modifikation in die Größenordnung einer kleinen Orgel ausweiten wollte: 16'-, 8'-, 4'-Registrierung, Manualkoppel, sogar Deckelschweller (zur Überwindung der Terrassendynamik) bis hin zu dreimanualigen Experimenten sollten wohl ein neues Klangideal auf den Weg bringen, das im 20. Jahrhundert verschiedene Komponisten von de Falla bis Xenakis zu Neuschöpfungen anregen sollte. Aber in den letzten Jahrzehnten ist dann doch manches ganz anders gekommen...!

Interpretationen wie Wanda Landowska plays Bach Fantasia in C minor, BWV 906 - YouTube würde es in der heutigen Form nicht mehr geben,

meint Rheinkultur
 
Rheinkultur
Rheinkultur
Super-Moderator
Mod
Dabei seit
1. Apr. 2012
Beiträge
9.907
Reaktionen
9.205
Was die Pedale betrifft: Viele Orgeln verfügen über Spielhilfen, die mit den Füßen oder Knien bedienbar sind. Ein mit Fußpedalen registrierbares Cembalo bietet ebenfalls den Vorzug, dass die Hände nicht den Spielfluß unterbrechen müssen, um Register per Hand zuzuschalten oder abzustoßen. Soweit ich mich zurück erinnere an die Funktionen der fünf Pedale (ist lange her, bitte korrigieren, wenn ich etwas Falsches sage) von links nach rechts: 16' unteres Manual - 8' unteres Manual - Koppel oberes an unteres Manual - 8' oberes Manual - 4' oberes Manual

Damit war es auch möglich, sehr kurze Abschnitte unterschiedlich zu registrieren.
 
Rheinkultur
Rheinkultur
Super-Moderator
Mod
Dabei seit
1. Apr. 2012
Beiträge
9.907
Reaktionen
9.205
Zur Zeit beschäftige ich mich intensiv mit den Goldbergvariationen.

Wenn man versucht, sie parallel auf Cembalo und Klavier zu erarbeiten, hat mam es mit zwei erheblich unterschiedlichen Stücken zu tun.
Ich weiß immer noch nicht, was mir eigentlich besser gefällt. Ich schwanke da wie ein Rohr im Wind!
Damit hätte man schon mal ein ergiebiges Thema für ein Cembalisten-Forum: Bach auf dem modernen Flügel - oder auf historischen Instrumenten?
 
Musicanne
Musicanne
Dabei seit
21. Apr. 2011
Beiträge
253
Reaktionen
70
Die Zeit der Cembali deckt sich ja in etwa mit der der Blockflöte (z. Zt. mein Lieblingsinstrument). Fände ich ein Cembalo Forum auch super. Zumal die Frage, welche Stücke auf welchem Instrument am besten gespielt werden, und somit auch welches Blasinstrument (oder auch andere) dazu am besten passt bzw. passen.

Das Thema Begleitung hat mich dieser Tage wieder ans Klavier gebracht :) . Aber bis ich soweit bin dauert es noch ... solange übe ich mal weiter auf dem Klavier und der Blockflöte.

Ein Frohes Neues Jahr
Musicanne
 
motz-art
motz-art
Dabei seit
8. Sep. 2007
Beiträge
246
Reaktionen
210

Rheinkultur
Rheinkultur
Super-Moderator
Mod
Dabei seit
1. Apr. 2012
Beiträge
9.907
Reaktionen
9.205
Bei 99,875% der restlichen Barockmusik: Unbedingt Cembalo. Vom Continuo brauchen wir erst gar nicht zu reden-
Es gab mal (Vorkriegs-)Zeiten, in denen man die Frage anders beantwortet hätte:
https://www.youtube.com/watch?v=-Aq-1QBKxrM
https://www.youtube.com/watch?v=gaDK7OVZK-0
https://www.youtube.com/watch?v=Pqa7t-ab5sk
https://www.youtube.com/watch?v=K8_gnvzp8io
https://www.youtube.com/watch?v=4xlyiL2MLZ8
https://www.youtube.com/watch?v=WMjW0qkeJ3k

Aus früheren Beiträgen ist bekannt, dass Wanda Landowskas Cembalo mit Instrumenten unserer Tage kaum mehr vergleichbar wäre, was natürlich auch einiges erklärt...!

LG von Rheinkultur
 
motz-art
motz-art
Dabei seit
8. Sep. 2007
Beiträge
246
Reaktionen
210
Kannst Du das erklären? Oder ist das "Geschmack"? Und wieso die Ausnahme bei Bach? (Keine Provokation - ehrliches Interesse!!!)

Rationale Erklärungen sind da schwierig. Ich empfinde ganz einfach beim größten Teil von Bachs Klavierwerken dass sie auf Klavier und Cembalo gleichwertig aber unterschiedlich klingen.
Wenn ich aber Rameau, Couperin oder auch den Großteil der Händelstücke spiele / höre klingen sie für mich (ganz subjektiv!) irgendwie falsch.

Bei aller übrigen Instrumentalmusik Bachs stehe ich allerdings zu 100% auf HIP!
Nichts (oder besser:kaum was!) ist schlimmer, als eine Bachouvertüre mit Karajan und BPO!

@Rheinkultur: Da hast du ja ein echtes Horrokabinett aufgemacht (zumindest für meine Ohren). Und das 5 Brandenburgische mit Klavier geht gar nicht (Ausnahmen bestätigen die Regel!)
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
P
PianoPuppy
Dabei seit
24. Okt. 2010
Beiträge
2.317
Reaktionen
14
Wenn ich aber Rameau, Couperin oder auch den Großteil der Händelstücke spiele / höre klingen sie für mich (ganz subjektiv!) irgendwie falsch.

Hallo motz-art,

Mir gefällt von François Couperins "Les barricades misterieuses" immer noch Cziffras Einspielung am besten und auch die Couperin Einspielungen mit Angela Hewitt sind mir sehr ans Herz gewachsen. Kannst du eine Aufnahme mit Cembalo für die Barrikaden empfehlen?

Es gibt aber auch Stücke von Couperin, die mir mit Cembalo besser gefallen, wie z. B. "Les Bergeries".

LG, PP
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
Rheinkultur
Rheinkultur
Super-Moderator
Mod
Dabei seit
1. Apr. 2012
Beiträge
9.907
Reaktionen
9.205
Nichts (oder besser:kaum was!) ist schlimmer, als eine Bachouvertüre mit Karajan und BPO!

@Rheinkultur: Da hast du ja ein echtes Horrokabinett aufgemacht (zumindest für meine Ohren). Und das 5 Brandenburgische mit Klavier geht gar nicht (Ausnahmen bestätigen die Regel!)
Ich probiere es mal mit "kaum was": Wilhelm Furtwängler "Suite No. 3 in D Major" J. S . Bach - YouTube

Das sind alles die Ausläufer einer spätromantischen Klangästhetik, die den Orchesterklang von Brahms, Bruckner, Wagner, Mahler und Reger auch barocken Werken aufgeprägt hat - 18 Spieler in Violine I (bei Karajan) etc. produzieren eben einen Sound, der bei den späten Bruckner- und Mahler-Symphonien besser aufgehoben ist. Da war eben von "Alte Musik"-Bestrebungen noch nichts zu spüren! Wenn Du von Nadia Boulanger dirigierte Monteverdi-Einspielungen der 1930er-Jahre hörst, hast Du ein französisches Pendant zum Adolf-Busch-Kammerorchester: Claudio Monteverdi ZEFIRO TORNA nadia boulanger - YouTube

Am Klavier sitzt übrigens Dinu Lipatti...

Dass so mancher inzwischen diesen Orchesterklang als Horrorkabinett empfindet, kann man durchaus nachvollziehen. Im Gegenzug gibt es inzwischen nicht geringe instrumentenspezifische Probleme, wenn die nach 1900 entstandene Cembalo-Literatur auf Cembali aus neuer und neuester Zeit gespielt werden soll, deren Bauweise sich an aktuellen Spielpraktiken Alter Musik orientiert. Die Firma Neupert wird ihre Modelle "Bach" und "Cristofori" demnach nicht so ohne weiteres vom Markt nehmen können...!

LG von Rheinkultur
 
motz-art
motz-art
Dabei seit
8. Sep. 2007
Beiträge
246
Reaktionen
210
@PianoPuppy: Entschuldige, aber was der von mir durchaus verehrte Meister Cziffra da spielt hat mit Couperin nicht viel zu tun. Das klingt wie ein romantisches Klavierstück durchschnittlicher Qualität. Was natürlich nur mein Empfinden ist dass ich niemand aufdrängen will.
Bei jedem versierten Cembalisten klingt dieses Stück (ein vernünftiges Instrument vorausgesetzt) 1000 mal besser (auf jeden Fall richtiger!)

@Rheinkultur: Willst du, dass ich heute Nacht Alpdrücken kriege???
Furtwänglers Bach ist der Horror. Und die Boulanger erspar ich mir!

Neupert darf seine Ungeheuer gerne weiter produzieren.

...solange ich nicht drauf spielen muss!

Die Cembalowerke des 20.Jahrhunderts sind für mich ohnehin (zumindest die ich kenne) weitgehend verzichtbar. Ligetis Continuum vielleicht ausgeschlossen obwohl...schön ist das auch nicht!
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
Rheinkultur
Rheinkultur
Super-Moderator
Mod
Dabei seit
1. Apr. 2012
Beiträge
9.907
Reaktionen
9.205
Hallo motz-art,

Mir gefällt von François Couperins "Les barricades misterieuses" immer noch Cziffras Einspielung am besten und auch die Couperin Einspielungen mit Angela Hewitt sind mir sehr ans Herz gewachsen. Kannst du eine Aufnahme mit Cembalo für die Barrikaden empfehlen?

Vorab eine nun schon sechzig Jahre alte Einspielung auf Klavier, die das Stück von Couperin in die Nähe eines Schubert-Impromptus rückt - nicht untypisch für jene Zeiten, in denen es noch keine historische Aufführungspraxis gab: François Couperin - Marcelle Meyer (1953) - Les barricades mystérieuses - YouTube

Nach kurzer Erholung von diesem Schockerlebnis für heutige Ohren eine zeitgemäßere Wiedergabe: Harpsichord Performance:"Les Baricades Misterieuses" - YouTube
Nicht alle Einspielungen machen von der Praxis der "Notes inégales" Gebrauch, obwohl es hier legitim sein dürfte, auch nicht diese:
Barricades Mystérieuses.flv - YouTube

LG von Rheinkultur
 
Mindenblues
Mindenblues
Dabei seit
25. Juni 2007
Beiträge
2.595
Reaktionen
106
Bei Bach: Ganz klar beides. Man erhält zwei faszinierende Seiten einer Münze.

Bei 99,875% der restlichen Barockmusik: Unbedingt Cembalo. Vom Continuo brauchen wir erst gar nicht zu reden-

Sehr absolut formulierte Meinung, die ich nicht unbedingt teile: :roll:
Brauchen wir also vom Clavichord auch nicht reden - jenem intimen, sehr ausdrucksstarken Instrument, bei welchem man neben nahezu unbegrenzter Dynamikabstufung in Richtung leise auch noch Vibrato von Hand erzeugen kann, von welchem auch noch die Söhne Bachs in höchsten Tönen schwärmten, Herr motz-art? :wink:
 
Rheinkultur
Rheinkultur
Super-Moderator
Mod
Dabei seit
1. Apr. 2012
Beiträge
9.907
Reaktionen
9.205
Die Cembalowerke des 20.Jahrhunderts sind für mich ohnehin (zumindest die ich kenne) weitgehend verzichtbar. Ligetis Continuum vielleicht ausgeschlossen obwohl...schön ist das auch nicht!
Ausnahmen bestätigen die Regel, oder?:
Francis Poulenc: Concert champêtre para clave y orquesta en Re Mayor (1928) - YouTube
Falla: Concerto for Harpsichord and Five Instruments - Janos Sebestyen - YouTube
B. Martinu Harpsichord Concerto: III Robert Hill, harpsichord Holst Sinfonietta Freiburg - YouTube

Alle drei Solokonzerte sind vor dem Hintergrund des Wirkens von Wanda Landowska respektive in Zusammenarbeit mit ihr entstanden. Dass es allerlei recht spröde Sachen von Distler, Bornefeld u.a. gibt - keine Frage.
Neben Ligetis Continuum hat Xenakis für Cembalo geschrieben:
Iannis Xenakis, Naama - YouTube
https://www.youtube.com/watch?v=6rTCRPSh6Gc
https://www.youtube.com/watch?v=WCbG9i_5ztA
Das zweite Stück erfordert die Registriermöglichkeiten der Neupertschen Schrankmöbel, das erste nicht.
Nur: Wie viele Spezialisten widmen sich solchen exotischen Aufgaben (auch die Avantgarde hat so ihre Zeiterscheinungen) und wie viele beschäftigen sich stattdessen mit historischer Aufführungspraxis?

@motz-art: Das waren genügend akustische Horrorszenarien für heute - ich verpflichte mich hiermit, nur noch Schönes zu posten!

LG von Rheinkultur
 
 

Top Bottom