Brahms - Schöne Klavierstücke mittelschwer

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feingeist1

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Hallo,
wer kann mir schöne, mittelschwere Stücke für Klavier von Brahms nennen.
Am besten mit Links für den erlaubten, kostenlosen Notenerwerb.

Danke!:p
 
pille

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wie soll man denn das Adjektiv "mittelschwer" deuten?

Links mit kostenlosen Brahms-Noten findet man leicht im Netz, aber erstens kann man sich die spielend selber heraussuchen und zweitens ist deren Qualität i.A. unter aller Sau!
 
Troubadix

Troubadix

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Leider gibt es davon nicht besonders viele. Zwar verzichtet er oft auf virtuose, lisztsche Grausamkeiten, dennoch sind die Stücke meist sehr schwierig, da der Klaviersatz oft dicht und "gewaltig" ist.

Zitat von Wolters:
"Es gibt keine leichten Sachen von Brahms."
Schau dir mal die Walzer op.39 an, dort finden sich einige, die machbar sein dürften. Besonders der in As-dur (Nr.15) erfreut sich großer Beliebtheit. Unbedingt ansehen solltest du dir auch die göttlichen Balladen op.10, besonders die erste sollte machbar sein, da liegt die Schwierigkeit hauptsächlich in der Gestaltung. In op.76 findest du die relativ leichten Stücke Nr.4 und 7, ob du die magst, musst du selber beurteilen. Die tolle g-moll Rhapsodie wurde ja schon genannt, die find ich persönlich allerdings nicht so leicht, wie man ihr oft nachsagt. Die Leidenschaft, die in ihr steckt, wirklich rauszuholen erfordert sicherlich einiges an Übung. Aus op.116 solltest du dir das liebliche Intermezzo in E-dur (Nr.4) ansehen (Polyrhythmik sollte dir bei Brahms besser generell keine Probleme machen), die Nr.5 und Nr.6 sind ebenfalls nicht zu schwer, dafür aber auch nicht so schön, op.117 sind lauter musikalische Kracher, vielleicht ist die Nr.1 am ehesten machbar. Wenn du dir den Mittelteil zutraust, dann solltest du dir unbedingt die Romanze op.118 Nr.5 ansehen. Op.118 Nr.2 ist sehr beliebt und nicht zu schwer, ich mag es aber nicht, op.119 solltest du erst auf sehr weit fortgeschrittenem Level anschauen.

Alle Noten findest du hier!

Alles natürlich nur meine persönliche Meinung und sehr davon abhängig, wie weit man "mittelschwer" ausdehnt.

Viele Grüße!
 
R

Rudl

Guest
Hallo Troubadix, danke für die tollen Tipps.

Von Brahms gibt es auch noch die ungarischen Tänze, wobei der zweite nicht so schwer ist.

Rudl
 
R

Rudl

Guest
Hallo Troubadix,

ich hab schon den zweiten gemeint. Habe diesen mal als Kind gespielt, aber eher so: Brahms Hungarian Dance No. 2 in D minor for Piano solo - YouTube

Zur Rhapsodie wollte ich noch sagen: ich finde, das neben der Leidenschaft noch was sehr Mystisches darin steckt, was mir unter die Haut geht; allerdings darf sie nicht gerast werden.

Meine KLin hat immer gesagt, die noch im 19ten Jahrhundert geboren wurde, dass die Pianisten heutzutage viel zu schnell spielen. Ihrer Meinung nach lag das daran, dass möglichst viel auf eine Schallplatte passen musste.

Gruss Rudl
 
rolf

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Meine KLin hat immer gesagt, die noch im 19ten Jahrhundert geboren wurde, dass die Pianisten heutzutage viel zu schnell spielen.
die historischen Aufnahmen von d´Albert, Busoni, Paderewski, Rachmaninov, Skrjabin, Godowski, Goldenweiser - allesamt im 19. Jh. geboren - geben da allerdings eine ganz andere Auskunft...

noch zu mittelschwerem Brahms: falls es nicht verpönt ist, nur einen Satz aus einer fünfsätzigen Sonate zu spielen, dann ist der große zweite Satz der Klaviersonate f-Moll geradezu ideal als mittelschweres Stück
 
R

Rudl

Guest
die historischen Aufnahmen von d´Albert, Busoni, Paderewski, Rachmaninov, Skrjabin, Godowski, Goldenweiser - allesamt im 19. Jh. geboren - geben da allerdings eine ganz andere Auskunft...
Ihrer Meinung nach lag das daran, dass möglichst viel auf eine Schallplatte passen musste.

Rudl

PS: Was war denn die Kapazität von so einer Tonwalze, bzw. Schellack Platten. Soviel passte da tatsächlich nicht drauf.
 
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rolf

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PS: Was war denn die Kapazität von so einer Tonwalze, bzw. Schellack Platten. Soviel passte da tatsächlich nicht drauf.
egal wie viel wann und wo auf eine Platte oder Walze passte (das ist je nach Zeit und Hersteller verschiueden): Skrjabin spielte seine eigene Etüde op.8 Nr.12 in rekordverdächtiger Kürze ein, nämlich ca. 01:45min -- und die Lisztaufnahmen von d´Albert sind berühmt und virtuos genug (das schafft heute nicht jeder)

dass man im 19. Jh. langsamer gespielt habe, ist eine Fehlinformation
 

rolf

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Das Buch Presstississimo ist dir ja ein Begriff.
ja, kenne ich, und ich halte nichts davon - eine Haltung, die gar nicht so selten ist (und die Argumente sind oft genug abgewogen worden, sind bekannt genug)

es gibt genügend Vergleichsaufnahmen von Pianisten und Komponisten, die ab 1850 geboren sind und virtuose Werke eingespielt haben: man stellt da eher fest, dass sich im Lauf des 20. Jh. eine gelegentliche Tendenz zu ruhigeren Tempi eingestellt hatte (bekannt genug sind "Vermessungen" am Kopfsatz des ersten Klavierkonzerts Brahms bei Aufnahmen aus unterschiedlichen Zeiten)

Frau Wehmeiers Argument des doppelten tickens bis 1850, dann plötzlich nicht mehr, kann weder belegt noch wirklich ernst genommen werden...


Kanntest du persönlich Pianisten aus dieser Zeit.
?? was ist denn das für ein Argument?? ...also wenn du persönlich Beethoven nicht gekannt hast, dann darfst du eigentlich nichts über ihn sagen... ;);) -- ich kenne genügend Aufnahmen von Spielern, die noch im 19. Jh. geboren wurden und im 19. Jh. gelernt hatten; diese historischen Aufnahmen sind gut dokumentiert und zugänglich.

____________________________
aber das hat mit der Frage nach mittelschweren Brahmssachen nichts mehr zu tun -- die unter Pseudonym publizierten ganz frühen Paraphrasen von Brahms wären auch interessant
 
R

Rudl

Guest
ich kenne genügend Aufnahmen von Spielern, die noch im 19. Jh. geboren wurden und im 19. Jh. gelernt hatten; diese historischen Aufnahmen sind gut dokumentiert und zugänglich.
Will nochmal betonen, dass auf eine Wachswalze im optimalsten Fall nur 24 min draufgegangen sind. VIelleicht sind die VOrlagen für die Geschwindigkeit von den cleveren Bussinessmen gemacht worden.

RUdl
 
rolf

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Will nochmal betonen, dass auf eine Wachswalze im optimalsten Fall nur 24 min draufgegangen sind. VIelleicht sind die VOrlagen für die Geschwindigkeit von den cleveren Bussinessmen gemacht worden.
es war anfangs üblich, größere Stücke gestückelt aufzunehmen - die einzelnen Segmente aber sind nicht getürkt und auch nicht wegen cleveren Businessmen gerast (was ja auch unlogisch wäre: warum bei Aufnahmen rasen und in Konzerten nicht?) Du übersiehst, dass sich die Musiker um 1900 durchaus sehr für Aufnahmen interessierten, Aufnahmen machten und Wert darauf legten, dass sie nicht verzerrt rüberkamen; seinerzeit in Freiburg im Brsg. wurde Puccini geradezu fürstlich empfangen, als er bei Welte-Mignon was auf Walze einspielte (und den hätte man nicht in Sachen Musik, Klang, Tempo etc. nasführen können)
 
R

Rudl

Guest
es war anfangs üblich, größere Stücke gestückelt aufzunehmen - die einzelnen Segmente aber sind nicht getürkt und auch nicht wegen cleveren Businessmen gerast (was ja auch unlogisch wäre: warum bei Aufnahmen rasen und in Konzerten nicht?) Du übersiehst, dass sich die Musiker um 1900 durchaus sehr für Aufnahmen interessierten, Aufnahmen machten und Wert darauf legten, dass sie nicht verzerrt rüberkamen; seinerzeit in Freiburg im Brsg. wurde Puccini geradezu fürstlich empfangen, als er bei Welte-Mignon was auf Walze einspielte (und den hätte man nicht in Sachen Musik, Klang, Tempo etc. nasführen können)
OK.

Mir ist inzwischen eingefallen, in welchem Zusammenhang sie es gesagt hat. Und zwar als ich den dritten Satz aus der Mondscheinsonate runterrasen wollte, hat sie mich gestoppt und die oben erwähnten Zusammenhänge gesagt.

SIe hat es mir dann vorgespielt, und es war mir klar, dass einen Unterschied zwischen Drive und Speed gibt.

Hier, weiter oben im Faden hat Troubadix eine Aufnahme des 2ten Tanzes von Brahms mit Kissin gepostet. Findest du diese Geschwindigkeit gut. Ich habe das Stück nicht sofort erkannt, obwohl ich es schonmal gespielt habe.

RUdl

PS: Mir persönlich gefallen inzwischen Interpretationen die nicht gerast sind wesentlich besser.
 
rolf

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den dritten Satz aus der Mondscheinsonate runterrasen
das sollte man freilich nicht - man sollte ihn Presto agitato spielen. z.B. Horowitz hat da ein bei ihm ideal wirkendes Tempo (weil alles klar und deutlich und nuanciert ist)


Hier, weiter oben im Faden hat Troubadix eine Aufnahme des 2ten Tanzes von Brahms mit Kissin gepostet. Findest du diese Geschwindigkeit gut.
das ist wirklich sehr gut gespielt, und das Tempo passt: mir gefällt das sehr. Brahms spielt in seinen ungar. Tänzen geistreich mit diesem quasi lisztigen Genre, un da fliegen gelegentlich die Fetzen :) nebenbei: die zweihändige Fassung von Brahms selber ist absichtlich effektvoll-virtuos gestaltet, die erste oder eigentliche Fassung ist vierhändig.
(ich mag den in F-Dur am meisten, und durchaus in hohem Tempo - das sind keine lahmen Stampftänze)


PS: Mir persönlich gefallen inzwischen Interpretationen die nicht gerast sind wesentlich besser.
nicht alles, was sehr schnell ist, ist gerast - kommt halt drauf an, wie es gespielt ist; ein langsam schlecht gespielter ungar. Tanz und ein schnell schlecht gespielter sind beide ärgerlich.
 
Troubadix

Troubadix

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nicht alles, was sehr schnell ist, ist gerast...
Sehr richtig! Jedes Stück verträgt einen gewissen Tempobereich. Bei manchen Stücken ist dieser Bereich größer, bei anderen kleiner. Kein seriöser Pianist wird den 1. Satz der Mondscheinsonate Presto spielen, keiner wird den dritten Adagio spielen.

Ein hohes Tempo ist besonders dann ein Problem, wenn der Spieler diesem Tempo nicht mehr gerecht wird und die Interpretation darunter leidet. Bei Stücken wie den un. Tänzen bleibt vielen Spielern gar nichts anderes übrig, als sich eher auf die langsame Seite des akzeptablen Tempobereiches zu legen, um ihn bewältigen zu können. Kissin ist kein Spieler, der Grundsätzlich ein hohes oder gar überhöhtes Tempo anstrebt. Funerailles hat er sehr viel langsamer als Horowitz oder Argerich gespielt. Er hat nur das Glück (genau wie Argerich oder Horowitz), dass er dank seiner Fähigkeiten jederzeit ein hohes Tempo auch bei den schwierigsten Stücken spielen kann, wenn er das für angebracht hält und trotzdem sauber und differenziert spielt. Ich mag sein hohes Tempo und die Art wie er damit klar kommt bei den ungarischen Tänzen jedenfalls sehr.

Mein Lieblings-Tanz ist übrigens der in Des-Dur, aber der ist nun wirklich nicht mehr mittelschwer... jedenfalls nicht in Kissins Tempo! :D

Viele Grüße!
 
 

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