• Heute Abend wieder traditionelles Chattreffen

"Beweisbilder"

Sesam

Sesam

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Hallihallo,

durch einen glücklichen Zufall bin ich letzte Woche dazu gekommen, mit einer Videokamera mein Klavierspielen aufzunehmen. Ich hatte eigentlich gar keine Lust mit all der Technik, war schon zu dämlich das Stativ gerade hinzustellen, aber das Ergebnis, bzw. den Effekt, den das hatte wollte ich euch nicht vorenthalten und es hier berichten.
Weil ich mich schon lange wundere, warum ich mich bei bestimmten Stücken immer an derselben Stelle verspiele oder an schnellen Passagen (für mein Niveau) verhake, habe ich genau diese Stellen ins Bild gesetzt. Das war eine Debussy Stelle, ein paar Takte im ersten Satz von KV 331 und zwei Czernys aus der Schule der Geläufigkeit. O.k., wurscht, was dabei herauskam war wirklich erstaunlich: der einzige Grund -und jedesmal der gleiche-, warum ich da Probleme hatte, war mein Daumen. Ich hab`s genau gesehen, schon im Anmarsch auf diese Stellen spreizte er sich zur Seite ab und verspannte die ganze sonst wirklich lockere Hand. Und das ist das Entscheidende: meine Hände und Schultern sind nämlich eigentlich schon locker, nur just an diesen Stellen nicht. Das ganze ist auch keine völlig neue Erkenntnis, dass man halt Schwierigkeiten bekommt, wenn man verkrampft, aber diese "Beweisbilder" haben mir nun enorm geholfen, das Problem zu beheben. Gerade weil es sich nur um 2-3 Sekunden Verspannung handelt, die man so schwer wahrnehmen kann. Die Hinweise meiner KL gingen schon auch in dieselbe Richtung, nur dachte ich immer: Was will sie? Ich bin doch locker! :rolleyes::D
Jetzt nach ein paar Tagen üben mit den Bildern im Gedächtnis, habe ich Fortschritte gemacht, bzw. spüre, dass ich sie machen kann, woran ich mir sonst die Zähne ausgebissen hätte; trotz Feuchtwanger ;)
Also meine Empfehlung: falls ihr die Möglichkeit habt, dann nehmt euer Spiel nicht nur audio auf, sondern auch video. Das wirkt!

LG, gute Nacht,
Sesam
 
DonBos

DonBos

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Schön, dass du auf den "Beweisbildern" den Fehler mit dem Daumen sofort gesehen hast und den jetzt gezielt beheben kannst. Bessere und weitere Argumente dies selbst immer wieder zu machen gibt es eigentlich nicht.

Auch ich selbst mache das seit einiger Zeit, und es ist tatsächlich immer wieder erstaunlich, was man auf manchen Übeaufnahmen so alles entdeckt. Ich mache manchmal sogar Aufnahmen aus drei Perspektiven und schaue mir alle an, dann ist die Wahrscheinlichkeit etwas zu finden sogar noch größer.
Eine Aufnahme frontal von oben (ich klemme die Kamera an der Deckenlampe fest - klappt wohl leider nur mit wenigen Lampen), eine Aufnahme direkt von der Seite (da stelle ich die Kamera direkt neben die tiefste Basstaste, bzw. seltener auch neben die höchste Diskanttaste). Und dann noch eine Aufnahme von schräg oben - also aus der Perspektive die ein Zuschauer hätte, der leicht hinter und neben mir steht.

Edit: Hier zur Veranschaulichung die drei Perspektiven, die verschiedenen gespielten Stücke in den Videos sind hierbei jetzt total unwichtig (Stille Nacht passt jetzt echt nicht mehr):
Perspektive 1 - frontal von oben
Perspektive 2 - direkt von der Seite (in diesem Fall von der selteneren Diskantseite)
Perspektive 3 - "über die Schulter"
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
rolf

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Also meine Empfehlung: falls ihr die Möglichkeit habt, dann nehmt euer Spiel nicht nur audio auf, sondern auch video. Das wirkt!

wenn die drastische Maßnahme der Videoüberwachung hilft, dann ok - in Deinem Fall hat Dir das offenbar gezeigt, dass Deine Daumen Sachen anstellen, die Du nicht geplant oder gewollt hast.

Aber jetzt erst fängt es an, interessant zu werden: warum hast Du das nicht bemerkt oder gespürt? Will sagen: warum musstest Du das erst von außen sehen??

Ich nenne so etwas die "Daumenantenne" ----- viele (vor allem Anfänger) spreizen/strecken unwillkürlich den Daumen - aber wozu? Ich glaube, dass das eine Reaktion auf unnötige Anstrengung/Spannung ist.

Gruß, Rolf
 
Sesam

Sesam

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wenn die drastische Maßnahme der Videoüberwachung hilft
ja, ja in Bayern ist man daran eh gewöhnt!

Aber jetzt erst fängt es an, interessant zu werden: warum hast Du das nicht bemerkt oder gespürt? Will sagen: warum musstest Du das erst von außen sehen??
Warum, warum ist die Banane krumm? Vielleicht habe ich es nicht gespürt, weil meine ganzes Aufmerken in der Schwierigkeit der Textstelle lag. An sich ist es ja auch eine ein stückweit natürliche Reaktion, dass sich unter geistiger Anspannung der Körper auch anspannt. Nur wäre mir dann der große Zeh lieber.

Ich nenne so etwas die "Daumenantenne" ----- viele (vor allem Anfänger) spreizen/strecken unwillkürlich den Daumen - aber wozu? Ich glaube, dass das eine Reaktion auf unnötige Anstrengung/Spannung ist.
"Daumenantenne" hi, hi, lustig! Sagen wir, über die Phase des permanenten Wegspreizens bin ich allmählich hinaus, das Interessante war eben, dass es nur ganz kurz aufgetreten ist, nur einen kurzen Augenblick. Umso schwieriger das zu merken. Man meint, man sei nicht unnötig angespannt, und in Wirklichkeit schleicht sich diese "Blitzstarre" ein, um gleich darauf wieder zu verschwinden. Schwer zu fassen.

Beim bewussten Üben im Anschluss war es übrigens das Schwierigste, den Automatismus zu unterbrechen, denn selbst bei langsamem Tempo, zuckte der Daumen. Das war interessant. Vor allem: von wegen (nur) Daumen, ist der nämlich erstmal zur Antenne ausgefahren, verankert er sich richtig schön fest im Handgelenk und da geht dann auch nix mehr :rolleyes:

LG, Sesam
 
B

Bachopin

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Hi Sesam,

danke, das ist ein klasse Beispiel.

Bin echt am überlegen, ob ich mir für diesen Zweck eine einfache Kamera zulege.

2 Grundsätze beim Üben, die versuchen dieses "Übel" von Anfang an zu behandeln:

1.) Immer darauf achten, dass es gut klingt, sich gut anfühlt und gut ausschaut. Man sollte alle drei Aspekte immer wieder überprüfen.

2.) Darauf achten, dass keine "sympathischen" Bewegungen von nicht betroffenen Fingern (Muskeln) auftreten.

Gruß
 
Klavirus

Klavirus

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Ich denke mal, man merkt viel schneller, dass was faul ist, abgesehen vom KL-Hinweis, wenn man auswendig spielt, also die Augen für die Hände frei hat und zusätzlich oft die Hände einzeln übt, und dort besonderes Augenmerk auf flüssige entspannte Handhaltung legt.

Spielt man nur zusammen und muss auf die Noten schauen, schleicht sich eher was ein und es ist schwer sich das wider abzugewöhnen, weil die Hände voneinander abhängig spielen...

War mein Senf...


Klavirus
 
 

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