Beethoven Sonate As-Dur op. 110

Dieses Thema im Forum "Klavierspielen & Klavierüben" wurde erstellt von balou, 10. Aug. 2006.

  1. balou
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    balou

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    Hallo zusammen!
    Ich spiele von Beethoven die Sonaten op 10 Nr. 1 und die Pathétique. Es scheint mir fast so, dass diese beiden Stücke die schwersten sind die ich zur Zeit spiele, aber sie klingen (auch gemäss meiner ziemlich kritischen Klavierlehrerin :-) gut!
    Nun ist es so, dass mir die Sonate As-Dur op. 110 sehr gut gefällt. Spielt die jemand von euch und wie ist sie von der Schwierigkeit her einzustufen?

    Ich will noch bemerken, dass ich erst vor ca. 5 Jahren (mit 39) begonnen habe Klavier zu spielen.

    Grüsse, Moritz
     
  2. konstantin
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    konstantin Guest

    richter sagt, sie sei die schwerste der beethoven-sonaten (sogar schwerer als 111 oder 106 - jedenfalls, was interpretation angeht).
    die ersten drei sätze sollten technisch machbar sein, die fuge am ende ist widerlich.
    bedenke, dass der späte beethoven nicht pianistisch komponiert ist, wodurch zum teil einfach sehr schwere und unangenehm zu spielende passagen bewältigt werden müssen.
    ich spiele nun seit knapp 16 jahren und traue mich immer noch nicht an beethovens spätwerk ran - zu großen respekt habe ich vor dem musikalischen gehalt und der technischen realisierung dieser werke (mit ausnahme von op.90, die mit als beginn des späten beethovens gilt).
    weiterhin glaube ich, dass man für diese späten werke eine gewisse reife entwickelt haben muss, sowohl pianistisch als auch vom leben her.
    von daher hat das für mich noch zeit, ich werde gerad mal 22 ;)
    da höre ich mir das spätwerk lieber auf cd an...
     
  3. konstantin
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    konstantin Guest

    entschuldigung, doppelpost! - mein erstes posting wurde zuerst nicht angezeigt
     
  4. Ute
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    Ute

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    Ich spiele auch seit 16 Jahren Klavier. Von der Pathetique habe ich bisher im Unterricht die Sätze 2 und 3 gespielt. Der zweite Satz ist sehr schön, aber vom Ausdruck schwer. Die Sonate 1o Nr. 1 habe ich auch gespielt, aber auch nur den ersten Satz. Mit nur fünf Jahren Klavierunterricht bist du schon sehr weit gekmmen, wenn du diese Werke nun im Unterricht machst. Respekt - ich hätte die damals mit fünf Jahren Unterricht nicht spielen können, aber ich war auch sehr viel jünger. Auf jeden Fall viel Spass beim Üben - die Stücke lohnen sich auf jeden Fall.
     
  5. balou
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    balou

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    Danke für eure Inputs! Meine Klavierlehrerin schaute nachdenklich hinter ihrer Brille hervor, als ich ihr sagte, dass mir diese Sonate gut gefalle....
    Ich habe gestern mal versucht die ersten drei Seiten ab Blatt zu spielen - auf den ersten Blick scheint es mir machbar, allerdings muss ich mir noch die Fuge genauer anschauen.
    Viele Grüsse, Moritz
     
  6. asmis
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    asmis

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    Ich fand op. 110 nicht soooo schwer, verglichen mit op. 111, was technisch einfach eine leidige Angelegenheit ist, von der Lesarbeit ganz zu schweigen. Bis man die mal im Kopf hat... Kämpfe jetzt schon mit dem zweiten Satz, ohne ihn erstmal angefangen zu haben... :D

    Allerdings sind die Spätwerke von Beethoven, was die Schwierigkeit und den Gehalt darin angeht, doch erheblich höher einzustufen als die frühen; immerhin geht's da in die Romantik hinein, was man leider auch sehr genau in Harmonie und Melodik hören kann.
    Aber spielbar ist sie auf jeden Fall - und auch von mir großen Respekt! in Bezug auf deine Spielerfahrung!
     
  7. rappy
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    rappy

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    Ich finde den Sprung von der Pathetique auf Op. 100 ziemlich gewaltig. Vielleicht solltest du wenigstens die Waldstein, eine Schubertsonate o. Ä. dazwischenschalten.
     
  8. manaus
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    manaus Guest

    Mal ne andere Frage:
    Findet ihr den Sprung zu groß?
    Nach der Mondscheinsonate und der Pathetique sich an op. 109 zu wagen?
    Wie rappy oben schon meinte, sollte man vielleicht die Waldstein dazwischen nehmen. Ich finde die Waldstein aber auch die Appassionata um einiges schwieriger als op.109!
    Wie seht ihr das?

    lg;)
     
  9. rolf
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    rolf

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    hallo,

    falls Du op.109 schon spielen kannst, wird es so für Dich sein.

    falls Du op.109 noch nicht spielen kannst, sie aber gerne üben würdest (was ich verstehen kann: die ist unsagbar schön!!!), dann schau Dir mal die toccatenartige Variation, die fugierte Variation und die vorletzte (Triller...) an - das ist enorm schwierig!...

    allerdings ist das Finale von op.57 auch enorm schwierig, aber ich finde es manuell doch nicht so schlimm wie manches aus den 4 letzten Sonaten.

    Gruß, Rolf
     
  10. rolf
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    rolf

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    sehr schwierige Abschnitte in Beethovens letzten 4 Sonaten

    hallo,

    mal aus meiner Sicht die schlimmsten (also technisch gemeinsten) Abschnitte aus den Sonaten op.101, 106, 109, 110, 111 analog zu den Stufen bei Wolters:

    op.101
    der 2. Satz ist anspruchsvoll (a la Wolters Stufe 14)
    das fugato im Finale (15)

    op106
    der 1. Satz (sicher mindestens 14-15)
    im 2. Satz eine knifflige Akkordpassage (14-15)
    die Fuge (Wolters vergibt keine 16 - ich würde hier 16 für korrekt halten) :)

    op.109
    der Variationensatz (15)

    op.110
    im 1. Satz eine fiese 32stel Passage in E-Dur
    der 2. Satz ist widerborstig (14)
    die Fuge (ab der Wiederkehr nach dem interpolierten arioso 15)

    op111
    der 1. Satz (14-15 je nach Tempo)
    im 2.Satz "Boogie-Var." & letzte Var. (15), Coda (Trillerkette 14-15?)

    Ich halte die letzten Sonaten nicht für "unpianistische" Klavierwerke, ganz im Gegenteil. Dass sie sehr schwierig zu spielen sind, spricht nicht gegen den Klaviersatz - einige der schönsten romantischen Klavierwerke sind fuchtbar schwierig (Chopin Ballade IV, Liszts Sonate u.v.a.).

    Wann man sich mit diesen Sonaten beschäftigen soll? Wenn man sich zu ihnen sehr stark hingezogen fühlt, schon ein paar Sachen aus dem "virtuosen Schwierigkeitsbereich" kann - und wenn man viel Geduld hat. Sie lernen sich nicht wie Konzertetüden - aber die Etüden können helfen (wer z.B. Chopins op.10 Nr.4 kann, bringt was sinnvolles für die schnellen fugati mit). Das für den Fall, dass man eine davon ganz spielen möchte.

    ansonsten spricht nichts dagegen, wenn man z.B. den 1. Satz op.101, das "arioso dolente", den langsamen Satz aus op.106 oder den 1.Satz aus op.109 quasi als "herausgetrennte Charakterstücke" spielt - also man darf ruhig "früher" was daraus spielen, wenn man es sehr mag.

    Gruß, Rolf
     
  11. .marcus.
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    .marcus.

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    Schade, dass du den ganzen Satz so schwer einschätzt. Ich hab mich richtig in den verliebt und gedacht, er wäre vlt ein Einstieg in die späten Sonaten.
    Besonders die letzte Variation ist wunderschön (ehrlich gesagt, gefällt sie mir besser als die Variationen in Op.111).

    Vlt sollten wir mal Stücke sammeln, die wunderbar klingen und nicht mit solchen pianistischen Gemeinheiten aufwarten ;)

    lg marcus
     
  12. rolf
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    rolf

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    hallo marcus,

    ja was soll man da sagen - Beethoven verlangt da z.B. einen ewig langen Triller mit 1-2 auf h & cis in der r.H., dazu obendrüber (ohne den Triller zu unterbrechen!...) zwei synkopierte cis (None...), die l.H. hat dazu rasche 32stel-Läufe -- und das alles energisch (forte)...

    ich habs unten angehängt

    auf die Frage, warum Rachmaninov op.109 öffentlich spielt, soll Horowitz geantwortet haben "um zu zeigen, dass man das nicht tun soll"... :) (steht in der Biogrfie von G. Plaskin)

    spiel doch den ersten Satz, der ist nicht so schlimm - und unglaublich schön (die Aufnahme von Gould ist wunderbar, auch Kempff)

    liebe Grüße, Rolf
     

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  13. manaus
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    manaus Guest

    Hey rolf, wie würdest du die Waldsteinsonate einschätzen. Wäre das machbar nach der Mondschein und der Pathetique?

    lg
     
  14. rolf
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    rolf

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    hallo manaus,

    wenn Du wirklich sehr viel üben willst und geduldig bist, kannst Du es versuchen (eine Garantie gibts nicht) - aber ich wage die "Ferndiagnose", dass es hilfreich ist, erst mal die 32 Variationen c-Moll WoO (auch Beethoven) und evtl. zwei-drei Chopinetüden (op.10 cis-Moll, F-Dur, c-Moll) zu machen. Damit hättest Du ein "Rüstzeug", dass Dir den manuellen Zugang in op.53 hinein quasi leichter macht (denn die ist schwierig, z.B. die so genannte Kadenz und das prestissimo im Finale, aber auch im 1.Satz gehts manchmal rund)

    ich finde op.13 und op.27,2 manuell deutlich weniger schwierig als op.53, aber das ist nur meine Meinung, muss man nicht so sehen.

    liebe Grüße, Rolf
     
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 22. Juni 2009
  15. manaus
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    manaus Guest

    Hey rolf....danke für deinen Tipp!
    Habe mir mal die Variationen angehört. Es ist ja unglaublich, was man an diesem einzigen Werk alles lernen kann!

    lg;)