Beethoven: Sonate As-Dur, op. 110

pianovirus
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Ich bin lüderlich, du bist lüderlich, wir sind lüderliche Leut

So, gestern habe ich nun endlich beschlossen, noch einmal einen Anlauf zu wagen, die Sonate vollständig aufzunehmen. Ich möchte sie nun für eine Weile ruhen lassen (nur den ersten Satz werde ich Anfang Mai noch einmal vorspielen), so dass jetzt eigentlich die letzte Gelegenheit war, noch einen "Schnappschuss" des derzeitigen Standes zu machen.

Pardon, dass es jetzt zwei Einspielungsfäden zu op. 110 gibt, aber ich hielt es für besser, die Heimaufnahme getrennt von den beiden Live-Aufnahmen zu diskutieren, sonst ist am Ende alles Kraut und Rüben.

So ein Stück lässt einen nicht wieder los; also auch wenn ich mich jetzt erst einmal wieder anderem widme, würde ich mich über Kommentare und Kritik freuen.

Einen schönen Sonntag wünscht
pianovirus

 
C
Curby
Guest
Ich bin jemand der keine Grimassen am Klavier macht (hoffe ich zumindest). Machst du diese ganz automatisch? Wendest du da Energie für auf, die man anderweitig investieren könnte? Vielleicht bin ich ja nicht vrtieft genug..
 
pianovirus
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Ja, das kommt ganz von selbst und ich kann es auch nicht abstellen, bzw. wenn ich es versuche, dann beansprucht das Energie und Aufmerksamkeit. Ich habe das zu früheren Einspielungen oft dazugeschrieben, aber möchte jetzt nicht jedesmal wieder darauf eingehen müssen. Es gibt ja auch unter den bekannten Pianisten alle Extreme, von Michelangeli (†) bis zu Uchida. Wenn es nicht deutlich als Show-Effekt eingesetzt wird (LL), ist es letztlich Teil der Persönlichkeit; meine Kollegen auf der Arbeit sehen (leider) auch immer beim Vorbeilaufen direkt an meinem Gesichtsausdruck, wenn ich z.B. gerade mit jemandem chatte. So, ich hoffe, das war jetzt genug zu diesem Thema -- eigentlich sollte es um die Musik gehen.
 
pianochris66
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Hallo Tobias,
eine sehr schöne Aufnahme, ich kann nur meinen imaginären Hut ziehen. Man merkt, dass Du Dich seit dem Konzert bei Marlene noch intensiv mit dieser großen und großartigen Sonate beschäftigt hast, wenn Du mir diese Bemerkung erlaubst. Sehr schön, dass Du uns wieder im Forum mit Einspielungen von Dir erfreust, vielen Dank dafür!

Liebe Grüße
Christian
 
Moderato
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Danke Tobias, daß Du die Sonate hier auch noch komplett zeigst. Ich habe den Eindruck, Du bist gegenüber deinem Auftritt bei Marlene noch sicherer geworden. Dort meinte ich noch kurzzeitig etwas Probleme im Mittelteil des zweiten Satzes gehört zu haben. Ich kann mich aber auch irren oder mein Gedächnis trügt mich. Dieser Teil scheint ja auch irgendwie sperrig zu sein.

Gruß
Manfred
 
Marlene
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Das schlaue neue Forum hat meinen Text festgehalten obwohl ich heute Nachmittag vergessen habe auf "Antwort erstellen" zu klicken. So, jetzt aber richtig:

Lieber Tobias,

vielleicht irre ich mich ja, aber im Gegensatz zu Paris und Köln wirkst Du bei dieser Einspielung auf mich lockerer und entspannter was man – wenn ich meinen Ohren trauen darf – hören kann.

Danke, dass Du uns an Deinen Aufnahmen teilhaben lässt..

Herzliche Grüße
Marlene
 
Fips7
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Ebenfalls danke, Tobias, dass du nun noch einmal die ganze Sonate aufgenommen hast. Ich frage dich nicht, wie lange du dich damit auseinandergesetzt hast. Es ist jedenfalls sehr schön hörbar, dass du dich eine ganze Weile lang intensiver mit ihr beschäftigt hast. So etwas hört man hier nicht alle Tage.

Falls du noch was kritisches hören willst: Zwei Gedanken, die mir unterwegs beim Hören kamen. Erstens: Du spielst oft - an den passenden Stellen natürlich - sehr einfühlsam und bedacht. Das ist sehr schön, - aber gelegentlich habe ich doch etwas das Gefühl von "Stehenbleiben", d.h. dass der musikalische Fluss etwas stockt und ich die Musik an diesen Stellen gerne eine Spur "anschieben" würde. Zweitens: Vielleicht liegt es an der Aufnahmetechnik, aber manchmal könntest du meiner Meinung nach noch etwas mutiger sein im Ausdruck, also z.B. Melodien noch deutlicher ausspielen. Man spürt, dass du genau das möchtest und dich darum bemühst. Entweder tust du es sowieso schon und es liegt nur an der Aufnahme, dass manche Melodien zu leise und zurückhaltend sind. Oder du könntest tatsächlich noch etwas damit herausgehen.
Hoffe, du kannst das etwas nachvollziehen.

Grüße von
Fips
 
pianovirus
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Danke Euch allen fürs Anhören und für Eure Rückmeldungen!

Ich denke auch, dass es seit Paris etwas sicherer geworden ist, aber zuhause in Ruhe etwas aufzunehmen ist eben etwas ganz anderes. Und trotzdem musste ich ein paar Schnitte einfügen, nicht wegen jeder Kleinigkeit, aber bei einigen groben Schnitzern. Naja, so ist es halt....

Fips, herzlichen Dank auch für die Kritikpunkte! Den ersten kann ich sofort nachvollziehen; auch mein Lehrer warnt manchmal vor einem Zerfallen in Einzelstellen. Wenn Du mir zum zweiten Punkt eine oder mehrere Stellen (hier oder per PN, für mich ist beides ok) nennen könntest, an der Du diesen Eindruck hattest, dann wäre das sehr hilfreich, um diesen wichtigen Eindruck genauer nachvollziehen zu können (gemeinsam am Klavier ginge das natürlich viel einfacher).

Liebe Grüße,
pianovirus
 
Troubadix
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Lieber Tobias,

du bist hier so etwas wie mein Amateur-Idol. Es ist echt unglaublich, was du alles im Repertoire hast und auf welch hohem Niveau deine Darbietungen sind. Und jetzt spielst du auch noch meine Lieblings-Sonate von Beethoven ein…
Was du dort machst ist wirklich sehr schön anzuhören, ich beneide dich! Ich werde nun einige Vorschläge machen, wie man gewisse Sachen anders machen könnte ohne dabei den Anspruch erheben zu wollen, dass man das so machen muss wie ich es glaube. Es handelt sich lediglich um meine unmaßgebliche Meinung, denn ich bin ja bekanntlich selber nur Amateur mit unzureichendem Sachverstand und du spielst diese Sonate um einiges besser als ich. Deswegen verstehe alles was nun folgt bitte nicht als Kritik. Vielleicht kann ich dich ja dennoch zu dem einen oder anderen Punkt inspirieren.
Also…
  1. Satz
Takt 3: Lass dir für den Triller ruhig mehr Zeit. Ich höre nur ein Crescendo, kein folgendes Decrescendo im Triller. (siehe auch Barenboims Ausführungen)
Die anschließende Kantilene ist klasse, ebenso die Girlanden!

Takt 23: Die Vierergruppe im dritten Viertel spielst du als komplett gebundene Vierergruppe. Das spielen auch viele Profis so. Notiert ist die Stelle ausgehend von den Legato-Bögen als zwei gebundene Zweiergruppen. Ich finde es schön, wenn man das mehr hervorhebt, also statt dadadadadaaaadaaaa, lieber dadap-dadap-daaaadaaaa. :-)

Takt 45 ff: Ein herrlicher Dialog in der linken Hand ist das! Die steigende und fallende Dynamik in jeden zweiten Takt kann etwas deutlicher ausfallen, das ist mir ein bisschen zu zart und eintönig.

Takt 55: Crescendo bis zu den Trillern, dann Diminuendo.

Takt 58: Crescendo – Takt 59 Diminuendo... Auch das klingt dynamisch für mich zu gleichbleibend.

Takt 62: Klasse! :super:

Takt 65: Ab drittem Viertel Crescendo bis zum Forte zu Beginn von Takt 67, dann Diminuendo bis zum pp ab Takt 69.

Takt 69: Ich spiele dort ritardando (ähnlich Brendel) und „una corda“, „tre corde“ erst wieder ab Takt 73 drittes Viertel (ich sehe deine Füße nicht und weiß nicht, wie du es dort machst). Die E(Fes)-Dur-Girlanden klingen nicht ganz so locker und geschmeidig (sind aber auch schwierig), wie die in As-Dur zu Beginn.

Takt 77: Du spielst ritenente bereits hier auf dem dritten Viertel und sf auf dem ersten Viertel von Takt 78, danach folgt kein Crescendo oder ritenente in Takt 78 mehr. Dadurch nimmst du meiner Meinung nach dem schönen Effekt von Takt 78 und 79 (Crescendo bis zum Forte (!!!) auf der letzten Doppeloktave in Takt 78 und ritenente auf dem letzten Viertel, dann subito piano ab Takt 79) völlig die Wirkung.

Takt 82: siehe Anmerkung Takt 23

Takt 84: Ich „rolle“ den ersten Akkord. Ist zwar nicht notiert, hab ich mir aber von Gould abgeschaut…gefällt mir einfach. :-D(gilt auch für Takt 25)

Takt 100: Vor dem zweiten Viertel setze ich kurz ab. Viele Ausgabe geben von dort an bis Takt 105 einfach nur Decrescendo an. Du spielst dort so, wie Arrau es notiert, also so, wie im Bild im Anhang gezeigt.

:super:

Takt 111: Etwas zarter... der Kontrast zwischen dem Forte zum Ende von Takt 110 und subito piano ab Takt 111 ist mir nicht groß genug. Dann Takt 112 wieder Crescendo bis zum Forte (da passiert dynamisch gar nichts in dem Takt bei dir) und wieder subito piano ab Takt 113.

Die letzten beiden Akkorde: Hier muss die Oberstimme unbedingt mehr hervorgehoben werden. Diese Akkorde sind wie ein Echo des ersten Akkordes der Sonate und dem Beginn von Takt 4, wo ja auch dass C mit Akzent gespielt wird. Dass das C bei den Schlussakkorden besonders hervorgehoben wird ist auch deshalb wichtig, weil der zweite Satz auf demselben Ton beginnt, meiner Meinung nach „attacca“ gespielt werden sollte und der Übergang zwischen den Sätzen dann besser wirkt.

2. Satz

Der A-Teil gefällt mir ausgesprochen gut!

Takt 40ff: Die Dynamik-Unterschiede könnten etwas deutlicher sein, also Takt 48 und 49 ff(s) – Takt 50: p(s); Takt 56 und 57 ff(s) – Takt 58 p(s) usw.

Ansonsten: Der B-Teil ist widerborstig…Gute Arbeit!

3. Satz

Takt 1: Ab drittem Viertel Crescendo bis Taktende, dann ppp subito ab Takt 2 (da streitet sich die Fachwelt drüber)

Takt 13: Vor Takt 13 kurz absetzen.

Zur Gestaltung vom Arioso... Kennst du Barenboims Ausführungen dazu?…hier.

Die Fuge lasse ich unkommentiert stehen und verneige mich einfach ehrfürchtig.

Ich komme mir irgendwie komisch dabei vor, mich zu deiner Einspielung zu äußern, da ich es nicht mal annähernd so gut hinbekomme wie du :-(…wie auch immer.

Schön, dass du wieder da bist! :bye:

Viele Grüße!

P.S.: Ich habe neulich deine Einspielung der 4. Skrjabin-Sonate gesucht, konnte sie aber auf deinem Youtube-Channel nicht finden... Gibt es die noch irgendwo?
 

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Lieber Tobias,

das ist mittlerweile auch eine meiner liebsten Sonaten von Beethoven. Erst letzten Samstag habe ich sie live gehört und war wieder begeistert. Ich habe direkt Lust, sie selbst zu spielen. Ich glaube, den ersten Satz möchte ich probieren. Vor dem zweiten Satz und der Fuge bzw. den beiden Fugen graut mir allerdings.

Ganz erstaunlich finde ich im 1. Satz immer die Einfachheit der Modulation zu dem etwas "dramatischeren" f-Moll Teil. Und die 32-tel Akkordbrechungen sind jedesmal wieder wunderschön.

Ich finde, du hast diese und so viele weitere Stellen der Sonaten schon herrlich gelöst. Meinen größten Respekt davor!

lg marcus
 
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Lieber Troubadix,

so, nun bin ich endlich dazu gekommen, Deine Kommentare sorgfältig durchzugehen. Als allererstes: Viiiielen herzlichen Dank für das so genaue Hinhören und dafür, dass Du Dir die Mühe gemacht hast, aufzuschreiben, was Dir aufgefallen ist. Die Kommentare sind für mich äußerst wertvoll, weil vieles mir nach einer Weile nicht mehr selbst auffällt -- da ist es dann sehr hilfreich, einen (wohlwollend) strengen Zuhörer zu haben!!

An einige der Dinge, die Du hier erwähnst, hatte mich mein Lehrer auch immer wieder erinnert, nämlich an Deine Kommentare zu:
- T. 23 (bzw. 82; Zweiergruppe, finde ich eigentlich auch sehr wichtig);
- Durchführung (steigende und fallende Dynamik in jedem zweiten Takt);
- Dynamik und Agogik von T. 77/78;
- T. 111 subito piano.
Das hatte ich alles früher schon genau so gemacht (oder zumindest war das genau so auch meine Hörvorstellung), nur über die Zeit haben sich wohl ein paar schlechte Angewohnheiten eingeschlichen.

Auch Deine ganzen anderen Kommentare konnte ich sofort nachvollziehen und bin mit Dir ganz einer Meinung, bis evtl. auf das Gouldsche Arpeggio auf der "1" in T. 25 und 84 -- das ist Geschmackssache (aber war interessant, davon zu hören; ich kenne die Gould-Aufnahme noch gar nicht...man kommt kaum nach mit Hören...).

Es gibt m. E. noch ein paar deutliche technische Problemstellen, vor allem: die Girlanden im 1. Satz (Du hast sie an der E-Dur bzw. Fes-Dur-Stelle ja auch angesprochen, aber selbst die am Anfang sind nicht ganz so geschmeidig, wie sie sein sollten...da soll wirklich nichts schwierig oder gar virtuos klingen an dieser Stelle); der Mittelteil im 2. Satz und der Schluss des 3. Satzes (eigentlich ab T. 168 bis zum Ende).

Der dritte Satz ist so groß und vielschichtig; ich vermute, das wird noch eine ganze Weile dauern bis ich diesen wirklich verinnerlicht haben werde.

Vielen Dank für den Link zum Barenboim-Meisterkurs, den kannte ich noch gar nicht und werde ihn mir am Wochenende einmal in Ruhe anschauen!

Also, noch einmal ganz herzlichen Dank für das alles!

Liebe Grüße,
Tobias

P.S.: Ich habe neulich deine Einspielung der 4. Skrjabin-Sonate gesucht, konnte sie aber auf deinem Youtube-Channel nicht finden... Gibt es die noch irgendwo?

Ich hatte davon leider nur einmal eine Audio-Aufnahme gemacht und sie hier glaube ich auch irgendwann vorgestellt (damals konnte man glaube ich noch Audio direkt auf clavio hochladen). Nur finde ich die Datei jetzt nicht mehr. Aber ganz ehrlich: Du hast nix verpasst, das Prestissimo volando ist damals leider nie so richtig abgehoben..... :dizzy:
 

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Lieber marcus,

auch Dir ganz herzlichen Dank fürs Anhören und für Deine Rückmeldung! Schön, dass Dir die Sonate über die Zeit auch so lieb geworden ist, dass Du sie nun auch spielen möchtest. Mach' das unbedingt!

Viele Grüße,
Tobias
 
 

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