Bastelklavier Folge 4: Das Flügelchen (mal eine ganz andere Flügelsuche...)

Universaldilettant

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Hallo Freunde der geringen Achsreibung,

Nach dem Schimmelchen, dem Kriebel und dem VPC1 wird jetzt ein neues Kapitel aufgeschlagen:

Das (Bastel...) Flügelchen!

Schon seit geraumer Zeit treibt es mich um, mir einen Flügel zur technischen Auseinandersetzung anzuschaffen. Also nicht primär als Instrument bis zum Lebtagsende, wie hier so häufig zu lesen, sondern um die technischen Aspekte insbesondere der Flügelmechanik inklusive Regulierung in Ruhe zu erleben (und zu erlernen), ähnlich wie bei den vorangegangenen Instrumenten.

Da ich nur begrenzt Platz (und auch Budget) für so ein Projekt habe, sollte es ein Flügel mit folgenden Eckdaten werden:

- Grösse max. 160cm (wobei ich jetzt weiss, das 180cm auch problemlos gehen würden...)
- Deutscher oder japanischer Hersteller ab 1960 (problemlose Ersatzteilbeschaffung, keine Stimmstockprobleme, solide Mechaniken etc, nix Antikes wie das Kriebel)
- Am liebesten ein Langlauer Instrument möglichst jung
- Farbe alles ausser schwarz oder weiss (mag ich beides nicht, ich finde insbesondere schwarze Flügel optisch deprimierend)
- seriöser Vorbesitz (keine Schulinstrumente oder dergl.)
- von Privat mit Wartungsstau aber vernünftiger Substanz
- max 100km Umkreis zum Besichtigen und überschaubaren Transportkosten
- Anschaffung unter 2000.- ( dafür habe ich meine alte Vespa PX verkauft, das Hobby macht mein Rücken nicht mehr mit...)

Diese Kriterien sind recht sportlich, wie ich gemerkt habe... so hat es fast ein Jahr gedauert, bis ich überhaupt was in der Richtung angucken konnte.

Gefunden habe ich schliesslich bei Ebay Kleinanzeigen folgendes:

Anzeige.jpg

Auf Nachfrage hiess es, das Instrument sei von 1989, seit 3 Jahren von einem Kind bespielt, und etwa 150cm tief...

Viel mehr an Infos brauchte ich nicht, auf dem Bild sah alles seriös aus, und der Preis war heiss :super:

Vor Ort relativierte sich allerdings so einiges:

- Das seriös aussehende Zimmer wurde grade renoviert, das Instrument stand unter einer blauen Plane inmitten einer Baustelle :angst:
- Gestimmt wurde das letzte mal VOR Anschaffung.
- Die Länge war exakt 140cm (war mir vollkommen unbekannt, das es so kleine Flügel aus Langlau gibt)
- Baujahr laut Seriennummer 1971 nicht 1989!
- Die Klangbeschreibung aus der Anzeige war etwas optimistisch, diplomatisch formuliert....
- Eine Taste war vollkommen blockiert
- Das Instrument war nur von vorne (relativ...) schön, rundrum war einiges an (auch tiefen) Kratzern und Innenraum MEGA verstaubt.

Positiv:

- Resonanzboden und Stege gut
- Klaviatur ohne Macken
- Klang ab der zweigestrichenen Oktave okay
- Renner Mechanik
- mit Abstand preiswertester Langlau Flügel im Umkreis

Insgesamt jetzt doch nicht so der Schnapper, der sich da angekündigt hatte in der Anzeige , so ein 1989er Langlau Flügel mit den erwarteten 160cm hätte ich schon gerne gehabt ;-)

Nach ein paar Tagen Bedenkzeit steht er jetzt aber doch bei mir, und mein Budget hat sogar inkl. Transport zu mir gereicht.

Werde jetzt Stück für Stück hier ergänzen, was den aktuellen Stand angeht, soviel aber schonmal vorab:

Als Bastelprojekt für Hobbyklavierbauer mehr als ausreichend geeignet :blöd:
 
Bestandsaufnahme und Reinigung (akustische Anlage):

Nachdem das Flügelchen am passenden Platz "gelandet" ist, heisst es erstmal gründliche Sichtung.

IMG_20230716_140425.jpgIMG_20230716_140414.jpg

Der 70er Jahre "Nussbaum ausgeblichen" Stil passt als erstes einmal ganz hervorragend zu meinem sonstigen häuslichen Umfeld, das optisch aus einer bunten Mischung von 70 Jahre bis in die Gegenwart zusammengesammelt ist.
Ich gebe zu, in einem gediegeneren Ambiente würde er wohl nicht die allerbeste Figur abgeben :blöd:

Nahe heran gehen sollte man eh nicht, da das Gehäuse im Detail echt schon bessere Tage gesehen hat, da wird wohl auch optisch einiges an Arbeit sein, dass es zumindest auf den ersten Blick nett aussieht.
IMG_20230716_134826.jpgIMG_20230716_134718.jpgIMG_20230716_134843.jpg

Von Innen habe ich vor der Reinigung leider keine richtigen Bilder gemacht, aber das Teilchen scheint Jahrzehnte aussschliesslich offen gestanden zu haben, da war echt eine Megaschicht Plack überall drauf!

Und da die Kiste sowieso eigentlich einen Dampfstrahler im Innenraum gebraucht hätte, bin ich demenstprechend robust dran gegangen zumindest auf den Agraffen und den Saiten ganz old school verfahren, nämlich mit Stahlwolle:
IMG-20230618-WA0003.jpegIMG_20230622_153848.jpg

Nachdem dann alles durchgeschrubbt war, habe ich mittels Staubsauger und grossen weichen Pinsel alles lose liegende entfernen können, und musste dann aber insbesondere auf dem Resonanzboden mittels Spezialwerkzeug ran (Spielzeugkiste geplündert, und unter den doppelt liegenden Saiten habe ich mir ein Mikrofastertuch beidseitig mit einem Schuhband versehen, damit ich es darunter hin und herziehen konnte.

Nachdem ich da so einige Stunden mit verbracht habe ist der erste optische Eindruck vom Innenleben aber schonmal deutlich gesteigert....

IMG_20230622_173101.jpgIMG_20230716_143823[1].jpg

Im nächsten Schritt folgt dann die genaue Sichtung der Mechanik und das erstellen einer konkreten "To do" Liste...
 
In meiner Verwandtschaft steht so ein Hoffmann aus der Zeit, etwas neuer und etwas größer. Ein ganz passables Instrument, auf dem ich gerne spiele. Ich wünsche Dir viel Erfolg mit Deinem!
 
Bestandsaufnahme und erste Baustellen (Spielwerk/Mechanik):

als nächstes Stand die Demontage an. Da ich noch nie selbst einen Flügel demontiert habe, musste ich mich da kurz reinfuchsen. (Videos im Internet sind da nicht immer hilfreich, da jeder Flügel im Detail da wohl Unterschiede hat. Erfolgreiche Methode hier ist:

- Deckel Aufklappen
- Notenpult nach vorne rausziehen
- Tastenbäckchen rechts und links von unten losschrauben und nach oben rausnehmen (Holzschraube gross)
- Tastenvorsteckleiste von unten losschrauben und nach oben raus (Holzschraube gross)
- Tastenklappe losschrauben und rausnehmen (Madenschrauben rechts und links)
- Kämpfer von hinten losschrauben und nach oben abziehen (Holzschraube klein durch Gussrahmen)

:idee:IMG_20230716_192153.jpg

Jetzt hat man vollen Einblick und Zugriff auf das Spielwerk:

IMG_20230716_192024.jpgIMG_20230622_150713.jpg

Und in diesem Fall auch auf allerlei Unrat (was auch zu den weiter oben genannten Blockierungen geführt hat)

IMG_20230617_181723.jpg

Als nächstes kann das komplette Spielwerk nach vorne aus dem Gehäuse rausgezogen werden.

:idee:ACHTUNG! Man kann folgendes nicht oft genug sagen, schreiben oder lesen!!! :idee:

Das Spielwerk nur ganz mit äusserster Vorsicht und leichtem abwechselnden rucken, aus dem Gehäuse ziehen, in dem man ganz rechts und ganz links am Klaviaturrahmen anfasst. Es darf NIEMALS, wirklich NIEMALS dabei eine Taste auch nur leicht gedrückt werden! Es gibt zudem Flügel bei denen gleichzeitig eventuell noch das Sustenuto, oder auch Tonhaltepedal gedrückt werden muss (bei diesem hier nicht, alles ohne Gewähr...) !!!!

Ich wusste das und habe es die ersten Male auch beherzigt, aber insbesondere bei späteren Arbeitsschritten der Regulierung muss das Spielwerk ständig rein und raus, und da sollte man konzentriert sein!

Ansonsten lernt man dann auch wie man Hammerstiele leimt, oder Hammerköpfe auf neue Stiele baut.... und das Meyne neue Hammerstiele innerhalb 24h liefern kann :blöd:

Habe da keine Bilder von und auch kein Video... aber das kurze knackende Geräusch wie es sich anhört wenn ein Hammerstiel bricht und ein Hammerkopf abreisst, weil er von hintem am Stimmstock festhängt ist... :angst:

Nach dem ersten rausnehmen, habe ich aber erstmal alles gesichtet (und die ersten Baustellen gefunden...)
IMG_20230617_184728.jpgIMG_20230618_171255.jpgIMG_20230716_183429.jpg

und gleich die Klaviatur und Rahmen / Stuhlboden gereinigt (Mechanik vorher entfernt)

IMG_20230618_155755.jpgIMG_20230617_183418.jpg

So frisch alles durchgeputzt fühle ich mich schon viel wohler an dem Flügelchen... Die ersten Baustellen sind aber schon offensichtlich, eine genaue Auflistung folgt dann als nächstes!
 
Weiteres Vorgehen und "To do" Liste:

Nachdem der erfolgten Reinigung und gründlicher Sichtung bei erster "Grobregulierung" sind erstmal folgende Dinge zu erledigen:

- Mehrmaliges Stimmen um wieder stabile 440Hz zu erreichen
- Abziehen der Hammerköpfe zur Wiederherstellung der eigentlich geplanten Hammerform
- Fängerleder in einen adäquaten Zustand bringen
- Tastengarniererungen mittlere Lage komplett erneuern (Waagebalken und Vorderstifte)
- Gehäuse: Furnierschäden angehen und Messingteile reinigen
- Wiederholte Fein-Regulierung des gesamten Spielwerks (offensichtlich seit Jahren nicht gemacht)
- maximale Leichtgängigkeit des Spielwerks erreichen
- Raumakustik und Intonation optimieren

Die oben erwähnte "Grobregulierung" habe ich nach folgendem Schema durchgeführt, als Literatur habe ich das von Nikolaus Schimmel verfasste Werk: " Das Spielwerk für Flügel, Funktion und Regulierung von Tastatur und Mechanik" genutzt. (Man kann sowas notfalls, natürlich nicht legal, per PDF auch im Netz finden...) Erstmal nur um einigermassen Spielbarkeit herzustellen, Feinheiten kommen später.

- Abziehen der Hammerköpfe und auf Form schleifen (die Methode mit dem "losen" Schleifband ist mit etwas Übung ideal...)
- Tasten Grade legen (beim Flügel ja obernervig, Mechanik losschrauben und Tasten markieren welche eine Scheibchen brauchen hilft)
- Tiefgang kontrollieren (nicht viel zu machen, wurde eindeutig nicht viel geprügelt...)
- Steighöhe einstellen (habe da ein wenig reduziert auf ca 45mm, die lagen eigentlich komplett auf der Ruheleiste auf...)
- Repetierschenkel ausgerichtet (da waren einige übel daneben)
- Auslösung einstellen (nur Kraut und Rüben, da war am meisten zu tun... hier muss ich mir für die Feinregulierung aber noch was basteln)
- Dämpfung gezappelt (einigermassen grade, geht gut einzustellen bei dem Flügelchen)

Mit den Schritten ist die Klaviatur einigermassen gleichmässig zu spielen, die Dosierbarkeit im Piano / Pianissimo ist aber bescheidenst, da kommen als nächstes die Massnahmen zur Reibungsreduzierung ins Spiel.

Als nächsten Schritt habe ich aber angefangen zu stimmen. Da ja eh hochgezogen werden muss bin ich gleich nach ein paar Tagen angefangen auf 440Hz mittels Pianometer zu stimmen, das dann Ruhen zu lassen (etwa eine Woche) und als nächstes auf 442 Hz zu stimmen.

Ich verspreche mir davon nach der Akklimatisierung (jetzt etwa 5 Wochen hier...) eine stabile Stimmung auf 440Hz hinzubekommen.

Mechanisch ist das Flügelchen ziemlich easy zu stimmen, VIEL besser als mein Kriebel! Der Wirbelgang ist komplett gleichmässig und relativ leicht (aufgrund der kurzen Saitenlänge, nehme ich an). Für die zweite Stimmung habe ich nur noch knapp 90 Minuten gebraucht.

Was aber echt ziemlich ernüchternd ist bei dem Gerät sind die Inharmonizitäten! Irgendwie war ich davon ausgegangen, das es lediglich an der Verstimmung lag, das Bass und Mittellage so bescheiden klingen. Das ist aber leider nicht so. Als ich nachgemessen habe wie lang die klingenden Saiten sind (anhand der längsten Basssaite) musste ich feststellen, das der W. Hoffmann eigentlich eine als Flügel verkleidetes Kleinklavier ist!

Die längste Saite im Bass hat klingend (zwischen Steg und Kapodaster) nur 102cm! :angst:

Beim Kriebel ist die längste Saite 128cm lang.... kein Wunder, das der so schön klingt...

Da hatte ich ehrlich gesagt nicht mit gerechnet, das die Saiten SO kurz sind, anscheinend haben das andere Hersteller da technisch besser lösen können ( Ein Kawai GL10 ist beispielsweise 153cm Länge und 120cm Bassaite, scheint also zu gehen konstruktiv)

Klanglich muss ich da wohl grössere Abstriche machen, als ich gehofft hatte.

Nach Abschluss der ersten Schritte der Regulierung und der zweiten Stimmung habe ich folgende Aufnahme gemacht, ich gehe davon aus das da klanglich noch Luft nach oben ist, wenn die Stimmung richtig passt und die Klaviatur sich nicht mehr benimmt wie ein störischer Esel!


 
Mit den kurzen Baßsaiten und dem dementsprechenden Inharmonizitäten wirst Du wohl leben müssen… aber die Stimmung ist leider noch nicht gut… die Chöre sind unrein und der Diskant ist m.E. nicht weit genug gespreizt. Da geht deutlich mehr ;)
LG Georg
PS: Ansonsten Respekt für dieses Projekt… und wenn Du Fragen hast, helfe ich gern.
 
Man kann die Papierscheiben mit einem Schlitz versehen und von unten bei hochgekippter Mechanik mit einer langen Pinzette darunter friemeln… funktioniert bestens.
Jou, schon gesehen die Technik, steht schon auf der "Noch besorgen" Liste für die Feinregulierung da ja auch die Regulierung der Mechanik bestimmt nicht besser wird wenn man die dauernd abschraubt... Edit: Wie lang sollte die sein zum bequemen arbeiten? 25cm? Oder länger?
 
Zuletzt bearbeitet:

Zum stimmen würd ich mir besser jemand bestellen - da haut von der Stimmung her irgendwie so garnix richtig hin.
Das hatte ich oben nicht geschrieben, stimmt! Ich wollte die Stimmung selbst ca. auf Ziel bringen, um mir zu ersparen das mein" Hausstimmer" mehrmals anreisen muss um stabil die 440Hz zu erreichen. Ich hoffe mal, das zu erreichen. Ansonsten ist die Pianometer APP ja nicht ganz schlecht, aber bei SOLCHEN Inharmonizitäten schlichtweg überfordert. Da sollte eindeutig ein Profi ran, der nach Gehör stimmt. (@Klavierretter : der Erfahrungsgemäss auch kein Problem dabei hat die Chöre mit EINEM Anlauf sauber zu stimmen, beim Kriebel hat er ca. 45 min für eine komplette Stimmung)
 
Das hatte ich oben nicht geschrieben, stimmt! Ich wollte die Stimmung selbst ca. auf Ziel bringen, um mir zu ersparen das mein" Hausstimmer" mehrmals anreisen muss um stabil die 440Hz zu erreichen.
Um 440 Hz zu erreichen, mit Sicherheit nicht.

Hochziehen und anschließend auf 440 Hz stimmen, des braucht maximal 120 Minuten.

Wenn das Instrument zu vor sehr tief war, empfiehlt sich ohnehin noch mal eine weitere Stimmung nach etwa einen halben Jahr.
 
Man kann die Papierscheiben mit einem Schlitz versehen und von unten bei hochgekippter Mechanik mit einer langen Pinzette darunter friemeln… funktioniert bestens.

Kann man machen, aber es ist mehr Aufwand, und die Scheiben sind kaputt :-D

Ich fang immer mit den "dicksten" die möglich sind an, die unter die gröbsten erst mal runter bis die nahe daran oder sogar passend sind, und anschließend die dünneren bis die Tastatur plan ist.

Am besten man legt sich die Plättchen schon mal nacheinander vor den jeweiligen Tasten.
 
Um 440 Hz zu erreichen, mit Sicherheit nicht.
Warum nicht? Ist mir technisch nicht ganz klar... hatte vor knapp 3 Wochen die 442er Stimmung durchgeführt, welche bis heute noch etwa 6 Cent im Bass und ab der Mittellage 2 Cent ÜBER 440Hz liegt, da scheint Sie sich zu fangen. Warum sollte man jetzt nicht sauber auf 440Hz stimmen können? (Es sei denn man möchte deutlich mehr spreizen...)

Hochziehen und anschließend auf 440 Hz stimmen, des braucht maximal 120 Minuten.
Also gut 2,5x länger als für eine normale Stimmung, das sollte dann ja auch mindestens das doppelte Kosten, genau das wollte ich vermeiden.

Wenn das Instrument zu vor sehr tief war, empfiehlt sich ohnehin noch mal eine weitere Stimmung nach etwa einen halben Jahr.
War nicht SOOO dramatisch, das a´ hatte 435Hz, im Diskant wars ein wenig tiefer (bei meiner Pianometer Spreizung) Ich werde beobachten, wo es hinzieht, meine Ohren sind da eh nicht komplett empfindlich, ich gestehe Instrumenten aus Holz, Eisen, Kupfer Filz und Leder eine gewisse Unsauberkeit zu, wenn ich perfekte Stimmung brauche, spiele ich auf dem Digi...
 
Also gut 2,5x länger als für eine normale Stimmung, das sollte dann ja auch mindestens das doppelte Kosten, genau das wollte ich vermeiden.
Das doppelte mit Sicherheit nicht.

Bei einer normalen Stimmung kann man mit etwa 60 - 90 Minuten rechnen, der Preis bleibt da unabhängig von der Dauer der gleiche.

Die Frage die sich stellt bei einer zu tiefen Tonhöhe auf 440 Hz, ob es mit einem Durchgang getan ist (könnte bei einer Tonhöhe von 435 Hz durchaus sein) oder ob es zwei Durchgänge braucht.

Wenn das Instrument all zu tief ist, wird man mit Sicherheit 2 Durchgänge brauchen, was sicherlich zu etwas mehr Kosten führt, aber keineswegs 100% ausmacht, zumal die Anfahrt ja nur einmal berechnet wird.

Wobei, das Instrument "auf Linie zu bringen" kann auch mitunter zwei Durchgänge erfordern, obwohl es mittig auf 440 Hz steht.

Hatte ich auch schon gehabt - mittig stand das Instrument auf 440 Hz, im Baß war es zu hoch und im Diskant erheblich zu tief - des mußt auch erst mal ausgleichen.

Natürlich muß man beim Hochziehen das Instrument etwas überziehen wenn es zu tief ist, ansonsten sitzt man ewig dran, bis es mal auf 440Hz steht.
 

Sollte bei moderneren Konstruktionen nicht vorkommen, da reißen eher die Saiten.

Wir reden hier auch nicht von Instrumenten mit angestemmter oder gefensterter Gußplatte, sondern von einem Flügel moderner Konstruktion.

Hier sind Plattenbrüche beim Überziehen unwahrscheinlich (nimmt man mal Chinaböller und Russenkracher aus)
 
Ich weiß nicht, wie Du PianoMeter nutzt, empfehle aber dringendst, mit der Software ausschließlich einzelne Saiten zu stimmen und das Stimmen von Chören niemals irgendwie mit PianoMeter zu verbinden. PianoMeter ist tatsächlich wirklich gut darin, Inharmonizitäten zu bestimmen und auf Basis der Messungen eine Stimmkurve zu erzeugen, die dem Klavier wirklich das Optimum für eine gleichschwebende Stimmung produziert.

Ich vermute, dass Du noch nicht gelernt hast, inwieweit die Obertonzusammensetzung einer einzelnen Saite sich in das Konzept des Stimmen eines Chores einfügt. Solange Du das nicht verinnerlichst, wird Deine Stimmung immer schräg klingen. Das auf die Inharmonizität der Saiten und die Stimm-Software zu schieben, verkennt das Problem.

Auch diesen kleinen Flügel kann man akzeptabel stimmen und entscheidend dafür, wie gut das dann klingt, ist das Stimmen der Chöre.

Edit: Mindestens genauso entscheidend für die Reinheit einer Saite und der damit verbundenen Stimmfähigkeit ist natürlich das Sicherstellen, dass die Saiten ohne Spiel direkt auf dem Steg aufliegen und auch so durch die Agraffen laufen, dass sie da in der Konstellation "Stahl trifft auf Messing" optimalst positioniert sind. Für beide Parameter gibt es entsprechende Werkzeuge, die man haben sollte, wenn man lieber selbst Hand anlegt und nicht alle 3 Monate einen Klaviertechniker benötigt.
 
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