Bastelklavier Folge 4: Das Flügelchen (mal eine ganz andere Flügelsuche...)

Und haben sich in der Folge irgendwelche unerwünschten Nebenwirkungen ergeben? Z.B. Korrosion der Saiten?
 
Mir sind solche Ozongeräte aus der Leichengeruchbekämpfung in Wohnungen und Häusern bekannt.

Aber a bisserl bleibt trotzdem noch zurück.

@Bernhard Hiller , Ozon bildet Oxyde, in sofern ist die Wahrscheinlichkeit recht hoch, daß sich im Klavier chemische Veränderungen ergeben, welche sich nachteilig auswirken.
 
Und haben sich in der Folge irgendwelche unerwünschten Nebenwirkungen ergeben? Z.B. Korrosion der Saiten?
Die Stahlssaiten sind eh nicht die schönsten, da würde man sowieso nichts sehen...(wobei Stahl auch eher wohl Ozon unempfindlich ist) Bei den kupfernen Basssaiten will ich nicht aussschliessen, dass etwas vom vorher erreichten "Glanz"durchs abschruppen wieder flöten gegangen ist. Kupfer und Messing würde ich einer dauerhaften Ozonbehandlung auch wohl nicht aussetzen wollen.

Die paar Stunden habe ich aber riskiert, um den Müffel los zu werden ;-)
 
Spielartoptimierung (insbesondere Verminderung von Achsreibung...)

wie erwähnt gab sich die Spielart des Flügelchens von Anfang an recht störrisch und ungleichmässig. Ein kontrolliertes Pianissimo war gar nicht möglich, Piano so na ja.... siehe Klangbeispiel oben.

Durch die grobe Regulierung im Vorfeld hatte sich das Phänomen zwar etwas gebessert, aber die Ursache war dadurch nicht behoben.

Durch meine Erlebnisse beim Schimmelchen war relativ schnell klar, das die Achsreibung da einen nicht unerheblichen Anteil daran haben muss. Und Achsen gibts in einem Flügel ja auch so einige (hundert....)

Also habe ich nach dem "Achsweg" priorisiert, den die einzelnen Bauelemte zurücklegen und kam recht fix auf Hammerstielachsen, und die Achsen der Hebegliedkapseln. Die Hämmer sind ja recht schnell kontrolliert, und können "ausgependelt" werden, was aber keine grossen Auffälligkeiten zu Tage brachte.... nicht perfekt leichtgängig, aber mit hohem Potential für eine Protek CLP Behandlung.

Das grösste Potential hatten aber die Achsen der Hebegliedkapseln!

Schon die ersten "Proben" zeigten, extreme Unterschiede in der Leichtgängigkeit, zum Teil waren die so fest das selbst mir als Protek Fan klar war, das wird nix...

Und da ich im Schimmelchen ja mehrmals die Mechanik auseinandergepflückt habe um zu "ölen" und @Henry anfangs hartnäckig ignoriert habe die Hebeglieder doch gleich neu zu achsen, bin ich mittlerweile weiser...

Also Material gecheckt und die Dinger aller nacheinander vom Diskant her rausgerupft (vorher Spielwerk raus, Mechanik runter, Hammerruheleiste ab)

IMG_20230808_220230.jpgIMG_20230810_213343.jpg

Achsenstärke war, 1,25mm , und ich hatte noch eine ganze Tüte 1,30mm vom Schimmelchen über, Glück gehabt! (Bis auf eins zwei, Ausreisser, die werden aber sowieso noch problematischer...)

Genauer Ablauf spielte sich dann folgendermassen ein:

- Hebeglied rausschrauben
- Mittels Pinsel sauber putzen (FFP2 Maske und Absaugung sinnvoll....)
- Gängigkeit Stosszunge und Repititionsschenkel prüfen, deren Achsen mit Protek behandeln
- Hebegliedachse ausstossen, Tuchung mittels Ahle aufreiben und Achse neu einsetzen, abzwacken.
- Gängigkeit Hebegliedkapsel kontrollieren (keine Bewegung durch Schwerkraft, aber durch anpusten möglich)
- Stosszunge einstellen (0,2 mm unter Repetierschenkeloberkante, mittige Position -unter Röllchen-, ist hier markiert!)
- Hebeglied wieder montieren und korrekt zum Hammerstiel ausrichten (inkl. Schieber beseitigen)

Der ganze Vorgang dauert (ohne Überraschungen) pro Hebeglied bei mir gute 5 Minuten, bei Schieberkorrektur etwas länger.

Ergo gute 5min *88 Hebeglieder = ca. 8h kontemplantiv meditative Bastelarbeit

Überraschung gab es allerdings auch welche:



Dieses Hebeglied ist völlig im Eimer, da war wohl mal eine Achse ausgelaufen, und hat das Hebeglied selbst ausgenudelt, es wurde dann eine dicke Achse eingesetzt und in der Kapsel festgeklemmt, so das die "Lagerung" dann im Hebegliedachsenloch selbst stattfand, was dann natürlich wieder ausgenudelt ist.

Das Dingen habe ich erstmal in den höchsten Diskant verbannt, und überlege mir da eine geeignete Reparaturmethode (Komplettersatz, Querholzdübel, Epoxy... keine Ahnung)

Ausserdem gabe es zu feste Achsen, VIEL zu feste Achsen und eine handvoll lose Achsen... aber alles in 1,25mm.

Und auch schön zu sehen im zweiten Bild, das der obere und der untere Mechanikbalken zu nah aneinander waren, so das die Repititionsschenkel teilweise festklemmten! Das liess sich aber durch das Losschrauben und neujustieren des unteren Balken beheben.

Das Beseitigen der Schieber habe ich übrigens mit "Malerkrepp" erledigt, weil ich mein schon früher organisiertes Schieberpapier irgendwie verschludert habe. Ich musste dabei zwar erst an den "Wellpapperussen" denken, aber nachdem ich hinter Mechanikkapseln schon die wildesten Dinge gefunden habe (Zeitungspapier, Furnierstreifen, Kaugummipapier...) fand ich die Lösung ganz passend! Und es ist super zu dosieren, da es Megadünn ist, und problemlos zu schichten.

Nachdem ich alles wieder zusammen hatte, und ausserdem alle Achsen der Hammerstiele mit Protek durch hatte, war ich natürlich gespannt wie ein Flitzebogen, was das Unternehmen jetzt gebracht hat!

Die erste Tonleiter wurde gespielt und: Katastrophe! :angst:

Ich hatte nicht dran gedacht, das ich zwar die Hebeglieder von hinten sorgfältig unter die Hämmer gerichtet hatte, aber das ja an den Auslösepüppchen unmöglich die gleiche Position wiedergefunden sein konnte! (auch der verschobene Mechanikbalken war da wohl nicht hilfreich)

Ergo, die Auslösung war jetzt voll Grütze. und durch die Bank zu eng... schauerlich... habe dann alles deutlich weiter gedreht auf ein "Sicherheitsmass", da wollte ich später ja eh noch wieder ran...

Aber dann war der Effekt grandios! Das Flügelchen ist nicht wiederzuerkennen! Schade, das man das nicht so spontan per Aufnahme rüberbringen kann, aber es spielt sich jetzt wie ein komplett anderes Instrument! Das war mal eine Mega sinnvolle Aktion!

Jetzt kann alles andere in Ruhe folgen, jetzt mag ich mich nämlich auch dran setzen um zu spielen!:super:
 
Zuletzt bearbeitet:
Hast Du die Hebegliedtragfedern auch eingestellt?
Die waren eigentlich zu 90% plausibel von superleicht im Diskant bis zu echt beeindruckend schwer im Bass einjustiert. Habe da nur die Ausreisser nach Gefühl dem Umfeld angepasst.
Ging natürlich nur NACH dem neuachsen, vorher war mir gar nicht klar, dass die ja eine deutlich unterschiedliche Federkraft vom Diskant zum Bass haben sollten :blöd:

Mit ner kleinen Zange rumgezuppelt bis es passte, wie genau ist schwer zu beschreiben, war auch nur eine handvoll wo es nötig erschien. Habe da bisher keine Uhrmacherarbeit raus gemacht, ist denn sowas nötig?
 


Dieses Hebeglied ist völlig im Eimer, da war wohl mal eine Achse ausgelaufen, und hat das Hebeglied selbst ausgenudelt, es wurde dann eine dicke Achse eingesetzt und in der Kapsel festgeklemmt, so das die "Lagerung" dann im Hebegliedachsenloch selbst stattfand, was dann natürlich wieder ausgenudelt ist.

Das Dingen habe ich erstmal in den höchsten Diskant verbannt, und überlege mir da eine geeignete Reparaturmethode (Komplettersatz, Querholzdübel, Epoxy... keine Ahnung)

Bohr das Loch des Hebegliedes auf, und leime einen Zahnstocher rein.

So es abgebunden und getrocknet ist, bohrst Du des Loch für die Achse, und zwar so eng, daß sie nur mit Gewalt durchgeht und im Hebeglied festsitzt.

Aber Obacht - die Bohrung muß absolut gerade erfolgen, so daß das Hebeglied wieder paralel zu den anderen Hebegliedern ist - ist es schief, war die Arbeit für die Katz.

Dann kauf Dir besser neue Hebeglieder.

Die letzte Bohrung mit dem Dremel so hinzubekommen, daß es paßt, ist ned so einfach.
 
Bohr das Loch des Hebegliedes auf, und leime einen Zahnstocher rein.

So es abgebunden und getrocknet ist, bohrst Du des Loch für die Achse, und zwar so eng, daß sie nur mit Gewalt durchgeht und im Hebeglied festsitzt.
Ist ein Zahnstocher nicht aus Weichholz? Hält das dauerhaft?

Aber Obacht - die Bohrung muß absolut gerade erfolgen, so daß das Hebeglied wieder paralel zu den anderen Hebegliedern ist - ist es schief, war die Arbeit für die Katz.

Dann kauf Dir besser neue Hebeglieder.

Spontan nicht SO einfach, in den gängigen Katalogen (Jahn, Renner, Meyne) habe ich keines gefunden, das den Abmessungen exakt entspricht, insbesondere nicht mit Erard Feder... Schon etwas komisch das in Langlau da nicht die mitllerweile eher übliche Hertz Feder benutzt worden ist.

Die letzte Bohrung mit dem Dremel so hinzubekommen, daß es paßt, ist ned so einfach.

Einfach wäre ja langweilig. :blöd:
 

80 Gramm Niederdruck.
Warum?
Irgendein Hirnie hatte die Hebegliedtragfedern entfernt, ohne was anderes zu ändern.
Ich musste auch erst kurz drüber nachdenken, wie wichtig die überhaupt sind, da das Hebeglied ja auf der Taste direkt aufliegt...

Ein kurzes Aushängen der Feder im Bass macht aber schnell deutlich, das es für die Leichtgängigkeit und Niederdruckschwere NICHT hilfreich ist ohne diese Federn zu arbeiten ;-)

Da hat sich einer eindeutig was bei gedacht bei der Konstruktion :super:
 
Mit Zahnstocher ist das Problem, dass man dann in Hirnholz bohrt. Dem würde ich nicht trauen.

Ich hatte @Universaldilettant Epoxy vorgeschlagen. Epoxy in das ausgefranste Bohrloch und eine dünne Achse (gerade!) hineinstecken und nachher herausziehen. Evtl. die Achse vorher einschmieren, damit man sie besser heraus bekommt. Alternativ doch durch das Epoxy bohren (ohne Achse). Das Epoxy sollte einen Härtegrad haben, der nicht glashart ist, denn sonst könnte das spröde und zerbrechlich werden.
 
Mit Zahnstocher ist das Problem, dass man dann in Hirnholz bohrt. Dem würde ich nicht trauen.

Ich sagte, so ganz einfach ist des nicht.

Bin da auch schon abgerutscht, weil sich des Holz einfach mal gewehrt hat gelöchert zu werden.

Am besten mittels Achsenaustoßzange den Bohrpunkt markieren und vertiefen und dann möglichst fest einspannen und am besten einen Bohrständer benützen.

Und wirklich sehr scharfe Bohrer verwenden, ansonsten kann es passieren daß der Borer das eingeleimte Holz einfach wieder rausdrückt.

Epoxydharz ist halt ne Kunststoff Füllung, weiß ich jetzt nicht, wie lange es die Belastung aushält bis die Achse wieder "schlackert".

Bei Steg "Reaparuturen" mittels Epoxydharz, habe ich bisher jedenfalls keine guten Entdeckungen machen können.
 
Die dünnsten Buchedübelstangen im gut sortierten Baumarkt haben 3mm,
Vom Bauchgefühl her erscheint mir das momentan die symphatischste Variante... Bei einem 3mm Loch ist auf jeden Fall das ausgenudelte Loch verschlossen, und man kann recht "locker" eine 1mm Bohrung da rein setzen, und eventuell mit einer Ahle minimal aufweiten..

Die Zahnstochervariante(2mm) würde einmal das verdaddelte Loch kaum verschliessen, und zweitens find ich sogar schon theoretisch die Gefahr recht gross da seitlich von abzurutschen und noch mehr Schaden anzurichten.

Mit dem Epoxy finde ich kritisch die richtige Härte abzupassen, dass die Achse nachher klemmend festsitzt... da sehe ich die Gefahr das alles komplett zerbröselt, oder zu locker sitzt und sich dreht.

Ich werde dann mal berichten, wie es geklappt hat ( die Dübelstangenmethode werden ich vorher mal an irgeneinen alten Hebeglied mal üben, habe da von einem alten Klavier noch was liegen, bevor ich das doch recht exotische Flügelhebeglied zerbohre...)
 

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