Bach - die Dynamik im Wohltemperierten Klavier

noch einmal kurz zur "Epidemischen" (BWV 565)

1. stilistisch ist sie niemals ein fruehwerk Bachs, zu dem sie ihrer offensichtlichen schwaechen wegen erklaert wurde. um 1700 steht sie voellig einsam und verlassen da. hingegen wuerde sie sehr gut zur generation der Bach-soehne passen. und wenn man bedenkt, dass Bach als beglaubigtes 'fruehwerk' (Moellersche Handschrift) 1703 die c-moll Passacaglia abgeliefert, also mit 18 jahren die form der 'Passacaglia' ein fuer alle mal zum abschluss gebracht hat (erst Reger greift sie wieder auf, das bleibt aber episode), koennte es sich bei 565 bestenfalls um einen kleinen scherz handeln. ob ein junger mann, der gerade damit begonnen hatte, eine weltkarriere ohne gleichen hinzulegen, sich mit so etwas befasst hat, halte ich fuer zweifelhaft.

2. verlangt 565 gleich am anfang gross Cis, das um 1703 ganz ausserordentlich selten war. man kann getrost davon ausgehen, dass zu anfang des 18. jahrhunderts kein einziger komponist, der seiner zu papier gebrachten musik einige verbreitung wuenschte, den ton geschrieben haette. die zwangslaeufige konsequenz, 565 zum spaetwerk zu erklaeren, hat sich niemand getraut. er haette sich damit zumindest ein schmunzeln der wissenschaftsgemeinde eingehandelt - wenn nicht schlimmeres.

gross Cis wurde von der generation der Bach-soehne gefordert. Peter Kellner verlangte es als orgelsachverstaendiger vehement!

wenn man bei der arbeit von Wolff, so sehr ich ihne schaetze, einmal Ockhams rasiermesser ansetzt, bleibt nicht viel uebrig. mit einer so grossen zahl von hilfs-annahmen koennte man alles moegliche 'beweisen'.
 
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