Artikulation bei Bach

Beaufort

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Ich habe die Beiträge "Gemütszustand" beim Spielen von Bach aufmerksam gelesen. Ich übe z. Zt. WTK 1 BWV 847 (Präludium und Fuge), BWV 862 nur Präludium und WTK 2 BWV 881 ebenfalls nur das Präludium. Meine Vita kennt Ihr von meinem Beitrag "Klavierspielen mit 70". Mir geht es hier lediglich um die Artikulation der beiden Hände. Ich habe mir von YouTube zahllose Interpretationen angehört und immer wieder festgestellt, dass nicht nur die Stimmen, sondern auch die Passagen portato oder non legato gespielt werden. Ist das richtig? Ich hoffe, ich habe mich verständlich ausgedrückt.
Mein KL sagt auch, dass das Üben nach Erarbeitung der Technik erst anfängt, und dies ist dann der wirklich schöne Teil, wo man sich selbst einbringen kann.
 
J

jannis

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Der Klarheit der Stimmen wegen spielen viele in der Barockmusik eher eine Art non-legato. Beim c-moll-Praeludium BWV 847 finde ich immer wieder erstaunlich, dasz viele schon am Anfang so schnell spielen, dasz es keine Temposteigerung zum Prestoteil mehr gibt. Allegro am Anfang reicht meiner Meinung nach voellig. Der Prestoteil sollte noch spuerbar hoeheres Tempo haben.
Was ich nicht verstehe:
Mein KL sagt auch, dass das Üben nach Erarbeitung der Technik erst anfängt, und dies ist dann der wirklich schöne Teil, wo man sich selbst einbringen kann.
Eigentlich bringt man sich doch von Anfang an ein? Wie kann ich die richtige Technik fuer ein Stueck ueben, wenn ich nicht weisz, wie es klingen soll? Auszerdem "unser typisches Laienproblem", wenn Du das meinst: Viele Bewegungsmuster sind nicht abrufbar, sondern werden fuer jedes Stueck muehsam neu gelernt. Das ist nicht gut, man sollte wenigstens ein paar Bewegungsmuster schon "spielbereit" haben. Vielleicht beruehmtestes Beispiel: Arpeggien fuer den letzten Satz der Mondscheinsonate. Dieser Satz eignet sich nicht, solche Arpeggien oder Alberti-Baesse zu ueben (sonst bekommt man den ueber und kann ihn nciht mehr hoeren!), man sollte sie vorher koennen. Auch fuer BWV847 sollte man Dreiklangsbrechungen in allen Umkehrungen inklusive verminderte Akkorde mit Durchgangsnoten schon vorher koennen. Fuer die anderen Praeludien gibt es auch bestimmte Bewegungmuster, die man schon vorher koennen sollte: Akkordbrechungen, Terzen-, Sextenverbindungen als Vorhalte, usw.. Ueben "auf Vorrat" lohnt sich meiner Meinung.
Jannis
 
Beaufort

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Hallo Jannis,
mit dem ersten Teil Deiner Antwort gehe ich völlig konform. Besonders beim Präludium findet man extreme Unterschiede in der Interpretation: siehe Sviatoslav Richter vs Friedrich Gulda. Ich bin noch nicht in der Lage, den ersten Teil dieses Präludium sicher mit 80 bps zu spielen. Die Finger wollen einfach noch nicht und spielen verrückt, an den verschiedensten Stellen. Das ist aber das Ziel meines KL, ganz bestimmt nicht, das Stück aufführreif zu machen.

Natürlich bringe ich mich beim Üben mit ein. Im Vordergrund steht am Beginn des Einübens das Meistern der technischen Schwierigkeiten, solange bis "es sitzt".

Am Wichtigsten für mich war Deine Aussage: Der Klarheit der Stimmen wegen spielen viele in der Barockmusik eher eine Art non-legato.
Vielen Dank
 
J

jannis

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Offenbar magst Du den zweiten Teil meiner Antwort nicht. Er heiszt ja aber eigentlich nur, dasz man wichtige Spielfiguren stueckeunabhaengig einueben sollte. Dies ist als "Technikuebung" verschrieen, soll aber auch mit musikalischem Sinn und Verstand erfolgen. Es ist jetzt nicht so verrueckt vor dem Einueben der Stuecke 15 Minuten oder auch mehr solchen Figuren zu widmen. Es ist auch nicht schaedlich, sich selbst solche Uebungen anhand vorkommender Spielfiguren in Stuecken zu basteln. Das erleichterte das Stuecke lernen sehr, verkuerzt die Phase des "Noteneinuebens" enorm und bringt einem naeher ans Musizieren...
Es ist naemlich der Aufmerksamkeit fuer Bewegungsvorgaenge ueberhaupt nicht foerderlich, an (aufgeschriebenen) Noten zu kleben...
Viele Gruesze,
Jannis
 
Beaufort

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Hallo Jannis,
der zweite Teil ist mir nicht entgangen. Bitte, berücksichtige bei Deiner Empfehlung mein Alter. Zur Übung von Mustern gehören Tonleitern, Arpgeggien, Terzen etc. Ein ganz typisches Beispiel ist das Prädulium No. 12 WTK 2. Dort findest Du in den letzten Takten ein Muster, welches exakt bei Hanon Übung 31 behandelt wird.
Da ich, entgegen anderer Meinung (siehe Kommentar von Wolfgang) den Hanon schätze, brauche ich diese Stelle überhaupt nicht mehr zu üben. In der Beziehung gebe ich Dir also recht. Ich werde mir aber nicht alle Tonleitern "reinziehen" sondern bei Bedarf, altersbedingt, üben. Ich hoffe, Du verstehst meine Situation.
 
J

jannis

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Ich werde mir aber nicht alle Tonleitern "reinziehen" sondern bei Bedarf, altersbedingt, üben. Ich hoffe, Du verstehst meine Situation.

Das verstehe ich natuerlich, allerdings empfehle ich auch nicht, jetzt "stupid" alle Tonleitern staendig zu spielen. Sicher gibt es bei Hanon "vernuenftige" Uebemuster, allerdings finde ich die Uebungen doch sehr mechanisch. Alles mit Masz und Ziel.
Was das 2. Praeludium in c-moll betrifft, so koennte ich mir vorstellen, dasz ich zunaechst eine "reduzierte" Form uebte: Z.B. von jeder Sechszehntelgruppe die ersten beiden gleichzeitig anschlagen, dann immer nur die ersten beiden Sechzehntel aber hintereinander spielen, z.B. als Achtel. Dann die jeweils ersten zwei gleichzeitig anschlagen und mit dem Daumen die dritte Sechzehntelnote als Durchgangsnote hinzufuegen.
Dann koennte man auch eine Version machen, in der man den jeweils ersten Ton jeder Sechzehntelgruppe durch den dritten ersetzt. Dadurch sind die weiten Griffe weg, man beschaeftigt sich nur mit der Mittelstimme.
Oder z.B. die ersten beiden Sechzehntel zusammen anschlagen, dann die zweite Sechzehntel liegen lassen und waehrenddessen die 3.,5.,7.,9.,11.,13.,15. Sechzehntel anschlagen. Dadurch sollte man die Abstaende alle ganz gut in die Finger bekommen. Ebenso dient eine komplett akkordische Variation dem Lernen der Harmonien:
erste beide Sechzehntel und 5. Sechzehntel gleichzeitig... Das alles einhaendig, erst dann auch zweihaendig. Vielleicht helfen Dir solche Uebungen, besonders an den Stellen, die noch nicht so gut gehen.
Kimiko Ishizaka hat eine gute Aufnahme erstellt:
Viel Erfolg beim Ueben.
Jannis
 
 

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