Anschlag-Technik

Dieses Thema im Forum "Klavierspielen & Klavierüben" wurde erstellt von Geli, 1. Okt. 2006.

  1. Geli
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    Geli

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    Hallo, liebe Tastenvirtuosen,
    ich hab mal ´ne Frage zur Anschlag-Technik. Ich spiele nun schon viele Jahre Klavier, hatte aber leider keinen "professionellen" Unterricht. Heute reicht mein Spiel zwar für "Feld-Wald-Wiesen"-Aktivitäten, ich möchte aber die Qualität verbessern. Ein Feund hat mir mal gesagt, ich hätte einen sehr harten Anschlag. Außerdem fehlt mir eine vernünftige Anschlag-Technik, mit der ich Kadenzen usw. gleichmäßig spielen kann. Ich kann zwar ziemlich schnell spielen, ist aber dann auch "uneben". Nach den ganzen Jahren des Spiels, ist es jetzt natürlich schwierig, alle möglichen Fehler auszumerzen, vielleicht hat doch jemand eine Idee wie ich noch was ändern kann. Ich beneide die Profis immer um ihr wunderschönes sicheres, gleichmäßiges Spiel.
    Etwas frustrierte Grüße :cry: :cry:
    Geli
     
  2. Wu Wei
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    Wu Wei

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    Hallo Geli,

    ich glaube, dir wird nichts anderes übrig bleiben, als dir – zumindest konsultationsweise – einen richtigen Lehrer zu suchen. Denn aus der Ferne wird dir keiner die für deine individuellen Schwächen passenden konkreten Tips geben können. Wenn man schon so lange allein zu üben gewohnt ist, kann ich mir schon vorstellen, wie sich bestimmte Sachen einschleichen, die man selbst gar nicht wahrnimmt.

    Vielleicht mal über die Jobvermittlung des Studentenwerkes Hannover nach einem Musikstudenten Ausschau halten? Da kann man auch unregelmäßigere "Sitzungen" vereinbaren, als dass professionelle Musiklehrer und Musikschulen gewöhnt sind.

    Tschüs
    Wu Wei
     
  3. Ute
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    Ute

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    Ich stimme meinem vorredner völlig zu. Diese Sachen bekommst du nur mit professionellem Unterricht in den Griff. Zusätzlich kannst du aber auch Etüden spielen, um die Gleichmäßigkeit zu trainieren. Du kannst hierzu Hanon verwenden (der ist allerdings sehr eintönig) oder Czerny-Etüden.
     
  4. buttercup
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    buttercup

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    2 jahre später, aber egal...
    ich spiel schon "mein leben lang" klavier (professionell) und kann dir nur das empfehlen was mir immer gesagt wurde:
    - hand schön rund machen (wie als ob du eine mandarine halten würdest)
    - Knöchel und handgelenke bleiben auf tastenhöhe
    - arme RUHIG halten (nicht nach unten hängen lassen)
    - und aus den finger spielen, also möglichst mit den fingerkuppen (so dass dein handrücken möglichst ruhig bleibt / dann kann man auch sehr sehr schnell spielen!!!)
    - am aller wichtigesten: NICHT VERKRAMPFEN, das muss alles ganz locker aus dem handgelenk gehn (am anfang ein bisschen schwer)

    das sieht vllt ein wenig wie dracula aus, aber so ist die richtige haltung...

    versuch dich nich nicht an profis zu orientieren! die bewegen sich oft aus emotionen heraus =P, das hat mir der technik so gut wie nichts zu tun!

    Viel spaß
     
  5. killmymatrix
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    killmymatrix

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    Sorry, aber irgendwie finde ich deinen Beitrag ein wenig amüsant. Und das "aus den Fingern" ist wohl auch situationsabhängig, denke ich.
     
  6. Kulimanauke
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    Kulimanauke

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    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 3. Okt. 2008
  7. buttercup
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    buttercup

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    ach was... ich hab nur von meinen lehrern zitiert!
    aus was spielst denn du, wenn nicht aus den fingern? =P
     
  8. killmymatrix
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    killmymatrix

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    Wenn du schon dein Leben lang professionell spielst, gehe ich davon aus, dass diese Ratschläge auch gewissensfrei von dir stammen könnten.

    Arme, Handgelenk, da gibt's ja noch mehr. Mit reinen Fingerbewegungen kann ich jedenfalls kein viernotiges C-Dur-Arpeggio vernünftig spielen. :p
     
  9. buttercup
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    buttercup

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    die ratschläge von mir? nein, so alt bin ich noch nicht und so erfahren auch nicht. muss ich ja auch nicht, habe schließlich mein 18. geburtstag noch vor mir =P, da kann man nicht wirklich erwarten, dass ich schon so ein profi bin um selber unterrichten zu können. drum kann ich leider nur die tipps von anderen weitergeben, zumindest an die leute die damit was anfangen können und wollen. immerhin weiß ich, dass die kraft aus den fingern kommen muss.

    liebe grüße und spiel wie du willst, hauptsache es macht dir spaß =)
     
  10. thepianist73
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    thepianist73

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    Das ist absoluter blabla.

    die Kraft kommt NICHT aus den Fingern. Die kommt, wie killmymatrix schreibt, aus dem ganzen Bewegungsapparat, sprich Handgelenk, Unter-/Oberarme und Schultergürtel. Die Kraft ist nämlich weniger Kraft denn Bewegung.

    Und das da ist auch absoluter Unsinn. KEIN richtiger Klavierspieler macht so runde Finger und hält die Arme ruhig. Und die Begründung, warum man sich nicht an Profis orientieren soll: lächerlich!
    Ich kenn auch niemanden, der Handgelenke auf Tastenhöhe hat. Die Handgelenke sind über den Tasten (ausser bei Anfängern mit motorischen Problemen).

    DAS hat genau mit Technik zu tun, denn die Technik der Profis kommt aus einer jahrelangen Überlegung, wie man die Klänge und Bewegungen macht. Genau das ist Technik: nicht Fingerblabla, sondern die exakt notwendigen und richtig angewendeten Bewegungen, um den richtigen Klang zu erzeugen.

    Vermutlich habe ich aber da keine Ahnung von, denn ich bin Profi und habe viele Jahre konzertiert und vermittle mein Unwissen auch noch vielen Schülern und Studenten. *ironiemodusaus*
    Shame on me!
     
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 5. Okt. 2008
  11. Guendola
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    Guendola

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    Prinzipiell gibt es zwei Möglichkeiten, die Tasten runterzudrücken:

    Entweder durch reine Fingerbewegung, das ist aber ziemlich ermüdend und langsam, oder durch Unterarmbewegungen, wobei die Finger halt am richtigen Platz sein müssen und dann die Feinarbeit leisten, wenn die Taste gedrückt wird. Zwischen beiden Möglichkeiten gibt es vermutlich ungefähr 386 Variationen, die man eigentlich nur selbst ausprobieren kann.

    Die Fingermethode hat durchaus ihre Berechtigung, wenn man einzelne Anschläge sehr genau kontrollieren will. Die Unterarmmethode ist besser für gleichmäßiges Spielen, denn man kontrolliert gleich eine ganze Reihe von Tönen gleichzeitig, indem man ansetzt und dann die Finger sozusagen mit der Hand über die Tasten rollt. Einzelne Töne, die man "nachbessern" will, z.B. besonders betonen, korrigiert man dann wieder mit Fingereinsatz.

    Vielleicht kann das jemand besser erklären, am besten geht es wohl, indem man es zeigt.
     
  12. thepianist73
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    thepianist73

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    Ja. Zum Beispiel hier:
    http://de.youtube.com/watch?v=-kKoHqdImYE

    hier

    http://de.youtube.com/watch?v=ubVVSWHkxs8&feature=related

    und hier

    http://de.youtube.com/watch?v=tsrpCIj6qYE

    oder hier

    http://de.youtube.com/watch?v=5tVvu0l54kQ

    Man sieht schön, wie diese Profis (von denen man ja nicht abschauen soll!) leider alles falsch machen.
    zB Handgelenke hoch, aus Handgelenk & Arm spielen, Arme bewegen etc etc *ironiemodusaus*
    :D
     
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 6. Okt. 2008
  13. Haydnspaß
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    Haydnspaß

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    pianist73, willst du die armen Leute jetzt ganz verwirren...? :p

    Rumschmachten und Grimassenschneiden am Klavier hat ja nun sehr wenig damit zu tun, mit welcher Technik man Töne anschlägt.
     
  14. Guendola
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    Guendola

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    Naja, Kissin muß ja auch sehen, wo er die Finger unterbringt, die er gerade nicht benutzt. Mit solch großen Händen hat man offensichtlich ganz spezielle Probleme. Wir erinnern uns: Beim Spielen sollen die Finger einen Bogen bilden. Aber man kann wunderschön sehen, wie er leise Akkorde quasi hinlegt und einzelne Töne mit den Fingern herausarbeitet.

    Und bei Lang Lang kann man gleich zu Anfang auf das rechte Handgelenk achten, wie es die Finger in die Tasten drückt. Und man erkennt auch ganz gut etwas später, wie er Spannung aufbaut, um die etwas später in Akzenten wieder zu entladen. Allerdings eine recht kraftaufwendige Methode.

    Über Helene Grimaud müßte ich länger nachdenken, man muß aber bei allen dieser Pianisten daran denken, daß sie sich vor allem um Nuancen kümmern, die bei uns durch das Zufallsraster fallen und daher im Prinzip noch viel präzieser als die meisten von uns spielen müssen. Das erfordert natürlich auch sehr individuelle Techniken.

    Maria Joao Pires spielt Mozart, da braucht man eindeutig mehr Fingereinsatz!Aber dazu sieht man im Gegensatz häufig die linke Hand "hüpfen". Schade, daß die Aufnahme so übersteuert ist. Die Frau würde ich übrigens sehr sehr gerne mal Live erleben. Schon bei Youtube verursacht sie mir regelmäßig Gänsehaut! Bei ihr ist auch hervorragend zu erkennen, wie sie "schauspielert" um die richtigen Emotionen (bei sich selbst) auszulösen. Aus Videos von ihr habe ich einiges gelernt. Aus Videos von Valentina Lisitsa übrigens auch. Dabei geht es oft garnicht um Details, die ja eh viel zu schlecht erkennbar sind (wie Klavigen gerade bei Valentina Lisitsa mal bedauerte), sondern eher um die Gesamtbewegung, Ansatz bei einer neuen Phrase und auch der Absatz zum Schluß. Immerhin kann man durch die Art, wie man absetzt, bestimmen, wie der Dämpfer auf die Saite zurückschnellt und bereitet auch gleich den nächsten Ansatz vor. Das ist wohl unter anderem auch damit gemeint, Pausen musikalisch zu gestalten.

    Vielen Dank noch für die schöne Videoauswahl :)

    PS: Lang Lang macht natürlich viele Faxen am Flügel aber so unmusikalisch, wie ihn manche Leute darstellen, finde ich ihn dann doch wieder nicht. Aber musikalisch gesehen ist er natürlich ein Opfer seines Imponiergehabes.
     
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 6. Okt. 2008
  15. thepianist73
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    thepianist73

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    Ja gell, da staunste, dass ausgerechnet ich den LangLang zitiere... hehe

    Fehlt nur noch, dass ich Freddy Kempff bringe. Aber ne, soweit würde ich nicht gehen. Obwohl, es geht ja hier "nur" um Technik :D
     
  16. thepianist73
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    thepianist73

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    Völlig richtig, deine Anmerkung zu Mozart. Ich spiele Mozart komplett aus dem Handgelenk, und die Finger machen mit! Der Impuls jedes Tones kommt aber sozusagen aus der Handwurzel. Schwer zu erklären, muss man sehen.

    Ich habe Joao Pires in Zürich mit Beethoven, Schubert und Mozart erlebt. War einfach nur fantastisch und wunderschön.
    Ich sass noch weit vorn (4. Reihe, mit perfektem Blick auf Hände und Tasten) und habe alles sehr genau gesehen.

    Wenn du mal die Chance hast: musst du erlebt haben!
     
  17. Geli
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    Geli

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    Hallo liebe Leute,
    leider habe ich erst heute die Beiträge gefunden da ich seltsamerweise keine Benachrichtigungen erhalten habe.
    Da ich immer noch das gleiche Problem habe und mir im Moment meine Musik überhaupt nicht gefällt, nehme ich einen neuen Anlauf und arbeite Eure Statements jetzt erstmal durch.
    Vielen Dank schonmal.
    LG
    Geli
     
  18. Stilblüte
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    Stilblüte

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    Ich nehme jetzt auf keinen Beitrag direkt Bezug; in meiner letzten Klavierstunde war aber ein Thema der Anschlag - bzw. der Klang der Töne sowie deren Beeinflussung und direkte Kontrolle, eben dass nicht die Finger spielen, sondern der Kopf. Das hängt ja alles unmittelbar zusammen.

    Ich habe eine Mozartsonate vorgespielt, bzw. erstmal einen schnellen Satz daraus.
    Der Kommentar dazu lässt sich etwa auf folgendes reduzieren:
    Dass ich noch genauer lernen soll, was der Unterschied zwischen einem schön und gut gespielten Vortrag und einem professionellen Vortrag ist.

    Um das zu erreichen wiederholte sie nochmal zwei grundsätzliche Tipps:

    1. Man geht mal davon aus, dass es beim Klavierspielen vorteilhaft ist, Bewegungen möglichst klein zu halten, um Kraft und Zeit zu sparen, und geht außerdem davon aus, dass man (ganz grob gesagt) die Taste entweder durch das Gewicht des Armes oder durch einen Impuls aus den Fingern niederdrücken kann.
    Der Tipp war nun, "die Mittelhand stabiler zu halten", das bedeutet, das Gelenk hinter den Fingern gut zu kontrollieren.
    (Zum Testen Finger auf den Schreibtisch legen, Arm stillhalten und Handteller rauf und runter bewegen).
    Wenn diese Stelle beim Spielen zu sehr nachgibt, verpufft u.U. der Schwung aus dem Arm am Gelenk zwischen Hand und Finger, man kann ihn nicht mehr so gut kontrollieren und muss außerdem größere Bewegungen machen.
    Je nach dem ist es auch manchmal sinnvoller, den Arm stiller zu halten und die Finger nicht nur passiv als "Überträger" anzuwenden, sondern aktiv, fast wie beim Zupfen eines Streichinstrumentes.
    Das klingt jetzt alles sehr vage; das Wichtige ist eben die bewusste Kontrolle der Mittelhand.

    2. Kurz gesagt: Noch genauer hinhören und hinfühlen.
    Man hört das ja dauernd, höre hin, achte genau auf alles, aber ich denke, dass man darunter viel zu wenig versteht.
    Man muss sich bei jedem Ton fragen: Welche Funktion hat er? Auflösung, Vorhalt, Teil einer Cantilene, abphrasiert oder anschwellend, Auftakt oder betont, ...?
    Und das andere ist, den Klang der Töne genauer zu formen. Oft klingt ein Ton genauso, wie er "aussieht"; wenn ich meine Hand passiv fallen lasse oder einen Ton in die Tast werfe, klingt er auch ungehobelt und vielleicht vulgär. Durch gezielten Einsatz und Zusammenspiel von Handgelenk, Arm und Finger kann man einen Ton genauestens kontrollieren, sehr weich und sanglich klingen lassen. (Eine Möglichkeit übrigens, einen besonders gesanglichen Charakter zu erzeugen ist, das legato enger zu spielen, als man zuerst denkt - die Töne sich länger überlappen lassen. Man meint im ersten Moment, das passt überhaupt nicht, aber dem ist nicht so).
     
  19. Stegull
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    Stegull

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    Bachs Lehrmethode

    Hallo,

    ich erinnere mich in einem Bach-Notenband gelesen zu haben das der Herr Johann Sebastian Bach bei seinen Schülern sehr großes Augenmerk auf den sauberen ruhigen gleichmäßigen Anschlag gelegt hat. Dazu hat er darauf geachtet das die Bewegungen zum Anschlag nur von den Fingern durchgeführt wurde. Keine Bewegungen (jedenfalls um die Tasten anzuschlagen) aus den Armen oder dem Körper. Dies tat er solange bis seine Schüler dies beherzigt hatten.

    Ich schaue gern mal nach in welchem Band ich das gelesen habe.