100% digitale Musikschule - wie findet ihr das?

Naja, der Nachweis ist die jeweilige Corona Verordnung.
Ich meinte eher den Nachweis, daß "digitalisierter Instrumentalunterricht" besser sei als gar keiner. Als Instrumentalschüler mit viel Vorerfahrung im autodidaktischen Lernen mache ich da nämlich gern eine Kosten-Nutzung-Rechnung auf.

Beispielsweise planen wir Latenzprobleme durch 5G/6G-Technologie zu lösen
Klingt ambitioniert, allerdings bitte ich zu bedenken, daß wir in Neuland sind. 5G setzt einen flächendeckenden Glasfaserausbau als Grundlage voraus. Die ganzen Funkstationen, wo denen die meisten Deutschen übrigens Angst haben, existieren nämlich nicht im luftleeren Raum, sondern benötigen eine leistungsfähige Anbindung in der Fläche - nicht nur am Hauptbahnhof und am Flughafen.

Wenn wie bei mir auf dem Hausdach 4G/LTE mit Richtfunk weitergetragen wird, kannst es gleich komplett lassen.

@hasenbein Der Mensch entmenscht sich...aber ich habe Hoffnung, dass die Wahlen doch Änderung bringen.....
Hängt ganz davon ab, ob man den Souverän überhaupt noch in die Wahlkabinen läßt. Sollte das nicht mehr möglich sein, ist sowieso alles zu spät und man kann mit den Füßen abstimmen. (Die Ersten machen sich ja schon nach Schweden davon...)
 
Ich glaube, dass sich die Menschen danach sehnen, wieder vor Ort Unterricht zu haben.
Ohne Maske und ohne die permante Angst im Nacken, sich zu Nahe zu kommen. Das ist alles so widernatürlich.
Ich frage mich oft, wie sich Menschen fühlen, die keine Familie daheim haben.
Aber, hey, wir sollten uns nicht so anstellen.
 
Beispielsweise planen wir Latenzprobleme durch 5G/6G-Technologie zu lösen, so dass wir der erste Anbieter sein werden, mit dem Live-Musik im Chor/Zusammenspiel überhaupt erst möglich wird!

Oh, dann hätte ich gerne von den Experten eine Antwort:
Wieviel der Latenz bei Skype wird durch die Internetverbindung (da wirkt ja geringere Latenz von 5G/6G) verursacht und wieviel durch die DV, bis man Bild und Ton sieht/hört?

Da hätte man eine Abschätzung für die minimale Latenz ... die Folgefrage wäre dann der Jitter.

Wenn man zusammen spielen will, dann muss das ja erst durch Mikro, AD-Wandung, komprimiert, in den Datenstrom gepflanzt, am anderen dekodiert und wieder DA-gewandelt werden. Da lauert Latenz an allen Ecken und Enden!

Vielleicht könnte man einfach eine Skype-Session via Router machen und den Ton (kurzer Impuls), den man direkt spielt, mit dem Ton der an der anderen Endstelle ankommt, aufnehmen und daraus die Latenz errechnen.

Hat das schon mal jemand gemacht?

Grüße
Häretiker
 
Ich meinte eher den Nachweis, daß "digitalisierter Instrumentalunterricht" besser sei als gar keiner. Als Instrumentalschüler mit viel Vorerfahrung im autodidaktischen Lernen mache ich da nämlich gern eine Kosten-Nutzung-Rechnung auf.
Dafür habe ich tatsächlich keinen Nachweis. Allerdings bin ich überzeugt, dass professionelles Feedback - auch digital - dem Lernerfolg sehr zuträglich ist. Ohne dies kann manches deutlich länger dauern oder sogar in die falsche Richtung gehen.
 
Eine Sammelstelle für digitalen Unterricht anzubieten ist vollkommen sinnfrei. Sowohl Lehrer aus auch Schüler können sich ganz einfach und ohne Umwege selbst verbinden. Die Software kann man besorgen, brauchbare Technik kostet keine 100€ mehr. Wozu also einen zusätzlichen Schritt einfügen, der jeden Monat seinen Teil abzwackt? Macht keinen Sinn - wird scheitern.
Bei Musikschulen bekommt der Lehrer die Technik und den Raum, sowie die Korrespondenz weitestgehend abgenommen. Dafür ist es berechtigt, etwas abzuzwacken. Aber nur dafür, einen Kontakt herzustellen?

An der Geschwindigkeit des Internets entwickelt ihr selbst gar nix. Ihr könnt euch nur anhängen und hoffen, dass mal was neues kommt. Die Starlink-Satteliten werden ein paar Millisekunden herausholen - aber auch da sind physikalische Grenzen gesetzt. Angenommen die Rechner sind unendlich schnell und die Videoübertragung ist nicht eingeschränkt. Von mir bis New York und zurück beträgt die Latenz durch die Lichtgeschwindigkeit (ja, richtig gelesen) bereits 50 Millisekunden (ca 15000km hin und zurück). Im Glasfaserkabel ist Licht übrigens etwa ein Drittel langsamer. Solange nichts schneller als das Licht sein kann, wird sich daran auch nichts ändern ;-)
Dazu hat ein sehr moderner Computer für Musikproduktion etwa 3ms. Ein standard Gamingrechner schafft mit Asio-Treibern vielleicht 20ms. Also kann man davon ausgehen, dass man selbst mit aller bester Zukunftstechnik niemals unter 80ms bis Amerika und zurück erreichen wird. Zusammenspiel ist also ausgeschlossen. Geht nicht - auch nicht in 100 Jahren.
 
Die Software kann man besorgen, brauchbare Technik kostet keine 100€ mehr.
Ernst gemeint Frage: Welche Software wäre das? Zumindest Skype und Zoom halte ich für nur bedingt geeignet. Und bei der Hardware hätte ich auch Zweifel, ob ich für 100 Euro ein vernünftiges Mikro, einen ordentlichen A/D-Wandler und ordentliche Lautsprecher kriege.
Auch nicht mit Fluxkompensator oder Subraumkommunikation?
 
Dann gehst du also davon aus, dass solche Konzepte Erfolg haben werden?
Vielleicht haben solche Konzepte allein keinen Erfolg. Aber dieses Konzept ist nur ein Symptom der immer weiter sinkenden gesellschaftlichen Anerkennung und gesellschaftlich wahrgenommenen "Relevanz" des Instrumentallehrerberufes.

Würde irgendjemand auf die Idee kommen, dass es möglich sein könnte, eine Schreinerausbildung digital zu absolvieren oder das Chirurgenhandwerk digital zu erlernen? Auch das digitale Erlernen des Friseurhandwerks würden wohl viele kritisch sehen und ich würde auch nicht zu einem Friseur gehen, der mir erzählt, sein Handwerk "digital auf einer Handwerksplattform, die das Handwerk revolutioniert hat" erlernt zu haben. Aber beim Instrumentalunterricht soll das dann möglich sein?

Die Anerkennung des Instrumentallehrerberufes sinkt auch deswegen, weil die Musikhochschulen es hier meines Erachtens sehr stark versäumen, wahrzunehmen, welch eine Relevanz Instrumentallehrer für die Anerkennnung der Kunstausübung in unserem Land (und somit auch für ihre eigene Existenz) haben. Sie sind (neben Schulmusikern) eine der zentralen Schnittstellen zwischen Kultur und Bevölkerung. Dennoch sind die Instrumentalpädagogikstudiengänge meist eher die "zweite Wahl" neben den künstlerischen Studiengängen (auch im Selbstverständnis der Musikhochschulen). Hinzu kommt noch, dass die Instrumentalpädagogik und Fachmethodik an den meisten Hochschulen (gemessen an ihrer Relevanz für den späteren Beruf) qualitativ wie quantitativ sehr stark unterrepräsentiert ist.

Die Hochschulen produzieren dann Instrumentallehrer, die ihr Metier weder richtig beherrschen (weil sie es nie ordentlich gelernt haben), noch den notwendigen Stolz haben (da sie ja immer eher "die zweite Wahl" waren), um für die Relevanz und angemessene Bezahlung ihres Berufsstandes einzustehen.

Ich möchte es nun mal hier ganz klar sagen: Klavier zu unterrichten ist eine sehr anspruchsvolle Tätigkeit.

Sie erfordert eigentlich:

- Ein bestmögliches intuitives und rationales Verständnis aller musikalischer Parameter (von Melodik, Rhythmik, Harmonik bis zur Form) in allen Stilepochen.
- Ein bestmöglich geschultes, künstlerisches Klavierspiel (nur wenn man dem Schüler so gut und schön wie möglich vorspielen kann, kann er lernen, auch so schön zu spielen und so schön spielen zu wollen).
- Ein Verständnis aller handwerklichen Parameter des Klavierspiels und ein gutes Wissen darüber, wie diese handwerklichen "Grundfertigkeiten" gelehrt und weiterentwickelt werden können.
- Eine große Menschenkenntnis, um immer zu verstehen, was der Schüler gerade eigentlich benötigt.
- Einfühlungsvermögen und menschliche Größe, um den Schüler immer als das anzusehen, was er ist, und ihn bestmöglich zufördern.
- ...

Alles was man braucht, um ein guter Künstler zu sein, braucht man mindestens auch, um ein guter Lehrer zu sein und zwar auf jedem Schülerniveau.

Ich selbst promoviere ja zusätzlich zum Klavierstudium in theoretischer Physik (was in der Gesellschaft wohl als komplexer angesehen wird) und kann sagen: Ja, gut Klavier unterrichten empfinde ich als anspruchsvoller. Und deswegen rege ich mich auch etwas auf, wenn jemand, der von Fachmethodik und Klavierpädagogik wohl (mutmaßlich) keine Ahnung hat, eine Internetplattform eröffnet, um die Instrumentalpädagogik zu "revolutionieren". Das empfinde ich einfach als unheimlich anmaßend.
 
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Ernst gemeint Frage: Welche Software wäre das? Zumindest Skype und Zoom halte ich für nur bedingt geeignet. Und bei der Hardware hätte ich auch Zweifel, ob ich für 100 Euro ein vernünftiges Mikro, einen ordentlichen A/D-Wandler und ordentliche Lautsprecher kriege.
Ich habe gerade mal meine Audio-Grundausstattung (ein Setup von dem ich weiß, daß es auch wirklich funktioniert) bei Thomann in den Warenkorb gelegt und bin ohne Computer bereits bei über 320 €. Damit kann ich jetzt aber nur Ton übertragen - von der akustischen Gitarre. Für ein Klavier dürfte der Spaß etwas teurer werden.

320 € sind für meine ehrenamtlichen Mitmusiker bereits zuviel Geld. Diese Ausstattung gleich fünfmal anzuschaffen, um dann ohne Glasfaseranbindung ein bißchen rumzujammen übersteigt dann auch mein Budget.

Für den Unterricht fehlt jetzt aber noch eine brauche Kamera mit einem lichtstarken Objektiv, wo der Instrumentallehrer auch was erkennen kann (z. B. was sein Schüler auf dem Griffbrett macht). Dafür dürfte nochmal ein deutlich vierstelliger Betrag fällig werden, denn durch eine Plastiklinse kann er nur erkennen, daß der richtige Schüler seinen Unterricht in Anspruch nimmt.

Da ich aber nicht in die professionelle Fotografie einsteigen möchte, kaufe ich mir von dem Geld lieber eine richtg gute Gitarre oder ein komplettes akustisches Klavier und verzichte einfach auf die "digitale Musikschule".
 
@DonMias Ich bin mit Zoom zufrieden. Die Hardware ist selbstverständlich bei weitem nicht professionell, aber als absolutes Minimum ausreichend: Behringer Uphoria (34€), t.bone em700 kleinmembrankondensatormikrofone (Stereopaar 55€). 2 mal 6m XLR-Kabel (10€).
Als Webcam nehme ich mein Handy (1,60m Stativ ca 30€, Software dafür ist gratis mit Werbelogo nutzbar), Kopfhörer hat man meist noch irgendwo rumliegen. Zoom kann stereo übertragen, ist plattformunabhängig und relativ einfach zu bedienen. Die Latenz habe ich damit noch nicht gemessen, aber gefühlt liege ich (LAN) bei ca 100-500ms, je nachdem wie es beim Schüler aussieht.
Jamulus und ähnliches habe ich noch nicht ausprobiert - aber ich nehme Abstand von allem, was erst umständlich eingerichtet werden muss.

Die Mikrofone kann man vor sich auf den Tisch legen, hinters Klavier hängen, oder besser man kauft Stative.

Mit USB-Mikrofonen habe ich leider keine guten Erfahrungen gemacht. Da hapert es oft am Monitoring und den verwendeten Treibern, die entweder zickig oder sau langsam sind.

@FünfTon Wenn man bereit ist, ein wenig Zeit zu investieren, reicht oben genanntes Setup aus. Ein Ersatz für Präsenzunterricht ist auch das nicht - aber das liegt dann nicht am Equipment. Und man kann recht brauchbare Aufnahmen machen. Ich habe auch schon Aufnahmen mit den Mikrofonen gemacht und kein Tonstudio bemängelte den Sound ... ich nutze übrigens auch zwei AKG c414 und ab und zu Schoepps und Neumämmer - ich kenne also auch die Oberliga.
 
@instrumentenfreak Für den Behringer gibt es offiziell keine ASIO-Treiber und Talkback-Mikrofone mit Superniere sind für Instrumentalaufnahmen abseits Klavier nicht zu gebrauchen. Das ist jetzt so ein Versuch, am untersten Budget-Ende irgendwas zusammenzukratzen. Zumal ein Stereo-Paar hingegen braucht kein Mensch, da die Software eh nur Mono überträgt. Ein "irgendwo rumliegender" Kopfhörer, womöglich noch Ohrstöpsel vom Handy rundet die Katastrophe dann ab.

Man muß ja nicht gleich 800 € in ein AKG C414 investieren, aber ein rauscharmes Großmembran-Kondensator gibt es nun mal nicht geschenkt.

Die Handy-Kamera kann man sich gleich komplett schenken, da ist eher von Vorteil, wenn der Instrumentallehrer einen nur hören kann, weil er sich dann gleich auf den Ton konzentriert.
 
Würde irgendjemand auf die Idee kommen, dass es möglich sein könnte, eine Schreinerausbildung digital zu absolvieren
Natürlich nicht! Aber es geht in den allermeisten Fällen nicht um eine Ausbildung zum Pianisten sondern um ein Hobby. Und genau da funktioniert im Gegensatz zu Instrumentalunterricht die digitale Anleitung im Holzbau sehr gut, sehr viele kommen auf die Idee und viele "Schüler" setzen Gelerntes erfolgreich um. Von daher hinkt Dein Vergleich ganz erheblich.

Ansonsten stimme ich Dir zu, wobei ich denke, dass der Lehrberuf, egal in welchem Metier, generell stark unterrepräsentiert ist, auch bei der Schreinerausbildung.
 
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Lieber jamtoo.de,

immerhin hast du ja schonmal gute Werbung hier bekommen. :)

Ich habe nichts gegen Online-Plattformen. Ich verstehe auch, dass in diesen Zeiten nach neuen Möglichkeiten geforscht wird und neue Märkte erschlossen werden wollen, wenn alte (momentan) wegbrechen.

Dieser Anspruch jedoch
Musikschulunterricht mit einem 100% Online-Ansatz zu revolutionieren.

ist ein Widerspruch in sich. Instrumentalunterricht kann online nicht revolutioniert werden, da Online-Unterricht sehr wesentliche Elemente und Bedingungen eines guten Unterrichts fehlen. Zum Beispiel:
  • Hören
Hören zu lernen, das Gehör und die Klangvorstellung immer weiter zu entwickeln und zu schulen, immer genauer hinzuhören ist eines der wesentlichsten Unterrichtsinhalte. Es geht immer um die Arbeit am Klang und da spielen feinste Nuancen eine Rolle. Klingt der Ton hart, spitz, scharf, klingt er matt, müde, leblos? Da braucht es unbedingt den LIVE-Klang, das Fluten des Klangs durch den Raum, die Verbindung von Ohr, Instrument, Raum, Schüler, Lehrer.

Der Lehrer kann nur dann gut unterrichten, wenn er fein hören kann. Er hört, wenn Härten im Ton durch kaum sichtbare Verspannungen erzeugt werden. Er hört am Klang, was der Schüler richtig oder falsch macht. Das alles ist online nicht möglich. Warum gehen die Leute ins Konzert, warum reichen ihnen keine CD's? Weil das LIVE-Erlebnis etwas ganz anderes ist, weil der Klang eines Flügels in einem Klavierabend den ganzen Raum füllt und man umströmt wird von Klang.

Auch der Schüler braucht das "analoge" Hören. Wenn der Lehrer etwas vorspielt im Präsenzunterricht, wird er diese Nuancen, diesen lebendigen Klang aufnehmen und als Ideal abspeichern. Er kann so das Vorgemachte sehr viel eher und besser nachmachen als Online.

  • Technik

Während der Arbeit am Klang arbeiten Lehrer und Schüler immer auch an der technischen Umsetzung. Online geht so etwas überhaupt nicht. Wie oft spiele ich auf den Armen meiner Schüler, damit sie spüren, was von meinem Spiel bei der Taste ankommt. Damit sie fühlen. Wie oft führe ich Bewegungen, zeige, der Schüler macht nach, bis in der gemeinsamen und intensiven Arbeit die Koordination und Präzision der Bewegungen in Verbindung mit dem Ohr immer genauer wird.

  • Raum

Online fehlt völlig der Raum.. Er ist so wichtig für das Körpergefühl, für den Klang, für die Möglichkeit, Schüler und Lehrer aus sehr vielen verschiedenen Perspektiven wahrnehmen zu können. Manchmal hilft es schon, wenn ich mich in die hinterste Ecke eines Raums stelle, um den Schüler dazu zu bewegen, einen volleren und größeren Ton zu erzeugen und sich nicht vor dem Flügel zu verschanzen. Online-Unterricht ist völlig eindimensional, selbst wenn man drei Kameras hätte.

  • Persönlicher Kontakt

Die Kommunikation und Zwischenmenschlichkeit ist live eine völlig andere als online. Musikunterricht braucht den persönlichen Kontakt. Nicht selten unterhält man sich sehr persönlich über Musik oder sich selbst. Über eigene Schwächen und Stärken zu reden - wichtig bei der Arbeit an sich selbst -, braucht viel Vertrauen und eine Atmosphäre, in der alles "sein kann". Der Bildschirm stellt eine Trennung dar zwischen Mensch und Mensch, Schüler und Lehrer. Das ist unakzeptabel auf die Dauer!

  • Zusammen musizieren

Das gemeinsame Musizieren ist sehr wichtig im Unterricht. Nicht nur bei Kammermusik und vierhändigem Spiel. Nein, auch für die Arbeit an Stücken. Der Schüler spielt Melodie und Bass, ich die Innenstimmen. Wir improvisieren gemeinsam. Wir werfen uns die Bälle zu, wir ergänzen uns. Ein sehr weites Feld.

Insofern kann Online-Unterricht nur eine Notlösung sein. Von Revolution keine Spur, ganz im Gegenteil.

Liebe Grüße

chiarina
 
Und nochwas: Eine richtige digitale Musikschule würde ihren Schülern die Ausstattung (Bild- und Tontechnik) natürlich ausleihen, ggf bis hin zum entsprechend ausgerüsteten Computer, so daß die Schüler nur noch Daten- und Stromkabel einstecken müssen und loslegen können. Das wäre dann von der Professionalität her auch auf einem Level mit voll ausgestatteten Präsenz-Musikschulen (aber nicht unbedingt was Unterrichtsqualität und Lernerfolg angeht, den bezweifel ich weiterhin, siehe @chiarina's Beitrag).

Aber ich habe große Zweifel, daß eine solche "digitale" Musikschule Unterricht für < 150 € pro Monat wirtschaftlich realisieren könnte. Technik am Ort teilen sich alle Schüler, die zu Hause braucht jeder einzeln. Ein solches Angebot müßte dann eher auf > 250 € pro Monat kalkuliert werden und da wären die meisten Hobbyisten und Eltern von Kindern dann ziemlich schnell raus.
 
Also mal so ein paar typische Szenarien aus unserem zwangsweisen Online-Unterricht gerade - das ist mit Kindern besonders lustig...

KL: "In der dritten Zeile im vierten Takt musst du beim G den 4. Finger nehmen."
Kind: "ja"
KL: "weisst du, wo ich meine?"
Kind: "nein"
KL: "schau mal" (hält das Notenblatt in die Kamera, Kind drückt die Nase aufs Handy)
KL: "schreib da mal so eine 4 unter das G"
Kind schreibt.
Kl: "und jetzt spiel es nochmal vor."
Kind spielt wieder falsch.
KL: "das war jetzt aber wieder beim G nicht der vierte Finger. Weisst du, welches G ich meine?"
Kind: "nein"

...

Was in einer Live-Klavierstunde in 1 Minute gezeigt ist, kann online schon mal locker 10 Minuten dauern. Das Kind ist übrigens 8 und kann lesen. Also bei Kindern kann ich mir online Musikunterricht auf Dauer freiwillig echt nicht vorstellen...
 
@Viva la musica Das ist noch so eine Sache: Online-Unterricht ist grundsätzlich nur für technikaffine Erwachsene geeignet. Peng. Aus.

Kinder sind nicht "kleine Erwachsene", sondern brauchen noch viel persönliche Unterstützung, um sich in der Welt zurechtzufinden. Die schickt man deshalb auch nicht auf Ölbohrplattformen oder Weltraum-Missionen, weil mit dieser Umgebung nur speziell trainierte Erwachsene zurechtkommen.

Ja, die Apollo 13 haben sie damals im Feld repariert: Die Hände der bestens ausgebildeten Astronauten wurden geführt von den Ingenieuren auf der Erde. Da war an der Kommunikation noch nichts digital, sondern alles analog. Solche Leistungen aber von Kindern zu erwarten, ist einfach komplett absurd.

(Und wer jetzt glaubt, daß das Klavierspiel zu erlernen weniger komplex sei, als eine Mondlandefähre zu reparieren, der hat den Schuß nicht gehört.)
 
@FünfTon nein, da hast du Unrecht. Ich hab da schon ein bissle Ahnung. Wenn du magst, kann ich dir ja mal zeigen, wie "scheiße" das klingen kann. Beim Schüler kommt der Sound genau so an:
youtube (punkt) com/watch?v=xx4WV0NUANo
 
Weil ich diesen übergroßen Videoplayer dieses Forums nicht mag. Der wirkt so erdrückend. Und ohne den Punkt zu ersetzen, erscheint der automatisch.
 

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