Zwei Fragen

H

Hacon

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Hallo,
Ich hab jetzt mal zwei grundsätzliche Fragen, die zwar nichts miteinander zutun haben, aber ich wollte trotzdem nur einen Thread aufmachen ( kann ja wenn nötig immer noch verschoben werden).

Die Fragen richten sich vor allem an die Fachleute ( weil die Erfahrung haben) und diejenigen, die selbst Unterricht geben. Mir geht es darum, was ihr ihn beiden Fällen euren Schülern ratet, bzw. was eure Meinung darüber ist.

Die Themen wurden teils auch schon in anderen Threads diskutiert, ich will sie hier aber noch etwas expliziter formulieren.

1. Wie sollte man mit einem Stück umgehen, dass man bereits vor Publikum vorgespielt hat, welches man also soweit kann, dass man sich traut, es preiszugeben?
(Hierbei muss man zwischen Klavierschüler und Berufsmusiker unterscheiden: ein Schüler muss ein Stück nicht so gut spielen, wie man es von der CD-Aufnahme kennt, solange das Publikum beim Schülerkonzert es nicht merkt; ein Konzertpianist sollte auch schon vor seinen Studenten eine schöne Interpretation darbieten)

Im Idealfall würde ich ein solches Stück immer wieder mal spielen, um mir so ein Repertoire aufzubauen.

Was ist aber, wann das Stück eigentlich im Ganzen gut läuft,wenn es aber noch bestimmte Stellen gibt, die noch nicht richtig oder gar nicht laufen, deren Ursache man aber zum momentanen Zeitpunkt, also beim momentanen Stand der eigenen Fähigkeiten, nicht beheben kann?

Spielt man das Stück ab und zu, um es nicht zu vergessen, dann festigen sich diese Stellen, und breiten sich sogar noch aus, denn wenn das Problem z.B. in Takt 70- bis Takt 75 liegt, und man an dieser Stelle verspielt, aber nicht wieder so leicht reinfindet, dann wird der Abschnitt Takt 76 bis Takt 79 vielleicht auch noch in Mitleidenschaft gezogen.

Jetzt ist man aber eben nicht in der Lage, diese Stelle, die man schon 100 mal geübt hat, zu beheben.

Soll man nun
a) diese Stelle ignorieren, und das Stück ins Repertoire aufnehmen, und immer wieder spielen?

b) doch nochmal täglich 10 Minuten einer Übungseinheit investieren, um noch mal zu versuchen, diese Stelle zu verbessern, auch wenn es hoffnungslos aussieht, damit das neue Repertoirestück zumindest nicht noch schlechter wird?

oder c) das Stück ein paar Monate ruhen lassen, um dann, wenn man inzwischen besser geworden ist, noch einmal richtig an dem Stück arbeiten, es auf ein höheres Niveau bringen, auch wenn man dann eben erstmal kein neues Repertoire-Stück hat?


2. Inwieweit ist es ratsam beim Erlernen eines Stückes CD-Aufnahmen oder Aufnahmen bei youtube zu Hilfe zu nehmen?
Wenn ich ein Stück zum Einüben auswähle, dann nehme ich es, weil ich es mir so gut gefällt, dass ich es mir schon einige mal angehört habe, im Ohr habe ich es also sowieso.

Solange ich das Stück dann einübe, vermeide ich es, dass Stück anzuhören, weil ich ja keine Kopie einer Interpretation eines Pianisten anfertigen will,
und weil ich so gezwungen bin, den Notentext aufmerksam zu lesen.

Ich übe das Stück also nach Notentext ein, es wird immer besser, dann ist da aber eine Stelle, kann auch eine ganze Notenseite lang sein, die sich für mich zwar laut Notentext richtig anhört, die aber einfach nicht in den Kontext passt.
( Z.B. hört sich eine Stelle von Pathétique1 bei mir sehr jazzig an, und eine darauffolgende Tonleiter hört sich fröhlich an, was ja aber eigentlich nicht sein kann)

Ist es nun ratsam, sich diese Stelle genau anzulören z.B. bei youtube um so ein Gefühl für sie zu bekommen, wodurch ich schneller mit dem Stück vorrankommen würde?

Oder soll ich lieber warten, um die Stelle dann mit meiner Lehrerin anschauen, die mir dann vielleicht eine Hilfestellung geben kann, damit ich diese Stelle auch so hinbekomme?


Das waren jetzt die beiden Fragen, bin schon gespannt auf eure Meinungen:p

Liebe Grüße
Hacon
 
K

koelnklavier

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2. Inwieweit ist es ratsam beim Erlernen eines Stückes CD-Aufnahmen oder Aufnahmen bei youtube zu Hilfe zu nehmen?
Wie ich schon an anderer Stelle mehrfach geschildert habe, halte ich es für sinnvoller, sich nicht von vorgefertigten Interpretationen beeinflussen zu lassen. Du hast die Antwort eigentlich auch schon slebst gegeben:
Solange ich das Stück dann einübe, vermeide ich es, dass Stück anzuhören, weil ich ja keine Kopie einer Interpretation eines Pianisten anfertigen will, und weil ich so gezwungen bin, den Notentext aufmerksam zu lesen.
Ich denke, Deine Lesart des Notentextes ist die für Dich maßgebliche. Und wenn Beethoven-Passagen jazzig klingen (ich kenne eine ganze Reihe solcher Stellen), dann ist das auch legitim.

An die wenigsten Stücke geht man gänzlich unbefangen heran. Meist hat man einen diffusen oder auch fest umrissenen Höreindruck. Aber ich empfehle meinen Schülern immer, während der Arbeit die entsprechenden CDs ganz weit weg zu legen. (Ich selbst habe auch schon manch gutes Konzert versäumt, weil ich mitten in der Auseinandersetzung mit einem Stück des Programms steckte.) Erst wenn ich eine eindeutige Position gefunden habe (und mich souverän fühle), konfrontiere ich mich mit anderen Interpretationen. Ich kann dann mit größerer Gelassenheit das Für und Wider der anderen Auffassungen abwägen.

Eine CD erhebt (ganz ungewollt) immer einen gewissen Absolutheitsanspruch. Sie läßt keine Einwände zu (bzw. reagiert nicht darauf). Wenn ich mit einem Schüler an einem Stück arbeite, werde ich ihn natürlich auf Dinge aufmerksam machen, sage ich ihm: "Versuch mal dies oder jenes" und bringe meine Argumente auch spielerisch vor. Aber nur in den allerseltensten Fällen mit der Maßgabe: "Das macht man so und nicht anders!!!" Insofern sollte sich das Spiel des Lehrers von der CD unterscheiden. (Und es soll ja auch Fälle geben, da klingt's von CD einfach besser, auch wenn's noch so falsch ist! Da stehe ich als Lehrer dann ganz dumm da.)
 
Frédéric Chopin

Frédéric Chopin

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Hallo Hacon,

wie bereits Koelnklavier schon geschrieben hat, sollte man während man ein neues Stück übt, sich nicht von CD- Aufnahmen beeinflußen lassen. Man sollte nämlich immer seine eigene Interpretation haben und keine Nachahmung eines Pianisten. Erst später, wenn Du das Stück bereits erarbeitet hast, dann ist es sogar sinnvoll, sich CD- Aufnahmen anzuhören, um zu vergleichen. Gibt es Stelle, die ich vieleicht nicht ganz verstanden habe, oder Stellen, die von anderen Pianisten besser verstanden wurden? Dann kann man sich, nachdem man das Stück erarbeitet hat und sie nachher in seiner eigenen Interpration spielt, auch CD- Aufnahmen zur Hilfe ziehen.

Was mich allerdings stört, ist, warum gerade vorhandene Aufnahmen von youtube? Nicht alle guten Interpretationen findet man auf youtube. Ich kaufe mir CD- Aufnahmen. Somit habe ich die Möglichkeit mir meine eigenen Lieblingspianisten auszusuchen und muß mir nicht gleich unter Umständen eine schlechte Interpretation, die ich zufälltig auf youtube finde, antun.

Jetzt zu Deinen Fragen:

Deine erste Frage:
Soll man nun
a) diese Stelle ignorieren, und das Stück ins Repertoire aufnehmen, und immer wieder spielen?

Meine Antwort:
Nein! Auf keinen Fall!

Deine zweite Frage:
b) doch nochmal täglich 10 Minuten einer Übungseinheit investieren, um noch mal zu versuchen, diese Stelle zu verbessern, auch wenn es hoffnungslos aussieht, damit das neue Repertoirestück zumindest nicht noch schlechter wird?

Meine Antwort: In Deiner Frage finde ich ganz andere Fehler! Du sollst nicht versuchen, die Stelle verbittert zu verbessern, wenn Du nicht weißt wie! Somit ist es natürlich hoffnungslos! Die Frage, die Du Dir stellen sollst ist: Warum funktioniert die Stelle nicht!

Deine dritte Frage:
oder c) das Stück ein paar Monate ruhen lassen, um dann, wenn man inzwischen besser geworden ist, noch einmal richtig an dem Stück arbeiten, es auf ein höheres Niveau bringen, auch wenn man dann eben erstmal kein neues Repertoire-Stück hat?

Meine Antowrt:

Ich habe Dir ja empfohlen Stücke ruhen zu lassen und in dieser Zeit auch an neuen Stücken zu arbeiten, um somit auch Fortschritte zu machen. In diesem Falle liegt aber ein ganz anderes Problem vor. Da diese gewisse Stelle ja nicht geht, von der Du schreibst, liegt es vermutlich daran, daß Du entweder vom technischen Spiel irgendetwas falsch machst oder die Stelle falsch übst.

Liebe Grüße, Mario
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
H

Hacon

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@ Koelnklavier& Mario

Danke schonmal an euch beide, dass ihr geantwortet habt.

Woran liegst denn aber, dass der Rest hier nicht antwortet? Hier gibts doch so viele Profis?

Lg Hacon
 

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