Woher weiß ich was das Original ist?

  • Ersteller des Themas LuisiKK
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LuisiKK

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Wenn ich Stücke aus verschiedenen Verlägen vergleiche, gibt es immer Unterschiede (auch wenn sie meistens klein sind). Woher weiß ich was das Original ist?
 
Stilblüte

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1. Vermerk, dass es sich um "Urtext" handelt
2. Achte auf zusätzliche Anmerkungen wie "Fingersatz von..." oder "Bearbeitet von" usw.

Aber: Von vielen Stücken gibt es mehrere Quellen, die als Urtext herhalten können. Zum Beispiel: Mehrere Handschriften, Abschriften, gedruckte (und vielleicht vom Komponisten korrekturgelesene) Erstausgaben etc. Wenn die sich unterscheiden, muss der Verlag Entscheidungen treffen. Oft sind die hinten oder vorne in einem Kritischen Bericht aufgeführt und erklärt.
 
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Jack Black

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1. Vermerk, dass es sich um "Urtext" handelt
Was genauso sinnfrei und verbindlich ist, wie die neudeutsche "Bio" Welle. Das klingt nach viel, aber es ist kein anerkanntes Zertifikat und jeder Dödel kann "Urtext" draufschreiben, wenn er meint, es würde sich besser verkaufen.

Ganz im Ernst: es gibt keine Garantie, was das "Original" ist, das fängt schon damit an, dass selbst die ganz alten Komponisten ihre Schreiberlinge hatten, die zum Noten schreiben angestellt waren (ja, damals gab es weder Computer noch Drucker, aber ein ganzes Orchester und Chor mit Noten auszustatten war auch damals notwendig).

Die Unterschiede in den meisten Publikationen sind marginal, die musikalische Idee setzt sich doch in jedem Fall sowieso durch, wozu brauche ich ein Heft, wo "Urtext" drauf steht??
 
FünfTon

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Was genauso sinnfrei und verbindlich ist, wie die neudeutsche "Bio" Welle. Das klingt nach viel, aber es ist kein anerkanntes Zertifikat und jeder Dödel kann "Urtext" draufschreiben, wenn er meint, es würde sich besser verkaufen.
Das kennt doch jeder aus der Radiowerbung:

"Hmmmmmm ... ist das etwa der echte Henle Urtext? Ja, mit dem vollen ursprünglichen Geschmack!"
[Jingle] Achten Sie auf den blauen Einband!"
 
Schimmelchen

Schimmelchen

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Die Unterschiede in den meisten Publikationen sind marginal, die musikalische Idee setzt sich doch in jedem Fall sowieso durch, wozu brauche ich ein Heft, wo "Urtext" drauf steht??
Die Unterschiede sind längst nicht immer marginal.
In diesem Beispiel kannst du z.B. erkennen, was mit Bachs Orgelfuge BWV 536 schon alles angestellt wurde.

13218-d0b5e334a1468406fcb7371e47eb9fe9.jpg

Im Vergleich dazu die originale Notierung

13222-63a36e7e134aae036de5a73f5db5ab9e.jpg

Einen "richtigen" Urtext heranzuziehen kann also durchaus nützlich sein.
Allerdings muss man auch wissen, wie man damit umzugehen hat, sonst nützt er einem herzlich wenig.

Notenquelle: Paul Heuser, Das Clavierspiel der Bachzeit
 
Stilblüte

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Die Unterschiede in den meisten Publikationen sind marginal, die musikalische Idee setzt sich doch in jedem Fall sowieso durch
Da hätte ich jeetzt auch sofort mit Bach bebeispielt. Schonmal eine russische "editierte" Bachausgabe gesehen? Alles voller Bindebögen. Die Leute spielen das dann so und denken, es gehört so. Grauenhaft.
Natürlich ist Urtext keine Garantie, aber kein Urtext ist vor diesem Hintergrund noch "schlechter".
 
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Jack Black

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Schonmal eine russische "editierte" Bachausgabe gesehen? Alles voller Bindebögen.
Und? Letztendlich entscheidet doch der Pianist, ob und wie er Bindebögen spielt. Eigentlich wundert es mich fast schon, dass Du so etwas als Beispiel angibst. Gerade bei Bach hat Glenn Gould das in diversen Publikationen auf den Punkt gebracht: die Noten zählen, nicht das "Drumherum". Bach hat seltenst Tempi, Dynamik und auch Bindebögen vorgegeben. Das sollte man als Pianist eigentlich wissen und dann spielen solche grafischen Attribute keine wirklich große Rolle, sie sind ein Angebot des Edttors an den Ausübenden.

Letztendlich ändert das alles aber nichts an der eigentlichen Kernfrage: was ist ein "Urtext"? Den gibt es in meinem (sehr mathematisch geprägten) Umfeld nicht, mangels klarer Definition. Also wird der Begriff mißbraucht, um eine gewisse "Glaubhaftigkeit" zu erzeugen (letztendlich mit dem klaren Ziel, Noten zu verkaufen, davon leben die Verleger nun einmal), aber es gibt keine DIN Norm oder eine ISO Festlegung, was ein Urtext ist. Das ist so ein schwammiger, nichtsdestotrotz irgendwie beeindruckender Begriff, aber was garantiert dieser Begriff?
 
Stilblüte

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Glenn Gould war Kanadier.
 
 

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