WNG-Mechanikteile / Langzeiterfahrungswerte?

Bin auch für Holz. Plaste is nix. Irgendwie ist man konservativ als Musiker.
 
Ich finde so eine grundsätzliche Ablehnung und Verurteilung neuer Materialien und Techniken irgendwie erschreckend.
"Billigmist" ist so eine Mechanik sicherlich nicht.
 
namenhafte Hersteller wie Steinway nicht diesen Carbon/Plastikmist,
Ganz sicher auch eine Frage der Menge. Vieles rechnet sich - unabhängig von der Qualität - erst ab bestimmten "Auflagen". Bei Steinway kommt hinzu, dass das Profi-Publikum EXTREM konservativ ist. Mir wurde berichtet, dass Konzertpianisten schon Flügel ablehnten, weil der Innenrim (wie bei Steingraeber) mit Vogelaugenahorn bezogen war. Nein, es muss partout nach Mahagoni aussehen - sonst ist das kein echter Steinway...
 
Ich halte hier einmal kurz fest: Niemand hier hat die Teile -weder als Pianist, noch als Klavierbauer - unter den Fingern gehabt. Dennoch wird die Meinung verkündet, das ist alles Plastikmist, Steinway verwendet das auch nicht, vielleicht lebt es auch nicht, Obsoleszenz eingebaut u.v.a.m. .....

Das erinnert mich daran, dass unter Streichern die längste Zeit mit ähnlichen Argumenten die Verwendung von Kunststoffsaiten verpönt war. Heute werden diese - mit Ausnahme von Originalklangensembles - fast durchgehend auch von Solisten verwendet.

Steinway würde diese Mechaniken auch nicht verwenden, wenn sie das genialste wären, was die letzten 300 Jahre im Bau von Tasteninstrumenten entwickelt worden wäre.
Steinway lebt von dem Mythos, seit etwas mehr als hundert Jahren das perfekte Klavier gefunden zu haben, das nicht verbessert werden könne. Ob das tatsächlich stimmt, darüber gehen die Meinungen weit auseinander. So ist zum Beispiel die Streuung der Qualität von Steinways Instrumenten nicht gerade vernachlässigbar.

Grüße

Zweitflügel

P.S.: ich stehe in keiner wie immer gearteten Beziehung zu WNG, finde aber die absolut innnovationsfeindliche Haltung (kann nur Mist sein) unverständlich
 
Auch die nicht unbeträchtliche Streuung gehört zum Mythos dazu. Wenn jeder S&S gleich wäre, das wäre doch schlimm!

Ganz sicher sollte man neue Materialien nicht vorverurteilen. Ganz sicher aber auch haben diese eben weniger "Charme, Spirit, was auch immer". Sogar die E-Gitaristen schwärmen vom Holz Ihrer Strat aus den 60ern. Ich denke, dass im gesamten Musikbereich so ein wenig Individualität und "Seele" sehr geschätzt wird.
Im Amateuer- und erst recht im Ausbildungsbereich ist sicherlich eine Standardisierung auf möglichst hohem Niveau sinnvoll und erstrebenswert. Für Liebhaber, Profis, Afficionados aber zählt das einzelene, besondere Instrument.

Ist bei Pfeifenrauchern/sammlern und Fliegenfischern genau dasselbe. Bei letzteren ist sogar ein freiwilliger "Rückschritt" erkennbar. Bis zu einem bestimmten Level kann es gar nicht genug "High-Speed-Carbon-high-End" sein. Ist dann aber ein gewisser "Leistungslevel erreicht", scheint diese permanente Hochleistungsverfügbarkeit zu langweilen und nicht wenige kehren zu Opas Bambusruten zurück. Die sind langsamer, kraftloser, zicken mal und müssen trotz des dreifachen Preises gepflegt und gehätschelt werden. Aber es sind dann eben "Individuen"- das scheint eine große Rolle zu spielen.
 
Ich halte hier einmal kurz fest: Niemand hier hat die Teile -weder als Pianist, noch als Klavierbauer - unter den Fingern gehabt.
Ich kenne einen Steinway D mit WNG-Mechanik, den hab ich auch mal kurz angespielt. Allerdings zu kurz, um Unterschiede wirklich beurteilen zu können, zudem spielt sich auch so jede eigentlich identische Mechanik aufgrund Regulation eben nicht identisch. Zudem war die auch noch nach PTD bearbeitet, was man ja auch mit herkömmlichen Mechaniken macht, um sie zu optimieren.
Die Mechanik hab ich in Natura gesehen, aber ich hab jetzt nicht probiert, ob man die Stiele brennen kann...:-D
 
Ich finde so eine grundsätzliche Ablehnung und Verurteilung neuer Materialien und Techniken irgendwie erschreckend.
"Billigmist" ist so eine Mechanik sicherlich nicht.
och, ich sag bloß "Plaste und Elaste aus Schkopau" - galt damals als die absolute Errungenschaft, und auch das NSW wurde damit versorgt - heute wissen wir was wir davon zu halten haben, nicht ohne Grund ist heute Polyvenylchlorid so irgendwie nimmer recht gefragt - und was Carbon anbelangt....in 20 Jahren reden wir weiter :rauchen::-D

Viele Grüße

Styx
 
Jetzt muss ich mal eine Lanze brechen: Das Zeugs ist nicht mit Däderäh-Plaste vergleichbar. Es ist auch schon lange auf dem Markt. Es ist belegt, dass Carbonfaser - richtig eingesetzt - ganz herausragende Eigenschaften hat.

Aaaaaber: Die Reparaturtauglichkeit ist gleich Null. Und es ist "seelenlos", auf "Leistung getrimmt". Außerdem: es ist "unberechenbar", wenn winzig kleine strukturelle Schäden auftreten. Ein Hammerstiel aus Carbon wird beim Stimmen mit irgendeinem Wekzeug leicht angeritzt - das juckt 3 Jahre lang nicht. Aber dann, plötzlich, zerreißt es den Hammerstiel. Ohne, dass irgendjemand noch Ursache und Wirkung zusammenbringen könnten. Ich bin sicher, dass uns Carbon & Co noch öfter begegnen werden - auf der Suche der Industrie nach dem "genormten" Klavier. Dass dieses genormete Klavier aber gleichzeitig das das Totenglöckchen für ein ganzes Marktsegment bimmeln lässt, ist bislang nur wenigen klar.

Wir beweinen heute den Verlust der früheren Klangvielfalt - morgen werden wir um die "Streuung" trauern.

Trotzdem: Carbon-/Boron-/XYZ-faser mit Plaste & Elaste gleichzusetzen, ist Quark.
 
Also zwar hat anscheinend noch niemand hier eine WNG-Mechanik ausführlich bespielt. Aber die Kunststoff-Mechaniken von Kawai haben einige bespielt und ich kann mich an durchaus positive Schilderungen erinnern. Damit ist nix über die Haltbarkeit gesagt, das ist schon klar.

Eine Reduzierung der bewegten Massen stelle ich mir jedenfalls als ein lohnendes Entwicklungsziel vor. Je nach Einsatzbereich könnte der eine oder die andere dafür sogar hinsichtlich Haltbarkeit kompromissbereit sein. 80 statt 100 Jahre Haltbarkeit, dafür das ultimative Spielgefühl - warum nicht?

Diejeinigen unter uns, die den Klang unabhängig von der Lautstärke beeinflussen können, weil ein magisches Biegeverhalten der Hammerstiele je nach Beschleunigung mehr oder weniger "Vibes" auf die Saite überträgt, werden Carbon-Hammerstiele (womöglich noch hohl) zwangsläufig ablehnen, denn die haben vermutlich kaum Flex auch zu wenig Toleranz, um sie nach Klangverhalten zu sortieren.
 
denn die haben vermutlich kaum Flex auch zu wenig Toleranz
Sowohl Flex als auch Klangverhalten lassren sich mit Carbonfaser exakt auf Wunsch "programmieren". Hier könnten Dinge möglich werden, die wir heute noch gar nicht kennen, z.B. unterschiedliches Beschleunigungsverhalten und damit auch Dynamik in verschiedenen Oktaven, oder unterschiedliche Hammersätze für "Streichler" und "Reinhauer"....

Das heißt noch lange nicht, dass ich das kaufen würde, aber man darf Bemühungen in diese Richtung (noch) nicht per se verteufeln.
 
Es ist doch schön zu sehen, wie sich der Faden mittlerweile entwickelt hat.
Leider habe ich noch keine definitive Antwort auf meine Frage bezüglich der tuchfreien Achslagerung bekommen.
Wie ist es nun? Klappern die Teile irgendwann, oder sitzen Achsen fest?
Oder sind die Teile wirklich noch zu neu, um derlei Erfahrungen zu bekommen?
Andererseits möchte ich nicht einer der Ersten sein, der das ausprobiert, um nach einer gewissen Zeit auf herkömmliche Bauweisen zurückkommen zu müssen...

Grüße

Toni
 

Hallo

wenn ich mich recht erinnere waren die bis vor kurzem noch herkömmlich in Filz gelagert. Das wurde dann in Festlager mit Edelstahlachsen geändert. Mögliche Erklärung wäre, dass es irgendwelche Probleme gab, oder dass mit den Plastiklagern eine höhere Präzision zu erreichen war. Das kann dir aber nur der Hersteller beantworten, warum er die Konstruktion geändert hat.

Ich meine mich zu erinnern, dazu mal etwas gelesen zu haben (bei Pianoworld? Keine Ahnung mehr). Ich glaube das Problem ist, dass Holz und Filz auf Feuchtigkeit reagieren. Wenn nun dieses Carbon oder was auch immer für ein Zeugs nicht arbeitet, der Filz aber schon, dann kann das zu steifen Achsen führen. Aber diese Theorie bezog sich -wenn ich mich recht erinnere- nicht auf WNG, sondern grundsätzlich auf Plastikteile in einer Mechanik.
 
Tastenscherge, das ist aber nicht ganz logisch, oder? Wenn ich zwei Materialien habe, die bei Feuchte "quellen", dann wird das doch noch straffer, als wenn nur ein Material (Filz) quilt. Das von Dir sinngemäß Zitierte träfe doch nur zu, wenn in der klassischen Bauweise die beiden Materialien konträr reagieren würden.

Mach ich grade nen Denkfehler?
 
... Für Liebhaber, Profis, Afficionados aber zählt das einzelne, besondere Instrument.

Liebhaber und Afficionados auf der einen sowie Profis auf der anderen Seite bilden den denkbar größten Gegensatz. Von ganz wenigen Ausnahmen abgesehen verlangen Profis eine perfekt laufende Mechanik, der Klang des Flügels ist dagegen fast schon sekundär. Auf gar keinen Fall machen Profis so ein Gewese um das "besondere" Instrument. Solche Hysterien sind den Laien vorbehalten.
 
Auf gar keinen Fall machen Profis so ein Gewese um das "besondere" Instrument. Solche Hysterien sind den Laien vorbehalten.
Genau. Glenn Gould & Co. Alles hysterische Laien.

Bei Aufnahmen von Flügelauswahlsituationen durch Konzertpianisten ist IMMER zu sehen, wie diese HÖREN, LAUSCHEN! Ich habe noch keinen gesehen, der nur Läufe durchrattert ...
Was die "Verliebtheit" angeht - da geb ich Dir recht. Ich glaube auch nicht dass z.B. Schumi auch nur ein Hundertstel der "Verbindung" zu seinen Boliden verspürt, wie der normale deutsche Autofetischist. Die Leidenschaft der Gamer für starke Rechner mag der Filmcutter oder Grafiker ebenfalls nicht teilen. Und der Weltklasse-Reiter ist gegen das Ponyhof-Mädel ein tierquälerischer Eiszapfen.
 
Zuletzt bearbeitet:
Genau. Glenn Gould & Co. Alles hysterische Laien.

Bei Aufnahmen von Flügelauswahlsituationen durch Konzertpianisten ist IMMER zu sehen, wie diese HÖREN, LAUSCHEN! Ich habe noch keinen gesehen, der nur Läufe durchrattert ...
Was die "Verliebtheit" angeht - da geb ich Dir recht. Ich glaube auch nicht dass z.B. Schumi auch nur ein Hundertstel der "Verbindung" zu seinen Boliden verspürt, wie der normale deutsche Autofetischist. Die Leidenschaft der Gamer für starke Rechner mag der Filmcutter oder Grafiker ebenfalls nicht zu teilen. Und der Weltklasse-Reiter ist gegen das Ponyhof-Mädel ein tierquälerischer Eiszapfen.

Gould, Horowitz etc. sind absolute Ausnahmen und ehrlich gesagt mit normalen professionellen Maßstäben nicht zu messen. Horowitz hat in seiner Kindheit, Jugend und frühen Profizeit (in Berlin) meistens auf Bechstein geübt und konzertiert. Seine Entscheidung für Steinway war eine rein rationale: Sein Agent Alexander Marowitsch hatte darauf hingewiesen, dass Steinway weltweit bessere Ressourcen zu bieten hat. Bechstein war zu europafixiert, Bösendorfer erst recht.
 
Hehe, Schmickus, ich stimm Dir doch (fast) zu - aber dass Pianisten nur auf die perfekte Mechanik achten, ist doch etwas übertrieben.

Also lass uns unser Plaisier, ohne uns gleich als "hysterisch" zu bezeichnen - mangels Uterus ist das für die Männer hier ja auch gar nicht machbar:cry2:
 
Jou - aber ich gehöre auch dazu.... ;-). Egal - ich weiß was Du meinst. Und Du verstehst mich. Hoffe ich. :herz:
 

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