wie oft ein Stück üben

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rothirsch

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Hallo Freunde
ich bin nach etwa 1 Jahr erst bei der Hälfte der russischen Musikschule ( bin noch berufstätig und habe wenig Zeit zum üben ), aber es macht sehr viel Spaß .Nur ist es normal ,das man ein Übungsstück von einer Din A 4 Seite 100 mal spielen muss daß es einigermaßen sitzt ? Mich würden mal eure Erfahrungen
interesieren .
Gruß vom Rothirsch
 
J

Janik

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hi,

es kommt immer darauf an wie du ein Stück übst.
Wenn du dabei noch Fernseh schaust und bei einem Fehler immer von vorne anfängst, musst du natürlich mehr Zeit aufbringen. :D
Gehe am besten strukturiert vor: Teile dein Stück in mehrere Abschnitte sinnvoll ein, schreibe dir bei Akkorden ihre Namen darüber, markiere dir schwierige Stellen farblich und mache dir Übungen dazu, um sie zu überwinden.
Sei kreativ - wenn du dich genau darauf konzentrierst und mit System vorgehst, dann wirst du es nicht mehr 100 mal durchspielen müssen!

Viel Spaß und Erfolg & liebe Grüße

Janik
 
Sesam

Sesam

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Hallo Rothirsch,

Ich glaube, das ist völlig normal. Die Frage ist, ob es denn immer das ganze Stück sein muss, das man von vorne bis hinten durchspielt. Mittlerweile picke ich mir die für mich schwierigen Stellen raus und üb` die alleine, eine paar Takte vorneweg und ein paar folgende häng` ich noch dran, aber das zigmalige Durchspielen des ganzen Stückes find` ich nicht sinnvoll. Zunehmend verbringe ich auch mehr Zeit nur mit den Noten, versuche also, ohne zu spielen, den Notentext zu "erforschen". So dass ich im Großen und Ganzen so ungefähr weiss, was mich am Klavier erwartet und ich schon mal ein bisschen Struktur habe. Note für Note zu spielen ist Käse und man kriegt vor allem das Stück nie in die Finger und noch weniger in den Kopf. Mit wechselnder Motivation betreibe ich an kürzeren Stellen auch Transponierversuche. Es gibt kaum eine bessere Methode, ein Stück zu verinnerlichen.
Aber letztlich dürfte ich auch locker die 100 Male überschreiten, die ich ein Stück spiele, bis es sich (gut) anhört.

LG, Sesam
 
J

Janik

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Ist nur die Frage, auf welchem Level man das spielen will.
So, dass man technisch keine Probleme hat und es musikalisch anhörbar ist oder auf Konzertniveau.
Letzteres würde jedoch auch die "100-mal" überschreiten ^^
 
Guendola

Guendola

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100 Mal durchspielen ist nicht die Lösung. Es gibt ein paar Dinge, die man beim Üben beherzigen sollte:

- Man muß nicht mit beiden Händen gemeinsam anfangen. Das gilt natürlich nicht bei Stücken, wo linke und rechte Hand abwechselnd spielen, aber das ist ja die Ausnahme. Also im Zweifelsfalle erstmal jede Hand für sich einüben, bis sie ihren Part sicher spielen kann. Das braucht nicht das gesamte Stück zu sein, man kann auch einen einzigen Takt erstmal mit jeder Hand einzeln und danach gemeinsam einüben.

- Man kann besser lernen, indem man langsam spielt. Das Tempo, bei dem man alles fehlerfrei spielen kann, ist das Maximum. Manchmal gibt es eine Grenze, die zu überwinden schwer scheint, das erfordert dann besondere Maßnahmen aber meistens kann man das Tempo in wenigen Tagen deutlich steigern und zum gewünschten Ziel kommen.

- Es ist nicht nötig, immer das ganze Stück durchzuspielen, es ist sogar schlecht, denn dadurch hört man immer gerade dort auf, wo man eigentlich üben müßte. Am besten nimmt man sich einen oder zwei Takte vor, und spielt die so langsam, daß es problemlos geht. Dann erhöht man das Tempo vorsichtig, bis man an die Grenze kommt, wo es noch ohne Fehler geht. Das reicht für einen Tag und man nimmt sich den nächsten Abschnitt vor. Falls man Fehler macht, schraubt man das Tempo zurück und spielt den Abschnitt noch ein paar Mal sicher durch, bevor man zum nächsten geht.

- Abschnitte, die man sicher kann, verbindet man und übt sie genauso wie im vorherigen Absatz beschrieben. Hier geht es nun um den Übergang zwischen beiden Abschnitten, also immer nur zwei kurze Abschnitte zusammensetzen, bis man alle Übergänge durch hat. Auch zunächst langsam spielen, man bleibt immer dabei, so langsam zu spielen, daß keine Fehler passieren.

- Zum Schluß hat man alle Takte oder ähnlich kleine Abschnitte eingeübt und auch die Übergänge von einem zum anderen. Nun kann man das gesamte Stück spielen - wieder erstmal langsam. Spätestens jetzt ist es wichtig, sich über den Klangeindruck Gedanken zu machen. Es gibt ja immer eine Vorgabe am Anfang der Stücke, sei es "fröhlich", "leicht" oder was auch immer, so soll es natürlich auch klingen. Man kennt ja nun jeden einzelnen Takt und kann sich erstmal - ohne Klavier, nur mit den Noten - vorstellen, wie es klingen könnte. Das klingt schwerer als es ist, einfach mal versuchen!

Alles, was man auf diese Weise nicht hinbekommt, muß man mit dem Lehrer klären. Es ist nicht schlimm, wenn man etwas nicht alleine schafft, gerade als Anfänger übersieht man eine Menge Details, die das Spielen leichter machen.

PS: Ich habe gehört, daß Band 1 und 2 der russischen Klavierschule für zwei bis drei Jahre Unterricht ausgelegt sind und Band 1 wird zum Ende hin deutlich schwerer. Über dein Lerntempo brauchst du dir keine Gedanken zu machen.
 
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Klimperline

Klimperline

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Hallo Rothirsch,

wie oft man sich mit einem Stück befassen muss, bis es zur eigenen Zufriedenheit "sitzt", kann man so pauschal gar nicht sagen.

Der Fortschritt an einem Stück ist überaus individuell und hängt von vielen Faktoren ab, von denen ich nur ein paar wenige nennen möchte:

- Komplexität des Stückes

- Vorerfahrungen des Übenden (Wieviele Stellen kommen mir bekannt vor? Beispiel: ich habe gerade eine bestimmte Tonleiter gelernt: wenn diese Tonleiter nun im neuen Stück vorkommt, gibt es eine Passage, die ich sicherlich relativ schnell lernen werde)

- Begabung des Übenden

- Übungsdichte (wieviel Zeit ist seit meinem letzten Üben an diesem Stück vergangen?)

- Vorgehensweise beim Üben (wenn ich nur durchspiele dauert es am länger als wenn ich mich konzentriert, intensiv und systematisch mit den einzelenen Abschnitten des Stückes beschäftige)

- eigenes Anspruchsverhalten

Da es ja nicht nur darum geht, die richtige Taste zum richtigen Zeitpunkt zu treffen, sondern viel viel mehr beachtet werden muss, wenn man mit dem Klavier wirklich Musik erzeugen möchte, dauert es recht lange, bis man ein Stück beherrscht. Es müssen ja nach und nach ganz viele Bewegungen automatisiert werden, wobei gleichzeitig das Bewusstsein aber nicht ausgeschaltet werden darf. Führe Dir mal vor Augen, was Dein Gehirn während des Spielens alles gleichzeitig leisten muss:

10 Finger plus Körperbewegungen koodinieren, Rhythmus einhalten; Emotionen erspüren und in die Finger weiterleiten; dem eigenen Spiel zuhören; Noten lesen oder aus dem Gedächtnis hervorholen; Koordination Hand/Fuß (Pedalarbeit); Dynamik des Stückes gestalten; Umgebungsgeräusche und andere ablenkende Reize ausfiltern und und und

Man könnte auch sagen, dass ein Stück eigentlich nie fertig wird -es gibt immer etwas daran zu feilen, auszuprobieren, wieder aufzufrischen.

Also Geduld!

Klimperline, die sich jetzt gleich zum etwa 102ten Mal mit einem ihrer aktuellen Stücke befassen wird.
 
K

kama

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Hallo Freunde
ich bin nach etwa 1 Jahr erst bei der Hälfte der russischen Musikschule ( bin noch berufstätig und habe wenig Zeit zum üben ), aber es macht sehr viel Spaß .Nur ist es normal ,das man ein Übungsstück von einer Din A 4 Seite 100 mal spielen muss daß es einigermaßen sitzt ? Mich würden mal eure Erfahrungen
interesieren .
Gruß vom Rothirsch


Ob das normal ist? Für MICH nicht, ........................
mir reichen 100 x durchspielen nicht einmal :D.
Aber was ist schon "normal"? Wenn ich meine Tochter anschaue, die nach 6 x Klavierunterricht den ersten Band zu 2/3 durch hat, dann könnte ich schon manchmal die Krise bekommen. Ich sage ihr immer, wie ungerecht das ist. Dann lacht sie nur :kuss:.
Aber ich sehe auch bei mir Fortschritte, und das reicht mir (bzw. es muss reichen, ich kann es ja nicht ändern). Außerdem sind wir hier bei keinem Wettbewerb.

Ich übe gerade "101. Im Gärtchen". Dieses Stück habe ich alleine heute zig Male geübt. Obwohl ich alles beherzige, was Guendola schreibt: langsam (geht gar nicht anders! :) ), lH/rH zuerst getrennt (klar!), Abschnitt für Abschnitt (sowieso!) usw. - Aber es wird immer besser! Und in ein paar Tagen kann ich die Feinheiten in Angriff nehmen ("rasch und federnd"...).

Also: nicht entmutigen lassen - wird schon!

Viele Grüße
kama
 
R

rothirsch

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Hallo Freunde
vielen Dank für die Antworten , ich bin einigermaßen beruhigt das es nicht nur mir so geht .
Und hallo Kama ,ich bin witzigerweise auch gerade beim Gärtchen .
Gruß vom Rothirsch
 
M

Michaelbyt2tz

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Hallo Pianisten:rolleyes:
Also ich bin ja alt, aber ich kann mich noch erinnern, wie das war.
die ersten Jahre murgst man gewissermaßen dahin. Die Haltung muß stimmen, man muß mit den Fingerkuppen spielen, hat aber noch nicht das ganze Rüstzeug, das man braucht, also vor allem eines: Geduld, und nicht verzweifeln. Die Ratschläge von Gonduela sind natürlich richtig.
Ich habe es so gelernt, daß man mit mehreren Säulen beginnt, die man mehr oder weniger immer beibehält:
1. Tonleitern üben, zunächst eine Hand, dann beide, und so nach und nach alle parallelen Tonleitern in Dur und Moll harmonisch und Moll melodisch.
2. Reine Übungsschulen üben (ích weiß nicht ob es die "tecnica pianistica" Bände von Alessandro Longo noch gibt, die waren gut).
3. Czernyübungen spielen, etwa von Ricordi die "Czernyana" Band 1 und folgende, aber natürlich nicht ein ganzes Buch davon.
4. Nun kommt Bach, der Vater aller Pianisten, zunächst mit dem Bücherl für Maria Magdalena Bach, oder so ähnlich. Daraus 2 Stücke: reichen zunächst.

Mehr dann in der Folge, und nun das Wichtigste:: wenn man beim Spielen nicht mit den Fingerkuppen spielt, ist man schon mal völlig daneben, und natürlich gehört häufiges Schneiden der Fingernägel dazu, alle 3 Tage in etwa. Ferner muß die Drehung bei den Tonleitern richtig ausgeführt werden, also rotierend und nich hüpfend, oder die Finger irgendwie schleppend nachziehen, immer auf den Fingerkuppen.

Bis zum nächsten Mal und Geduld wünsche ich Euch.
Euer Michael:)
 
K

kleenemaus

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Hallo,

endlich mal jemand der nach 1 Jahr klavierspielen nicht den 1. Band der russischen Klavierschule durchgespielt hat. Hab jetzt im Februar meine 2 Jahre rum und bin bei Stück nummer 142.
Ich habe schonmal 3 Monate an einem Stück gebraucht. Kann es jetzt auch perfekt und das auch mit Pedal. Das war Air nr. 115 glaub ich.
Manchmal denke ich auch, dass ich ein Stück mindestens 100 mal üben muss bis ich es kann. Oder ich übe nur bestimmte Stellen in dem Stück.
Meine Klavierlehrin sagt immer, ich solle geduld haben.

Wünsche dir noch viel Spaß beim Üben.
 
M

Marc1977

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Also 100 mal, für ein komplexeres Stück, reicht mir nicht.
Wobei auch wieder die Frage ist, was der ein oder andere komplex nennt.

Zzt. übe ich Zanarkand von FFX (hab zwar Talent, bin im Gegensatz zu manch andrem hier blutiger Anfänger^^) und das hab ich sicher 250 mal spielen müssen bis alles gepasst hat (laut, leise, diverse Betonungen - Pedaleinsatz ect.)

Hauptsache es macht nach dem Üben auch immer noch Spaß und man hat dann nicht die Nase voll von dem Stück *g*
 
 

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