Wie lange sollte man ein Stück spielen?

  • Ersteller des Themas Clara Clementi
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Clara Clementi

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Wie lange sollte man ein Stück spielen?
und, wann lernt man schnell ein?

Diese Fragen schwirren schon seid einiger Zeit in meinem Kopf herum und es interessiert mich, was ihr dazu denkt. Die Fragen stelle ich mir aus der Sicht einer angehenden Berufsmusikerin.


Ein Professor sagt mir, man solle ein Stück nicht zu lange also ein Jahr oder ein halbes J. lang spielen.
Gut ein Jahr ist wirklich etwas lang, doch ein halbes?
Selbst wenn ein Stück schnell eingelernt ist, braucht es eine gewisse Zeit bis es verinnerlicht, quasi mit dem Körper verwachsen ist, so dass man es blind in einem Konzert spielen könnte und da sind einfach zwei drei Monate meines Erachtens viel zu kurz. Es braucht ein halbes Jahr...gut das mag bei jedem sicher unterschiedlich sein... doch im Grunde weiß Jeder. Stücke reifen mit der ZEIT.
Ich sage nun auch nicht man solle dann ein halbes Jahr lang immer dieselben Stücke spielen. Nein dann fängt man eben noch mit anderen Stücken an :D


zu der zweiten Frage kann ich selbst nur sagen wir ich einlerne. Ich habe hierfür wenige Vergleiche und vielleicht sollte man dies auch nicht unbedingt tun, das Vergleichen.

liebe Grüße
:D
Clara
 
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thepianist73

thepianist73

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Also bei manchen Stücken geht es mir so, dass ich sie schon x-mal im Konzert gespielt habe, und so langsam - nach etlichen Jahren - kommt in mir das teils übermütige Gefühl auf, dass ich so langsam dahinter blicke und sie wirklich verstehe.

So zB Bach B-Dur Partita, viele Sonaten von Beethoven, auch Mozart etc.
Oder Schumann Kinderszenen. Nicht schwer im landläufigen Sinne. Aber im musikalischen Sinne.

Und irgendwann würde es mich freuen, wenn ich nach bestimmt 50x im Konzert und vielen Jahren üben endlich mal die 4 letzten Rachmaninow Préludes (h, H, gis, Des) wirklich vollständig verinnerlicht habe.

Verstehst du was ich meine? :cool:

Zu 2 kann ich Rolf nur Recht geben: Wen interessierts, wie lange es gedauert hat, bis der Taj Mahal fertig war?
 
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Clara Clementi

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Oh ich hoffe wirklich dass es niemanden interessiert. Denn im Grunde zählt ja das Ergebnis. Ich habe mir nur die Frage gestellt, weil ich nun mit dem Studium anfange und mir sorgen mache, ich würde die Erwartungen meines neuen Prof nicht erfüllen. Besonders nachdem er sagte, man solle kein Stück länger als ein halbes /ganzes Jahr spielen und ganz ganz viel spielen bzw. einlernen. Da frag ich mich natürlich was ist jetzt ganz ganz viel???

Ich selbst habe aber auch diese Erfahrung gemacht, dass man erst nach einigen Konzertauftritten mit den Stücken, langsam zu ihnen findet...naja fast selbst das Stück ist. Das hört sich komisch an:D

lg Clara
 
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Debbie digitalis

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Hallo Clara,

es geht doch nicht um ( irgendein fremddefiniertes) Ergebnis sondern erst mal um deine persönlichen Fortschritte!!

Also arbeite in deinem egenen Tempo weiter! Ein Prof kann doch nur versuchen, seine persönliche Erfahrung auf seine Studenten zu übertragen! Aber das stimmt doch nicht immer! Jeder hat seine persönliche Entwicklungskurve!! Bin zwar kein Profi in Sachen Klavierfach, aber arbeite in anderen Zusammenhängen ständig mit Profs zusammen!

LG

Debbie digitalis
 
Guendola

Guendola

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Ich glaube, dein Prof meint, daß man nicht zu lange bei einem Stück verweilen darf, da man sonst einfach nicht das Pensum schafft, das gefordert ist. Es geht ja neben dem Spielen der Musik auch darum, viel davon zu studieren. Ich würde mir keine Gedanken darüber machen, wenn das eine oder andere Stück nach längerer Zeit noch nicht "fertig" ist sondern es lieber erstmal beiseite legen und mich neuem zuwenden. Möglicherweise erwartest du auch zu viel von dir und dein Prof ist mit dem zufrieden, was du in kürzerer Zeit erreichst. Es wird ja von dir nicht erwartet, daß du alle Stücke, die du im Laufe des Studiums spielst, perfekt beherrschst, du sollst nur den professionellen Standard erreichen, der für heutige Konzertpianisten gilt. Es geht also darum, einen (vorläufigen) Schlußstrich zu ziehen, bevor du deine Idealvorstellungen erreichst. {sarkasmus.an}Zum Professionalismus gehört leider auch das Erfüllen von Erwartungen ohne über das Ziel hinauszuschießen. Letzteres ist dann der Luxus, den sich erfolgreiche Künstler leisten können, die dann um ihretwillen gebucht werden und nicht als einer von vielen, die gut genug sind, eine Hochzeitsfeier musikalisch zu begleiten.{/sarkasmus.aus}.
 
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Haydnspaß

Haydnspaß

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Ich glaube, dein Prof meint, daß man nicht zu lange bei einem Stück verweilen darf, da man sonst einfach nicht das Pensum schafft, das gefordert ist.
Ja, das denke ich auch. Es gibt zwar kein festgelegtes Pensum, wie viele und welche Stücke man beim Musikstudium lernen muß. So ein Studium dauert allerdings nicht ewig. Wenn man für ein Stück ein halbes Jahr braucht, hat man in 3 Jahren 6 Stücke gelernt - das ist wirklich zu wenig. Wobei man jetzt allerdings noch sagen müßte, was man als 1 Stück bezeichnet: 1 Chopin Prelude oder die 24 Preludes komplett? Einen kleinen Sonatensatz oder eine komplette große Sonate? Die Goldberg-, Diabelli oder Paganini-Variationen.

Es ist alles relativ - aber wie gesagt: das Studium ist schneller vorbei als man denkt ^_^
 
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Clara Clementi

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Na ich denke nicht, das das Einlernen selbst ein großes Problem ist, also bei mir nicht, es sei den es handelt sich um Bach, das dauert dann schon seine Zeit. Op 26. Beethovensonate hatte ich innerhalb eines Monats auswendig, ich denke das ist in Ordnung.

Es ist bei mir nur so, wenn ich ein Stück gerade eingelernt habe (auswendig versteht sich), dann gibt es drei Phasen-
1. Eingelernte muss gefestigt also mehr automatisiert werden so dass ich nicht mehr daran denke was als nächstes kommt
2. Stück wird auf Tempo geübt, (Interpretation und und und( gegebenenfalls Technische Übungen)
3. Vollautomatisierung für Konzertreifen Auftritt
...und erst dann kann ich das Stück in einem Konzert spielen.

Die Sache ist ja auch die, dass mir gesagt wurde, ich könne aufgrund der vielen Nebenfächer nicht mehr jeden Tag 6 bis 7 Stunden üben^^

Nundenn...es hört sich hier so an als mache ich mir zu viele Sorgen:D

lg
Clara
 
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Clara Clementi

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Ne also ich denke für mich wäre es machbar, wenn ich erst einmal 4 Stücke habe...die einlerne und wenn diese gut sind, "einigermaßen sicher" dann einfach weitere übe. Dann wären vielleicht in einem halben Jahr je nach länge der Stücke vielleicht...8 Stücke drin.
Aber das kann ich auch nicht voraussehen...wie sollte ich, denn ich merke allein, dass ich jetzt viel einlerne, viel viel mehr als früher, dass ich besser von Blatt spielen kann und noch viel besser bzw. schneller einlerne als früher.

und erstaunlich ist es immer, dass wenn ich einen Tag zuvor was ganz passabel vom Blatt gespielt habe und dann nach einem anstrengenden tag schlafen gehe, dass ich es am nächsten Tag auswendig kann...nicht immer, aber es kam schon einmal vor.
Schon erstaunlich was das Gehirn macht, wenn man nichts tut außer schlafen:p

lg nochmal Clara
 
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pianovirus

Guest
Beim Arbeiten an einem Stueck habe ich an irgendeinem Punkt oft das Gefuehl "das habe ich mit meinen momentanen Faehigkeiten jetzt ausgereizt", d.h. ich kann noch soviel dran weiterarbeiten - kurzfristig wuerde es doch nicht besser werden. Das ist eigentlich ein gutes Gefuehl, denn es zeigt mir, dass ich mein Potential fuer den Moment ausgeschoepft habe - gestern hatte ich das Erlebnis gerade mit Brahms' Variationen aus dem 1. Streichsextett und war ziemlich happy (ok ok, ein Pessimist wuerde sich natuerlich eher sagen, meine Grenzen sind so eng, dass ich staendig an sie stosse....aber den Gedanken schieb' ich lieber schnell beiseite :D).

Also genau an dem Punkt, wo ich dieses Gefuehl habe, lasse ich ein Stueck "reifen" (der Euphemismus fuer Noten-in-die-Schublade-und-nicht-mehr-rausholen); gluecklicherweise trifft sich das in letzter Zeit oft mit der Einschaetzung meines Lehrers. Nach ein paar Monaten (oder laenger) kann man es dann wieder rausholen. Bei dem Brahms war es bei mir jetzt ein gutes halbes Jahr, seit ich ihn das letzte Mal mal vorgespielt habe.

Ich habe (um zwei Ecken) von Leuten gehoert, die ein Jahr lang wie besessen z.B. op. 10/2 von Chopin ueben - da wuerde ich verrueckt werden, und ich glaube auch nicht, dass es ohne laengere Pausen dazwischen was bringt.

Ein wichtiger Aspekt des Ruhenlassens von Stucken ist, dass sich dadurch manche angewohnten schlechten Eigenschaften oft von selbst verfluechtigen (z.B. Stellen, vor denen man Angst hat und dann gerade deshalb immer wieder etwas verbockt...)

Andererseits denke ich, dass man waehrend einer Arbeitsphase auch immer bis zu dem "das habe ich jetzt ausgereizt-Gefuehl" gehen sollte -- ich erinnere mich dabei immer an den Neuhaus-Spruch, der irgendwo einen Vergleich erwaehnt, dass man beim Kochen auch lange genug den Herd auf hoher Temperatur haben muss, damit das Essen fertig wird. Ich weiss nicht, ob der Vergleich passt, aber ich nehm' ihn fuer mich einfach so.
 
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Chrissi

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@Clara
Ich glaube Deinem Prof. geht es darum, dass ein Student erst mal sein Repertoire erweitern sollte. Du musst jetzt während dem Studium möglichst viel lernen, damit Du dann nach dem Studium das Gelernte als großes Repertoire zur Vefügung hast.
Ich weiß nicht wie es genau bei den Pianisten ist, aber die Geiger lernen fast alle großen Konzerte schon in ihrer Teenagerzeit technisch zu spielen und feilen dann erst im Studium oder wenn ein Konzert ansteht daran.
Alleswas Du technisch schon früh in einem jungen Alter spielen lernst und dann kannst, das verlernst Du nie wirklich. Was Du später lernst verlernst Du auch nicht, aber es braucht mehr Übungszeit es wieder hochzuholen, wenn man es nicht pflegt.
Stell` Dir doch mal vor Du wirst im letzten Semester gefragt ob Du nicht das Klavierkonzert von.... (such ein großes raus) spielen möchtest. Das wäre eine große Chance.... Wenn Du dieses Konzert schon mal in den Fingern hattest, dann hast Du jetzt bis zum Konzert Zeit an den Feinheiten zu arbeiten... Wenn Du es aber erst lernen musst, weil Du lieber wenige Stücke gespielt hast, die aber perfekt bis zum geht nicht mehr, dann musst Du es erst lernen und dann daran arbeiten..... das ist sicher deutlich stressiger als andersrum. Und es siehrt auch nicht wirklich gut aus, wenn Du sagen musst: ich würde gerne spielen, muss es aber noch lernen, da es nicht in meinem Repertoire ist... Und das Repertoire für Klavier ist seeeehr groß...
 

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Clara Clementi

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@Clara
Ich glaube Deinem Prof. geht es darum, dass ein Student erst mal sein Repertoire erweitern sollte. Du musst jetzt während dem Studium möglichst viel lernen, damit Du dann nach dem Studium das Gelernte als großes Repertoire zur Vefügung hast.
(...)
Stell` Dir doch mal vor Du wirst im letzten Semester gefragt ob Du nicht das Klavierkonzert von.... (such ein großes raus) spielen möchtest. Das wäre eine große Chance.... Wenn Du dieses Konzert schon mal in den Fingern hattest, dann hast Du jetzt bis zum Konzert Zeit an den Feinheiten zu arbeiten... Wenn Du es aber erst lernen musst, weil Du lieber wenige Stücke gespielt hast, die aber perfekt bis zum geht nicht mehr, dann musst Du es erst lernen und dann daran arbeiten.....
Da hast du zum Teil sicher recht.
Aber ich halte Überhaupt nichts davon Stücke nicht ordentlich zu studieren man hat das Stück bis in das kleinste Detail genau zu studieren. Wo bleibt den da der lern, der studier-Effekt? Wenn ich nicht lerne so genau wie möglich Stücke musikalisch wie technisch zu verstehen, wie werde ich das dann hinterher alleine ohne Lehrer schaffen, wenn ich diese unfertigen Stücke wiederhole???

Das ist ja ungenaues Arbeiten schlechthin. Dafür braucht man sicher kein Studium!

lg Clara
 
Guendola

Guendola

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Aber ich halte Überhaupt nichts davon Stücke nicht ordentlich zu studieren man hat das Stück bis in das kleinste Detail genau zu studieren. Wo bleibt den da der lern, der studier-Effekt?
Der Studier-Effekt resultiert wohl eher daraus, daß man soviele Stücke studiert und kennenlernt. Die dabei gesammelten Erfahrungen machen es wohl auch leichter, weitere Stücke schneller zu lernen. Im Übrigen ist die Arbeit ja nicht verloren, denn die angefangenen Stücke kann man später zuende führen, und das, was man bis dahin vergessen hat, ist in kürzester Zeit wieder präsent. Und "ordentlich studieren" muß ja nicht heißen, daß man es schon perfekt spielen kann, das kann im Einzelfall sowieso Jahre dauern.

Crissi hat das eigentlich schon ganz gut auf den Punkt gebracht.
 
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Clara Clementi

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Das ist ja Humbug ehrlich!
Ich mein viel einlernen ist immer gut, dafür bin ich auch. Aber wenn dann bitte auch ordentlich!!!
Nur vom Einlernen allein kommt kein richtiger Lerneffekt. Dadurch wird man nicht wirklich gut. Das kann man mir wirklich nicht erzählen. Es ist sehr wichtig GENAU zu arbeiten. Nur dadurch lernt man die Stücke erst richtig zu verstehen. Es geht darum zu lernen wie man interpretiert. Lernt man das etwa durch Oberflächlichkeit?
wohl kaum.
liebe Grüße
Clara
 
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Guendola

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Von Oberflächlichkeit redet hier doch keiner! Es geht lediglich darum, einen Kompromiß zwischen Zeitrahmen und Perfektion zu finden. Und im Studium geht es letzten endes um den Abschluß und der Weg zur Meisterschaft beginnt vermutlich erst danach.

Vielleicht solltest du die Sache erstmal auf sich beruhen lassen und abwarten, was da auf dich zukommt. Nachher sieht alles vielleicht ganz anders aus als du im Moment denkst.
 
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Clara Clementi

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Hans Borjes

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...und ich übe trotzdem weiterhin genau...
Das scheint mir auch von Vorteil zu sein. Gelegentlich ist ein Stück schon mal ausgereizt, in bezug auf die momentan vorhandenen Fähigkeiten. Dann kommt man besser voran mit einem anderen Stück. Trotzdem lohnt es sich manchmal später, zu dem vorher ausgereizten Stück zurückzukehren, um mit den neu erworbenen Fähigkeiten weiterzumachen.

Hab ich jedenfalls bei einigen Stücken so erlebt. Und die musikalische Gestaltung gewinnt noch nach einer ganzen Weile.
 
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Clara Clementi

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Ja so wie du es schreibst ist es auch sinnvoll.
es bringt nichts ein Stück zu Tode zu üben. Aber dennoch sollte man eben dieses Stück auf die derzeitig höchste zu erreichende Qualität bringen.

Wo bleibt da sonst der Lerneffekt sollte man meinen!

Es ist wie beim Lauftraining...das Niveau immer ein kleines bisschen mehr anheben...

das Niveau der klanglichen Differenzierung, den technischen Schwierigkeitsgrad.
Man soll an den Stücken die man spielt wachsen...sie zwar am Ende beherrschen können aber doch sehr viel von ihnen lernen...


Ich hoffe es ist so wie ich es mir vorstelle...


lg
Clara
 
 

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