Wie können Funktionen eines Klavierstücks bestimmt werden?

L

LoNay

Guest
Hallo Alle!
Erstmal ganz grob gefragt (weil ich noch nie eine Funktionsanalyse gemacht habe) was sagen die verschiedenen Funktionen überhaupt aus?
Also ich weiß das wenn man z.B die g-moll Tonleiter aufbaut und auf die Noten die Terz sowie die Quinte hinzufügt, wir die jeweiligen Funktionen haben für g-moll.
Und diese Stufen von I-VII machen innerhalb eines Stücks den harmonischen Verlauf aus.
Da aber in einem Stück nicht einfach Dreiklänge aneinandergereiht werden (g-moll; c-moll;Es-dur;d-moll etc.), gibt es ja auch Zweiklänge, Einzelne Noten usw.

Ich frage mich, wie ich die Funktion bestimmen und auch notieren kann? Zumahl der Funktionsverlauf nie einheitlich ist. Im Anhang wäre das Beispielstück.

Vielleicht hat auch jemand einen Literaturtipp zur Funktionstheorie.
Danke!
 

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  • PMLP52493-Rubinstein_Melancolie.pdf
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Zunächst: Wenn Du auf die Töne der Tonleiter Dreiklänge aufbaust, sind das keine Funktionen, sondern stufeneigene Dreiklänge. Ein Akkord bekommt eine Funktion im Zusammenhang mit der Musik, die ihn umgibt, besonders in dem, was folgt. Wenn der Mensch geboren wird, ist er erstmal Mensch, dann kommen seine Funktionen: Er ist Kind seiner Eltern, wenn sie sterben, ist er Waise, wenn er selbst Kinder bekommt, ist seine Funktion Vater oder Mutter...
So verhält es sich auch mit Harmonien.
Ein g-moll Dreiklang ist erstmal ein Molldreiklang. Je nach Zusammenhang kann er die I Stufe von g-moll (Funktion: Tonika) oder die IV Stufe von d-moll (dann hat er die Funktion: Subdominante) oder die III von Es-dur (Funktion: Dominantparallele).
 
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Zunächst: Wenn Du auf die Töne der Tonleiter Dreiklänge aufbaust, sind das keine Funktionen, sondern stufeneigene Dreiklänge. Ein Akkord bekommt eine Funktion im Zusammenhang mit der Musik, die ihn umgibt, besonders in dem, was folgt. Wenn der Mensch geboren wird, ist er erstmal Mensch, dann kommen seine Funktionen: Er ist Kind seiner Eltern, wenn sie sterben, ist er Waise, wenn er selbst Kinder bekommt, ist seine Funktion Vater oder Mutter...
So verhält es sich auch mit Harmonien.
Ein g-moll Dreiklang ist erstmal ein Molldreiklang. Je nach Zusammenhang kann er die I Stufe von g-moll (Funktion: Tonika) oder die IV Stufe von d-moll (dann hat er die Funktion: Subdominante) oder die III von Es-dur (Funktion: Dominantparallele).

Ok, also stufeneigene Klänge, die zu Funktionen werden können.Gute Metapher im übrigen:006:
Das bedeuet, wenn ich jetzt die Funktionen bestimmen möchte,schaue ich ja erstmal in die Noten und bestimme zunächst den Klang. Anschließend kann ich einordnen, um welche Funktion es sich handelt. Dabei muss ich abwegen, anhand des Verlaufs, welche Klänge bedeutend sind und welche nicht. Sprich: das ich dann nicht jeden einzelene aufkommenden Klang (Sei es Zweiklang, Dreiklang) bestimme, oder?
Ich hoffe das war verständlich
 
Ohne weit fortgeschrittene, theoretische und praktische Beherrschung des 4stimmigen Satzes - und damit meine ich nicht die triviale Bestimmung der Mehrklänge, sondern das Wissen über "handelsübliche" Progressionen, Modulationen, Stimmführung, Behandlung von Dissonanzen aller Art etc. - wirst du an der Analyse dieses spätromantischen Klaviersatzes unweigerlich scheitern. Das kann einfach nicht klappen.
 
Dabei muss ich abwegen, anhand des Verlaufs, welche Klänge bedeutend sind und welche nicht
Genau. Wenn Du also ein Stück vor Dir hast, das zwei "b" als Vorzeichen hat und der erste Akkord, der Dir über den Weg läuft, ist ein g-moll Akkord, dann könntest du vorsichtig daraus schliessen, daß das die Tonika, also seine Funktion in diesem Takt ist. Man betrachtet aber nie isoliert Akkorde, denn es können Modulationen passieren - also Wanderungen in andere Tonarten - und dann gibt es plötzlich eine neue Tonika. Harmonielehre ist höchst spannend und ebenso komplex.
Und ja, es gibt Durchgangs- und Wechseltöne, die das Bild schonmal verschleiern können, und die man in die Funktionen nicht mit einbeziehen muß. Habe ich also einen g-moll Akkord und darüber eine Tonleiter, dann sind alle Töne, die nicht g, b und d heißen Durchgangstöne.
Jetzt hoffe ich, daß das verständlich war.:001:
 
Wem die intrinsische Motivation fehlt, sich mit dem Thema allgemeine Musiklehre zu befassen, kann sich selbst überlisten. Einfach ein Fachbuch kaufen, kapitelweise durcharbeiten und im Musikunterricht jede Stunde 10 Minuten abzwacken, um Fragen und Erklärungen im Klavierunterricht durchzugehen.
 

Am Anfang nicht und das ist wichtig zu wissen, wenn man damit anfängt.
Genau richtig! Aber ein romantischer Klaviersatz, der ein- bis achtstimmig ist und über zahllose "Gemeinheiten" verfügt (Vorhalte, mehrfache Vorhalte, Durchgangs- und Wechselnoten, hohe und tiefe Orgelpunkte, akkordische Orgelpunkte, versteckte Mehrstimmigkeit in Unisono-Passagen etc.) wie in diesem Fall kann man von "Anfang" nicht wirklich sprechen. Das bewegt sich schon fast in Richtung Ende von dem, was mit einer Funktionsanalyse noch sinnvoll zu erklären ist.
 
Genau richtig! Aber ein romantischer Klaviersatz, der ein- bis achtstimmig ist und über zahllose "Gemeinheiten" verfügt (Vorhalte, mehrfache Vorhalte, Durchgangs- und Wechselnoten, hohe und tiefe Orgelpunkte, akkordische Orgelpunkte, versteckte Mehrstimmigkeit in Unisono-Passagen etc.) wie in diesem Fall kann man von "Anfang" nicht wirklich sprechen. Das bewegt sich schon fast in Richtung Ende von dem, was mit einer Funktionsanalyse noch sinnvoll zu erklären ist.

So ist es, auch die Einsteins zweiter Relativitätstheorie lässt sich mit einfachen physikalischen Mittel (wie z.B. mit Newtonschen Gesetzen) nicht erklären.
Da stelle ich provokant die Frage, kann man das Stück trotzdem gut spielen .... auch wenn man es nicht harmonisch verstanden hat? Ich sage einfach Ja, denn nebst der Theorie hat man auch die Ohren.
 
Ich würde jedem Hobbypianisten, der sich mit der Materie vertraut machen möchte, aber nicht die Zeit und das Bestreben hat, die Dinge analytisch völlig zu durchleuchten, empfehlen, sich überwiegend mit Stufentheorie zu beschäftigen. Die einfachen Zusammenhänge der Funktionstheorie - was ist Tonika, Subdominante-Dominante - sollte man begriffen haben. Alsdann wird das Leben sehr einfach, wenn man die Stufen betrachtet. Die sollte man kennen, nebst Verminderten, Übermäßigen, und dann ist das Begreifen des Tonmaterials schon sehr nah :-).
Wenn ich ein neues Stück lerne, dann ist die harmonische Erkenntnis immer direkt mit dabei. Ich weiß immer, wo ich mich harmonisch befinde (außer, es ist ein neutönerisches Werk, das sich von gemeinen Harmonien entfernt), Dominanten sind in der Regel auch klar und andere Zusammenhänge will ich gar nicht wissen, die zeigt mir die Musik (Wohl wäre ich zu einer komplexen Analyse in der Lage, aber das ist mir zu akademisch). Auch wenn ich komponiere, weiß ich, welches Material ich benutze, aber erst hinterher stelle ich belustigt bei einer Analyse fest - so ich sie betreibe -, was in dem Stück alles so drin ist. Beim Komponieren selbst frage ich danach sehr wenig, das unterbewusste Wissen um die Dinge weist mir den Weg...
 
Dem widerspreche ich nicht, nur das Rubinstein Stück lässt sich mit einfachen Harmonie-Mittel nicht erklären. Trotzdem, Tonika, Dominate, Subdominate oder irgendwelchen Dissonanzen soll man heraushören …. sonst ist die Interpretation auch kein Kunstwerk ;-). Wenn man es voraus studiert/erkennt ist super, es hilft …. trotzdem ist es eine Theorie und nichts mehr.
 
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@Steinbock44 , gerade das Rubinsteinstück finde ich harmonisch sehr übersichtlich gestrickt.
Man sieht schon auf den ersten Blick, daß sich der erste Teil überwiegend im Rahmen g-moll befindet (mit gelegentlichen Ausholungen über die Doppeldominante und einen kleinen Gruß an die Durparallele). Dann kommt ein Es-dur Mittelteil, der auch mal in die Nachbartonarten schaut und dann rauscht es wieder nach Hause.
 
@Peter , wobei noch zu klären wäre, ob sie mediatorische Fähigkeiten haben....
Außerdem, auch eine Mediante kann eine Dominante sein...Sie muß nur Dur sein...und eine kleine 7 und flugs ist sie Dominante;-) So einfach ist das.
 

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