Wer kennt sich mit diesem Klavier aus? Oder wer kann mir etwas dazu erzählen???


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Puma89
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Hallo,

habe ein geerbtes Klavier mit der Seriennummer 11601, kann aber das Alter nicht herausfinden! Auf dem Klavier steht : René & Co., herzogl. sächs. Hof, Pianoforte Fabrikanten, Stettin.

Kann mir irgendwer etwas dazu sagen??? Ich habe im Internet gar nichts darüber gefunden, würde auch gerne wissen, was so ein Klavier wert sein könnte....IMAG0477.jpgIMAG0479.jpgIMAG0476.jpgIMAG0478.jpgIMAG0480.jpg

Danke....
 
PianoCandle
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Hallo Puma89, willkommen hier.
Du hast ein recht dekoratives altes Klavier, vom Stil her ca. um 1900 oder früher gebaut. Technisch ist es für seine Zeit vergleichsweise modern - es hat eine Unterdämpfungsmechanik, und diese Technik begann damals, sich nach und nach durchzusetzen.
Lass das Klavier von einem vertrauenswürdigen Fachmenschen in deiner Nähe begutachten. Der/die wird dir sagen, in welchem technisch-klanglichen Zustand es ist, und davon hängt auch der "Wert" ab.
(Sehr grobe Vorkategorisierung: Irgendwas zwischen fünfzig Euro und tausend Euro.)

Gruß
Martin
 
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gubu
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Das ist ein sehr interessanter Fall. In Hubert Henkels Lexikon deutscher Klavierbauer, 1. Auflage, Verlag Erwin Bochinsky, heißt es unter Rene´, Carl A.:

"Die Firma [...] zeigt auf der Ausstellung [...] 2 Pianinos, denen keine gute Arbeit nachgesagt wird. Es ist möglich, daß die Instrumente von anderen Firmen hergestellt wurden, denn in den Fachzeitschriften wird bestritten, daß Rene´selbst produziert [...] In den Folgejahren spielt Rene`eine unrühmliche Rolle als gewerbsmäßiger Vermittler von Orden und Hoflieferantentiteln, wobei er sich selbst 18 Titel und Medaillen verschafft. Im Juli 1884 geht die Firma mit 150.000 M Schulden in Konkurs. Rene`wird als Betrüger und Hochstapler verhaftet. 1886 gründet er die neue Firma "Rene`& Co". [...] Über ihr Bestehen ist nichts bekannt. Rene`wird im Juli 1917 wegen Spionageverdachts verhaftet. [...] "

In einem dort erwähnten Polizeibericht von 1881 sagt ein Arbeiter , dass er bei mehreren Instrumenten aus den Fabriken Seiler zu Liegnitz, Westermayer zu Berlin , Blüthner zu Leipzig die Firmen der Fabrikanten habe entfernen müssen, sowie sämtliche Bezeichnungen, die auf die fremden Hersteller hindeuteten, um dann die Firma der "Privatklägerin" , da ist wohl die Fa Rene´gemeint, aufsetzen zu müssen. Neue Instrumente habe man nicht gebaut. 1881 beschäftigte die Fa. in zwei kleinen Räumen nur 2-3 Arbeiter, die Reparaturen und gröbere Arbeiten ausführten.

Das Instrument ist somit möglicherweise von einem "prominenten" Hersteller gebaut worden.....
 
PianoCandle
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Das ist ja eine tolle Recherche, gubu!
Da sieht man's mal: Das Herumlavieren mit irgendwelchen Namen, und sei es mit dem eigenen, ist durchaus keine Erfindung unserer Zeit, das gab's schon viel früher...

Im konkreten Fall schließe ich Blüthner als Herkunft mit höchster Wahrscheinlichkeit aus. Zeitgenössische Blüthner-Klaviere waren im Inneren vollkommen anders konstruiert und stets mit Oberdämpfung.
Westermayer? Kann möglich sein - von dem kenne ich bislang nur ein Klavier, das war noch wesentlich älter als dieses hier, und geradsaitig mit Oberdämpfung.
Seiler? Müsste, wenn überhaupt, ein sehr frühes sein, noch ohne Stimmstock-Verpanzerung. Die Seilers aus den nächsten ein bis drei Jahrzehnten sind am Gussrahmen unverwechselbar, sie wären demgemäß als Namensblender völlig ungeeignet.
Für (spekulativ) denkbar halte ich auch, dass Herr René sich womöglich "klammheimlich" bei der Firma Wolkenhauer bedient haben könnte, die ebenfalls in Stettin ansässig war.

Gruß
Martin
 
klaviermacher
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Hallo Puma89,

Ich denke auch, dass es am ehesten ein Westermayer - Klavier ist. Auf jeden Fall ein hübsches Klavier! Wenn es noch gut stimmbar ist und sonst keine gravierenden Schäden am Resonanzboden oder lose Rippen hat, kann man sicher von ein paar Hundert Euro ausgehen, die so ein Klavier bringt, wenn man es verkaufen will.

LG
Michael
 
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Der Pianist
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Sehr schönes Klavier!
 
Destenay
Destenay
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Das ist ein sehr interessanter Fall. In Hubert Henkels Lexikon deutscher Klavierbauer, 1. Auflage, Verlag Erwin Bochinsky, heißt es unter Rene´, Carl A.:

"Die Firma [...] zeigt auf der Ausstellung [...] 2 Pianinos, denen keine gute Arbeit nachgesagt wird. Es ist möglich, daß die Instrumente von anderen Firmen hergestellt wurden, denn in den Fachzeitschriften wird bestritten, daß Rene´selbst produziert [...] In den Folgejahren spielt Rene`eine unrühmliche Rolle als gewerbsmäßiger Vermittler von Orden und Hoflieferantentiteln, wobei er sich selbst 18 Titel und Medaillen verschafft. Im Juli 1884 geht die Firma mit 150.000 M Schulden in Konkurs. Rene`wird als Betrüger und Hochstapler verhaftet. 1886 gründet er die neue Firma "Rene`& Co". [...] Über ihr Bestehen ist nichts bekannt. Rene`wird im Juli 1917 wegen Spionageverdachts verhaftet. [...] "

In einem dort erwähnten Polizeibericht von 1881 sagt ein Arbeiter , dass er bei mehreren Instrumenten aus den Fabriken Seiler zu Liegnitz, Westermayer zu Berlin , Blüthner zu Leipzig die Firmen der Fabrikanten habe entfernen müssen, sowie sämtliche Bezeichnungen, die auf die fremden Hersteller hindeuteten, um dann die Firma der "Privatklägerin" , da ist wohl die Fa Rene´gemeint, aufsetzen zu müssen. Neue Instrumente habe man nicht gebaut. 1881 beschäftigte die Fa. in zwei kleinen Räumen nur 2-3 Arbeiter, die Reparaturen und gröbere Arbeiten ausführten.

Das Instrument ist somit möglicherweise von einem "prominenten" Hersteller gebaut worden.....

ein sehr schönes Klavier! währe sicher was für Miss Marple :razz:
 
 

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