Warum wird keine geniale Musik mehr gemacht?

Dieses Thema im Forum "Klavierspielen & Klavierüben" wurde erstellt von andris_k., 18. Dez. 2008.

  1. andris_k.
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    andris_k. Guest

    Ich hatte neulich eine kleine Diskussion mit einem Arbeitskollegen bezüglich meiner Überzeugung, dass die Musik, die zur Zeit produziert wird, nicht so genial ist, wie die Musik von uns allen bekannten Komponisten, deren Werke wir alle zu spielen versuchen.

    Ist es so und wenn ja, warum ist es so?

    Er hatte zwar seine eigenen Argumente, dass z.B. Pet Shop Boys und Beatles auch durchaus genial sind doch da fehlt mir persönlich etwas. Ist es denn wirklich so, dass zur Zeit kein Mensch auf diesem Planeten in der Lage ist ein Werk zu komponieren, dessen Inhalt, Qualität und Genialität, sagen wir mal, vergleichbar mit einer Beethoven-Sonate oder Symphonie ist?
    Kann man hier als Argument die Tatsache benutzen, dass die Genialität von heutigen Komponisten erst später entdeckt wird? Kann man wirklich die vollen Saale und das begeisterte Publikum zu Beethovens Zeiten mit einem Konzert von U2 oder Ähnlichem vergleichen? Daran zweifle ich doch sehr und egal wie ich mich bemühe kann ich mir nicht vorstellen, dass die heute zu hörende Musik auch in 200 Jahren eine ähnliche Begeisterung auslösen wird, wie z.B. Beethoven es immer noch tut. Ich wage zu behaupten, dass sie gar vergessen wird.

    Was ist eure Meinung dazu?

    P.S. Mir ist jetzt gerade noch eingefallen, man könnte damit argumentieren, dass solche wie Beethoven nicht allzuoft geboren werden. Doch seit Bach bis hm.... zum Jahr 1950 gab es anscheinened genügend Genies auf dieser Welt. Hat es irgendwas mit Kapitalismus und Geld zu tun?
     
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 18. Dez. 2008
  2. fisherman
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    fisherman

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    Deine Prämisse ist falsch: Die Beatles z.B. haben bereits 50 Jährchen "auf dem Buckel" und begeistern heute noch Kids wie Opas. Wenn Dir die z.T. höchst komplexen Arrangements und subtilen Nunacen nicht auffallen, so kann ich das leider nicht ändern, aber daraus den Schluss zu ziehen, dass moderne Musik nicht überdauern wird, halte ich für übereilt.

    In 200 Jahren wissen wir mehr.

    M.E. haben alle "Stilbildner" die Chance, in die Geschichte einzugehen (siehe z.B. Scott Joplin). Gleiches gilt für "nicht wiederholbare Sonderfälle", wie .B. Keith Jarretts Köln Concert. Ob man sie dann oft hören wird oder sie gar "zu Begeisterung Anlaß geben", ist eine Frage der Mode. Und die ist unerbittlich. Teilweise"löscht sie sogar Instrumente (temporär) aus (keine Gitarrenmusik in der Romantik!).

    Dass Beethoven Begeisterung hervorruft, werden wohl 95% der deutschen Bevölkerung verneinen. Stell die gleiche Behauptung bezüglich Wagner auf und frage in Bayreuth - dann kriegste 100% Zustimmung.

    Merkste was?

    Was ist Kunst? Ich erlaube mir, jemanden zu zitieren, der als Philosophieprofessor, Präsident einer Hochschule und Kultusminister (nicht BRD:D) mit der Materie bewandert sein dürfte: "Kunst ist, was von einem Menschen zur Kunst erklärt wird". Zack!

    So einfach. Und doch so kompliziert.
     
  3. andris_k.
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    andris_k. Guest

    Ich weiss nicht, fischerman. Du hast dich z.B. entschieden Klavier zu spielen. Was meinst du, wenn du die Beatles oder Vergleichbares spielen würdest - wäre es genug für dich? Anscheinend nicht, denn du willst große Werke spielen. Und es gibt ja etwas, was sie groß macht und das meine ich :)
     
  4. Play
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    Play Guest

    wahrscheinlich weil die Erde noch runder geworden ist und Mozart inzwischen auch tot ist ist und weil es immer weniger Pianisten gibt die nie Klavier gespielt haben und Klavier die nie Gitarre gespielt haben.
     
  5. Guendola
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    Guendola

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    Was heute als "geniale Musik" bezeichnet wird, wurde zu Zeiten der Komponisten oft verschmäht, geächtet und niedergemacht. Warum sollte es heute anders sein? Das erklärt auch, warum die Genialität in jüngerer Vergangenheit "plötzlich" aufhört.

    Außerdem kann man davon ausgehen, daß geniale Musik heute einen kleineren Prozentsatz der gesamten Musik ausmacht, da fast jeder Hanz und Franz seinen Müll publizieren kann (jedenfalls auf Youtube & Co.), Genialität könnte einfach unbemerkt in der Masse untergehen, bis sie endlich ein erfolgreicher Musiker aus dem Schlamm zieht.

    Petshop Boys und Beatles kann man nicht gerade zur Klassik zählen, da gelten wieder andere Vergleichskriterien.
     
  6. Melodicus
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    Melodicus

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    Da möchte ich spontan 2 Gedanken in die Runde werfen:

    Geniale Musik können nur Genies komponieren!
    Die waren schon früher dünn gesät, heute sind sie noch viel dünner gesät. Es gibt halt (leider) nur selten so genial-begabte Menschen wie Beethoven, Mozart usw.

    Auch zu deren Zeiten gab es noch viele andere Komponisten, über die wir/man heute gar nicht oder kaum noch spricht, deren Werke vergessen sind. Manche "zu Recht" weil nur Mittelmaß, andere zu Unrecht weil hervorragend aber einfach unbekannt, vergessen, nicht der mainstream im Klassik-Konzert-Betrieb (Verkaufszahlen, Profit...)

    Der zweite Gedanke ist eine Hypothese: selbst wenn hochbegabte junge Leute Musik/Komposition studieren, so werden sie durch ihre Professoren, die Kunst-Szene, vielleicht auch Konzertveranstalter, Plattenfirmen, Sponsoren oder was auch immer, in eine bestimmte Richtung genötigt. Es muß zwanghaft eine Weiterentwicklung geben. Die Leute müssen etwas neues schaffen, auf Biegen und Brechen! Würde ein Student der Kompositionsklasse an der MH eine klassische Sinfonie abliefern, so würde er vermutlich nicht bestehen, nicht anerkannt. Und wenn es noch so toll wäre. Es müssen intellektuelle Kopfgeburten sein. Man könnte auch sagen: je abgefahrener, desto besser. Und das nicht nur im Bereich Musik, sondern in der bildenden Kunst generell.

    Last not least kann man die ganze Fragestellung verallgemeinern: Wieso gibt es keine Gemälde mehr wie die von Rembrandt, Turner, Vermeer? Warum keine Skulpturen a la Michelangelo?

    Auffällig ist allerdings, daß so viele Menschen sich für diese alten Meisterwerke begeistern und diese zu schätzen wissen. Das "neue" oder zeitgenössische fällt meist hinten runter.
     
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 18. Dez. 2008
  7. andris_k.
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    andris_k. Guest

    Aber zum Glück haben wir dich, Play, mit diesem tiefsinnigen Gedanken!
    Jetzt mache ich mir um die musikalische Zukunft der jetzigen Generation keine Sorgen mehr :D:D
     
  8. Martin Major
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    Martin Major

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    uiiiiiiii tolles thema, da muss ich doch glatt meinen senf dazu geben :D

    zunächst würde ich sagen, dass die fragestellung schon falsch ist.

    was soll denn "geniale musik" sein?

    ich bin der festen überzeugung, dass etwa 70 % der "qualität" von musik an objektiven kriterien bewertet werden kann (stichworte: länge, struktur, spannung, instrumentierung, melodieführung, aber natürlich auch technische aspekte wie aufnahmetechnik, mixing etc). dies gilt vielleicht für "klassische" musik weniger als für moderne musik, insbesondere natürlich der u-musik (wobei ich auch diese trennung schon falsch finde, aber das ist eine andere geschichte).

    nun, es gibt sehrwohl geniale musik und geniale musiker, und besonders im u-musik bereich fallen mir sofort unzählige personen ein, die ich als genial bezeichnen würde.

    eines der begnadetsten musikalischen genies der gegenwart ist für mich john leventhal, der produzent von shawn colvin (der selbst unzählige instrumente für ihre alben spielt). colvin ist eine folk-country singer/songwriterin. gehört nicht hierher, hör ich euch denken? falsch.

    natürlich liegen welten zwischen einer großen symphonie der "alten meister" und einem pop-song, das bedeutet aber nicht, dass weniger genialität darin stecken würde. es ist nur eine völlig andere disziplin: ein "genialer" schwimmer muss nicht zwangsläufig turmspringen können, und doch landen beide im wasser. hoffentlich ...

    die frage ist also eher: was ist genial, nicht: warum gibt es keine geniale musik mehr?

    ich höre gerade colvins song "trouble" aus dem album "a few small repairs", und das ist einer dieser songs, die für mich genau das zusammenfassen, was an john leventhal so genial ist. die fähigkeit nämlich, alle musikalischen aspekte (von der komposition über die instrumentierung, aufnahmetechnik bis zur produktion) in seiner hand zu halten, sie so einzusetzen und zu "formen", dass am ende musik herauskommt, die die einzig richtige für den zweck - nämlich den song - ist. es ist völlig unmöglich, einen song, den john leventhal produziert, zu covern wie dolly parton etwa stairway to heaven von einem psychodelic rockstück zu einem bluegrass countrysong verwandelt hat. warum? weil es dann nicht mehr der selbe song wäre. leventhal weiß ganz genau, wie musik wirkt, wie ihre bestandteile eingesetzt werden müssen, um das bestmögliche ergebnis zu erreichen.

    ich würde sagen, das ist zumindest ein großer teil von genialität. die disziplin ist dabei völlig egal, ob es nun um ein großes orchesterwerk oder eine country-schnulze für 3 musiker geht. genial ist musik vielleicht dann, wenn sie in der einzig richtigen form hörbar wird, wenn sie nur einen ton anders nicht mehr vorstellbar wäre. und die gibt es im überfluss - vielleicht in der u-musik sogar mehr als in der e-musik !!!

    zu melodicus gedanken möchte ich meinen, dass, wenn beethoven oder mozart HEUTE leben würden, würden sie sehr wahrscheinlich nichts anderes abliefern als alle anderen "neue musik" komponisten. was melodicus anspricht (man müsse auf biegen und brechen etwas "neues" schaffen), scheint mir sehr plausibel, und dass diese einstellung für die entstehung von genialer musik nicht förderlich sondern hinderlich ist, liegt wohl auf der hand. es gibt noch sehr viel mehr musik, die man mit einer handvoll noten komponieren kann.

    im österreichischen rundfunk-radiosender ö1 (eigentlich ein in europa sehr rennomierter informations- und kultursender) gibt es sonntags nachts immer eine sendung für "neue musik". was da für dreck gespielt wird, deren kompoMisten dann auch noch eingeladen werden darüber zu schwafeln, ist erschreckend. seelenloses geklimper, geräuschcluster, struktur- und inhaltsloses gebrabbel, halbseniles-debiles erbrochenes. (sorry für die harten worte ...)

    @fisherman: mit den beatles konnte ich nie etwas anfangen, die haben mich nie begeistert, und das, obwohl ich eigentlich schon der u-musikhörer bin, und nur fallweise e-musik höre.

    zu jarrett: das köln concert ist - so erstaunlich und (wie manche sagen) bahnbrechend es auch sein mag - gar nicht mal SO gut (auch wenn ich es liebe), die sun bear concerts sind wesentlich besser und einfallsreicher.
     
  9. fisherman
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    fisherman

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    @andris:
    Nee, Beatles wären am Klavier sicher keine Hausnummer, in Punkto Arrangement und Einarbeitung neuer Einflüsse aber sehr wohl (Sun King, I Want You, Strawberry Fields, etc). Das sind aber auch genau die Stücke, die NICHT im Radio abgedudelt werden.

    @Martin major: Mit der üblichen U-Musik der Beatles kann auch ich nix anfangen (let it be, etc).
    Ich halte das KC überhaupt nicht für bahnbrechend, sondern - wie geschrieben - für nicht wiederholbar und somit einzigartig!

    @Melodicus:
    Oh, doch, diese Werke gibt es zuhauf! Mark Rothko ist z.B. Turner in Potenz, Hrdlicka macht in Sachen Kraft Michelangelo platt. Die Beispiel könnten in die Hunderte gehen. Wir haben sowohl in Musik als auch in der bildenen Kunst mehr große Kunst als je zuvor, was sicher mit Bildung und Wohlstand zu tun hat.

    Das dies nicht so sehr auffällt, liegt an zweierlei begründet. Zum einen hat sich das Bildungsbürgertum schon immer lieber auf die Seite der "anerkannten Kunst" zurückgezogen, zum anderen geht mit dem Zuwachs an tollen Arbeiten auch ein noch höherer Zuwachs an "Naja-"Kunst" einher (Wohlstand!). In Verbindung mit dem nahezu ausschließlich monetär orientieren Kunstmarkt (Damian Hirst usw.) und den heutigen Medien (www) führt dies zu einer Reizüberflutung, in der es sehr schwer ist, die vermeintliche Nadel im Heuhaufen zu finden.

    Nee, Leute, es geschieht genug Geniales um uns herum. Aber wir sind a) zu überlastet, b) zu zugemüllt, c) zu wenig abgeklärt, um das heute bereits beurteilen zu können. Ginge das, wäre jeder von uns ein erfolgreicher Kunstsammler und stinkreich.

    Kein Grund zum Jammern - noch nie gab es in der Welt soviel Futter für Hirn, Seele, Augen, Hände und natürlich auch was für die Ohren.

    PS Ich kanns mir nicht verkneifen: Es gibt in einigen großen Museen Meerschaumpfeifen mit Portrait-Skulpturen - gefertigt von unbekannten türkischen "Bauern", die es in jedem Aspekt mit Plastiken von Michelangelo aufnehmen. Ok, das Zeug ist leichter zu bearbeiten als Marmor - dennoch sollte das zu denken geben.
     
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 18. Dez. 2008
  10. Martin Major
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    Martin Major

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    ist das jetzt für ihn ein kompliment oder ein urteil zu ewiger verdammnis? :D
     
  11. Bachopin
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    Bachopin

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    Hi,

    interessantes aber sehr schwieriges Thema.
    Hab' bisher keine befriedigende Defintion von genialer Musik hier gelesen.
    Ich hab sie auch nicht. ;-)
    Aber die Definition ist notwendig, um überhaupt sinnvoll zu diskutieren.

    Aber wo ich mir sicher bin, die Bedingungen unter denen so "Genies" wie Bach, Mozart, Beethoven aufgewachsen sind, gibt es heute nicht mehr.

    Z. B.:
    Mozart hatte schon als Kind (mit 5 Jahren oder so, ich weiss es nicht genau) mit seinem Vater geübt/gelernt zu komponieren.
    Bach hatte zeitweise ein Kammerorchester sozusagen zur eigenen Verfügung.
    Bei Beethoven fällt mir jetzt nichts ein, aber ich bin mir sicher, dass auch er schon in sehr jungen Jahren sehr intensiv mit Musik in Berührung kam.
    Bei Chopin fällt mir grad noch ein, der wurde ja auch von seiner Mutter (Pianistin) sehr früh unterrichtet.

    Ich bin mir ziemlich sicher "Genies" werden nicht geboren, sondern sie werden gemacht. D. h. es müssen entsprechende Anlagen vorhanden sein und die müssen sehr früh intensiv gefördert werden. Das passiert heute nicht mehr.

    Mir fällt noch etwas wichtiges ein:
    Früher konnte man Musik nur live hören. Es gab keine Medien (CD, Schallplatten, Radio, ..).
    Man musste Musik immer entweder selber spielen oder war entsprechend reich, dass man sich eigene Musiker leisten konnte.
    Der Zugang zu Musik war also ein ganz anderer wie heute.

    Gruß
     
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 18. Dez. 2008
  12. fisherman
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    fisherman

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    @ martin major: weder, noch ... Ich mag vieles von KJ. Anderes turnt mich total ab. Und, ganz ehrlich: EIN Köln Concert reicht, um zumindest für Jahrzehnte in die Annalen einzugehen. Ich persönlich bin KJ für dieses Konzert dankbar. Hängen viele tolle Erinnerungen daran. Und ist auch heute - 30 Jahre später - immer noch schön.

    Wenn wir aus der Zeit des Barocks, der Romantik, etc. soviel Material hätten, wie uns aus den letzten 50 Jahren zur Verfügung steht, dann blieben von Mozart, Bach, Beethoven vielleicht auch nur wenige Stücke...
     
  13. Guendola
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    Guendola

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    dieses "gibt es heute nicht mehr" halte ich für völlig irrelevant, denn heute gibt es auch diverse Dinge, die es "damals" nicht gab. Menschen verbringen auch heute noch viel Zeit an Instrumenten und lernen auch Theorie und Musikgeschichte, bevor sie überhaupt eine Universität betreten, wo sie dann nochmals weiter gebildet werden (... zum Beispiel).

    Wenn man jetzt mal ideologisch angehaucht die Medienindustrie als den heutigen Geldadel betrachtet, hat sich halt die Nachfrage geändert, es werden eben heute keine Hofkomponisten sondern eher Cashcows gesucht, die man alle paar Monate beliebig austauschen kann. Und das gilt vermutlich nicht nur für die Popmusik sondern auch für klassische Musik. Aber all das kann nicht verhindern, daß geniale Geister weiterhin Meisterwerke produzieren, man muß sie nur finden.
     
  14. andris_k.
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    andris_k. Guest

    Aber so wie es aussieht kann die einfach keiner finden? Oder warum spielt hier jeder fast nur ausschließlich das alte? Nun gut mit einsamer Ausnahme von Tiersen...:confused:
     
  15. Play
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    Play Guest

    Es gibt ja viele bekannte und gute Komponisten die noch leben. Heute ist vieles Filmmusik. Das gab es früher natürlich noch nicht. Filmmusik ist nicht zu unterschätzen. Es gibt großartige orchestrale Werke der Filmmusik die teilweise nicht minder anspruchsvoll sind, als manche Mozart oder Beethoven Komposition. Ein fantastischer Soundtrack ist beispielsweise (nicht lachen) der Score zum Kinofilm "Transformers". Ich war ganz begeistert von diesem orchestralen, wuchtigen, emotionalen Werk. Der Komponist heißt Steve Jablonsky. Kennt vermutlich kein Mensch.
    Ich kenne mich auch nicht besonders mit klassichen Komponisten der Gegenwart aus, aber ich denke da gibt es sehr viele die auch bekannt sind. Außerdem bedeutet "Unbekanntheit" nicht, dass es nicht gut ist. Wieviele großartige Komponisten schaffen es nicht bekannt zu werden.
    Das ausschließlich alte Komponisten gespielt werden stimmt nur teils. Ich denke es liegt am Publikum. Man kriegt ein Konzerthaus eher voll mit Mozart oder Beethoven als mit einem (noch lebenden) Komponisten den keiner kennt, eben weil das KLassikpublikum (wie ich in meiner Zielgruppenanalyse schon feststellte) eher konservativ ist. Angenommen man macht ein Konzert mit Werken des oben genannten Steve Jablonsky ... "Wer ist Steve Jablonsky? Kenn ich nicht, geh ich nicht rein".

    Wenn Du nun also fragst "Warum wird keine geniale Musik mehr gemacht", dann ist das (wiedermal) die falsche Frage. Und ich halte es für völlig falsch, dass es heute keine "genialen" oder begnadeten Musiker mehr gibt. Gerade im Bereich Songwriting gibt es Offenbarungen.
     
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 19. Dez. 2008
  16. Melodicus
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    Melodicus

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    Stimmt, und doch wieder nicht ganz. Viele Veranstalter machen die Konzerte so, daß z.B. 3 Stücke im Programm sind, ein Konzert für xxx und Orchester, ein Orchesterwerk, und zuletzt eben was zeitgenössisches (mein Verdacht: da versuchen gewisse Leute, das Publikum zu dieser Musik zu zwingen). Von zeitgenössischer Musik verstehe ich nix, gebe ich ehrlich zu. Das liegt aber auch daran, daß bisher absolut nichts was ich je davon gehört habe mich wirklich angesprochen hat. Eher im Gegenteil. Und so neige ich dann zu dieser Reaktion "da gehe ich nicht hin" bzw. "interessiert mich nicht/gefällt mir nicht".
    Vielleicht ist es wie mit moderner/abstrakter Malerei: man muß Experte sein, am besten mit Kunststudium, um diese Werke verstehen zu können. Das ist dann aber nur noch eine intellektuelle Kleingruppenveranstaltung.

    Kleine Anekdote: vor ein paar Monaten hat sich ein Orchester in Skandinavien geweigert, eines dieser modernen Stücke aufzuführen. Begründung: zu laut.
    In dem Stück kam ein Maschinengewehr vor :floet: (Ehrlich! Kein Witz! Finde leider die Meldung nicht mehr).
    Was für eine Musik....
     
  17. Martin Major
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    Martin Major

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    danke, play, für die erwähnung der filmmusik.

    als ich rachmaninoffs zweite symphonie zum ersten mal hörte, musste ich zwischen minute 11 und 12 mal herzhaft lachen, weil es sich ganz so anhörte, als hätte john williams oder randy edelman das geschrieben. natürlich "borgt" sich die filmmusik SEHR viel aus der klassik, insbesondere leute wie john williams und jerry goldsmith haben da viel geklaut :)

    dabei mag ich große orchesterwerke als filmmusik eher selten, nymans das piano ist da eine große ausnahme, weil es absicht ist, dass er einen mit seiner "wall of sound" (extrem dichte orchestrierung) erschlägt. ansonsten bin ich eher ein freund von spärlich instrumentierten musiken wie sie heute moderner werden (siehe thomas newman, jeff beal oder wendy meolvin und lisa coleman).
     
  18. fisherman
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    fisherman

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    Für mich ist das schon wieder ein Fall von "völlig unbewiesener Annahme". Dass hier jeder irgendwann Klassik spielt, hat mehr mit Didaktik zu tun, als mit echter Präferenz. Unterschätze den Anteil von Jazzern hier nicht.

    Kannst ja mal ne Umfrage starten, Andris. Aber dann bitte eine, bei der Mehrfachnennungen möglich sind. Ja, das wäre interessant:
    Mal ein erster Vorschlag (ich bin hier nicht so kompetent): Barock, Klassik, Romantik, Moderne, Zeitgenössische, Pop, Rock, Schlager, Blues, Rag & Boogie, Jazz.

    Oje, wird endlos: Mach doch einfach: U- und E-Musik. Wo sortiert man dann z.B. Gershwin ein?

    Ich tippe mal: Mehr als 50% spielen auch U-Musik. Wetten?
     
  19. andris_k.
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    andris_k. Guest

    Ich war ja schon positiv überrascht, dass du in der Lage bist eine vernünftige Antwort zu schreiben, ohne kleingeistig an der Formulierung herumzunörgeln. Doch dann ist mir ja noch deine Anspielung auf die Fragestellung aufgefallen und ich möchte dir ja, mein lieber Play, erläutern (damit du nicht unwissend bleibst), was mich an diesem Forum interessiert und warum ich die Fragen so stelle, wie ich sie stelle.

    Und zwar muss ich ganz ehrlich gestehen, dass es mir auch grundsätzlich völlig egal ist, ob heute noch geniale Musik gemacht wird oder nicht. Es gibt für mich persönlich genug geniale Musik, die mir für mein ganzes Leben definitiv ausreicht. Was ich will und was mir immer Freude bereitet ist eine DISKUSSION. Und je mehr Leute verschiedene Meinungen schreiben, desto interessanter wird es für mich. Also sollte man von der genauen Formulierung der Frage absehen. Wenn mich eine konkrete Antwort interessierte, wie man was in einem Takt spielt, würde ich das genau so fragen. Das hier ist einfach ein anderer Fall und der Faden verfolgt auch ein anderes Ziel.

    Verstehst du das, mein lieber Play? Es sieht einfach nicht gut aus, wenn du ständig herumnörgelst - es ist mittlerweile schon sogar ein bisschen peinlich, vor allem angesichts der Tatsache, dass du ja 27 Jahre alt bist, zumindest steht es so bei dir.

    Also, nicht böse und angepisst sein, Kopf einschalten und gute Beiträge schreiben, denn dazu scheinst du ja durchaus in der Lage zu sein. :p
     
  20. Play
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    Play Guest

    Oh, das tut mir leid. Das liegt wahrscheinlich nur daran, dass Deine Formulierungen oftmals keinen Sinn ergeben und selbst recht kleingeistig sind.
    Du behauptest immer Dinge, die nicht stimmen, beispielsweise "dass es keine guten Gegenwarts Komponisten gibt. Oder dass wir hier nur "das alte spielen". Oder halt so Fragen über "Pianisten die noch nie Klavier gespielt haben". Und dann meinst Du, dass jeder diesen kruden, möchtegernphilosophischen Kram von Dir ernst nehmen soll obwohl Du im Grunde keinen blassen Schimmer von Tuten und Blasen hast und nicht mal in der Lage bist, einen Sachverhalt verständlich auszudrücken, ohne dass es klingt als sei es von einem Dreijährigen oder gar einem Dreizehnjährigen der zum ersten Mal gekifft hat.
    Also ich persönlich, ich mag Dich nicht.