verkürzte/gebrochene Oktav

C

carO

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hello,
was haltet ihr von Orgeln mit verkürzter, oder, noch spannender, gebrochener Oktave?
Ich hab grad das Vergnügen auf einem solchen Exemplar mit gebrochener Oktav zu spielen. Die Orgel hat wirklich einen genialen Klang, aber die Umstellung ärgert mich schon ein wenig und fällt mir teilweise ziemlich schwer, va im Pedal.
Wisst ihr wieso man früher sowas gebaut hat (außer weils billiger war)? Angeblich war das im Barock ja gang und gebe, ich frag mich aber, wieso so viele Stücke (im speziellen jetzt Bach) auf solchen Orgeln dann aber teilweise kaum spielbar sind.

Best regards
 
Mindenblues

Mindenblues

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Tja, was soll man davon halten - großer Mist eben. :rolleyes:

Ich denke schon, der einzige Grund ist, das es eben billiger war, weil gerade die tiefsten Pfeifen brauchen exorbitanten Materialeinsatz, jeder Ton, den man da entbehren kann, sparte richtig Knete. Und in der Zeit vor Bach nutzte man noch nicht alle Tonarten, die weit entfernt liegenden im Quintenzirkel klangen sowieso hässlich aufgrund der temperierten Stimmungen. Da hat man eben auf ein paar schwarze Töne verzichtet.

Mir ist bis jetzt nur eine Orgel untergekommen, bei der das tiefste Cis fehlte, eine ansonsten wunder-wunder-wunderschöne Orgel (in Sagard/Rügen).

Wahrscheinlich ist das "Krückenpedal" bei dir auch noch verbunden damit, dass das Pedal nicht doppelt-geschweifte DIN-Norm ist, sondern so ein flaches Brett, wo kurze Leute hin- und her hopsen müssen auf der Orgelbank, um die weit entfernt liegenden Pedaltasten zu kriegen? Das ist zumindest bei o.g. Orgel auch der Fall.

Das schlimme ist ja nur, dass man sich mit verkürzter oder gebrochener Oktave (wie genau sind denn die Töne bei deiner Orgel verteilt - erzähl doch mal!), dann mglw. noch dran gewöhnt und auf einer richtigen Tastatur dann falsch spielt. :rolleyes:

Also, beneiden tue ich dich nicht gerade. :neutral:
 
klaviermacher

klaviermacher

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Hallo carO,

Warum das im Pedal so gemacht wurde - hat mit dem was Mindenblues schon gesagt hat zu tun - hohe Kosten der langen Pfeifen.

Ergänzend möchte ich noch erwähnen, dass beim alten Cemabalo- und frühen Klavierbau kurze Oktaven durchaus Sinn machten, da man weiter auseinander liegende, häufiger verwendete Griffe (Duodezimen etc.) dadurch erreichbar gemacht hat. Und die allermeiste Literatur war auch entsprechend dazu.

LG
Michael
 
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carO

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hi
also ich kenne im Moment 2 Orgeln im "Billigbau" ;), die haben aber beide sehr schön sind. Die eine hat eine verkürzte Oktav, hört also mit der Taste F auf, die Belegung ist statt F-Fis-G-Gis: F-D-G-E.
Bei der zweiten Orgel frag ich mich immer, ob die werten Bauherren der schönen barocken Basilika nicht ein paar Goldengerl hätten einsparen können und stattdessen eine "ganze" Orgel bauen^^ Aber auch hier kann man sich nicht beschweren, die Orgel klingt toll, ist ein noch zum Großteil original erhaltenes Barockinstrument.
Tastenbelegung: http://www.sonntagberg.gv.at/media/manualneu.jpg
Die geteilten Tasten haben Unterhaltungswert : )
Das mit dem nicht-doppelt-geschweiften Pedal ist mir erst jetzt wo ihr es erwähnt habt aufgefallen... stört eigentlich garnicht, weil das ganze Pedal so schmal ist (F-a), dass man überall wunderbar hinkommt. Nur zum Gis und Fis eben nicht^^
So, und jetzt ist mir gleich noch eine Frage eingefallen:
Man beschaue das Foto auf das der Link verweist, da sieht man im linken oberen Eck so ein, erm Holzding, dieses gibts auch am anderen Ende des Manuals und wenn man beide Holzdinger "nach vor schiebt" hat man die Manualkoppel entdeckt! (hihi, ich hab lang gebraucht bis ichs gecheckt hab...) Ich weiß jetzt, wie so eine "normale" Manualkoppel funktionert, kann mir aber nicht vorstellen wie das hier geht, da eben 2 "Holzdinger" bewegt werden müssen, damit die 2 Trakturen zusammengeschalten werden. Does anyone know?

Best regards
 
Axel

Axel

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Hmm, ja. Das ist ab 1700 nicht mehr überall üblich gewesen. In Süddeutschland hat sich das mit kurzer Oktave lange gehalten, vielleicht war man dort schon immer recht konservativ.

Damals war das Kostenverhältnis Material/Arbeit umgekehrt. D. h. heute macht bei einer Orgel Material 20% der Kosten aus, der Rest sind Arbeitsstunden. Wenn das andersherum ist, machen einige große Pfeifen schon etwas aus. Anderer Aspekt: Platz. Viele Orgeln hatten eine mitteltönige Stimmung, Tonarten mit vielen Vorzeichen klingen eh nicht gut.

Klaviermacher hat ja schon darauf hingewiesen, dass einige Stücke regelrecht damit rechnen, C/e wäre auf einer modernen Orgel kaum zu greifen. Wahrscheinlich wollte kein Orgelbauer etwas bauen, was eh keiner braucht und kein Komponist etwas schreiben, was man nicht spielen kann. Das dreht sich wohl im Kreis.

Die Schiebekoppel ist primitiv: Bei II/I schieben sich Häkchen ineinander, bei I/II werden Klötzchen übereinander gebracht.

Viele Grüße
Axel
 
 

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