Üben organisieren bei einer Vielzahl von Stücken

Lacrimosa

Lacrimosa

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31. Juli 2019
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Liebe Forenmitglieder

Aus aktuellem Anlass wollte ich euch um einen Rat bitten. Mich beschäftigt das nämlich gerade sehr, während ich so auf der Couch liege und überlege, womit ich denn gleich am Klavier anfangen soll. Vorab: Mir ist bewusst, dass ich beim Üben noch viel falsch mache, vielleicht ist meine Frage also auch dumm. Aber ich bin bereits in einem Prozess, in dem sich meine Arbeitsweise am und mit dem Instrument verändert und ich hoffe, von meiner nächsten Klavierlehrerin auch in dieser Hinsicht wertvolle Tipps zu bekommen. Aber zu meiner Frage:

Ich habe momentan relativ viel zu tun, ziehe bald um und arbeite aber noch bis zum Schluss. Da kommt das Klavierüben manchmal zu kurz. Gerade jetzt habe ich aber relativ viele Stücke gleichzeitig am Start, in den nächsten zwei bis drei Wochen möchte ich nämlich noch mit Freunden vierhändige Stücke sowie im Trio spielen, zusätzlich habe ich die Solo-Stücke aus dem Klavierunterricht und möchte jetzt eigentlich noch ein neues anfangen, was ich bis zur nächsten Klavierstunde zwar noch nicht komplett können will/muss/werde, mit dem ich mich aber doch soweit auseinandergesetzt haben möchte, dass der Unterricht sich lohnt und ich eventuelle technische Schwierigkeiten ansprechen kann und es vor allem auch musikalisch anschauen (es ist in meinen Augen ein Stück, das musikalisch irgendwie nicht ganz so "leicht verständlich" ist).

Jetzt frage ich mich, wie ich, wenn ich nicht so viel Zeit habe, möglichst effizient an vielen verschiedenen Stücken arbeiten kann. Manchmal entsteht bei mir beim Üben dann nämlich ein bisschen Unmut, weil ich das Gefühl habe, nicht die Zeit zu haben, die ich gerne hätte, um mich auf ein Stück zu konzentrieren. Ich komme dann in so ein "schnell alles mal anspielen" von dem ich nicht wirklich überzeugt bin. Ist es wichtiger, ein Stück täglich zu spielen oder wäre es z. B. besser, sich an einem Tag auf 2-3 Stücke zu konzentrieren und am nächsten Tag die anderen zu üben? Wie organisiert ihr euch, wenn ihr vieles gleichzeitig schaffen wollt und das unter einem gewissen Zeitdruck?

Lg
Lacrimosa
 
Liebe Lacrimosa,

ich würde mich an deiner Stelle zunächst fragen, ob du nicht die Anzahl der Stücke reduzieren kannst. Jetzt noch ein neues Stück anzufangen - willst du das wirklich? So ein Umzug ist nicht ohne und da verschieben sich schon einmal die Prioritäten. Dafür hat deine KL sicher Verständnis.

In solchen Situationen wie deiner sollte man das machen, was einem gut tut!

Was du ansonsten tun kannst:
  • ich übe ausschließlich schwere Stellen bzw. Stellen, die ich noch nicht kann. Alles andere spiele ich langsam durch, manchmal im mittleren, manchmal im Endtempo.
  • ich versuche, am Tag mit Pausen mehrmals (auch wenn's nur 5 Minuten sind) und schwere Stellen öfter am Tag, gerne auch kurz vor dem Schlafengehen zu üben (bessere Speicherung).
  • ich unterscheide weiterhin zwischen Stücken, die ich sehr gut spielen möchte und bei denen ich mir eine sichere Basis erarbeiten möchte und zwischen Stücken, bei denen es ums das Wesentliche geht und Perfektion im Detail nicht so wichtig ist. Das Letztere scheint mir bei der Kammermusik der Fall zu sein. Oder wirst du die Stücke im Konzert spielen? Dann natürlich nicht! Willst du aber "nur" mit Freunden zusammen musizieren, ist es wichtig, dass du "durchkommst", dass du das Wesentliche spielst. Das erlaubt ein gewisses Pfuschen. :006: Ich würde mir manche Stellen sogar evtl. erleichtern (nicht ganz so wichtige Töne weglassen), wenn ich die Stücke nicht bis zur ersten Probe schaffe.
  • ich weiß nicht, ob du beim Kisten packen ein bisschen mental üben kannst. :003: Eigentlich sollte man dabei Ruhe haben, aber im Notfall kannst du auch bei leichten Aktivitäten eine Melodie summen oder dir ein paar Stellen vorstellen.
Liebe Grüße, einen schönen Umzug und viel Erfolg!

chiarina

P.S.: Noch was vergessen: ich persönlich übe nicht alle Stücke an einem Tag, sondern übe lieber einzelne richtig. Wenn ich du wäre, würde ich die Solo- Stücke vermutlich auf zwei, notfalls drei Tage verteilen und ebenso die Kammermusikstücke. Also an einem Tag einen Mix zwischen Solo und Kammermusik machen, der abwechslungsreich und nicht zu anstrengend ist. Ich würde dabei trotzdem immer darauf achten, worauf ich gerade Lust habe zu üben. Und die schweren Stellen wie gesagt jeden Tag üben.
 
Zuletzt bearbeitet:
Es ist fast immer sehr hilfreich am Sonntag Abend eine Viertelstunde zu sitzen und zu überlegen wann und wie viel man in der kommenden Woche üben kann.
Für etwa zwei Drittel (nicht mehr!!!!!) dieser Zeit macht man dann einen Übeplan und hält sich dann auch dran!!
Sollte Zeit überstehen (im niemals eintretenden Idealfall ein Drittel) , so kann man diese zur Vertiefung von schwierigen Problemen nutzen!
 
Einfaches Problem - wenn es zuviele Stücke sind, reicht die Zeit eben nicht. Was ist daran so kompliziert?
relativ viele Stücke gleichzeitig am Start, in den nächsten zwei bis drei Wochen möchte ich nämlich noch mit Freunden vierhändige Stücke sowie im Trio spielen, zusätzlich habe ich die Solo-Stücke aus dem Klavierunterricht und möchte jetzt eigentlich noch ein neues anfangen, was ich bis zur nächsten Klavierstunde zwar noch nicht komplett können will/muss/werde, mit dem ich mich aber doch soweit auseinandergesetzt haben möchte, dass der Unterricht sich lohnt u

Was für ein Stress......

CW
 
Zuletzt bearbeitet:
Liebe Lacrimosa,

ich würde mich an deiner Stelle zunächst fragen, ob du nicht die Anzahl der Stücke reduzieren kannst. Jetzt noch ein neues Stück anzufangen - willst du das wirklich? So ein Umzug ist nicht ohne und da verschieben sich schon einmal die Prioritäten. Dafür hat deine KL sicher Verständnis.

In solchen Situationen wie deiner sollte man das machen, was einem gut tut!

Was du ansonsten tun kannst:
  • ich übe ausschließlich schwere Stellen bzw. Stellen, die ich noch nicht kann. Alles andere spiele ich langsam durch, manchmal im mittleren, manchmal im Endtempo.
  • ich versuche, am Tag mit Pausen mehrmals (auch wenn's nur 5 Minuten sind) und schwere Stellen öfter am Tag, gerne auch kurz vor dem Schlafengehen zu üben (bessere Speicherung).
  • ich unterscheide weiterhin zwischen Stücken, die ich sehr gut spielen möchte und bei denen ich mir eine sichere Basis erarbeiten möchte und zwischen Stücken, bei denen es ums das Wesentliche geht und Perfektion im Detail nicht so wichtig ist. Das Letztere scheint mir bei der Kammermusik der Fall zu sein. Oder wirst du die Stücke im Konzert spielen? Dann natürlich nicht! Willst du aber "nur" mit Freunden zusammen musizieren, ist es wichtig, dass du "durchkommst", dass du das Wesentliche spielst. Das erlaubt ein gewisses Pfuschen. :006: Ich würde mir manche Stellen sogar evtl. erleichtern (nicht ganz so wichtige Töne weglassen), wenn ich die Stücke nicht bis zur ersten Probe schaffe.
  • ich weiß nicht, ob du beim Kisten packen ein bisschen mental üben kannst. :003: Eigentlich sollte man dabei Ruhe haben, aber im Notfall kannst du auch bei leichten Aktivitäten eine Melodie summen oder dir ein paar Stellen vorstellen.
Liebe Grüße, einen schönen Umzug und viel Erfolg!

chiarina

P.S.: Noch was vergessen: ich persönlich übe nicht alle Stücke an einem Tag, sondern übe lieber einzelne richtig. Wenn ich du wäre, würde ich die Solo- Stücke vermutlich auf zwei, notfalls drei Tage verteilen und ebenso die Kammermusikstücke. Also an einem Tag einen Mix zwischen Solo und Kammermusik machen, der abwechslungsreich und nicht zu anstrengend ist. Ich würde dabei trotzdem immer darauf achten, worauf ich gerade Lust habe zu üben. Und die schweren Stellen wie gesagt jeden Tag üben.
Vielen Dank chiarina für deine ausführliche Antwort! Davon kann ich doch sicher schon einiges beherzigen - z.B. bei den Kammermusiksachen an ein paar Stellen vielleicht den ein oder anderen Ton wegzulassen. Es geht nämlich wirklich nur darum, noch einmal gemeinsam zu musizieren, so zum Abschied. Dass du nicht jeden Tag alle Stücke üben würdest, sondern lieber einzelne richtig, beruhigt mich, denn das entspricht auch meinem Gefühl, aus dem heraus ich gestern den Faden eröffnet hatte. Mit dem neuen Stück anzufangen kann ich mir wahrscheinlich nicht verkneifen, auch wenn meine KL natürlich Verständnis dafür hätte. Aber ich will halt selbst so gerne... ;-)Vielleicht versuche ich aber, mir da bewusst nicht zu viel Druck zu machen, ich komme halt so weit ich komme.

Es ist fast immer sehr hilfreich am Sonntag Abend eine Viertelstunde zu sitzen und zu überlegen wann und wie viel man in der kommenden Woche üben kann.
Für etwa zwei Drittel (nicht mehr!!!!!) dieser Zeit macht man dann einen Übeplan und hält sich dann auch dran!!
Tatsächlich überlege ich oft am Anfang der Woche, an welchem Tag ich wann und wie viel Zeit zum Üben haben werde. Einen Übeplan in dem Sinn habe ich mir aber noch nie aufgestellt - wie würde ein solcher bei dir aussehen? Überlegst du dir dann, erst übe ich eine halbe Stunde das, dann das?

Einfaches Problem - wenn es zuviele Stücke sind, reicht die Zeit eben nicht. Was ist daran so kompliziert?
Was für ein Stress......
CW
Da hast du vermutlich nicht unrecht. Aber ich glaube, ich kann gar nicht anders, wenn ich alles ganz entspannt sehen würde, hätte ich irgendwie schlechtes Gewissen;-)
 
Das Verhindert das meist recht unproduktive 'sich verbeissen' in eine Stelle!
Bei mir ist es umgekehrt, was läuft macht Spaß, gern nochmal und nochmal, aber die ungemütlichen Stellen übe ich mit Vorgabe wie oft, z. B. 10x ,zwinge mich auch dazu, und belohne mich danach mit Päuschen oder einem sitzenden Stückchen. :)

Allerdings bin ich eh Amateurin, während Lacrimosa ja das ganze professionell angehen will. Da würde ich mir grundsätzlich mehr Planung verordnen, ganz besonders auch die Auswahl der Stücke, es gibt sicher Stepping stones, die ein Muss sind und innerhalb eines Zeitrahmens auch stehen sollten. Das Verfranzen im Wirrwarr ist da eher kontraproduktiv.....
 
Wenn man ein Stück jeden Tag einmal durchspielt und keinen Zeitdruck hat, kann man ziemlich weit kommen. Es hängt aber auch von den Baustellen ab. In ein Stück ohne besondere technische Schwierigkeiten, wo es nur darum geht, die Noten einzuschleifen und das Ding auf Tempo zu bringen, investiere ich selten mehr als 10 Minuten am Tag. Optimale Ausnutzung der Lernpausen...

Härtere Nüssen erfordern dagegen eine zielgerichtetere Herangehensweise, aber da ist die Aufnahmefähgkeit begrenzt.
 

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