Tempo-Wahn

  • Ersteller des Themas .marcus.
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DerOlf
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Hmmm, ganz so eindeutig würde ich das nicht sehen
Mir gings um die Definition von Effizienz als "angewandte Faulheit".
Und das sehe ich in der Arbeitswelt nirgends ... du arbeitest nicht schneller, weil du dadurch mehr Freizeit hast (denn das wird auf Arbeit ja eh nichts).

Dass es bei Effizienz auch um die Qualität gehen kann, ist klar ... und da gibt es natürlich auch einige Parallelen zwischen Musik und Arbeitswelt.
 
Triangulum
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Operative Hektik offenbart geistige Ohnmacht! Wenn der einzelne Ton nicht mehr wichtig ist, sondern es nur noch um Effekte (wie z.B. bei Glissandi) oder Geschwindigkeit als Selbstzweck geht, ist so ein Vorgehen sinnvoll. Diese Minutenwalzer-Aufnahme allerdings taugt nach Überarbeitung allenfalls noch zur Untermalung einer Folge von Tom & Jerry. Der Minuten-Walzer - wenn man das richtig liest, heißt das ja nicht Eine Minute - Walzer sondern es ist Plural. Wenn mir auch im Moment nicht mehr bewusst ist, wie dieser Titel eigentlich zustande gekommen ist, so handelt es sich ja nicht um ein unbedingtes Geschwindigkeitsdiktat.
Für ein derartiges Vorgehen eignen sich meiner Meinung nach nur wenige Stücke, wie zum Beispiel manche Elaborate von Alkan, die mit Prestissimo überschrieben sind, viele Stücke für Player-Piano und manche Stummfilmmusik, die dem Visuellen eine humoristische Note verpasst.
 
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Cecilie
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Mir gings um die Definition von Effizienz als "angewandte Faulheit".
Und das sehe ich in der Arbeitswelt nirgends ... du arbeitest nicht schneller, weil du dadurch mehr Freizeit hast (denn das wird auf Arbeit ja eh nichts).

Ich habe Faulheit im Zusammenheit mit Effizienz so verstanden: Ich bin zu faul, unnoetige oder zu umstaendliche Sachen zu machen, um an ein Ziel zu kommen.
Und wenn ich einen Weg gefunden habe, diese zu umgehen, dann komme ich schneller, besser und mit mehr Freude an mein Ziel - egal, ob in der Arbeit oder beim Klavierueben.
 
Sven
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Hmmm, ganz so eindeutig würde ich das nicht sehen. Effizienz in der Arbeitswelt kann auch bedeuten lamgsamer zu produzieren dafür aber in besserer Qualität. Dadurch produziert man weniger Ausschuss bzw. Nacharbeit wird reduziert.

Nein, das ist dann Effektivität. Leider wird das zu selten richtig unterschieden, und überall nur nach Effizienz geschrien.
 
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DerOlf
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Guter Hinweis @Sven
Ich habe kurz selbst überlegt, ob ich dazu was schreiben kann, leider habe ich dieses Begriffspaar für mich selbst auch nicht so komplett klar ... also habe ich es lieber sein lassen.
 
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DerOlf
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Ich bin zu faul, unnoetige oder zu umstaendliche Sachen zu machen, um an ein Ziel zu kommen.
Dazu ein Gedanke:

Ich arbeite als Kassenkraft in einer Tankstelle ... und eigentlich ist die Dokumentation für meine direkte Arbeit unnötig (und teilweise lästig). Allerdings gibt es im Unternehmen eben auch Verwaltungsebenen, für die diese Dokumentation sehr wichtig ist (die können ohne nicht effektiv arbeiten).
Und wenn diese Ebenen nicht gut arbeiten können, dann beeinflusst das auch meine Arbeit - also mache ich eben die Dokumentation, denn die nehme ich als das kleinere Übel wahr.

Aber es gibt natürlich auch einige Dinge, bei denen ich mich ernsthaft frage, was dieser Aufwand soll.
Zum Beispiel schreibt bei uns jede Schicht zum Schichtende die Zählerstände unserer Kaffeemaschine auf.
Der Erkenntnisgewinn aus dieser Statistik ist mMn minimal und das, was daraus abgeleitet werden kann, weiß ohnehin jeder, der mal eine Weile an einer Tankstelle mit Kaffeemaschine gearbeitet hat. Die Frühschicht verkauft am meisten Kaffee, die Mittelschicht etwas weniger und in der Spätschicht hat man wenn es hoch kommt mal 3 verkauft.
Das muss man (eigentlich) nicht extra dokumentieren ... vor allem nicht drei mal täglich.
Ich weiß aber, dass unsere Stationsleitung darauf wert legt ... ich muss sie mal fragen, warum das so ist.
Ich tippe aber drauf, dass da einfach die Bürokratie eines anderen Unternehmens bedient werden muss.
(Es gibt noch andere, mMn verdammt ineffiektive Sachen, die ich nicht verstehe ... aber bei denen weiß ich, dass die zumindest in unserem Unternehmen niemand so richtig versteht).
 
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Kettwiesel
Kettwiesel
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Nein, das ist dann Effektivität. Leider wird das zu selten richtig unterschieden, und überall nur nach Effizienz geschrien.
Ich möchte nicht behaupten, dass ich da völlig sattelfest bin. Aber nach meinem Verständnis ist Effektivität das Vermögen ein Ziel zu erreichen und Effizienz das mit wenig Aufwand zu tun. (Deshalb wird natürlich nach Effiziens geschrien.) Und in diesem Zusammenhang meine ich schon, dass mein Beispiel eins für Effizienz war. Aber ich glaube für das Thema dieses Fadens ist das jetzt schon ziemlich Offtopic und deshalb nicht wirklich wichtig. ;-)
 
.marcus.
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Liebe clavios,

ich wollte schon lange hier ein Update geben und euch wissen lassen, was mein Üben in Sachen "Tempo-Wahn" gebracht hat. Die angehängte Aufnahme beantwortet das. Ich bin einerseits zufrieden damit, dass eine wesentliche Temposteigerung möglich wurde, die mir auch alles andere als leicht fiel, und andererseits bin ich etwas enttäuscht, dass es lange nicht so leicht und elegant klingt wie bei meinem lieben Vorbild Marc-André Hamelin (s. Beitrag #1). Deshalb ist mir auch etwas die Lust am Weiterüben vergangen. Ich habe dieses Projekt nicht aus rein sportlichem Interesse verfolgt, sondern weil mir das hohe Tempo bei ihm auch musikalisch sehr gut gefällt. Bei mir klingt es aber zu grob und zu gehämmert. Deshalb belasse ich es nun dabei. Vielleicht wird sich ja in einigen Jahren die Leichtigkeit einstellen, die ich mir jetzt nicht mit einem vertretbaren Aufwand er-üben kann. Das Projekt Tempo-Wahn ist für mich daher halb gelungen, halb gescheitert :)

Ich bedanke mich nochmals ganz herzlich für die vielen wunderbaren Tipps u.a. von @Stilblüte, @rolf, @chiarina ! Lieber rolf, noch ein extra großes Dankeschön für die Übemuster, die du mir aufgeschrieben hast. Die waren sehr hilfreich, aber auch hammerhart zum Üben. Ganz gemeistert habe ich sie natürlich nicht, aber sie haben die Grenzen des für mich möglichen verschoben.

lg marcus

P.S.: Im Trio-Teil waren dann so viele Fehler, dass ich die Aufnahme lieber geschnitten habe. Und ich hatte nun auch keinen Ehrgeiz, in weiteren Aufnahmeversuchen eine möglichst gute Version zu spielen. Das ist jetzt "first take".
 

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@.marcus. : ich glaube, jetzt bist Du ZU selbstkritisch. Es mag ja sein, daß Andere das Stück schneller spielen können. Aber die Frage ist doch auch, ob der Zuhörer dem dann auch noch folgen kann, oder ob es dann nur ein Feuerwerk ist, das keinen bleibenden Eindruck hinterläßt. Dein Tempo vermittelt einerseits eine große Lebendigkeit und Spielfreude, ohne gehetzt zu wirken. Was willst Du mehr? Die große Show abziehen (wie Lang Lang)? Das hast Du nicht nötig,
findet cb
 
Dreiklang
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Übrigens @.marcus.
Da hast Du ja was angerichtet... ;-) Das Stückchen fasziniert mich, der Tonsatz ist schon bemerkenswert, auch rhythmisch ist einiges geboten. Kommt glaube ich ganz gut, wenn man das (vor-)spielen könnte.

Egal... es steht auf jeden Fall jetzt auf dem Notenpult. Ich weiss nicht, wieviel ich daran machen können werde wegen meiner kargen Freizeit, aber angefangen damit habe ich schon mal.

Seit der Campanella seinerzeit das erste Stückchen, das mich irgendwo reizt, neu zu lernen ;-)
 

rolf
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Die waren sehr hilfreich, aber auch hammerhart zum Üben.
@.marcus. ...je weiter man kommt, umso weiter entfernt man sich vom Wellness- und Streichelzoobereich... Dass dir die Übungsmuster nützlich waren, freut mich, noch mehr würde mich freuen, wenn du darin die Prinzipien effizienten Übens erkennen/extrahieren und du dir künftig selber bei spieltechn. Hürden effiziente Übungen zusammenstellen kannst.
 
.marcus.
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@.marcus. ...je weiter man kommt, umso weiter entfernt man sich vom Wellness- und Streichelzoobereich... Dass dir die Übungsmuster nützlich waren, freut mich, noch mehr würde mich freuen, wenn du darin die Prinzipien effizienten Übens erkennen/extrahieren und du dir künftig selber bei spieltechn. Hürden effiziente Übungen zusammenstellen kannst.
Du bist wirklich unerbittlich... :005: wenn ich eins gelernt habe in den 20 Jahren, die ich schon Klavier spiele, dann dass ich ein langsamer Lerner bin und mich gern auf zahlreiche Umwege begebe. Die Reise geht aber zumindest in die richtige Richtung (glaube ich).

lg marcus
 
Dreiklang
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... sieht wohl eher nicht so aus. Egal: im Moment stecke ich mehr Zeit in das Stückchen, als ich vielleicht sollte (Feuer gefangen etcetera).

Die erste Seite... bin schon recht zufrieden bisher.

Was ich wirklich schade finde, dass hier im Forum so wenig eingespielt wird (dafür umso mehr geredet...)
Das ist auch ein Grund mit, warum mir .marcus.' Einspielung so gefallen hat.

Vielleicht stell ich auch mal einen Zwischenübestand hier rein. Muss mich eh mal wieder in den Hintern treten, und mal wieder ein paar Klavieraufnahmen machen...
 
Dreiklang
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Vielleicht stell ich auch mal einen Zwischenübestand hier rein.
Was ich wirklich schade finde, dass hier im Forum so wenig eingespielt wird.

Also auf geht's... nicht reden, sondern tun.

Habe beim Üben mal den Recorder mitlaufen lassen. Ist nicht so schön bzw. gut geworden wie ich eigentlich wollte. Aber es ist auch erstaunlich, wie schwierig das Üben werden kann, wenn die Konzentration durch ein Aufnahmegerät abgelenkt ist.

Ist meine erste Einspielung seit 7 Jahren oder so hier im Forum. Seid also lieb zu ihr ;-)
Dann gibt es (vielleicht) noch weitere.

Und jetzt viel Spaß. :026:
 

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  • Kitten OTK - Übestand 1.mp3
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hasenbein
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Du bist wirklich unerbittlich... :005: wenn ich eins gelernt habe in den 20 Jahren, die ich schon Klavier spiele, dann dass ich ein langsamer Lerner bin und mich gern auf zahlreiche Umwege begebe. Die Reise geht aber zumindest in die richtige Richtung (glaube ich).

lg marcus
Dieses Beispiel zeigt ganz gut: Wer sich als "langsamen Lerner" bezeichnet, ist oft (meist...) jemand, der Hinweise und Tipps des KL nicht bzw. nicht konsequent umsetzt, also trotz besseren Wissens ständig "irgendwie so" übt. (Bzw. ganz allgemein zu wenig / zu unzweckmäßig.)

Interessanter psychologischer Mechanismus, wie in Leuten das Bestreben vorhanden ist, die negative bzw. "kleinmachende" Selbsbeurteilung bewusst oder unbewusst immer wieder selber zu bestätigen. Irgendeinen "sekundären Gewinn" muss derjenige ja paradoxerweise daraus ziehen, sonst würde er es nicht machen...
 
 

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