Steinway-Klavier: Furnier löst sich!

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Tastenscherge

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Hallo Leute,

ich hab einen Kunden, bei dem ich seit einigen Jahren das ca. 10 Jahre alte Steinway K stimme, steht auf Fußbodenheizung. Nun ist plötzlich bei einigen Gehäuseteilen das Furnier samt Polyester losgegangen! Beim Klaviaturdeckel außen und innen und beim Ober- und Unterrahmen. Natürlich nicht komplett, sondern an einigen Stellen. Zum Glück jeweils an den Rändern. Aber beim Klaviaturdeckel sieht das schon heftig aus: da kommt das Furnier so richtig hoch. Wie kann das sein bei so einem jungen Steinway K? Okay, Fußbodenheizung, aber das darf doch trotzdem nicht passieren. Hat jemand ähnliche Erfahrungen gemacht?
 
fisherman

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na, Du machst mir vielleicht Vorfreude...

Speziell das Ablösen der Furniere am Deckel kann ja wohl kaum mit der Fußbodenheizung zusammenhängen. Feuchtigkeit? Geht da die Putzfrau mit feuchtem Lappen ran? Ablösendes Furnier ist meist im Zusammenhang mit Feuchte (Aufquellen an Kanten/Nahtstellen) zu sehen.

Was sagt Steinway?
 
fisherman

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Hallo Tastenscherge;

bevor auch noch andere nervös werden und generell der Ruf furnierter Klaviere/Flügel leidet, hier die Aussage von Steinway München (Habe sofort zum Telefon gegriffen!!!).

Auch schwarze Instrumente sind (bei S.) furniert. D.h. das Poblem liegt nicht an der Holzoptik. In den 80ern ist mal eine ganze Produktion mit kleber-unverträglichen Furnieren belegt worden, die sich dann nach geraumer Zeit lösten. S. hat alle diese Klaviere rund um den Globus aufgesammelt.

Dein Kunde sollte mal mit Steinway reden. Insgesamt bin ich gerade recht beindruckt. Das scheint ja wirklich eine Marke zu sein, die sich Ihren Ruf was kosten lässt.

Darf ich noch nach exaktem Produkionsjahr fragen und nach der genauen Ausführung -Du hast ja mitbekommen, dass ich gerade ein 8 Jahre altes S. kaufen will. Nicht dass ich die gleiche Serie erwische :D
 
Tastenscherge

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Hi Fisherman,

genaues Jahr kann ich erst Samstag sagen. Ich hab nämlich die Teile mit in die Werkstatt genommen und bin gerade am neu verleimen. Aber Samstag bring ich sie dem Kunden zurück und dann schau ich nochmal. Ist auf jeden Fall ein K in schwarz poliert.

Was meinst du damit, dass Steinway die rund um den Globus eingesammelt hat? Ich schätze, die werden nur die abnehmbaren Teile eingesammelt und neu verleimt oder nachgebessert haben, also genau das, was ich gerade mache.
 
fisherman

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Hallo Tastenscherge;

ich will Dir ja keinen Umsatz wegnehmen, aber als Besitzer eines realitiv jungen Steinway-Klaviers würde ich erst mal S. in die Pflicht nehmen, bevor Du Dich dann abplagst. Wenn nämlich ein Fehler vorliegt, lösen sich nach Deiner Arbeit dann wieder andere Teile oder gar die gleichen (falls ungeeignetes Unterfurnier!) - und auf wen wird der Kunde dann deuten ...?

Habe S. dahingehend verstanden, dass man damals (angeblich) komplette Klaviere z.B. aus Australien zurückgeholt hat... Auch wurde unterschwellig der Eindruck vermittelt, dass (manche) S-Händler selbst bei Eigenverschulden (Wasser, etc) Kulanz zeigen, um die Marke zu pflegen.

Das waren natürlich erst mal nur Lippenbekenntnisse... Probierts doch mal aus! Vielleicht auch mit dezentem Hinweis auf 30.000 Clavio-User...
 
Tastenscherge

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tja, etwas zu spät. Ich hab nämlich schon fast alle Stellen behoben bis auf 2, die mach ich morgen dann auch noch. Aber vielleicht übernimmt Steinway ja die Rechnung? Nachdem ich das von dir erfahren habe, hab ich den Kunden auch gleich angerufen und das geschildert. Und dass das an anderen Stellen erneut auftauchen könnte, darauf habe ich die Kunden auch von vornherein hingewiesen. Ich bin also fein raus.

Ist übrigens die Seriennummer 5301XX. 1995 bei Steinway in Hamburg ausgesucht worden, also jenseits von Garantieansprüchen. Aber mal sehen, ich werd das nach Hamburg melden.
 
Tastenscherge

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so, alles wieder verleimt, aber ich bin reichlich unzufrieden mit dem Ergebnis. Bevor ich anfing, konnte man sehen wo der Übergang von dem losen zu dem festen Furnier ist. Gegen das Licht konnte man so eine Art Knickkante auf dem schwarzen Polyester sehen. Aber nachdem ich alles verleimt habe, sieht man diese Kante immer noch :( Man kann sie sogar fühlen. Wie kann das sein????

Ich bin der Meinung, beim Leimen alles richtig gemacht zu haben: loses Furnier leicht angehoben, reichlich Leim (TightBond) druntergeschoben, ebene Zulage aufgelegt und gedrückt, überschüssigen rausquellenden Leim entfernt und dann die Zulage mit reichlich Druck und etlichen Zwingen gezwungen. Nochmals den dann immer noch rausquellenden überschüssigen Leim entfernt und über Nacht trockenen lassen.

Wenn man mit dem Fingernagel die ganze Fläche abklopft merkt man, dass nirgendwo noch Luft drunter ist, alles super fest so wie es soll. Aber woher dann diese Unebenheit? Kann das sein, dass eine Polyesteroberfläche, die einmal "geknickt" war, niemals wieder glatt gezwungen werden kann? Also dass das Furnier durchaus glatt aufliegt, aber das Problem die Polyesterbeschichtung ist? In dem Falle würde also nur eine neue Lackierung helfen. Die hat Steinway übrigens für lau angeboten.

Irgendwelche Ideen, woher das kommen könnte?
 
fisherman

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nun, ich denke, das ist ganz normal, wenn man eine lackierte Furnierfläche wieder anklebt. Ich vermute, dass das Furnier einfach Feuchte gezogen hat. Und selbst wenn die wieder weg ist, bleiben die Fasern aufgestellt,. Das reicht für das, was Du beschreibst.. Möglicherweise ist auch ein Mikro-Knick im PE. Perfekt wirds nur mit Neulackierung. Hat das S. tatsächlich bei dem 95er Klavier für lau angeboten? Fände ich ja schon klasse...
 
Tastenscherge

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fisherman,

ich hab gerade in dem anderen Steinway-Thread gelesen, dass du noch nach weiteren Infos dürstest. Es ging so weiter:

Ich hab´s verleimt und dem Kunden die Rechnung geschickt. Ob der Kunde versucht, bei Steinway was zurückzuholen, ist seine Entscheidung. Aber ich hatte mit Steinway gemailt und die boten an, die entsprechenden Teile neu zu lackieren, und zwar auf lau. Und ich bin mir ganz sicher, dass die auch auf lau die dazugehörige Verleimung gemacht hätten, die ich nun vorgenommen hatte. Für den Kunden wäre es von daher vielleicht besser gewesen, die Teile zu Steinway zu schicken und die alles machen zu lassen. Wäre allerdings mit Aufwand (Verpackung und Versand) und Warten verbunden gewesen.
 
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Danke Tastenscherge, für Deine prompte Reaktion. Zumindest kann man dem Ganzen wohl entnehmen, dass Kundenorientierung bei S&S kein Fremdwort ist.
Tröstlich, das zu wissen - gerade in heutiger Zeit.
 

klaviermacher

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so, alles wieder verleimt, aber ich bin reichlich unzufrieden mit dem Ergebnis. Bevor ich anfing, konnte man sehen wo der Übergang von dem losen zu dem festen Furnier ist. Gegen das Licht konnte man so eine Art Knickkante auf dem schwarzen Polyester sehen. Aber nachdem ich alles verleimt habe, sieht man diese Kante immer noch :( Man kann sie sogar fühlen. Wie kann das sein????

Ich bin der Meinung, beim Leimen alles richtig gemacht zu haben: loses Furnier leicht angehoben, reichlich Leim (TightBond) druntergeschoben, ebene Zulage aufgelegt und gedrückt, überschüssigen rausquellenden Leim entfernt und dann die Zulage mit reichlich Druck und etlichen Zwingen gezwungen. Nochmals den dann immer noch rausquellenden überschüssigen Leim entfernt und über Nacht trockenen lassen.

Wenn man mit dem Fingernagel die ganze Fläche abklopft merkt man, dass nirgendwo noch Luft drunter ist, alles super fest so wie es soll. Aber woher dann diese Unebenheit? Kann das sein, dass eine Polyesteroberfläche, die einmal "geknickt" war, niemals wieder glatt gezwungen werden kann? Also dass das Furnier durchaus glatt aufliegt, aber das Problem die Polyesterbeschichtung ist? In dem Falle würde also nur eine neue Lackierung helfen. Die hat Steinway übrigens für lau angeboten.

Irgendwelche Ideen, woher das kommen könnte?
Dafür vielleicht etwas spät, aber falls Dir nochmals sowas passiert: Leim trägt immer auf, was sollte es sonst zusammenhalten? d.h. auch wenn es minimal ist, sieht man den Übergang, besonders bei glänzender Oberfläche. Bester "Leim" ist Superkleber. Der trägt noch am wenigsten auf. Eignet sich allerdings nicht für alle Klebeflächen.
Korrektur: Eben schleifen und frisch politieren. Bei Polyester: Lack anschleifen und frisch schwabbeln. Ist jedoch nur dann möglich, wenn die Lackstärke (~1,5mm) es zulässt.

Liebe Grüße
Klaviermacher
 
Tastenscherge

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Klaviermacher,

was meinst du mit *auftragen*? Dass noch so viel Leim in der Leimfuge ist, dass er für diese Wellen sorgt? Und was meinst du mit Superkleber: Senkundenkleber? Der wäre für diese Arbeit nicht so gut gewesen, da man ja schon eine gewisse Arbeitszeit hat und somit eine extrem kurze Abbindezeit nicht so schön wäre.
 
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was meinst du mit *auftragen*? Dass noch so viel Leim in der Leimfuge ist, dass er für diese Wellen sorgt? Und was meinst du mit Superkleber: Senkundenkleber? Der wäre für diese Arbeit nicht so gut gewesen, da man ja schon eine gewisse Arbeitszeit hat und somit eine extrem kurze Abbindezeit nicht so schön wäre.
JA - Erstens, weil eine gewisse Leimschicht zwischen den Teilen bleibt und zweitens Leim-Feuchtigkeit, die ins Holz eingedrungen, lässt das Holz anschwellen. Wenns dann trocknet, schwindet das Holz nicht mehr (weils ja die erweiterten Holzporen festklebt). Daher Super- oder Sekundenkleber Locetite 401 für poröse Materialien, da schwillt das Holz fast nicht an. Allerdings - wie ich schon sagte, geht das nicht immer. Ich verwende es allerdings sehr oft - mit einem 0,10mm Federstahl komme ich fast in jede kleine Ritze.

Ich hoffe Du verstehst mich jetzt...
Deutsch und Österreichisch sind manchmal schon zwei paar Schuhe. Ich musste erst im Lexikon nachschauen, was lau bedeutet. Fand dann "für lau" und jetzt kenne ich mich aus. Bei uns sagt man umasunst.

Liebe Grüße
Klaviermacher
 
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Ich hoffe Du verstehst mich jetzt...
Deutsch und Österreichisch sind manchmal schon zwei paar Schuhe. Ich musste erst im Lexikon nachschauen, was lau bedeutet. Fand dann "für lau" und jetzt kenne ich mich aus. Bei uns sagt man umasunst.
Wobei lau wiederum im Österreichischen als Umschreibung von "wenig" gebraucht wird - Beispiel lauwarm; "umasunst" wird aber auch negativ belegt denn wenn eine Arbeit "umasunst" ist war sie eher unnötig oder auch "für die Katz"....:D
 
klaviermacher

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Wobei lau wiederum im Österreichischen als Umschreibung von "wenig" gebraucht wird - Beispiel lauwarm; "umasunst" wird aber auch negativ belegt denn wenn eine Arbeit "umasunst" ist war sie eher unnötig oder auch "für die Katz"....:D
korrigiere: lauwarm - halbwarm/halbkalt oder aber auch "mild" - Ein laues Herbstlüfterl
Aber mit einer milden Reparatur kann ich gar nichts anfangen. Dann schon eher gratis, kostenlos oder gschenkt:D
 
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Wenn lau, dann jau :D

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ich fürchte, Tastenscherge hat an irgendeinem Kleber geschnüffelt :mrgreen:
 
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na das sagt man bei uns so: wenn lau dann jau soll natürlich bedeuten, dass man´s gerne nimmt wenn´s umsonst ist. Und dazu fiel mir ein, was mein Cousin aus Österreich mich mal gefragt hat beim abendlichen Ausgehen: hast a Geld? *Ein* Geld würde man hier nicht so sagen :D

Das sind halt so die "interkulturellen" Unterschiede
 
 

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