Rudolf Stelzhammer Flügel mit Wiener Mechanik...Mechanik entnehmen

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toben

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Hallo!
Bin neu hier, lese aber schon seit geraumer Zeit die sehr fachkompetenten Beiträge in Bezug auf Piano Reparatur mit.
Ich habe einen Stelzhammer Flügel erstanden mit Wiener Mechanik.
Zum einen aus Neugier, da ich noch nie auf so einer Mechanik gespielt habe und zum anderen als Übungs-Restaurationsobjekt.
Dazu muss ich sagen, das Ding hat viele Risse im Stimmstock und wäre damit wahrscheinlich sowieso nicht lohnenswert zu restaurieren...mir geht es aber hauptsächlich darum einige Sachen zum Thema restaurieren/reparieren daran zu üben...wenn was schief geht ist's nicht so schade drum ;-)
(Nein, ich bin kein gelernter Klavierbauer...hab aber neben dem Klavierspielen auch großes Interesse an der Technik und der Restauration. Dafür hab ich noch ein altes Rumpelklavier hier stehen an welchem ich seit 1 Jahr rumdoktore...und dabei viel gelernt hab)

Jetzt aber zu meinem eigentlichen Problem..
Ich wollte nun die Mechanik aus dem Gehäuse ziehen um sie genauer unter die Lupe zu nehmen, und da fängt der Ärger schon an...Die will nicht rauskommen!! Oje..
Ich bekomme die nicht unter dem Stimmstock durch...fehlen 5mm..
Leider lässt sich meine vorhandene Literatur nur wenig über die Wiener Mechanik aus..(Forss, Reblitz)
Carl-Johann Forss schreibt zwar dass das "Einschieben der Mechanik anders geschieht als bei modernen Flügeln, und das das entweder über keilförmige Auflagen geschieht auf der der hintere Teil des Klaviarturrahmens nach oben gleitet, oder die ganze Mechanik wird nach dem Einschieben mit einer besonderen Vorrichtung angehoben um die richtige Höhenposition zu erreichen".. aber das hilft mir ja nicht weiter wenn ich sie nicht einmal raus bekomme..
Vielleicht hat ja jemand der Fachleute hier den erlösenden Tipp..

Flügel klingt übrigens noch schön und hält trotz der Risse im Stimmstock einigermaßen die Stimmumg. (415 hz)
Bin für jeden Tipp dankbar!
Tobias
 
Peter

Peter

Bechsteinfan
Mod
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die ganze Mechanik wird nach dem Einschieben mit einer besonderen Vorrichtung angehoben um die richtige Höhenposition zu erreichen
Ich habe null Ahnung, würde aber vermuten, dass man beim Ausbau umgekehrt vorgeht. Bedeutet: Die Mechanik muss erst mal nach unten, um nach draußen zu kommen. Schau doch mal, ob da irgend eine Höhen-Arretierung ist, die erst gelöst werden muss.
 
klaviermacher

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Hallo Tobias,

Die Mechanik wird beidseitig gezogen, und sie verkantet leicht. Sie löst sich jedoch von den Steigbacken und rumpelt bzw. rutscht dann runter. Wenn sie lange nicht mehr heraus genommen wurde, kann das schon ein wenig klemmen. Nachhelfen kann man, indem man das linke Pedal bewegt. Normalerweise geht sie dann beim Stimmstock knapp vorbei.

LG
Michael
 
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toben

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Hallo Michael!
Ok, das vermutete ich auch...einfach nur verkanntet...hatte auch schon viel rumgeruckelt, aber da ging irgendwie nix...wollte jetzt lieber erstmal Rat einholen bevor ich vielleicht was kaputtmache weil ich irgendetwas übersehen habe..
Dann versuch ich nochmal mein Glück.
Vielen Dank! :-)
Tobias
PS: Gibt es eigentlich irgendwelche Literatur speziell zur Wiener Mechanik?
 
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toben

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Juhu!!
Hat geklappt! :-)
Plötzlich gings relativ leicht...man muss sich wohl nur trauen..
Dankee!
Hätte dann gleich die nächste Frage bzgl der Hämmer...hatte mal glaub ich irgendwo gelesen dass man das Leder verziehen kann oder so? Ist schon ziemlich plattgedrückt...einige Töne klingen seht metallisch..
Mit dem normalen Intonieren kann ich ja hier nix machen..oder bringt es was den Filz darunter etwas lockerer zu stechen?
 
Ambros_Langleb

Ambros_Langleb

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Mit dem normalen Intonieren kann ich ja hier nix machen..oder bringt es was den Filz darunter etwas lockerer zu stechen?
Ist Filz unter dem Leder? Hat eine Wiener Mechanik nicht einfach einen Holzkern unter dem Leder?



PS. Ich stoße gerade auf einen interessanten Artikel von G. Hecher, dem wir beim Wientreffen die tolle Führung durch seine Sammlung zu danken hatten. Er geht zwar auf die spezielle Frage nicht ein, ist aber als ganzes sehr lesens- und bedenkenswert:

http://www.kunsthandwerk-online.at/index.php?id=141
 
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toben

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Ja, den Artikel hatte ich auch schon gelesen..Vielen Dank! :-)

Stimmt, das ist wohl kein Filz unter dem Leder...dachte ich immer..
Aber was kann ich den nun bzgl der Intonation machen...oder wo bekomme ich dafür Ersatzteile...hab bis jetzt nichts gefunden..
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Ein kompletter Hammer fehlt nämlich auch noch..
 
Ambros_Langleb

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wo bekomme ich dafür Ersatzteile...hab bis jetzt nichts gefunden..
Ein kompletter Hammer fehlt nämlich auch noch..
In dem Artikel von Gert Hecher findest Du ja auch eine Aussage über die recht begrenzten Möglichkeiten der Intonation bei der Wiener Mechanik. Was den Hammer betrifft - frag den @klaviermacher, ob er Dir einen machen kann; wenn das scheitert, dann sicher nicht an seiner Kunst, sondern am Mangel an Hammerleder. In diesem Falle dürfte die erste Adresse die Werkstatt von Hecher in Wien sein.
 
klaviermacher

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Ja, den Artikel hatte ich auch schon gelesen..Vielen Dank! :-)

Stimmt, das ist wohl kein Filz unter dem Leder...dachte ich immer..
Aber was kann ich den nun bzgl der Intonation machen...oder wo bekomme ich dafür Ersatzteile...hab bis jetzt nichts gefunden..
Den Anhang 9477 betrachten
Ein kompletter Hammer fehlt nämlich auch noch..
Hallo Tobias,

Eventuell könnte ich Dir einen Wiener Hammerkopf schicken. Fehlt der Stiel auch?
Die Belederung sieht nicht unüblich aus. Du kannst das Leder mit einer Drahtbürste vorsichtig aufrauhen. Eine ordentliche Intonation mit Leder umleimen usw. würde ich vorerst mal nicht anraten. Man müsste auch die Filzform zurecht feilen, und ja - auch die Filzhärte spielt eine Rolle. Der Hammerfilz wird ohne Leder vorintoniert, was ja bereits bei der Erzeugung gemacht wird. Man kann dann noch etwas nachintonieren...

Die Steigbacken muss man reinigen und mit trockener Seife schmieren, damit man die Mechanik wieder locker einschieben und nach oben drücken kann. Vorsicht, Man muss immer darauf achten, keine Taste zu berühren, und sich vergewissern, dass alle Hämmerchen in Ihrer Ausgangsposition sind. Besonders beim rausziehen geschieht es gerne, dass sich die Hämmerchen bewegen, wenn die Mechanik hinten von den Steigbacken zu rasch runter plumpst.

LG
Michael
 
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toben

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Hallo Michael!
Dann werde ich vorerst mal versuchen das Leder wieder aufzurauen, vielleicht reicht das ja schon.
Bin wie gesagt eigentlich sonst mit dem Klang des Flügels schon ganz zufrieden bis auf ein paar Töne.

Ja ich bräuchte den Hammerkopf incl Stiel...siehe Bild.
Was müsstest du dafür noch wissen?
Schon mal 1000 Dank für das Angebot!

Das mit den Steigbacken wollte ich grad angehen...hatte allerdings ein Glas Talkum in der Hand.
Aber stimmt, Seife sollte noch besser flutschen ;-)
Muss erst mal eine Steigbacke wieder anleimen.
Sonst sieht das Instrument find ich noch ganz schön aus...auch die Mechanik ist noch in einem guten Zustand.. was meint ihr? Ok..der Stimmstock sieht eben grauslig aus..
Aber wer weiß..irgendwann wird mich auch dieser Ehrgeiz packen und ich werde ihn austauschen.

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