Reizende Terminologie

K

koelnklavier

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Ok, ihr seid die erleuchteten, die es besser wissen und alle anderen sind Idioten, habe ich das jetzt richtig verstanden?
Sollte u.a. ich mich angesprochen fühlen, dann hast Du meine Gedanken und Intentionen wirklich falsch verstanden ...
@ Haydnspass, Ubik und Koelnklavier
Eure Ausführungen grenzen für mein Empfinden gefährlich nahe an die Abkanzelung jener, die weder das Zeug noch die Lust dazu haben, Horowitze zu werden und einfach nur, Musik, die sie mögen, von sich selbst irgendwie wiedergegeben hören wollen.
... Ich will weder Horowitze züchten noch irgendjemanden verbiegen. Ich glaube auch nicht von mir, daß ich über die allein seligmachenden Klavier-Weisheiten verfüge. Was ich meinen Schülern (hoffentlich) voraus habe, ist Hörerfahrung und Wissensvorsprung. Und wenn einer von ihnen flinkere Finger hat als ich (was nicht allzu schwer ist), dann freut mich das für sie. Anliegen meines Unterrichtens ist es, daß meine Schüler ihr Potential erkennen und es nutzen lernen.

@Guendola:
Wenn ich mir anschaue,welche Eigendynamik dieser Thread genommen hat, so hast Du den Titel unbewußt treffend gewählt.

Um auf den Ausgangspunkt zurückzukommen: Die Begrifflichkeit "Technik / Fertigkeit" scheint mir unerheblich, wenn sich nicht das (von Dir zu Recht kritisierte) mechanistische klavierdidaktische Denken ändert. Wobei ich nicht abstreiten will, daß bestimmte Techniken / Fertigkeiten (Bewegungsabläufe) trainiert werden müssen, damit sie einen sinnvollen Automatismus bekommen. (Wenn Du Dir beim Binden einer Schleife jedesmal die einzelnen Bewegungsabläufe vergegenwärtigen müßtest, würdest recht bald auf Klettverschlüsse umsteigen.) Was aber doch in vielen Beiträgen deutlich geworden ist: Daß es wichtiger ist, ein Bewußtsein für den Körper und für Bewegungsabläufe zu bekommen - also Technik in dem Sinne von "Yoga-Technik".
 
Haydnspaß

Haydnspaß

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Ein Teil der Motivation, Klavierspielen zu lernen ist sicherlich, etwas besonderes zu können und andere damit zu beeindrucken. Und da wird dann eben schnell klar, daß man mit einem langsamen Mozartstückchen oder einem Bach Menuett heutzutage nur minimalen Erfolg haben wird. Schnell und laut spielen macht Eindruck.Und das gilt - leider - nicht nur in hinsicht auf die Ahnungslosen, sondern sogar auf die Profis, dies eigentlich besser wissen müßten.
Wie gesagt, das Thema ist für mich beendet. Nur für den Fall, daß jemand diesen Beitrag von mir in den falschen Hals bekommen hat:

ich schätze es sehr hoch ein, wenn jemand langsame Mozartstückchen und Bach Menuette schön spielen kann. Leider gibt es nicht so viele Leute, die sowas zu schätzen wissen. Und mit den "Ahnungslosen" meinte ich die Leute, die sich grundsätzlich nicht für klassische Musik interessieren.
 
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violapiano

violapiano

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Lieber Haydnspaß.

ich schätze deine konstruktiven Hinweise sehr. Und sicher bin ich nicht allein damit.

Was die Sache oft schwierig macht sind Situationen wie diese:

ubik:
Hallo,
mal eine Frage: Was tut ihr alles, um eure Beweglichkeit der Finger zu fördern? Spielt ihr bestimmte Etüden, schnelle Stücke, usw.?
(...Fingerübungen machen etc)
Du: Nichts. Dann sinngemäß: manche haben diese und andere jene Finger, und Fingerübungen führen oft unbewusst zu Verkrampfungen.

Ob das dem ubik irgendetwas hilft?:confused:

Andererseits verdrehst Du leider auch oft Ausssagen deiner Vorschreiber, was sicher auch nicht gut ankommt Wir hatten die Situation ja auch schon zweimal. Was du schreibst, kann hin und wieder schon ziemlich provozieren.:p

Ich führe das auf deine Leidenschaft, das Thema Klavier betreffend zurück. Und darauf, dass Du Erfahrungen gemacht hast mit Übungen, die nach hinten losgegegangen sind.

Wirklich, Deine Leidenschaftlichkeit, mit der Du hier im Forum schreibst und gerne antwortest, gefällt mir sehr. Auch Dein Engagement, das immer spürbar ist, Deine Vorstellung, musikalisches Spielen in den Vordergrund zu stellen, auch das finde ich sehr löblich! Das macht Dich sehr besonders.:kuss:

Aber- sorry, wenn Du mir, wäre ich Deine Schülerin, solche Antworten geben würdest wie ubik, dann würde ich mir schnell einen anderen Lehrer suchen.;)

Lg
violapiano
 
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Haydnspaß

Haydnspaß

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Ob das dem ubik irgendetwas hilft?:confused:
Ich hoffe, es setzt einen Denkprozess bei ihm in Gang. Falls es das nicht tut, hilft es natürlich auch nichts.

Was du schreibst, kann hin und wieder schon ziemlich provozieren.:p
Dessen bin ich mir bewußt, und ich halte Provokation als Initialzündung für neue Erkenntnisse durchaus für nützlich.

Aber- sorry, wenn Du mir, wäre ich Deine Schülerin, solche Antworten geben würdest wie ubik, dann würde ich mir schnell einen anderen Lehrer suchen.;)
Vielleicht hättest du aber trotzdem etwas bei mir gelernt, auch wenn es dir im Moment noch nicht erkennbar ist. Wenn du mit meiner Art des Klavierspielens / meiner Überzeugung / meiner Art der Argumentation nicht zurechtkommen würdest, würde ich einen Lehrerwechsel auch für ratsam halten.
Meine Art zu unterrichten kann sich nur positiv auswirken, wenn der Schüler auch bereit ist, sich darauf einzulassen. Die Methode mag für jemanden, der vorher einen sehr strengen (auf Kontrolle, fixierte Handhaltung, Metronom etc ausgerichteten) Unterricht hatte, durchaus befremdlich wirken, so wie eine Art Bungee Jumping. Ich hab diese Phase ja auch erlebt, und es war als ob man mir den Boden unter den Füßen weggezogen hätte.
 
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violapiano

violapiano

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Ich meine, es werden zu viel Extreme skizziert, die in der Form im Forum gar nicht vorhanden sind. Warum?
Manchmal fühlt es sich so an, als sollen Diskussionen aufgespeitscht werden. Und dann ist es ja auch nicht vermeidlich, dass der eine oder andere mal hochgeht.....:cool:
 
Guendola

Guendola

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Auf diesen drei Seiten wird ja recht deutlich, daß es nicht an der Terminologie liegt. Vielleicht kommt aber die Musik in den Hauptrubriken dieses Forums tatsächlich zu kurz? Es wird ja viel nach Fingersätzen, Notenverständnis und Fingerübungen gefragt, aber daß sich mal jemand über grundlegende Interpretationsmöglichkeiten informiert, ist extrem selten. So gesehen muß ich sogar Haydnspaß recht geben, die Technik ist etwas überrepräsentiert. Und vielleicht stimmt es ja auch, daß viele Menschen nur noch nach Höchstleistungen streben, bzw. nach Möglichkeiten, andere zu beeindrucken. Aber bei den Leuten, die ich kenne, sah es so aus, daß sie (mich logischerweise eingeschlossen) zu Anfang froh waren, überhaupt zur richtigen Zeit die richtigen Töne zu treffen aber irgendwann drängte sich die Frage in den Vordergrund, warum gute Musiker selbst mit banalsten Tonfolgen noch schöner klingen als man selbst. Wenn einen dann nichts dazu drängt, die Ursachen zu erforschen, ist Klavierspielen vielleicht nur der Weg zum eigentlichen Hobby "Andere Beeindrucken".

Jedenfalls bin ich auf die Idee gekommen, ein neues Thema zu beginnen, in dem wir uns mal generell über die Möglichkeiten und allgemeine Hilfsmittel zur Interpretation beschäftigen können. Man könnte auch andere Fragen stellen, wie z.B. "warum klingt das bei mir so matschig" oder "was ist so besonders an der Spielweise von XYZ, daß sie direkt in den Magen trifft" etc. Ich werde das Thema aber vermutlich nicht mehr heute Abend starten. Wenn mir jemand zuvorkommen will, bittesehr ;)

PS: Musiker haben viel Blut im Herz, das muß gelegentlich auch mal vergossen werden, wenn man am Instrument nicht dazu kommt.
 
killmymatrix

killmymatrix

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Ob etwas sauber und schnell klingt ist für den Spieler selber auch einfacher zu beurteilen, als ob es "schön" und "angemessen" interpretiert klingt.

Auf der anderen Seite habe ich bisher nicht allzu viel Material zur eigentlichen Interpretation gefunden. Natürlich wird dieser Bereich immer nach vorne gerückt vor aller Technik steht die Arbeit an dem "künstlerischen Bild", an der Interpretation.

Aber warum etwas wie genau zu interpretieren ist, dafür wünschte ich mir irgendwie mehr Informationen, denn auch wenn irgendwann jahrelange Erfahrungen mit verschiedensten Stücken in Zusammenarbeit mit dem Lehrer einen irgendwie dazu bringen sollte, neue Stücke selbst angemessen zu interpretieren, gibt es doch sicherlich noch genug allgmeingültige "Regeln" oder einfache logische Dinge, die sich aber anfangs eventuell nicht sofort erschließen.

Um das Gebrabbel kurz zu fassen: Wo laut, wo leise, wo staccato, wo legato? Reines Ausprobieren ist ja nicht unbedingt ein verstandesmäßiger Weg, bei dem man am Ende sagen wird: "Jetzt habe ich alles durchgedacht und bin zu der mir momentan logischsten Lösung gekommen" oder so was in der Richtung.

Auf der einen Seite dürfte wohl geschichtliche Aufzeichnungen hilfreich sein, aber so gern ich über die Wichtigkeit des musikalischen Vortrags und der Interpretation lese, so habe ich doch immer wieder das Gefühl, zu wenig Material zur tatsächlichen Interpretation zu finden.

Dann gibt's ja noch die Frage: historisch interpretieren? Bach spielen, wie Bach eventuell gespielt hat? Horowitz hatte sich dazu in einem Interview mal geäußert, in etwa wie folgt: "Kein Mensch weiß heute, wie Scarlatti gespielt hat", insofern sollte man also nur die musikalische Aussage erfassen (so, das Stichwort: Wie definiert man so etwas? In Stimmung, Emotion, den reinen Gefühlen, die man beim Hören verbindet und wie weit muss man das herausarbeiten?) und umsetzen (und da wieder die Frage: wo legato, wo staccato, um die musikalische Aussage am besten rüberzubringen und wieso lässt sich etwas am besten so und so rüberbringen).

Ich hoffe, das wirkt jetzt nicht zu naiv, vielleicht bin ich auch einfach zu übermüdet und übersehe etwas. Ansonsten bin ich an allen Weblinks und Büchervorschlägen in der Richtung interessiert (und ich hoffe, ich bin nicht der einzige). :rolleyes:
 
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