Problem bei schneller Begleitung links

R

Romantiker

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Hi,

ich scheitere öfter an einem bestimmten Problem und ich kann noch nicht genau ergründen, woran das liegt. Und zwar sind es schnelle alberti oder ähnliche Begleitungen in der linken Hand. Oft sehen sie relativ einfach aus, da sie ja in ihrer Struktur immer gleich bleiben. In langsamem Tempo sind sie auch kein Problem. Aber wenn ich versuche sie in schnellem bis sehr schnellem Tempo zu spielen, dann kommt es häufig vor, dass die Hand fest wird, ich verkrampfe und auf halber Strecke quasi keine Kontrolle und keine Gleichmäßigkeit mehr habe.

Im Moment ist das konkret der Fall bei zwei Stellen aus Beethovens Chorfantasie (Noten hier: http://conquest.imslp.info/files/im...SIBLEY1802.18881.b30c-39087009411432score.pdf ) :
1. Das Thema (C-Dur) nach der Klaviereinleitung (Seite 6):
Das sind einfach nur Akkorde links geteilt in eine Terz und einen Einzelton immer jeweils nacheinander...keine Ahnung warum mir das so schwer fällt

hier hält es sich noch in Grenzen, viel schlimmer ist es bei der zweiten Stelle

2. Kurz nach dem Einsatz der Gesangssolisten gibt es eine Stelle (S.17) in der das Klavier mit Trillern rechts und einem extremst schnellen Albertibass links begleitet. Die Triller bekomme ich inzwischen gut hin in schnellem Tempo, aber links....ich über die Stelle hartnäckig mit Metronom und habe Tempo 100 mal als Ziel gesetzt. In halbem Tempo klappt das ganze noch sehr gut (und ist trotz halbem Tempo ja auch nicht wirklich "langsam") aber ich komme nicht einmal bis 3/4...es geht einfach nicht. irgendwie macht meine Hand zu und blockiert und ich weiß echt nicht mehr, was ich machen soll!
Ich übe an dem Stück schon lange Zeit, immer mal mit Pausen verschieden Teile. Aber im Moment ist für mich diese Stelle die schwerste (sic!) im ganzen Stück und nicht die virtuose Einleitung, die schnelle "Tonleiter" rechts mit Terz und Oktave am Ende oder sonst etwas, sondern genau diese Stelle.

Vermutlich gehört mit zu meinen Problemen, dass ich zu viel Bewegungen mache und zu wenig nur "aus den Fingern" spiele....kann das der alleinige Grund sein ?

Etwas verzweifelt,

Romantiker

Ich hoffe ihr habt vielleicht Tipps für mich, wie ich an die Stelle rangehen könnte, um sie in dieses wirklich rasante Tempo zu bringen.
 
rolf

rolf

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1. Problemstelle
versuch, mit total lockerem Handgelenk einfach die Hand schaukeln zu lassen, mit den Fingern nur unmerklich greifen
es kann sein, dass dein 5.Finger noch nicht stark genug ist: hilf ihm durch schaukelnden Armschwung
- dreh auch mal aus Jux die Begleitung um: unten Doppelgriff, oben mit dem Daumen Einzelton und schau, ob dir das leichter fällt

2.Problemstelle
bei sehr schnellen Albertibässen wird oft gejammert :) (Mondscheinsonate z.B.) -- auch hier Handgelenk so locker wie möglich, Hand ganz leicht machen, zum 5. Finger hin schaukelnden Drehschwung (aber nicht zuviel!! das dient der Entlastung der Finger: der schwingende/schaukelnde Arm nimmt den Fingern einen teil der Arbeit ab)
 
C

chiarina

Guest
Vermutlich gehört mit zu meinen Problemen, dass ich zu viel Bewegungen mache und zu wenig nur "aus den Fingern" spiele....kann das der alleinige Grund sein ?


Lieber Romantiker,

hm, einerseits schreibst du, die Hand wäre blockiert und "mache zu", andererseits schreibst du, du machest zu viele Bewegungen. Das ist eigentlich gegensätzlich. :)

Es ist fast unmöglich, hier zu sagen, woran das liegt. Wenn du Genaueres wissen willst, machst du eine Aufnahme (auch visuell!) nur von der linken Hand - dann weiß man mehr.

Meine Vermutung geht in die gleiche Richtung wie Rolf.

Eine der möglichen Bewegungsformen des Ellenbogengelenks ist die Rotation, bei der sich die Speiche um die Elle dreht. Du benutzt diese Bewegung zum Drehen eines Türknaufs oder Schlüssels (probier's mal imaginär in der Luft aus). Natürlich wirkt sich die Bewegung auf die anderen Gelenke aus, so dass nichts isoliert betrachtet wird, sondern alles durchlässig ist und reagiert.

Ich vermute mal, dass dir diese Bewegung fremd ist (sie wird auch bei Tremoli ........ benutzt). Kann das sein? Machst du vielleicht andere Bewegungen, die dich hemmen?

Was die erste Stelle angeht, ist eine der vielen Möglichkeiten, sie zu üben, dass du die Terz, also das innenliegende c1, erst mal weg lässt. Dabei kannst du die Rotation, wie Rolf sie beschrieben hat (schwingend-schaukelnde Bewegung zum 5. Finger und zurück) benutzen. Du schlägst also eher mit der Bewegung als mit den Fingern an. Die Finger bleiben dicht an den Tasten (Kontakt!) und der 5. Finger spielt so leicht wie möglich! Wenn dir die Bewegung fremd sein sollte, kannst du die Abfolge auch rhythmisieren, aber bitte immer noch ohne innenliegende Terz (ich habe auch mal irgendwo hier im Forum mehr Übungen dazu gepostet - man kann die Bewegung auch erst mal ganz groß auf dem Klavierdeckel/Tisch üben. Wichtig ist, dass das Handgelenk dabei nicht abgeknickt wird!)! Also punktiert üben etc. etc.. Dabei immer auf den langen Tönen entspannen! Später (erst wenn du das beherrscht, also keinesfalls am selben Tag :p!), evtl. erst nach der nächsten Übung die Terz mit hinzu nehmen. Dann ebenso punktieren etc. etc..

Wichtig bei der ganzen Sache ist, dass die Hand wirklich sehr leicht ist! Auf gar keinen Fall den Daumen zu sehr belasten (häufiger Fehler!!!)!!! Spiel auch bitte nicht tief in den Tastenboden, sondern eher bis zur Auslösung.

Eine weitere Übemöglichkeit ist, den 5. Finger leicht mit so wenig Gewicht wie möglich zu fesseln, Hand und Arm aber weich und elastisch zu belassen und die Terzen ganz weich und leise mit wenig Gewicht zu spielen. Immer darauf achten, dass alles durchlässig ist bzw. alles ohne Blockaden vom Rücken/von den Schultern in die Fingerspitzen strömen kann. Dein Sitz sollte stabil sein, also bitte nicht die Bewegungen, von denen ich hier spreche, mit dem Oberkörper ausführen.

Was die 2. Stelle angeht, ist dort die Bewegung grundsätzlich gleich. Auch hier Hand und Arm sehr leicht machen! Dicht an den Tasten spielen! Wenn du das langsam spielst und rhythmisierst (weißt du, welche Rhythmen man da nimmt?), achte darauf, dass du wieder ganz frei und durchlässig bist und die Rotation benutzt. Du kannst auch hier den ersten Ton einer Vierergruppe mit so wenig Gewicht wie möglich halten und dann die folgenden Terzen immer wieder wiederholen. Hand und Arm geben dabei nach wie eine Gummihand oder ein Tintenfisch. Das kannst du auch rhythmisieren.

Wenn einem etwas schwer vorkommt, kann es sein, dass man vieles mit Kraft macht oder sich vor Anstrengung verspannt. Daher muss das Ziel erst einmal sein, Geduld zu haben und anstrengungslos zu spielen, auch wenn das erst einmal sehr langsam sein sollte. Auf der Basis kannst du dann das Tempo allmählich erhöhen.

Liebe Grüße

chiarina
 
S

sephilosophia

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Als Linkshänder habe ich dieses Problem eher nicht. Dafür - was Wunder - in der rechten Hand. So z.B. zur Zeit im 2. Satz der "Appassionata" ab Takt 57 (nicht, dass jemand glaubt, ich könne die Appassionata. Mir gefällt der 2. Satz außerordentlich gut, darum übe ich mich darin - der 1. und 3. Satz sind jenseits des Machbaren in diesem Leben für mich). Die Figur ist wie ein Albertibass, auch wenn sie ein paar Lagen weiter oben gespielt wird. Des-As-G-As, Des-B-A-B - und das in 32teln führt unweigerlich zu Verkrampfungen. Ich merke auch, dass mir mein Rücken weh tut, nachdem ich die Stelle lange geübt habe. Einzig machbarer (und in meiner Henle Ausgabe angeführter) Fingersatz für das Tempo ist (Takt 57-59) 2432143414321545143214341434154514341434143414343...

Das Problem ist, dass bei gesteigertem Tempo mein 5. Finger nicht mehr ruhig (d.i. unabhängig) bleibt und damit erstens die Treffsicherheit verloren geht (Antenne!) und zweitens die Verkrampfung schon da ist, obwohl er noch gar nicht spielen muss. Darüber hinaus ist für die Finger 3 und 4 einfach sooo wenig Platz nebeneinander auf G und As.
Ich übe immer mit MM 40 auf die 1/4. Habe mehrere Aufnahmen der Beethovensonaten in meinen CDs, etwa Gilels, Kempff, Arrau, wobei die beiden ersten deutlich zügiger vorangehen, Arrau aber die Sache recht langsam angeht.

Ideen, abgesehen davon, dass die Sonate noch weit über meinem Können liegt? Werde mich einmal an Chiarinas Tipps halten.
 
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