Mozarts "falsche Reprise" KV 545

motz-art

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Soweit mir Mozarts Werke in Sonatenform bekannt sind, existiert kein Stück, das den Repriseneinsatz in der falschen Tonart aufweist. Ausnahme KV 545. Hier setzt die Reprise in der Subdominante F-dur ein. Warum bloß?
Eine winzige Änderung am Ende der Durchführung und alles wäre im Lot.
Etwas so:

https://www.dropbox.com/s/czhqopap6li15z4/Mozart Alternative.jpg

Ich vermute immer noch, dass Mozart hier eine(n) SchülerIn ärgern wollte weil die folgenden Läufe in F-dur ganz schön fingerhakelig sind.
Jeder Klavierlehrer weiß, wie "gerne" SchülerInnen Reprisen üben.
Oder hat jemand einen anderen Vorschlag?
 
P

pianovirus

Guest
Das ist eine schöne Idee, motz-art!
"Was wäre, wenn...?" könnte man noch mit vielen anderen Werken mit spannenden Ergebnissen machen!! (wir hatten ja auch mal über das Ende der d-Moll-Fantasie gesprochen)

Was die Reprise in F-Dur angeht, spekuliere ich aber mal, um die Finger ging es Mozart dabei allerhöchstens zum kleinen Teil.

Ich sehe da vor allem die schöne (für Mozart irgendwie typische) Ironie, in einem Werk, welches in allem anderen vorgibt, die Elemente der klassischen Sonate einem "Anfänger" mustergültig und in einfachster Form zugänglich zu machen, in so einem prominenten Punkt gerade vom Formschema abzuweichen.

Ich glaube, damit sagt Mozart dem im Titel angesprochenen "Anfänger", sicher mit einem Augenzwinkern, dass es bei jeder Form eben nicht um die "Gelehrtheit" um ihrer selbst willen, um Erfüllung von Formkriterien geht, sondern um das Spannungsfeld zwischen Erfüllung und Überraschung von Hörerwartungen. Dieses Spiel hat wohl niemand so wunderbar spielen können wie Mozart....
 
F

frnci

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Vielleicht hat es ihm einfach nur Freude bereitet dass sein Klassiker für Anfänger unter seinen Sonaten einen musikalischen Haken hat.
(Ich kann mir das richtig vorstellen wie er sich beim Unterrichten über diesen Spaß gefreut hat:D:D)
 
walsroderpianist

walsroderpianist

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Nein, der Grund ist ein ganz anderer.
Mozart wusste, wieviele Schul- und Lehrbücher nach seiner Zeit mit Erläuterungen und Beispielen eben der "Sonatenhauptsatzform" vollgeschrieben werden würden. Niemand wäre zu seiner Zeit auf die Idee gekommen, dazu schriftliche Regelwerke zu verfassen.
So etwas, das heißt der Erschaffung diese Monsterworts und seiner musikwissenschaftlichen Exegese wollte er eine lange Nase drehen, indem er die falsche Reprise einführte; so haben Musikleistungskursschüler und Lehrer etwas, was sie als tolles Fundstück sich an die Fahnen heften können. Oder so.
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
.marcus.

.marcus.

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Vielleicht hat er auch einfach vergessen, dass die Sonate eigentlich in C-Dur steht.
 
motz-art

motz-art

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Ich empfinde (und zwar nicht nur im Hinblick auf meinen Beruf als Musiklehrer) die falsche Reprise als ästhetisch durchaus störend!
Da hier offensichtlich Absicht vorliegt scheint mir meine These immer noch die überzeugendste zu sein!
 
 

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