Kreatives/ Vielseitiges Üben am Beispiel der zweistimmigen Invention Nr.8

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Hacon

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Hallo,
vorgestern hatte ich seid einem Jahr Pause erstmals wieder Unterricht bei meiner richtigen Lehrerin. Unter anderem habe ich ihr die Invention Nr.8 vorgespielt, die ich zu Hause noch problemlos im Tempo durchspielen konnte.
Dementsprechend hab ich mich fürchterlich geärgert, als ich, meiner Lehrerin vorspielend, alle 10 Sekunden rausgeflogen bin.

Wir haben dieses Problem dann gestern im Chat besprochen und Stilblüte hat ein wie ich finde sehr passendes Problemmodell aufgestellt:

Man will aus irgendwas - z.B. einem Stück Knete- eine Kugel formen. Jedoch bearbeitet man immer nur ein und dieselbe Seite und schaut die anderen Seiten der Kugel gar nicht erst an. Im Endeffekt ist die Seite, die man betrachtet, schön geformt, doch der aussenstehende Betrachter will auch die anderen Seiten sehen und nun fliegt auf, dass die Kugel eben doch nicht so schön geformt ist, wie gedacht.

Dieses Modell ist nun zu übertragen aufs Klavierspielen. Beim Klavierspielen bestehen die Seiten aus verschiedenen Systemen:
Fingergedächtnis, Tongedächtnis ( wie gut höre ich das Stück innerlich), Visuelles Gedächtnis ( habe ich bildlich im Kopf, welche Tasten ich greifen muss; hab ich vielleicht sogar a la fotographisches Gedächtnis die Noten bildlich im Kopf).
Da gibts bestimmt noch mehr, aber zumindest das bei mir die drei Hauptgedächtnisstützen.

Um Blütes Theorie fortzusetzen: Zu Hause spielt man das Stück eben im Extremfall ausschließlich mit Fingergedächtnis durch, beim Vorspielen fällt dieses wegen Nervosität aus; springt nun nicht ein anderes System ein, dann fliegt man raus.

D.h. man muss ein Stück vielseitig üben, damit es wirklich sitzt, auch dann, wenn es zu Hause perfekt klappt.

Und genau darum gehts mir hier. Beispiel ist eben die 8.Invention.

Was ich jetzt im Kopf habe:

- beide Hände getrennt auswendig üben ( Blütes Tip:D) Dazu könnt ich mir noch erschwerend vorstellen:
Während die eine Hand ihren Part ( da werden wohl erstmal mehr als paar Takte nicht klappen) auswendig spielt, spielt die andere Hand irgendeinen Unfug dazu, z.B. am einfachsten chromatische Tonleiter

(- mit beiden Händen nur das erste Thema ( bzw. das zweite Thema) spielen und alles andere weglassen ( um harmonischen Verlauf zu kapieren) ( hab ich allerdings noch nie probiert:D))

- altmeisterliche Methode: Stück mental durchspielen. Da wäre ich dann allerdings eher fürs Transponieren. Ist ja laut Franz der perfekte Ersatz.

- Stück aufschreiben. Könnt ich mir bei dem Stück sogar vorstellen. Man könnt sich ja ans Klavier setzen und sich bildlich vorstellen, welche Tasten man greifen muss und dann aufschreiben.

- Tonleitern als Oktaven ( Oktavparallelen) spielen. Da wird man sich glaub erstmal bewusst, dass man doch bisschen zu sehr mit Fingergedächtnis spielt und die Tonleiter nicht wirklich begriffen hat.

- Das erste Thema ( das in Achteln) immer als Akkord greifen, während das Stück ansonsten ganz normal durchgespielt wird. Das dürfte wieder das harmonische Verständnis fördern.

Mehr fällt mir jetzt nicht ein. Ansonsten eben die Standartmethode langsam und laut ( das war bei mir jetzt wohl das Hauptproblem, hab ich leider aus Selbstüberschätzung/ Übereifer komplett vergessen:rolleyes:)

Was sagt ihr dazu? Wie kann man ein Stück noch vielseitiger üben?
Franz, ich zähl auf dich, du hast doch immer so tolle Ideen:D

Liebe Grüße
Hacon
 
Haydnspaß

Haydnspaß

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Bei solchen motorischen Stücken - also Stücken, die nicht durch lange Noten und/oder Pausen vom Komponisten bereits vorstrukturiert sind - finde ich es sehr hilfreich, bewußt Zäsuren zu setzen. Zumindest beim Üben sollte man den Verlauf so Zerlegen, daß nach jeder "Figur" genügend Zeit ist zum Entspannen. Also ein Anti-Motorisches Element. Die "Figuren" können dabei sehr kurz sein, 6 Noten,manchmal auch nur 4 oder 2 Noten. Jede Figur dann bewußt ruhig ausklingen lassen, bevor man die folgende Figur spielt. Das geht natürlich nicht, wenn nebenher ein Metronom tickt.
 
B

Bachopin

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Hi Hacon,

wer kennt das nicht, seufz.

Bin zwar nicht der Franz, aber ich hab nochwas: ;-)

  1. Auswendig Takt für Takt (nach vorne arbeitend) von hinten beginnen
  2. Auswendig deutlicher schneller spielen als Zieltempo (ca. 20%)
  3. Stress Faktoren beim Spielen einbauen (Video Aufnahme, Zuhörer, wenn ich einen Fehler mache, muss ich 50 Euro verbrennen (oder irgend etwas anderes ;-) ), etc.)

Gruß
 
F

Franz

Guest
Was sagt ihr dazu? Wie kann man ein Stück noch vielseitiger üben?
Franz, ich zähl auf dich, du hast doch immer so tolle Ideen:D

Zuerst eine paar Fragen an Dich:
"Kannst Du das Stück zu Hause in gemütlichem Tempo flüssig durchspielen und gleichzeitig die Noten mitlesen?

Hast Du durch das Auswendiglernen dem Bezug zu den Noten möglicherweise verloren?

Hast Du das Stück formal analysiert?
 
H

Hacon

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Hallo,
schön, dass ihr so schnell geantwortet habt.
Bei solchen motorischen Stücken - also Stücken, die nicht durch lange Noten und/oder Pausen vom Komponisten bereits vorstrukturiert sind - finde ich es sehr hilfreich, bewußt Zäsuren zu setzen. Zumindest beim Üben sollte man den Verlauf so Zerlegen, daß nach jeder "Figur" genügend Zeit ist zum Entspannen. Also ein Anti-Motorisches Element. Die "Figuren" können dabei sehr kurz sein, 6 Noten,manchmal auch nur 4 oder 2 Noten. Jede Figur dann bewußt ruhig ausklingen lassen, bevor man die folgende Figur spielt. Das geht natürlich nicht, wenn nebenher ein Metronom tickt.
Haydnspaß, irgendwie hab ich das Gefühl, du hast die Frage falsch verstanden. Das was du meinst, zielt doch darauf ab, das Stück manuell hinzubekommen, ohne zu verkrampfen. Du verwendest ja den Begriff " Entspannen". Darum gings mir ja aber gar nicht. Ich bekomms ja manuell hin, aber ich will halt beim Vorspielen nicht ständig rausfliegen.

Hi Hacon,

wer kennt das nicht, seufz.

Bin zwar nicht der Franz, aber ich hab nochwas: ;-)

  1. Auswendig Takt für Takt (nach vorne arbeitend) von hinten beginnen
  2. Auswendig deutlicher schneller spielen als Zieltempo (ca. 20%)
  3. Stress Faktoren beim Spielen einbauen (Video Aufnahme, Zuhörer, wenn ich einen Fehler mache, muss ich 50 Euro verbrennen (oder irgend etwas anderes ), etc.)

Gruß
Den ersten Punkt werd ich mal anwenden. Beim zweiten Punkt dachte ich eben, mich verlesen zu haben. Wenn ich auswendig spiele, dann versuche ich eher, so langsam wie möglich, denn dadurch wird das Fingergedächtnis ausgeschaltet. Was soll das schnelle spielen bringen? Zum dritten Punkt: Wenn sich die Möglichkeit ergibt, nutze ich sie natürlich. Nur Aufnehmen geht grad nicht.

Zuerst eine paar Fragen an Dich:
"Kannst Du das Stück zu Hause in gemütlichem Tempo flüssig durchspielen und gleichzeitig die Noten mitlesen?

Hast Du durch das Auswendiglernen dem Bezug zu den Noten möglicherweise verloren?

Hast Du das Stück formal analysiert?
Hallo Franz, auf deine Frage hin hab ich das Stück eben nochmal durchgespielt.
1.) Ja, ich kann es ohne Probleme im gemütlichen Tempo flüssig durchspielen und gleichzeitig die Noten mitlesen.
2.) Kann gar nicht sein. Ich habs nämlich noch gar nicht auswendig gelernt:D Ich hab nur in der letzten halben Stunde den Dur-Teil auf Blütes Rat hin auswendig gelernt, und zwar mit beiden Händen getrennt. Dieser Teil klappt jetzt auswendig auf beide Arten und das vom-blatt spielen geht genau so gut, hab ich ja eben probiert.
3.) Nein, ich habe es nicht formal analysiert. Da fehlt mir leider das nötige Theorie-Wissen.

Ein hübsches Spiel, wenn man jemanden hat, der das Stück ebenfalls beherrscht, und wenn im Idealfall zwei Instrumente zur Verfügung stehen: Jeder spielt abwechselnd einen Takt. (Der andere kann ja nach Noten spielen.) Wenn nur ein Instrument zur Verfügung steht, muß man das Ganze oktavversetzt inszenieren. Meinen Kleinen macht so etwas immer einen Haydnspaß. Vor allem, weil sie in der Regel besser auswendig lernen als ich und sich dann ein Vergnügen machen, ihren Lehrer auszukegeln.
Die Idee ist wirklich klasse:D
Leider ist meine Lehrerin die einzige, die dazu in Frage kommen würde.
Das hat ja gleich zwei Effekt: Zum einen die Kontrolle, ob mans wirklich auswendig kann, zum anderen der Vorspieleffekt ( meine Lehrerin kanns ja direkt perfekt, und weil ich das mit dem Taktüberspringen nicht so gut kann wie sie, komm ich ganz schön ins Schwitzen:D)

Aber eigentlich kann man den Punkt auch so in die Liste einfügen:
- Auswendig spielen und aber immer nur jeden zweiten Takt. Damit das funktioniert muss man den Takt dazwischen innerlich hören, also im Tongedächtnis haben.
Das werd ich auch ausprobieren.
 
B

Bachopin

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Hi Hacon,

...
Beim zweiten Punkt dachte ich eben, mich verlesen zu haben. Wenn ich auswendig spiele, dann versuche ich eher, so langsam wie möglich, denn dadurch wird das Fingergedächtnis ausgeschaltet. Was soll das schnelle spielen bringen?
...

unterschätze diese Methode nicht!! ;-)

Ich halte sie für absolut wichtig. Ich denke viele Profis wenden sie an.

Wenn du ein Stück auswendig 20% schneller als das Zieltempo spielen kannst, dann hast du beim Aufführen im Zieltempo folgende Vorteile:

  1. eventuelle verbrogenen technische Schwierigkeiten gibt es sicher nicht mehr, da du es ja viel schneller kannst
  2. das Gehirn hat jetzt sozusagen 20% Reserve und man kann sich dadurch auf andere Dinge konzentrieren (z. B. mental vorausspielen, Strukturen verfolgen, etc.)

Gruß
 
Haydnspaß

Haydnspaß

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Haydnspaß, irgendwie hab ich das Gefühl, du hast die Frage falsch verstanden. Das was du meinst, zielt doch darauf ab, das Stück manuell hinzubekommen, ohne zu verkrampfen. Du verwendest ja den Begriff " Entspannen". Darum gings mir ja aber gar nicht. Ich bekomms ja manuell hin, aber ich will halt beim Vorspielen nicht ständig rausfliegen.

Ich hab deine Frage sehr gut verstanden 8)

Aber ich bin 130 Prozent sicher, daß dein Rausfliegen durch deine Unlockerheit verursacht wird.
 
rolf

rolf

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hallo,

nachdem ich alle hier gemachten Ratschläge durchgelesen habe, möchte ich eine ganz andere Betrachtungsweise vorschlagen: es geht ja um ein Stück, welches offenbar zuhause problemlos durchlief, aber beim Vorspielen wohl ständig stockte. Also liegen keine technischen/motorischen Mängel vor, sodass erst gar nicht irgendwelche Teilaspekte (Fingergedächtnis etc.) isoliert abgeklopft werden müssen.

es scheint also eher eine Frage der Konzentration bzw. des gar zu leicht irritiert werdens zu sein. Hier schlage ich vor, sich möglichst intensiv auf den VERLAUF, auf den klingenden Verlauf des Stücks zu konzentrieren und an nichts anderes denken zu wollen. Also: kein "wo bin ich", "wie heisst dieser Griff", "was kommt jetzt" etc - das alles lenkt ab.

Musik bewegt sich in der Zeit, und nachdem man alle notierten Eigenarten eines Musikstücks (Struktur, Harmonik, manuelle Umsetzung etc etc) gelernt bzw. im besten Fall in sich aufgenommen hat, ist das einzige, was während des Spielens überhaupt gewollt, miterlebt und "gedacht/empfunden" werden soll seine Klangrede, also sein Verlauf quasi als "Erzählen in Klängen". Vereinfacht gesagt: man muss während des Vospielens genau das sagen wollen, was man mit dem Musikstück erzählt -man erzählt eins zu eins im Verlauf das Stück. Und klar wird nun: niemand will mit einer z.b. Invention demonstrieren/erzählen "hier weiss ich nicht weiter" oder "hier ist es knifflig, schaut mal her" usw usw - - mit anderen Worten: schlüpft man in die Rolle des "Klangerzählers", sollte man die Illusion dieser im Moment zu sein, nicht verlassen.

Also Intensität des sich hinein versetzens und Konzentration auf den Klangverlauf - - - natürlich NACH den technischen Hausaufgaben.

und zur Konzentration gehört eben auch, die während des neu erarbeitens geleisteten motorischen Angelegenheiten hinter sich zu lassen, denn nachdem sie bewältigt wurden, sind sie nicht mehr der zentrale Gegenstand - irgendwo war mal vom "loslassen" können die Rede: gar nicht so falsch!

mal so als Denk- oder Überlegungsanstoß

Gruß, Rolf
 
Haydnspaß

Haydnspaß

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Dieses "daheim hab ich's aber noch gekonnt!" ist uns Klavierlehrern nur allzu vertraut 8)

Ich hab da schon oft um Beweise nachgefragt, also um eine Aufnahmen von Zuhause, wo es angeblich klappt, obwohl es im Unterricht nicht klappt. Hab noch keinen solchen Beweis zu Gehör bekommen. Es klappt nämlich auch zuhause nicht. Aber man bildet sichs halt ein, weil mal klappt die eine Stelle, mal klappt die andere Stelle, und dann glaubt man halt: eigentlich kann ichs ja, die Ausrutscher waren Zufall.

Natürlich ist es eine Konzentrationssache, aber die Fähigkeit zur Konzentration muß eben auch zuhause geübt werden, nicht erst beim Vorspiel.
 
C

classican

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Hi Hacon,
wie konzentriert warst du eigentlich?Für mich klang dein erster Post, als wolltest du deiner ehemaligen KL irgendetwas beweisen, hättest dich daher auf rein maschinelles Abspulen versiert und das nachträgliche Ärgern über etweigiges Rausfliegen macht die Musik dann völlig kaputt.
Hat deine Lehrerin dazu etwas gesagt (Stichwort motorisches Spiel, etc..:rolleyes:)?
Da würde ja nur eine geistige Umstellung helfen, zu der du jetzt ja den ersten Schritt schon gemacht hättest.
Bevor du dich über diesen fast vorwurfsvoll klingenden Beitrag wunderst, mir ging es vor einem halben Jahr so ;)
Aber um etwas zu schreiben was du auch hören wolltest: legato mal in staccato, nur eine Hand staccato, jede 2. Note akzentuiert....
Und dabei dann nicht nur auf den manuellen Aspekt achten (der zumindest mir bei einer Hand staccato zu schaffen machen kann), sondern den Unterschied auch hören, bewusst hören.
Und theoretisches Wissen eignet sich m.E. sehr schnell an, schnapp dir vl. also mal die allgemeine Musiklehre als Basis und lese ein paar Interpretationen um ein Gefühl für alle Punkte zu bekommen.
Liebe Grüße und baldigen Erfolg,
classican
 
H

Hacon

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Wenn du ein Stück auswendig 20% schneller als das Zieltempo spielen kannst, dann hast du beim Aufführen im Zieltempo folgende Vorteile:

  1. eventuelle verbrogenen technische Schwierigkeiten gibt es sicher nicht mehr, da du es ja viel schneller kannst
  2. das Gehirn hat jetzt sozusagen 20% Reserve und man kann sich dadurch auf andere Dinge konzentrieren (z. B. mental vorausspielen, Strukturen verfolgen, etc.)

Gruß
Jetzt weiß ich, was du meinst. Umgekehrt hat meine Lehrerin, die ich jetzt losbin, gesagt, ich soll beim Vorspielen nur in 80% Geschwindigkeit durchspielen.
Aber ich glaube, dass du, Bachopin, hier was verwechselt hast und deswegen hab ichs missverstanden.
Ich hab ja nach Übemethoden gefragt. Und es macht wirklich keinen Sinn, das Stück rasend schnell zu spielen und sich dann einen Übeeffekt zu erhoffen.
Allerdings ist es natürlich wirklich sinnvoll, beim Vorspielen 20% Tempo wegzunehmen.

Ich hab deine Frage sehr gut verstanden 8)

Aber ich bin 130 Prozent sicher, daß dein Rausfliegen durch deine Unlockerheit verursacht wird.
Meinst du jetzt physische oder mentale Unlockerheit? Physische Unlockerheit, also Verkrampftheit, so kann ich dir versichern, ist hier echt nicht das Problem. Technisch hab ich nicht wirklich Probleme mit der Invention. Mental Unlocker- klar, das ist ja nichts anderes als die Nervosität beim Vorspielen.

es scheint also eher eine Frage der Konzentration bzw. des gar zu leicht irritiert werdens zu sein. Hier schlage ich vor, sich möglichst intensiv auf den VERLAUF, auf den klingenden Verlauf des Stücks zu konzentrieren und an nichts anderes denken zu wollen. Also: kein "wo bin ich", "wie heisst dieser Griff", "was kommt jetzt" etc - das alles lenkt ab.

Musik bewegt sich in der Zeit, und nachdem man alle notierten Eigenarten eines Musikstücks (Struktur, Harmonik, manuelle Umsetzung etc etc) gelernt bzw. im besten Fall in sich aufgenommen hat, ist das einzige, was während des Spielens überhaupt gewollt, miterlebt und "gedacht/empfunden" werden soll seine Klangrede, also sein Verlauf quasi als "Erzählen in Klängen". Vereinfacht gesagt: man muss während des Vospielens genau das sagen wollen, was man mit dem Musikstück erzählt -man erzählt eins zu eins im Verlauf das Stück. Und klar wird nun: niemand will mit einer z.b. Invention demonstrieren/erzählen "hier weiss ich nicht weiter" oder "hier ist es knifflig, schaut mal her" usw usw - - mit anderen Worten: schlüpft man in die Rolle des "Klangerzählers", sollte man die Illusion dieser im Moment zu sein, nicht verlassen.

Also Intensität des sich hinein versetzens und Konzentration auf den Klangverlauf - - - natürlich NACH den technischen Hausaufgaben.

und zur Konzentration gehört eben auch, die während des neu erarbeitens geleisteten motorischen Angelegenheiten hinter sich zu lassen, denn nachdem sie bewältigt wurden, sind sie nicht mehr der zentrale Gegenstand - irgendwo war mal vom "loslassen" können die Rede: gar nicht so falsch!

mal so als Denk- oder Überlegungsanstoß

Gruß, Rolf
Hallo Rolf, ich verstehe genau, was du meinst. Das ist sicherlich auch notwendig und würde ich es schaffen, mich da so hineinzuversetzen, also nichts mehr außer der Musik wahrzunehmen, dann würde es bestimmt besser klappen. Und das versuche ich auch!

Dieses "daheim hab ich's aber noch gekonnt!" ist uns Klavierlehrern nur allzu vertraut 8)

Ich hab da schon oft um Beweise nachgefragt, also um eine Aufnahmen von Zuhause, wo es angeblich klappt, obwohl es im Unterricht nicht klappt. Hab noch keinen solchen Beweis zu Gehör bekommen. Es klappt nämlich auch zuhause nicht. Aber man bildet sichs halt ein, weil mal klappt die eine Stelle, mal klappt die andere Stelle, und dann glaubt man halt: eigentlich kann ichs ja, die Ausrutscher waren Zufall.

Natürlich ist es eine Konzentrationssache, aber die Fähigkeit zur Konzentration muß eben auch zuhause geübt werden, nicht erst beim Vorspiel.
Haydnspaß, sicherlich werde ich ein Stück, welches ich beim Vorspielen überhaupt nicht hinbekomme, auch zu Hause nicht vollständig hinbekommen. Aber man macht doch auf jeden Fall zu Hause weniger Fehler als beim Vorspielen. Und zu der Sache mit den Aufnahmen: Warum hast du wohl noch keine bekommen? Na, gerade du, also jemand, der sich ständig aufnimmt, müsstest doch wissen, dass man beim Aufnehmen plötzlich auch wieder mehr Fehler macht. Das kennt doch jeder. Oder DU bist schon so ans aufnehmen gewöhnt, dass das für dich kein Problem mehr darstellt.

Hi Hacon,
wie konzentriert warst du eigentlich?Für mich klang dein erster Post, als wolltest du deiner ehemaligen KL irgendetwas beweisen, hättest dich daher auf rein maschinelles Abspulen versiert und das nachträgliche Ärgern über etweigiges Rausfliegen macht die Musik dann völlig kaputt.
Hat deine Lehrerin dazu etwas gesagt (Stichwort motorisches Spiel, etc..:rolleyes:)?
Da würde ja nur eine geistige Umstellung helfen, zu der du jetzt ja den ersten Schritt schon gemacht hättest.
Ich gebe zu: Nach dem ersten Verspieler ( gleich in Takt 2) hab ich neu angefangen und die Konzentration war natürlich erstmal wieder weg. Naja, das mit dem Beweisen...hm.. Beweisen direkt kann mans vielleicht nicht nennen, weil ich ihr sonst immer schwierige Stücke vorgespielt hab, aber da ist schon was dran. Schließlich hat sie mich halt so lange nicht mehr gehört. Also da ist auf jeden Fall was dran.

Ob meine Lehrerin was dazu gesagt hat? Kein Wort. Ich hab mich halt innerlich geärgert und hab gesagt dass ich nervös war, zum ersten Mal Bach vorzuspielen und mich deswegen so oft verspielt hab. Sie hat nichts dazu gesagt. Ich mein, sie kann ja auch nicht wirklich meckern: Sie erwartet nicht von mir, ein Stück innerhalb einer Woche auf Vorspielniveau zu bringen.
 
D

Debbie digitalis

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Hallo Hacon,

ich kenne dein Problem! Es handelt sich meines Erachtens um eine Art von unproduktivem Lampenfieber beim Vortragen vor dem Lehrer. Die Lehrer mögen bezweifeln, ob man das Stück zuhause wirklich mal flüssig konnte - ich kenne das auch: zuhause kann man es zig-mal ohne Fehler spielen und wenn man dann dem Lehrer was präsentieren will (und es ist einem wirklich wichtig, dass es klappt) entstehen Fehler an Stellen, wo sie sonst niemals entstehen oder es bringen uns richtige Töne/Akkorde nur deswegen völlig aus dem Konzept, weil wir sie im Kampfe des Gefechts mit der falschen Dynamik gespielt haben. Wenn der Faden erst mal richtig verloren ist, erkennen wir dann selbst die unterschiedlichen Oktaven auf dem Klavier nicht mehr.

So habe ich es selbst schon erfahren. Und zuhause aufnehmen ist auch keine andere Situation: Das ist eben sehr ähnlich wie dem Lehrer vorspielen. Ich glaube auch, dass das vorwiegend ein Problem von Erwachsenen ist. Kinder und Jugendliche haben da einen anderen Zugang. Der Sohn einer Freundin von mir macht immer die Zimmertür zu, wenn er Querflöte übt. Er spielt schon sehr lange und sehr gut und braucht dennoch offenbar (mit 22) immer noch die Illusion, dass ihn keiner hört und dass er nur seiner eigenen kritischen Stimme ausgesetzt ist.

Eine Lösung für das Vorspielproblem habe ich auch nicht. Allerdings habe ich bei meiner Repertoirepflege festgestellt, dass ich mehr Sicherheit gewinne, wenn ich alte Stücke wiederhole und dabei feststelle, dass ich sie mir musiktheoretisch besser erklären kann als zu dem Zeitpunkt, als ich sie zum ersten Mal erlernt habe. Dann finden sich mehr Anker, die mich auch beim Einsetzen von Nervosität/Verunsicherung sicher weiterleiten.

Vielleicht hilft dir diese Erfahrung etwas!:rolleyes:

Liebe Grüße

Debbie digitalis
 
D

dussek

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Also ich halte von dieser Vorstellung, dass man durch möglichst viele Arten der Aneignung eines Stücks eine umso höhere Sicherheit erlangt, ziemlich wenig. Letztendlich muss man eben nach wie vor die richtige Taste zur richtigen Zeit treffen, d. h. die Technik liegt eben doch vor allem in den Fingern. Wenn ich das verwirklichen will, was mir vorschwebt, dann muss ich mir vorstellen und vorfühlen können, welche Taste(n) ich mit welchem Finger mit welcher Spannung usw. anschlagen muss. Und zwar muss das in dem Sekundenbruchteil vor der Ausführung geschehen. Wenn ich das nicht kann nützt es nichts, wenn ich mir die Noten bis hin zur Bestellnummer bildlich vorstellen kann oder das Stück rückwärts mit der Nasenspitze geübt habe.

Für mich selbst bin ich daher zu dem Schluss gekommen, dass Üben und Übetempo einfach darauf abzielen, diesen ständig sich wiederholenden Ablauf realisieren zu können:

1. Vorstellen, wie sich der nächste Anschlag oder die nächsten Anschläge anfühlen
2. Ausführung
3. Kontrolle

Das Übetempo steigert sich dann in dem Maß, wie dieser Ablauf reibungslos gelingt. Wieder und wieder langsam zu üben nur um der Langsamkeit willen halte ich daher für Zeitverschwendung.


Zum Ausgangsproblem: Könnte es nicht daran liegen, dass es bei der neuen KL nicht geklappt hat, dass deren Klavier vielleicht im Klang und Anschlag wesentlich von deinem häuslichen Instrument verschieden ist? Um z. B. auf einem wesentlich leicht- oder schwergängigeren Klavier ein ähnliches Ergebnis zu erzielen wie gewohnt muss man ja schon seine Spielweise etwas umstellen, und wenn das ad hoc geschehen muss, kann das leicht zu Unsicherheiten führen, die mit mangelnder Technik oder Gedächtnis gar nichts zu tun haben.
 
Mindenblues

Mindenblues

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Jetzt weiß ich, was du meinst. Umgekehrt hat meine Lehrerin, die ich jetzt losbin, ich soll beim Vorspielen nur in 80% Geschwindigkeit durchspielen.

Die Lehrerin, die du jetzt los bist?

Hacon, nach allem was ich jetzt gelesen habe, glaube ich, dass Haydnspaß recht hat. Du bist beim Vorspiel weder locker in den Händen noch mental.

Hast du dich mal gefragt, was denn genau anders ist beim Vorspiel als zu Hause? Ist es das andere Instrument? Oder die Vorspielsituation beim Lehrer? Irgendwelche Ursachen muss es ja schließlich geben, oder? Jedenfalls bei mir ist es weniger das andere Instrument, da kann ich mich im Laufe der Unterrichtsstunden mit anfreunden. Es ist die Vorspielsituation, die man lernen muß, in den Griff zu bekommen.

Ich kann nur voll und ganz dem Tip von Stilblüte zustimmen: getrennt auswendig lernen. Aus mehreren Gründen:
1) Hauptgrund: dadurch lernst du, auf die Stimmen getrennt zu hören. Das ist eigentlich das allerwichtigste
2) falls du in einer Stimme ins Straucheln kommst, zieht dich die andere Stimme mit
3) es ist die sicherste Auswendiglernmethode

Ich versichere dir, wenn du diese Invention getrennt auswendig drauf hast, ist sie noch in 50 Jahren abrufbereit. Und diese Invention ist so eine Investition wert.
 
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Guendola

Guendola

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Ich finde, daß die Inventionen von Bach ziemliche Ansprüche an die Konzentration stellen. Zu hause hat man die Ruhe weg und merkt überhaupt nicht, wie sehr man bei der Sache ist. Wenn aber der neue Lehrer zuhört, möchte man natürlich sofort beweisen, welches Potential in einem steckt und diese "Beweislast" stört die Konzentration. Selbst bei Lehrern, die man schon gut kennt, möchte man ja gerne die Fortschritte demonstrieren, zeigen, daß man die Anregungen aus der letzten Stunde umgesetzt hat oder selbst neue Ideen hatte etc. Ich stolpere dauernd über solche Situationen, und zwar so lange, bis ein Stück endlich "fertig" ist.

Einerseits hilft da natürlich eine größere Konzentrationsfähigkeit, zum anderen muß man die Stücke einfach sicherer beherrschen. Aber da man im Unterricht selten Stücke spielt, die man sicher beherrscht, werden solche Situationen immer wieder vorkommen, und das ist auch gut so. Denn schließlich lernt man ja durch seine Fehler und wenn man keine macht, weiß der Lehrer auch nicht, wo er einen fördern soll.

Ob die ganzen Übungen, die hier vorgeschlagen wurden, tatsächlich helfen, kann ich nicht sagen. Ich mache häufig sowas und es macht Spaß, gibt mir mehr Sicherheit am Instrument und ich lerne die Stücke mal von ganz anderen Seiten her kennen. Aber ob ich dadurch ein bestimmtes Stück absichern kann, wage ich zu bezweifeln. Schaden können sie natürlich nicht. Musik ist ein bischen wie Knete. In der Verpackung sieht man wunderschön die verschiedenen Farben fein säuberlich nebeneinander aufgereiht, aber der wirkliche Spaß kommt erst beim Spielen, wenn man alles durcheinander gebracht (nagut, aus dem Knetalter sind wir wohl alle raus) und eine neue Ordnung gefunden hat.
 
H

Hacon

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Hacon, nach allem was ich jetzt gelesen habe, glaube ich, dass Haydnspaß recht hat. Du bist beim Vorspiel weder locker in den Händen noch mental.
Verdammt nochmal, ich bin körperlich nicht verkrampft.
Das würde ich ja wohl merken.
Sorry, dass ich jetzt bisschen hart reagiere, aber ich weiß nur zu gut, was es bedeutet, richtig verkrampft zu sein.

Ich kann nur voll und ganz dem Tip von Stilblüte zustimmen: getrennt auswendig lernen. Aus mehreren Gründen:
1) Hauptgrund: dadurch lernst du, auf die Stimmen getrennt zu hören. Das ist eigentlich das allerwichtigste
2) falls du in einer Stimme ins Straucheln kommst, zieht dich die andere Stimme mit
3) es ist die sicherste Auswendiglernmethode
Hab ich gestern und heute schon gemacht und kanns jetzt auch getrennt sowie zusammen auswendig. Zugegeben: Gelegentlich gerate ich schon mal ins Straucheln, aber das bügel ich auch noch glatt. Jedenfalls hab ich schon das Gefühl, sicherer zu sein: Überhaupt fühle ich mich, wenn ich keine Noten vor mir hab, generell sicherer. Werd am Freitag mal schauen, ob auswendig was bringt. Aber ich bin jetzt wirklich zuversichtlich:D

2) falls du in einer Stimme ins Straucheln kommst, zieht dich die andere Stimme mit
Naja, die Erfahrung hab ich ehrlich gesagt noch nicht gemacht. Wenns mich in der einen Stimme richtig raushaut dann zieh ich die andere gleich mit;)
 
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Hacon

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Hallo,
vielen Dank noch mal für eure Tips:p

Das Problem hat sich - wohl hauptsächlich wegen auswendiglernen beider Hände einzeln- in Luft aufgelöst.
Zwei kleine Verspieler waren zwar noch drin, aber die wären mir zu Hause auch passiert.

Liebe Grüße
 
 

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