Zu den Hintergründen und zur Motivation der Organisatoren, warum es diesen Wettbewerb gibt, ist hier im Faden schon einiges geschrieben worden. Als Teilnehmer des sechsten Kölner Klavierzimmers möchte ich deshalb ein paar persönliche Erfahrungen und Informationen zum praktischen Ablauf aus meiner Sicht mit euch teilen. Vielleicht motiviert das ja den einen oder anderen in Zukunft auch einmal teilzunehmen.
Die Teilnahme beim Klavierzimmer 2026 war für mich ein ganz besonderes Erlebnis. Es waren vier Tage, die intensiv mit der Musik verbunden waren. Zuerst mein eigener gut halbstündiger Wettbewerbsbeitrag mit Stücken von Sibelius, Brahms, Mozart, Williams und Say am Donnerstag. Dann drei Tage, die ich hauptsächlich mit dem Zuhören der anderen Teilnehmer verbracht habe. So viel schöne Musik auf oft sehr hohem Profi-Niveau, so viel besser als ich. Dazu viele Gespräche mit anderen Teilnehmern, teils alte Hasen bei diesem Format, oder Frischlinge so wie ich auch. Ich bin noch ganz beeindruckt von diesem Austausch mit anderen Klavierliebhabern. Am Samstag bekam ich dann die Nachricht, dass ich eingeladen war, im Abschlusskonzert am Sonntag zu spielen. Bei ca. 70 Live-Beiträgen im Wettbewerb keine Selbstverständlichkeit für mich. Die Spannung bei diesem dreistündigen Konzert blieb fast bis zum Ende erhalten, da ich erst den viertletzten Beitrag zu spielen hatte. Glücklicherweise haben die Nerven noch mitgemacht, denn es passierte nur ein größeres Missgeschick, das vielleicht einigen gar nicht unbedingt aufgefallen ist. Bei Clavioten ist das natürlich anders.

Nach einer kurzen Nacht musste ich mich wieder auf den Heimweg nach Finnland machen. Etwas müde, aber glücklich, denn die Vorbereitungen der letzten 6-12 Monate haben in dem Preis für die beste Interpretation von Filmmusik gemündet. Es waren aber gar nicht so viele Beiträge mit Filmmusik dabei. Insofern hat vielleicht meine Programmauswahl eine Rolle gespielt.
Mein großer Dank gilt allen meinen bisherigen Klavierlehrerinnen, die mich an diesen Punkt gebracht haben! Aber hoffentlich ist das nur ein Zwischenschritt auf meinem Pfad der Musik.


Ein besonderes Dankeschön geht an
@Stilblüte , die mir in ein paar Online-Stunden noch ein paar Augen und Ohren geöffnet hat.
Einen etwas detaillierten Bericht möchte ich all denen mitgeben, die sich überlegen, ob sie auch einmal beim Klavierzimmer mitmachen möchten:
Für mich begann der Wettbewerb, der vom 19.-23.8.2026 ausgetragen wurde, am Donnerstagmorgen, am zweiten Wettbewerbstag, denn die ersten Beiträge hatten schon am Mittwochnachmittag begonnen. Nach einer kurzen Nacht, ich kam Mittwoch erst gegen 23 Uhr in meiner Unterkunft an, musste ich schon um sechs wieder aufstehen, um nach sieben das Haus zu verlassen und mit der Bahn von Horrem nach Köln zu fahren. Lieber etwas zu früh da sein, als durch die Bahn den eigenen Auftritt zu verpassen. Im Vorfeld waren ein paar kurze Emails gekommen, die nur die nötigsten Infos enthielten. Ein Einspielen sei eine Stunde vor dem eigenen Vorspiel beim Wettbewerbsbüro, ein paar Gehminuten von der Kirche St. Heinrich und Kunigund, möglich. Zum Vorspielen reiche es, etwa 15 Minuten vorher in der Kirche zu erscheinen. Mein Vorspieltermin war um 9.35 Uhr, zum Einspielen stand ich dann aber schon um 8 Uhr vor der Tür, weil die Bahn keine Verspätung hatte. Das Wettbewerbsbüro hatte so früh dann doch noch nicht geöffnet, nach dem aber dann eine andere Teilnehmerin ankam, haben wir gemeinsam geklingelt und wir kamen ins Haus. Sie bekam ein Zimmer im Haus zum Einspielen zugewiesen (mit Ibach-
Flügel*), ich durfte in einer kleinen Laube hinten im Garten ganz für mich allein an einem kleinen Schimmel-Klavier üben. Um 9:15 machte ich mich dann auf den Weg in die Kirche. So früh am Tag kam nach mir auch kein weiterer Teilnehmer in die Gartenlaube, so hatte ich also wirklich viel Zeit, alle Stücke noch einmal durchzugehen.
In der Kirche blieb ich erstmal im Vorraum stehen, da ich den Vortrag der ersten Pianistin nicht stören wollte. Hätte ja sein können, dass die Zwischentür unangenehm quietscht. Tat sie dann aber nicht und im Lauf des Wettbewerbs stellte sich ohnehin heraus, dass die Leute im Publikum auch während der Vorträge ein- und ausgingen. Als störend empfand ich das nicht, bis auf ganz seltene Ausnahmen. Nachdem der erste Vortrag des Tages beendet war, konnte ich die Jury begrüssen und brauchte dann erst einmal fünf oder mehr Minuten, um meine Videoaufnahme einzurichten und den
Flügel* auszuprobieren. Ich spielte aus Noten, aber für das letzte Stück, Black Earth von Fazil Say, musste ich die Notenablage ausbauen, um die Saiten mit der Hand abdämpfen zu können. Das ganze Prozedere habe ich also erst einmal in Ruhe geübt, damit der Vortrag dann ruhig ablaufen konnte. Diese Probe war auch gar kein Problem, zeitlich lag ich noch ganz gut, da der erste Vortrag etwas kürzer ausfiel.
Mein Vorspiel sollte so 30-35 Minuten dauern. In meiner Alterskategorie war die Zeit auch auf diese 35 Minuten begrenzt. Kinder und Jugendliche haben aber nur maximale Vorspielzeiten von 7 bis 20 Minuten, je nach Alter. Vielleicht sieht man auch hier, dass der Fokus doch auf den erwachsenen Amateuren liegt, denen mehr Zeit eingeräumt wird. Meine Stücke liefen dann für meine Verhältnisse ganz gut. Zu Hause geht es zwar immer besser, aber in einem Wettbewerb zu spielen war für mich schon ein mentaler Sonderfall. Generell habe ich bisher meistens immer einen größeren Patzer bei Vorspielen in der Musikschule produziert, insofern bringen mich Fehler nicht generell aus dem Konzept. Es ist eher eine Frage, wie gut ich die überspielen kann und dass ich nicht aufhöre, weiterzuspielen. Hier in Köln lief es in dieser Hinsicht echt gut und ich war mit dem Ergebnis zufrieden. Äußerlich sieht man mir laut Jury meine Nervosität nicht an, innerlich ist sie aber schon sehr präsent. Ich bemühe mich, sie im Zaum zu halten und bin immer noch auf der Suche nach einer mentalen Technik, die ich anwenden kann, um meine Nervosität in produktives Klavierspiel münden zu lassen. Aber das ist ein ganz eigenes Kapitel. Beim Abschlusskonzert war mein Mantra vor dem Auftritt dann: Hier sind viele Harry Potter-Fans im Publikum. Für die möchte ich einfach so gut spielen, so gut ich kann.
Aber zurück zum eigentlichen Vorspiel. Publikum war so früh am Tag relativ wenig anwesend, höchstens 10-15 Leute, inklusive Jury. Nach dem Applaus bekam ich von Frau Markovina eine Baumwolltasche mit Aufdruck des Klavierzimmer-Logos, die mit einem Block, einem Kugelschreiber, einem Notenheft mit frisch für den Wettbewerb komponierten Stücken von Franz-Michael Deimling (Jurymitglied) und einer CD der Initiatorin befüllt war. Dieses Dankeschön bekam jeder Teilnehmer des Wettbewerbs. Danach setzte ich mich noch ins Publikum, um dem nächsten Teilnehmer zuzuhören und um mein Nervensystem in den Normalzustand zu bekommen. Nach diesem Beitrag bin ich dann für einige Zeit an die frische Luft gegangen, um meine Gedanken zu ordnen. Gerne hätte ich zu diesem Zeitpunkt auch eine Toilette aufgesucht, aber dass es in der Kirche auch Toiletten gibt, habe ich erst am dritten Tag erfahren. :) Dafür geht man aus der Kirche raus, geht rechts herum an der Kirche entlang und gelangt so zu Toilettenräumen. Den Rest des Donnerstags habe ich mir dann alle Teilnehmer angehört. Nach mir war eine Amerikanerin dran, die mir gut gefallen hat. Wie auch die vielen anderen die nach ihr kamen. Nach einigen Vorträgen wurde immer eine kurze, vielleicht 10-minütige Pause eingelegt, um den Pianisten ihr Feedback durch die Jury zukommen zu lassen. Es lohnt sich also, bis zur nächsten Pause noch dazubleiben und die Kirche nicht direkt nach dem eigenen Vortrag zu verlassen. Insgesamt konnte man den Zeitplan gut verfolgen, es kam aber auch zu länger dauernden Zwischenpausen, Absagen, Vorziehen oder Nachziehen von Kandidaten zu anderen Zeitpunkten.