Klavierunterricht früher


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Atra
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Hallo,

habe heute von einer über 90 jährigen Altenheimbewohnerin ihre alten Noten überlassen bekommen. Nahezu alles Vorkriegsnoten aus den 20/30-Jahren.

Die Frau muss wirklich eine gute Klavierspielerin gewesen sein. Sie wollte Pianistin werden - aber dann wurde sie mit 17 schwanger und musste heiraten - 6 weitere Kinder folgten - das wars dann mit der Pianistekarriere.

Aber was mich an den Noten wundert, es waren auch Anfängernoten aus der Zeit dabei: "Leichte Spielstücke für die Jugend", "Vortragsstücke für den Anfang" und wie die alle hießen....
Mann, die "Jugend" muss am "Anfang" schon ganz schön gut dabei gewesen sein. Schubert, Chopin-Walzer, viele mir unbekannte (aber wunderschöne) Stücke - keine einfachen Bearbeitungen, sondern originale. Alles in allem recht ordentlich anspruchsvoll. Auch keine kurzen Dinger sondern durchweg mind. 2-3 Seiten lang.

Ich frage mich ja, was dann die wirklichen "Anfänger" spielten - oder wie hat man es geschafft, so schnell auf dieses Niveau zu kommen?

Die Musikschulrealität (aus meiner Erfahrung heraus) sieht heute ja so aus, dass die Kinder in 3-4 Jahren Rico 1-3 durcharbeiten - und dann den Bettel hinschmeissen.

Warum klappt das heute eigentlich alles nicht mehr richtig? Haben früher (1920/30) nur die "erlesenen" Kinder aus entsprechenden Familien Klavier gespielt? So dass man von vorneherein von einem entsprechendem Leistungsvermögen ausgehen konnte?
Sind die Klavierlehrer/Schüler heute unmotivierter und unfähiger als früher?

Doch ich war sehr erstaunt über diese Literatur.....

LG Atra
 
W
Wiedereinsteigerin
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Ich hatte Klavierunterricht in den 50ern/Anfang 60ern und ich kann mich noch sehr gut daran erinnern, dass es mir bei meiner Klavierlehrerin leider nicht vergönnt war, kindgerechte, moderne Stücke zu lernen. Es gab damals die Bayer-Schule, Czerny und ansonsten einzelne Sätze aus diversen Sonatinen der üblichen (alten) Komponisten. Der Klavierlehrerin kam es damals hauptsächlich auf das richtige Notenspielen, nicht jedoch auf den musikalischen Ausdruck an.

Es gab allerdings auch eine Klavierlehrerin, bei der die SchülerInnen moderne Stücke lernten, nur ich wurde ihr nie zugeordnet, was ich damals sehr bedauert habe. Vielleicht habe ich deshalb auch damals den Spaß am Klavierspielen verloren.

Mir bereitet es heute noch große Schwierigkeiten, über verspielte Noten einfach drüber zu spielen - da ärgerere ich mich immer noch und verkrampfe dann. Das schleppe ich immer noch mit mir rum. Aber ich bin - Dank meinem Klavierlehrer - auf dem Weg der Besserung.
 
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DoctorGradus
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Ich denke man muss das einfach auch im Zusammenhang mit den berühmten sich ändernden Zeiten zu sehen, die Gesellschaft und die Pädagogik ist einfach heutzutage eine andere. Disziplin kommt vielleicht manchmal zu kurz, aber die Zeiten werden für die Kinder gewiss nicht einfacher.

Das gelungene Lernkonzept für alle ist wohl die Quadratur des Kreises.
 
Haydnspaß
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Die Musikschulrealität (aus meiner Erfahrung heraus) sieht heute ja so aus, dass die Kinder in 3-4 Jahren Rico 1-3 durcharbeiten - und dann den Bettel hinschmeissen.

Ich kann das leider bestätigen, obwohl ich die Rico-Schule nicht kenne.
Der Grund ist aber wohl einfach der, daß Kindern und Eltern eingeredet wird "Klavierspielen ist voll einfach, jeder kann es lernen, es macht total Spaß und intelligent macht es auch noch"

Heute gehen viele Kinder in den Klavierunterricht, die weder Zeit noch Lust haben, sich täglich zum Üben ans Klavier zu setzen. Und wenn doch, gibt es so viele Ablenkungen, daß ein wirklich konzentriert übender Klavierschüler schon fast Seltenheitswert hat.
 
.marcus.
.marcus.
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. Und wenn doch, gibt es so viele Ablenkungen, daß ein wirklich konzentriert übender Klavierschüler schon fast Seltenheitswert hat.
Steht es wirklich so schlimm (bei deinen Schülern)?

Ich will doch hoffen, dass ich als KL mal wenigstens ein paar Schüler habe, die ehrliches Interesse und Fleiß besitzen :)
Klar, eine Schülerin wie Blüte wird man nicht alle Tage haben, aber in die Richtung sollte es bei den meisten doch gehen? :D ;)

lg marcus
 
Rose
Rose
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Vielleicht hat es auch einfach mit den *Übezeiten* zu tun das die Kids sich nicht wirklich freiwillig ans üben begeben.Ein Großteil der Eltern ist nun einmal berufstätig.Wenn die Kids aus der Betreuung,Schule/Hort kommen ist meist schon später Nachmittag.Sie sind müde und ausgepowert.Ich arbeite in der Nachmittagsbetreuung von Schulkindern und sehe wie die Leistungsfähigkeit und die daraus resultierende Bereitschaft ab dem frühen Nachmittag nachlässt.
 
fisherman
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Vielleicht hat es auch einfach mit den *Übezeiten* zu tun das die Kids sich nicht wirklich freiwillig ans üben begeben.Ein Großteil der Eltern ist nun einmal berufstätig.Wenn die Kids aus der Betreuung,Schule/Hort kommen ist meist schon später Nachmittag.Sie sind müde und ausgepowert.

Da ist was dran. Aber: Wieso setze ich mich (mit dem wesentlich weniger regenerationsfähigen Körper und Geist des 50-jährigen) nach 14 Stunden harter Arbeit noch ans Klavier? Es hat schon sehr viel mit Wollen und Leidenschaft zu tun. Und woher soll die kommen, wenn die Eltern das Kind zum KU schicken?

Meine Tochter wollte Klavier lernen und hat von Anbeginn zwischen Frühstück und Busfahrt ihre ersten 10 Minuten geübt. Dann später, nach der Schule weitere 10-20 min und vor dem Zu-Bett-Gehen nochmals. In schlechten Phasen weniger, in guten mehr. Und wenn sie ganz mies drauf war, dann wurde das Klavier auch mal ein oder zwei Wochen mit Verachtung bestraft. Hätte ich auf vermeintlich konzentriertem Üben (das muss nach Laienmeinung ja am Stück erfolgen und mindestens eine Stunde dauern) bestanden - sie hätte längst das Handtuch geworfen.

Im Gegensatz zu mir will meine Tochter sich auch kein Repertoire aneignen. Ihre Entscheidung! Dafür kann sie sich selbständig Stücke in kürzester Zeit erarbeiten, wenn sie es braucht. Und das ist letztendlich doch der Sinn des Klavier-Lernens.

Meine KL "beschwert" sich auch hin und wieder über das mangelnde Üben der Kinder. Ich muss sie jetzt mal fragen, ob irgendjemand den Kids mal klargemacht hat, dass 3 x 10 min auch schon eine halbe Stunde ergeben?

Aber- um zum Thema zurückzukehren: Die Disziplin ist heute eine völlig andere. Und das ist nicht wertend gemeint. Schaut Euch die prozentuale Anzahl der Abiturienten unter den Vietnamesen (?) (Ost-Gastarbeiter) und deren Notenschnitt an, dann wisst Ihr, was ich meine.

Es wird wie immer sein: Der goldene Weg liegt in der Mitte.
 
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Atra
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Ich kann das leider bestätigen, obwohl ich die Rico-Schule nicht kenne.
Den Kulturschock solltest Du Dir mal gönnen ;)

Ne im Ernst, Rico ist meiner Meinung nach die größte Eltern-Vera..... - nämlich: Wie unterrichte ich möglichst jahrelang, halte die Kinder dabei auf möglichst niedrigem Niveau (Klavierlehrer hat keine Arbeit) und verdiene möglichst viel dabei. Ich glaub die städtische Musikschule bei uns hat überhaupt kein Interesse an guten Klavierschülern......

LG Atra
 
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Atra
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Das gelungene Lernkonzept für alle ist wohl die Quadratur des Kreises.

Ich habe nun den halben Nachmittag Noten gesichtet, viele Stücke abgespielt und bin auf einen echten "Schatz" gestoßen. Also nicht im Sinne von anspruchsvoll sondern ganz praktisch für den Unterricht. Es ist auch das einfachste Werk im gesamten Sortiment.
Das Buch heisst "Im Spielwarenladen" - Kinderstücke von einem Komponisten namens Heller (noch nie gehört).
Das Buch ist von 1923 - und da hat sich jemand echt Gedanken gemacht mit nicht allzuschwerer Komposition eine Spielzeuglok zum aufziehen, eine Puppenschule oder die Heinzelmännchen wirklich witzig und nachvollziehbar zu vertonen. Die Stücke sind auch etwas länger, teilweise mit Wiederholungen - so dass man locker auf 3 Minuten Spieldauer pro Stück kommt. Und die hören sich auch nicht simpel oder primitiv an.
Ideale Vortragsstücke für junge (halbwegs fleissige) Klavierschüler.

Mein 10-jähriger Sohn war jedenfalls hellauf begeistert und spielte die Sachen schon mal an. Gut er muss da schon üben, aber die Stücke sind didaktisch toll aufgebaut und die Kinder lernen ganz nebenbei musikalischen Ausdruck. Er konnte sich das jedenfalls gut vorstellen - und plötzlich klang der Walzer sofort nach Walzer und der Bär stampfte, der Clown tanzte....

Eine liebevolle nostalgische Zeichnung gibts auch zu jedem Stück.

Es muss also nicht unbedingt modern und poppig sein, um Kinder zu überzeugen und zu begeistern.

LG Atra
(deren Reihenhausnachbarn heute ziemlich genervt sein dürften)
 
D
DoctorGradus
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Stephen Heller? Hab ich auch mal ein nettes Stück gespielt. Lawine. Hat mir sehr gefallen.

Ich hab als Kind irgendwann mal die Klavierschule (zum Glück nicht Rico) verweigert. Die Stücke klangen alle gleich langweilig "froh und lustig".
 
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koelnklavier
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von großen und kleinen Monstern

und bin auf einen echten "Schatz" gestoßen. Also nicht im Sinne von anspruchsvoll sondern ganz praktisch für den Unterricht. [...] Das Buch heisst "Im Spielwarenladen" - Kinderstücke von einem Komponisten namens Heller (noch nie gehört).

Es handelt sich dabei um:

HELLER M P: IM SPIELWARENLADEN, op. 80
Verlag: RICHARD BIRNBACH BB 48
Preis: 6.10 €

Inhalt
DIE AUFGEZOGENE EISENBAHN
IN DER PUPPENSCHULE
DIE KLEINE BALLETTAENZERIN
DIE WACHE DER HEINZELMAENNCHEN
CLOWN UND TEDDYBAER
DAS PUPPENKARUSSEL
DIE NUERNBERGER PUPPEN TANZEN
DIE PUPPENHOCHZEIT
LATERNA MAGICA

Die Originalausgabe von 1923 wird im Antiquariat für ca. 25 € gehandelt.

@ Haydnspaß, Rosenspieß, Atra:
Eure Einschätzung teile ich voll und ganz. Da ich seit meinem 15. Lebensjahr Klavierunterricht gebe, kann ich mittlerweile auf etliche Jahrzehnte Erfahrung zurückblicken. Früher war es selbstverständlich, daß man einem 6jährigen Kind die alte Emonts-Schule (Erstes Klavierspiel, Schott ED 4689) zumutete. Sie war damals mit das Beste, was auf dem Markt war. Heute wird derselbe Stoff auf drei Bände ausgewalzt mit vielen bunten Bildern, wobei die alten Stücke zum Teil nochmal leichter gesetzt wurden.

Früher war es selbstverständlich, daß man als Klavierlehrer Rückendeckung und Unterstützung von den Eltern erhielt. Heute heißt es nur: "Wenn Du nicht willst, brauchst Du nicht ..." Damit wird einem kleinen Kind also mehr Eigenverantwortung aufgebürdet, als die meisten Erwachsenen in der Lage sind zu tragen. Motivierend ist das nicht gerade, wenn die ersten Schwierigkeiten auftauchen. Hilfreicher wäre da schon eine Aussage wie: "Gemeinsam schaffen wir das!"

Früher war es auch selbstverständlich, daß Kinder gesungen haben. Heute kennen sie sie Wicki, Biene Maja und Löwenzahn - vom Hören. (Ich wage die These, daß die Logopäden nur halb so viel zu tun hätten, wenn die Eltern von früh auf mit ihren Kindern singen würden - nur: wann?)

Nein - früher war nicht alles besser, weiß Gott nicht! Es gab schreckliche Lehrer, die außer Tonleitern, Hanon und Czerny allenfalls ein Potpourri aus Rigoletto, Carmen und Zauberflöte im Programm hatten. Es gab andere, die quälten ihre Schüler auf Biegen und Brechen durch sechs Bände Mikrokosmos. Ob das wert- und sinnvoller war als Rico, Heumann und Terzibaschitsch, weiß ich nicht.

Ich habe mit vielen meiner Klavierschüler heute noch Kontakt, mit solchen, die immer noch (oder wieder) spielen, aber auch mit solchen, die vorzeitig die Flinte ins Korn geworfen haben. Die meisten sind im Nachhinein (!) froh, daß sie in schwierigen Zeiten bei der Stange gehalten wurden (was nicht ohne Druck vonstatten ging), oder sie bedauern, daß sie nicht genügend Unterstützung erhalten haben.

Das Problem betrifft nicht nur den Instrumentalunterricht, sondern es greift tiefer: Die Eltern möchten der beste Freund und Kamerad ihrer Kinder sein, sie möchten von ihren Kindern geliebt werden und vergessen dabei, daß "Eltern sein" eine andere Qualität hat. Es bedeutet Vorbild sein, Maßstäbe und Werte vermitteln. Da das nicht immer ohne Konflikte abgeht, heißt das auch, daß Eltern sich auch mal unbeliebt machen müssen. Aber von den lieben Kleinen nicht geliebt zu werden ist für viele Eltern offensichtlich der größte anzunehmende Erziehungs-Unfall. Also gibt man sich tolerant und liberal, und ist in Wahrheit doch nur zu feige und bequem, Konflikte durchzustehen.

Das soll jetzt erst einmal genügen ... :floet:
 

M
Melodicus
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Aber- um zum Thema zurückzukehren: Die Disziplin ist heute eine völlig andere. Und das ist nicht wertend gemeint. Schaut Euch die prozentuale Anzahl der Abiturienten unter den Vietnamesen (?) (Ost-Gastarbeiter) und deren Notenschnitt an, dann wisst Ihr, was ich meine.

Von Vietnam weiß ich, daß dort Wissen/Bildung der Maßstab für den Respekt sind, den eine Person genießt. Je mehr man weiß/kann/gelernt hat, desto höher das Ansehen. Bildung hat dort den höchsten Ruf. Lernen gilt als erstrebenswert.
Kein Wunder, daß die alle fleißig sind.
Wenn man das nicht übertreibt (sture Paukerei usw.), wäre das meiner Meinung nach ein Traumkonzept für den "Westen". Besser als die Orientierung an Geld, Konsum, "Spaß", oder diversen Äußerlichkeiten.
 
Rose
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Das Problem betrifft nicht nur den Instrumentalunterricht, sondern es greift tiefer: Die Eltern möchten der beste Freund und Kamerad ihrer Kinder sein, sie möchten von ihren Kindern geliebt werden und vergessen dabei, daß "Eltern sein" eine andere Qualität hat. Es bedeutet Vorbild sein, Maßstäbe und Werte vermitteln. Da das nicht immer ohne Konflikte abgeht, heißt das auch, daß Eltern sich auch mal unbeliebt machen müssen. Aber von den lieben Kleinen nicht geliebt zu werden ist für viele Eltern offensichtlich der größte anzunehmende Erziehungs-Unfall. Also gibt man sich tolerant und liberal, und ist in Wahrheit doch nur zu feige und bequem, Konflikte durchzustehen.

Das soll jetzt erst einmal genügen ... :floet:

Danke.du sprichst mir aus der Seele.
Vielleicht hat es auch damit zu tun das die Eltern nicht mehr der Mittelpunkt der Familie sind.Früher liefen die Fäden bei den Eltern zusammen.Heute herrscht zum Teil große Verunsicherung um das Gespinst das um die Kinder herum gewoben wurde.
Rose
 
Haydnspaß
Haydnspaß
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@ Haydnspaß, Rosenspieß, Atra:
Eure Einschätzung teile ich voll und ganz. Da ich seit meinem 15. Lebensjahr Klavierunterricht gebe, kann ich mittlerweile auf etliche Jahrzehnte Erfahrung zurückblicken. Früher war es selbstverständlich, daß man einem 6jährigen Kind die alte Emonts-Schule (Erstes Klavierspiel, Schott ED 4689) zumutete. Sie war damals mit das Beste, was auf dem Markt war. Heute wird derselbe Stoff auf drei Bände ausgewalzt mit vielen bunten Bildern, wobei die alten Stücke zum Teil nochmal leichter gesetzt wurden.

Früher war es selbstverständlich, daß man als Klavierlehrer Rückendeckung und Unterstützung von den Eltern erhielt. Heute heißt es nur: "Wenn Du nicht willst, brauchst Du nicht ..." Damit wird einem kleinen Kind also mehr Eigenverantwortung aufgebürdet, als die meisten Erwachsenen in der Lage sind zu tragen. Motivierend ist das nicht gerade, wenn die ersten Schwierigkeiten auftauchen. Hilfreicher wäre da schon eine Aussage wie: "Gemeinsam schaffen wir das!"

Oh, jetzt sind wir wieder bei unserem superheiklen Thema ^_^

Ich fühle mich mißverstanden! Mir geht es um das mangelnde Interesse, nicht um die mangelnde Disziplin. Und das mangelnde Interesse ist oft schon von Anfang an erkennbar. Der Lehrer an der Musikschule hat aber im Prinzip nicht die Möglichkeit zu sagen "diesen Schüler unterrichte ich nicht". Der private Lehrer hat diese Möglichkeit.

Durststrecken hat jeder Klavierschüler mal. Die sind auch nicht so einfach zu überwinden - weder für den Lehrer, noch für den Schüler. Aber wenn ein Schüler grundsätzlich an seinem klavierspielerischen Weiterkommen interessiert ist, lohnt sich die Anstrengung. Wenn es nur darum geht, den Schüler bei der Stange zu halten, dann lohnt sie sich nicht. Ein Schüler, der nicht übt, braucht auch nicht in die Klavierstunde zu gehen. So trocken sehe ich das inzwischen.

(Ich dachte immer, die Klavierfibel von Schneider könne man niemandem mehr zumuten - obwohl ich selbst danach gelernt habe und es mir viel Spaß gemacht hat - aber die Emonts-Schule - da grauts mir davor 8) )
 
fisherman
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Heute heißt es nur: "Wenn Du nicht willst, brauchst Du nicht ..."
Das ist natürlich katastrophal. Damit bekommt das Kind keine Eigenverantwortung, sondern einen Freibrief!

"Ich will heute nicht", hat meine Tochter nur einmal gesagt. Dann gabs ein Stirnrunzeln - was in unserer Familie Gottseidank genügt. Seitdem sagt sie "Ich kann heute aus dem Grund XY nicht" - darauf gibt es keinen Freibrief, sondern eine Vertagung: "Gut, dann machst Du das eben morgen/später". Somit lernt ein Kind frühzeitig, dass man Arbeit zwar mal verschieben, aber niemals eliminieren kann und das das Verschieben nur zur Anhäufung eines Arbeitsberges führt. Da muss man durch - im echten Leben ist es nicht anders...
 
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Oh, jetzt sind wir wieder bei unserem superheiklen Thema ^_^

Ich fühle mich mißverstanden! Mir geht es um das mangelnde Interesse, nicht um die mangelnde Disziplin. Und das mangelnde Interesse ist oft schon von Anfang an erkennbar.

Das mangelnde Interesse liegt aber auch oft daran, dass vom Elternhaus Musik nie schmackhaft gemacht wurde - aber doch in irgendeinem Hinterstübchen der Eltern irgendwo was schlummert, dass Musik vielleicht nicht verkehrt wäre.
Da liegt dann erst mal eine Durststrecke vor dem Lehrer, dem Kind die Welt der Musik überhaupt aufzuschließen, damit sich überhaupt Interesse entwickeln kann.
Ich denke, dass hinter Desinteresse oft eine Desorientierung steckt. Die Kinder werden früh mit allem möglcihen vertraut gemacht: musikalische Früherziehung, Kinderturnen, Ballett, Fußball für Windelkinder, Kunstunterricht für Vorschulkinder, Englisch ab 2 Jahren......
Die Idee: Das Kind soll möglichst früh eine breite Palette kennenlernen, damit man möglichst schnell seine Neigungen (die es dann zu fördern gilt) erkennt.

Ich glaube, dass viele Kinder darauf mit Totalverweigerung reagieren - und zu gar nichts mehr Lust haben.
Und diese Blockade zu durchbrechen ist eine Aufgabe für den Klavier (oder was auch immer für ein Instrument)lehrer.

LG Atra
 
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Wiedereinsteigerin
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Dem, was Atra geschrieben hat, kann ich nur zustimmen. Kinder müssen gefördert und auch gefordert werden, aber das, was heute schon zum normalen Alltag der Kinder gehört, grenzt oft schon an Überforderung. Kinder langweiligen sich nicht mehr, was aber in meinen Augen für die Entwicklung total wichtig wäre. Zeit, um Kreativität zu entwickeln. Den Kindern die alle Möglichkeiten zum Zeitvertreib direkt anzubieten, IST eine Überforderung.

Als Kind habe ich mich oft auch aus purer Langeweile ans Klavier gesetzt :D.
 
Haydnspaß
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Wiedereinsteigerin, ich kann mich Haydnspass nur anschließen. Das triffts. Und ich erlebe an den Wochenenden, wo ich mit vereinsamter Tochter als Strowitwer hause, dass das Klavier fast pausenlos besetzt ist ... Q.E.D.
 
 

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