Klavierunterricht 2.0

joe

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In Anlehnung an den Begriff "web2.0" würde es mich interessieren, welche neuen Technologien und Medien ihr als Schüler/innen oder Lehrer/innen im Klavierunterricht verwendet. Also z.B.: mein Klavierlehrer verwendet ein Computerprogramm zur Begleitung der Klavierstimme (mit Schlagzeug/Bass, Orchester o.ä.). Oder, meine Lehrerin verwendet einen Tablet-PC mit einer App, welche Notentexte anzeigen kann und Bearbeitungen erlaubt. Was könnte vielleicht auch in Zukunft interessant sein?

Viele Grüße, j.

P.S. Ich frage aus wissenschaftlichem und nicht kommerziellem Interesse.
 
hasenbein

hasenbein

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- Gelegentlich Tablet für Noten

- Auf Smartphone / Tablet Playalongs sowie Programm, das Tracks langsamer, schneller oder tonhöhenversetzt abspielen kann

- Tablet: Aufnahmen hören, Videos gucken (z.B. um Bewegungen bei berühmten Pianisten anzugucken)

- Smartphone / Tablet: Schülerspiel als Aufnahme oder Video mitschneiden zu Lernzwecken (Unterstützung der Schüler-Selbstwahrnehmung)

LG,
Hasenbein
 
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Rudl

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Bisher nur Metronom auf Rechner.

Will aber demnächst "Band in a Box" bei Jazzstandards ausprobieren.

Hab mich einst intensiv mit Reaper auseinandergesetzt, aber noch keinen Einsatz für Klavier gefunden.
 
rolf

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scherzando!

Was könnte vielleicht auch in Zukunft interessant sein?
ich habe unlängst einen interessanten Text gelesen, in welchem Goethe für einen Tag aus dem Totenreich zurückgeholt werden konnte; sollten neue Technologien ermöglichen, z.B. Beethoven kurzfristig zu reanimieren, so könnte amüsant sein, wie dieser in Klavierstunden die Eleven züchtigt... ;):D:D

bzgl. wissenschaftl. Interesse: der Text hat den Titel "Goethe und einer seiner Bewunderer", von Arno Schmidt
 
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Rudl

Guest
sollten neue Technologien ermöglichen, z.B. Beethoven kurzfristig zu reanimieren, so könnte amüsant sein, wie dieser in Klavierstunden die Eleven züchtigt...
....noch interessanter wäre, wie schnell er 106 spielt. Hoffen wir, dass es bald Klavierunterricht 111.0 gibt, denn dann wird es bereits erste erfolgreiche Reanimationen gegeben haben. Erste kurze Einblickssplitter erwartet man schon früher.
 
NewOldie

NewOldie

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Hallo joe.

ich bin Schüler (Jazz),

Mein Lehrer setzt ein:

- E-Piano zum Einspielen und Drucken von individuellen Übungen
- Akustisches, bzw. digitales (Logic) Mitschneiden (hilfreich zur Analyse, da ich mich selbst beim Spiel anders höre, als auf der Aufnahme)
- PC mit (Aebersold) Playalongs und "Slow-downer"
- Kamera zur Analyse der Handhaltung/Bewegung
- CD-Player und MP3 Musikarchiv

Band in a Box habe ich auch mal angeregt; Kommentar sowohl Bass- und Klavierlehrer war fast gleichlautend:
"Die Gefahr ist groß, stereotype und situativ unpassende Phrasen zu verinnerlichen, Hände weg, nur im Notfall" :D

Lieber Gruß, NewOldie
 
joe

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Vielen Dank für das Feedback. Es scheint, dass die Jazz-Pianisten hier ein wenig fortschrittlicher denken. Oder gibt es noch Erfahrungen im klassischen Klavierunterricht?

@NewOldie: Besteht Deiner Meinung nach die Gefahr, dass man sich zu sehr von der Technik ablenken lässt und weniger individuelle Erfahrungen machen kann. Konkret: verhindert beständige Analyse und Korrektur (aus Deiner subjektiven Sicht) die Schaffung eines eigenen, individuellen Zugangs zur Musik?

Viele Grüße, j.
 
G

gubu

Guest
"Neue Technologien und Medien" am Klavier? Wozu soll das gut sein? Damit Klavierlehrer ihre Defizite besser kaschieren können? ("Oh, guck mal, wie modern der/die ist...." ;))

Vieles, was als Fortschritt daher kommt, ist bei kritischer Betrachtung eher Rückschritt. Oder Geschäftemacherei derjenigen, die damit Geld verdienen, anderen zu suggerieren, was ihnen angeblich alles fehlt.

Guter Klavierunterricht hängt nicht vom Grad der "Technisierung" mit Medienschnickschnack ab.

Das schließt nicht aus, Video-/Audio-Aufnahmen sinnvoll einzusetzen.

Und sicher ist Youtube ganz bequem, um sich Aufnahmen großer Interpreten anzuhören. Doch das hat nichts unmittelbar mit dem Unterricht zu tun.
 
NewOldie

NewOldie

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@NewOldie: Besteht Deiner Meinung nach die Gefahr, dass man sich zu sehr von der Technik ablenken lässt und weniger individuelle Erfahrungen machen kann. Konkret: verhindert beständige Analyse und Korrektur (aus Deiner subjektiven Sicht) die Schaffung eines eigenen, individuellen Zugangs zur Musik?

Viele Grüße, j.
hi joe,

solange man sich von Technik nicht ablenken- oder gar roboterhaft steuern lässt ist der Einsatz sehr hilfreich.
Und ohne gemeinsame Analyse oder Reflexion kann/will ich nicht lernen.
Meine Lieblingstechnik beim privaten Üben ist ein Looper, den ich mit dem Fuß schnell mal einschalte, um mein Spiel zwischendurch zu prüfen.

Obwohl mein Lehrer technisch eher "hochgerüstet" ist, benutzt er ein Metronom nur als Ausnahme, eher Fingerschnipsen oder Shaker etc.

Lieber Gruß, NewOldie
 

C

chiarina

Guest
Manche Jugendliche spielen zusätzlich zu ihren Klassikstücken gern mal ihre Favoriten von Pop und Rock nach Gehör. Da lobe ich mir den Laptop, mit dem man die Songs abspulen kann und das Instrument nicht verlassen muss. Aber ansonsten geht es mir wie Monte :p , der wahrscheinlich auch noch ein Metronom rumliegen hat. :p

Liebe Grüße

chiarina
 
G

gubu

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Okay, oder möchte sich der vermeintlich eher konservative klassische Pianist einfach nicht damit auseinandersetzen?
Warum sollte er das denn überhaupt? Ist er erfolgreich, wird er kein Interesse haben, "sein" Modell zu ändern. Ist er es nicht, wird die Ursache nicht im mangelnden Eisatz "neuer Medien" liegen. Daher wird deren Einsatz an der Erfolglosigkeit auch nichts ändern können.
 
hasenbein

hasenbein

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Okay, ich nehme die Aussage mal hypothetisch für den klassischen Pianisten. Gibt es demnach keine sinnvollen Anwendungsbereiche für neue Medien im klassischen Unterricht, oder möchte sich der vermeintlich eher konservative klassische Pianist einfach nicht damit auseinandersetzen?
Natürlich ist jeder unterschiedlich, aber die meisten Klassiklehrer möchten sich nicht mit neuen Medien auseinandersetzen.

Die haben gelernt: Seit alters her unterrichtet man so und so, also setze ich diese Tradition fort, peng, aus.

Außerdem sind in Klassikkreisen "Dogmen" verbreitet wie z.B., daß elektronische Klangerzeugung immer schlecht sei (das geht nicht selten bis dahin, daß der Kauf eines elektronischen Metronoms verweigert wird - obwohl die mechanischen eiern wie Sau - weil ja eigentlich nur Sachen aus Holz mit Mechanik gut sein können... Oder das "Dogma", es sei schlecht, sich Aufnahmen anderer Pianisten anzuhören, weil das den eigenen Zugang zum zu erarbeitenden Stück erschwere / verbaue (in vielen Fällen ist das vermutlich in Wahrheit eher deswegen, weil der Schüler nicht merken soll, daß der Lehrer das Stück nicht wirklich gut vorspielen kann...).

Man muß auch nur mal gucken, wie viele Klassiklehrer ihre Unterrichtsräume / Wohnungen einrichten. Man fühlt sich nicht selten eher wie in den 30er bis 50er Jahren, nicht wie im 21. Jahrhundert. Die sind, let`s face it, oft grundsätzlich ganz schön konservativ drauf.

LG,
Hasenbein
 
Shigeru

Shigeru

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Warum so negativ denken?

Ich habe sehr gute Erfahrungen mit Schülern gemacht, die schlecht Noten lesen können oder rhythmisch unsicher sind: Ich lasse sie 2-3 Minuten mit einem iPad App üben und dann sind sie sofort sicherer. Schüler, die selbst oder deren Eltern ein iPad haben, üben damit auch in kurzer Zeit neue Noten ein. Das geht einfach schneller als früher. Vokabeln lernt man heute ja auch schon mit Software und werden im Langzeitgedächtnis abgelegt. Noten habe ich natürlich auch viel drauf (z.B. sämtlche Beethovensonaten mit Audio, Bach Inventionen uvm). D.h. ich muss nicht unbedingt zum Notenregal, egal wo ich gerade bin. Playalongs sind natürlich auch drauf.

Natürlich geht es auch ohne, aber manche Schüler haben mehr Spass an diesen Übungen, wenn sie gleich ihre Verbesserungen beobachten können.
Wenn man zu Hause Noten auf Papier schreibt sagt einem halt auch niemand, ob Fehler enthalten sind. Mit einem Tablet ist das auf jeden Fall effektiver.

Geschäft mache ich da keins. Ich gebe eher mehr aus, als meine Kollegen. Dafür jammern sie oft, dass sie immer weniger Schüler haben.

"Neue Technologien und Medien" am Klavier? Wozu soll das gut sein? Damit Klavierlehrer ihre Defizite besser kaschieren können? ("Oh, guck mal, wie modern der/die ist...." ;))

Vieles, was als Fortschritt daher kommt, ist bei kritischer Betrachtung eher Rückschritt. Oder Geschäftemacherei derjenigen, die damit Geld verdienen, anderen zu suggerieren, was ihnen angeblich alles fehlt.

Guter Klavierunterricht hängt nicht vom Grad der "Technisierung" mit Medienschnickschnack ab.

Das schließt nicht aus, Video-/Audio-Aufnahmen sinnvoll einzusetzen.

Und sicher ist Youtube ganz bequem, um sich Aufnahmen großer Interpreten anzuhören. Doch das hat nichts unmittelbar mit dem Unterricht zu tun.
 
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Rudl

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Man muß auch nur mal gucken, wie viele Klassiklehrer ihre Unterrichtsräume / Wohnungen einrichten. Man fühlt sich nicht selten eher wie in den 30er bis 50er Jahren, nicht wie im 21. Jahrhundert. Die sind, let`s face it, oft grundsätzlich ganz schön konservativ drauf.
Ja GottseiDank. Da ist noch Sinn für Qualität da. Die "Ich Krieg Einen Anfall" Möbel kann man doch höchstens zweimal auf und abbauen, und dann nur noch entsorgen.

Wenn ich durch die Landschaft fahre habe ich neuerdings den Eindruck durch Tunnel gesäumt von Maisfeldern zu fahren. Ist das progressiv?
 
hasenbein

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Ja GottseiDank. Da ist noch Sinn für Qualität da. Die "Ich Krieg Einen Anfall" Möbel kann man doch höchstens zweimal auf und abbauen, und dann nur noch entsorgen.
Haha, offenbar warst Du seit den 80ern nicht mehr bei Ikea :D

Was meinst Du, wie oft meine Ikea-Sachen schon mit mir umgezogen sind! *tätschelt sein trusty old Ivar-Regal*

"21. Jahrhundert" bedeutet ja auch nicht Ikea. Sondern bei einigen Leuten sieht man einfach, daß die der angeblichen guten alten Zeit nachtrauern und am liebsten alles so hätten, wie es auf den alten Schwarzweißfotos mit ihren Piano-Idolen so aussieht.

Sie wollen in einer Art Blase leben, in der alles - die Musik, das alte Klavier, die Einrichtung, die sonstigen Geschmäcker - irgendwie geschmacklich eine Einheit bildet. Im Grunde ähnlich wie bei typischen Hardcore-Ökos, bei denen paßt auch alles zusammen.

LG,
Hasenbein
 
rolf

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Okay, ich nehme die Aussage mal hypothetisch für den klassischen Pianisten. Gibt es demnach keine sinnvollen Anwendungsbereiche für neue Medien im klassischen Unterricht, oder möchte sich der vermeintlich eher konservative klassische Pianist einfach nicht damit auseinandersetzen?
a) aus welchem Grund sollten Pianisten, die allerlei von Bach bis Ligeti spielen und lehren, konservativ sein???? das ist doch ein plattes Vorurteil...
b) allerlei Notensatzprogramme haben sich bewährt, auch paar andere leltr.-techn. Eigenheiten (oh Buhuhu wie gemein: meine ach so erzkonservativen Klavierprofessoren, von denen einige schon bei ihren Ahnen sind, hatten moderne Aufnahmegeräte, elektr. Metronome usw usf)
c) ...s´ist halt mal so, dass sich Flügel bewährt haben und keine so rasante Entwicklung vorweisen wie derzeit die Elektrosachen ;):)
 
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hasenbein

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Rolf, von den wirklich guten Klassiklehrern wird hier nicht gesprochen, die sind in der Tat oft anders - sondern vom üblichen Wald- und- Wiesen-Klassiklehrer, wie man ihn allerorten gewöhnlich antrifft.
 
 

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