Klavierstudium oder Jurastudium

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SkrjabinLiebhaber
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Hallo an Alle.

Ich weiß, dass es so ähnliche Threads zum Thema Klavier studieren schon gibt bzw. gab. Ich dachte mir, dass ich trotzdem für den ein oder anderen, der überlegt Klavier zu studieren, vielleicht ein paar hilfreiche Tipps oder Anregungen geben kann. Außerdem betrifft mich das Ganze selbst.

Ich studiere seit einem Semester Klavier Bachelor of Music, also künstlerisch an einer Hochschule in Deutschland. Davor hatte ich 2 Semester Jura studiert. Ich spiele seit meinem 3. Lebensjahr, ernsthaft zu Üben habe ich jedoch erst mit 15 Jahren angefangen.

Somit kommen wir auch schon zum Knackpunkt und Thema meiner "Diskussion/Frage". Das Klavierstudium selbst gefällt mir eigentlich sogar, man trifft hier auf Menschen, die dieselbe Leidenschaft für die Musik haben. Das ist einfach toll. Man kann den ganzen Tag üben, Stücke spielen, die man schon immer spielen wollte.

Nur merke ich nach und nach, dass ich durch meinen späten Start wesentlich schlechter spiele als meine Kommilitonen. Somit mache ich mir auch um meine Zukunft sorgen auch wenn ich "erst" 20 bin. Mein Ziel war es eigentlich, später als Kammermusiker, Liedbegleiter und/oder als Solist durch Konzerte Geld zu verdienen und zu leben. Doch durch verschiedene Erfahrungen, Begegnungen und auch durch Threads in diesem Forum merke ich, dass das extrem schwierig ist und nur ein ziemlich kleiner Teil der Klavierstudenten das schaffen. Und das sind dann meistens die talentiertesten, welche auch schon an der Hochschule sehr gut sind. Zu denen zähle ich nicht.

Auch wenn sich das ändern kann und vermutlich auch würde, weiß ich nicht, ob ich später dadurch gut leben kann. Unterrichten ist für mich keine Alternative, ich habe in diesem Bereich so gut wie kein Interesse. Außerdem weiß ich, dass es sehr frustrierend und ermüdend sein kann, an Musikschulen zu unterrichten. Eine Professur an einer Hochschule zu bekommen ist auch extrem schwierig. Ich weiß aus guten Quellen, dass hunderte, qualifizierte Pianisten und Lehrer mit außerordentlich guten Lebensläufen sich auf eine Professurstelle für deutsche Hochschulen bewerben. Auch das ist also eher unrealistisch, wenn auch nicht unmöglich.

Nun überlege ich nach dem Sommersemester wieder Jura zu studieren und mit dem professionellen Klavierspielen aufzuhören.

Als Nebeninfo: Das Jurastudium hat mir sogar etwas Spaß gemacht. Es war zwar ziemlich kurz aber interessant. Das Klavierstudium hatte ich danach eben etwas leichtgläubig angefangen und natürlich weil das meine viel größere Leidenschaft ist.

Mit meinem Professor habe ich darüber noch nicht gesprochen. Ich weiß nicht wie er reagieren würde und ich habe Angst, dass er sauer sein könnte, dass dann die Arbeit des Semesters "umsonst" wäre.

Was denkt ihr darüber? Habt ihr ähnliche Erfahrungen gemacht? Kennt Ihr Menschen, die so etwas gemacht haben?
 
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Flieger
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Wenn du Klavier studierst, hast du doch eine Aufnahmsprüfung bestanden, oder? So furchtbar schlecht wirst du also nicht spielen.

Es gibt auch Leute, die ein Doppelstudium absolvieren. Das ist natürlich viel Aufwand, aber nicht unmöglich. ZB Professor Christian Krattenthaler unterrichtet Mathematik an der Uni Wien und hat auch eine Ausbildung zum Konzertpianisten abgeschlossen. Wobei das mit den Studienplänen heutzutage vllt noch schwieriger ist...
 
S
SkrjabinLiebhaber
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Vielen Dank für deine Nachricht. Daran hatte ich auch gedacht, jedoch habe ich ziemlich Respekt davor, diese zwei zeitaufwendigen Studiengänge beide gut und zufriedenstellend zu meistern bzw. abzuschließen. Ich glaube, dass das unheimlich schwer ist.
 
Demian
Demian
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Es gibt auch in diesem Forum ein Mitglied, @alibiphysiker , der meines Wissens Klavier und Physik parallel studiert. Vielleicht könntest du dadurch Impulse für die Möglichkeit zweier paralleler Studiengänge bekommen?
 
Tastenjunkie
Tastenjunkie
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Du musst Dich nicht entscheiden! Nimm Zwei !!

Im Ernst, dann bist Du vielleicht weder Top-Jurist, noch Top-Pianist hast aber trotzdem auf professionellem Niveau Zugang zu beiden Welten. Das ist viel wert und wenigen vergönnt. Und wer weiß, was langfristig daraus wird? Du könntest später Fachanwalt in Urheberrechtsfragen für Musiker werden oder Klavier-Retreats für Juristen im Burnout anbieten.

Just my five cents...

LG

TJ
 
chiarina
chiarina
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Lieber ErikJPiano,

so einfach ist das nicht mit zwei gleichzeitigen Studiengängen! Parallel bekommt man sie nicht vom Staat bezahlt! Da müsstest du dich mal genau erkundigen.

Dann ist Jura ein sehr zeitintensives und anspruchsvolles Studium. Wenn du dich später als Jurist etablieren willst, ist ein sehr guter Abschluss wichtig.

Mein wichtigster Punkt: du unterrichtest nicht gerne! Dann ist ein pures Klavierstudium ausgeschlossen, denn ohne zu unterrichten wirst du das zum Leben nötige Geld nicht zusammen bekommen. Du würdest sehr unglücklich werden, denn entweder musst du etwas sehr Ungeliebtes tun (unterrichten) oder verdienst viel zu wenig.

Ich rate dir also dringend, Jura zu wählen! Von dem guten Verdienst kannst du dir hervorragenden Klavierunterricht leisten. Im Übrigen gibt es in Hamburg die renommierte Bucerius Law School, die musikalisch sehr gut aufgestellt ist. Da muss man natürlich erst einmal angenommen werden.

Viel Erfolg bei dem, wofür du dich entscheidest!

chiarina

P.S.: Hier im Forum gibt es @Pianojayjay , der als Anwalt arbeitet, nicht Klavier studiert hat und trotzdem Konzerte gibt und sich musikalisch sehr engagiert. Das wäre vielleicht auch für dich etwas.
 
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Zuckerfee
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Ich habe gerade gedanklich meinen Bekanntenkreis durchforstet, ich kenne vier diplomierte Orchestermusiker, einer mit zwei Abschlüssen, die nicht als Musiker arbeiten, sondern etwas ganz anderes machen, eine Dame, die Jura und Instrument parallel studiert hat und jetzt in der Rechtsabteilung eines Unternehmens sitzt, sowie einen Orchestermusiker, der neben seiner Orchesterstelle noch Jura studiert hat, um sich für den Fall einer Berufsunfähigkeit abzusichern.

Wäre es keine Option für Dich, das Bachelorstudium abzuschliessen, und dann noch Jura zu studieren?
An Deiner Stelle würde ich wirklich mal mit Deinem Professor sprechen, wie er denn Deine Chancen im Klavierstudium einschätzt.

Ich rate dir also dringend, Jura zu wählen! Von dem guten Verdienst kannst du dir hervorragenden Klavierunterricht leisten.

Ein Abschluss in Jura ist sicher nicht für jeden die Lizenz zum Geld drucken, aber nachdem Du Unterrichten ja für Dich ablehnst, ist es sicher realistischer, mit einem Juraabschluss ein sicheres Auskommen zu haben.
 
Carnina
Carnina
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Ich kenne einige die Medizin und Klavier parallel studiert haben, viele die erste Klavier und dann Medizin studiert haben. Einige die erst nach einem technischen Studium Klavier studiert haben. Aber (bis auf einen) haben sich alle entschieden den „Brotberuf“ ins Zentrum ihres Lebens zu stellen. das Klavierstudium ist die Basis für deren heute aktiv gelebtes hervorragendes Spiel, im Amateur Bereich.

Ich finde das auch richtig, wenn man nicht Unterrichten will. Weil lustlose Klavierlehrer gibts genug. Umgekehrt finde ich es schade wenn ein Studium welches man nicht beruflich ausüben will, Plätze für andere nimmt die den Ehrgeiz hätten auch mit minimal geringerem Talent vielleicht mehr draus zu machen, als du jetzt tätest, weil du bestimmte Berufszweige für dich ausschließt.

Nach dem Motto „ich habe zu spät angefangen das wird nix“ würd ich allerdings nicht gehen. Dafür gibts zuviele Gegenbeispiele, aber der Biss und der Glaube daran muss vorhanden sein das rauszufinden.

Dass sich viele für ein Klavierstudium entscheiden ohne es beruflich ausüben zu wollen, liegt meiner Meinung nach daran, dass Erwachsene und ambitionierte Amateure „sich selbst“ überlassen werden. Für diese gibt es kaum engagierte Angebote für Unterricht, Theorie, Interpretation etc. Die werden meist als „Beschäftigungstherapie“ abgekanzelt. Würde es wirklich ernsthafte Alternativen geben, die einen geregelten Zugang haben und nicht auf soviel „Glück“ basieren jemanden zu finden der es ernst meint mit einem, würden viele nicht „zum Spaß“ mal Klavier studieren obwohl sie die beruflichen Risiken nicht stemmen wollen.
 
S
SkrjabinLiebhaber
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Lieber ErikJPiano,

so einfach ist das nicht mit zwei gleichzeitigen Studiengängen! Parallel bekommt man sie nicht vom Staat bezahlt! Da müsstest du dich mal genau erkundigen.

Dann ist Jura ein sehr zeitintensives und anspruchsvolles Studium. Wenn du dich später als Jurist etablieren willst, ist ein sehr guter Abschluss wichtig.

Mein wichtigster Punkt: du unterrichtest nicht gerne! Dann ist ein pures Klavierstudium ausgeschlossen, denn ohne zu unterrichten wirst du das zum Leben nötige Geld nicht zusammen bekommen. Du würdest sehr unglücklich werden, denn entweder musst du etwas sehr Ungeliebtes tun (unterrichten) oder verdienst viel zu wenig.

Ich rate dir also dringend, Jura zu wählen! Von dem guten Verdienst kannst du dir hervorragenden Klavierunterricht leisten. Im Übrigen gibt es in Hamburg die renommierte Bucerius Law School, die musikalisch sehr gut aufgestellt ist. Da muss man natürlich erst einmal angenommen werden.

Viel Erfolg bei dem, wofür du dich entscheidest!

chiarina

P.S.: Hier im Forum gibt es @Pianojayjay , der als Anwalt arbeitet, nicht Klavier studiert hat und trotzdem Konzerte gibt und sich musikalisch sehr engagiert. Das wäre vielleicht auch für dich etwas.
Hallo chiarina,

Nicht wundern, ich habe meinen Usernamen geändert. ;) Ich bin eigentlich ziemlich deiner Meinung.

Ich glaube, dass es für mein Erwartungen zu anstrengend wäre, Klavier und Jura beides zu machen. Und auch wenn geschrieben wurde, dass ich dann weder "Top Jurist" oder "Top Pianist" bin, dann ist das genau das, was ich nicht möchte.

Ich möchte die Sachen, die ich mache sehr gut machen. Ich bin mir sicher, dass einer der beiden dann ziemlich verkommen würde. Schon jetzt habe ich wenig Freizeit durch das Klavierstudium, da ich die meiste Zeit des Tages übe. Und ich denke ein Staatsexamen und auch die Vorbereitung darauf macht man nicht nebenher.

Vielen Dank für deine ausführliche Antwort!

Einen schönen Abend
 
S
SkrjabinLiebhaber
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Ich kenne einige die Medizin und Klavier parallel studiert haben, viele die erste Klavier und dann Medizin studiert haben. Einige die erst nach einem technischen Studium Klavier studiert haben. Aber (bis auf einen) haben sich alle entschieden den „Brotberuf“ ins Zentrum ihres Lebens zu stellen. das Klavierstudium ist die Basis für deren heute aktiv gelebtes hervorragendes Spiel, im Amateur Bereich.

Ich finde das auch richtig, wenn man nicht Unterrichten will. Weil lustlose Klavierlehrer gibts genug. Umgekehrt finde ich es schade wenn ein Studium welches man nicht beruflich ausüben will, Plätze für andere nimmt die den Ehrgeiz hätten auch mit minimal geringerem Talent vielleicht mehr draus zu machen, als du jetzt tätest, weil du bestimmte Berufszweige für dich ausschließt.

Nach dem Motto „ich habe zu spät angefangen das wird nix“ würd ich allerdings nicht gehen. Dafür gibts zuviele Gegenbeispiele, aber der Biss und der Glaube daran muss vorhanden sein das rauszufinden.

Dass sich viele für ein Klavierstudium entscheiden ohne es beruflich ausüben zu wollen, liegt meiner Meinung nach daran, dass Erwachsene und ambitionierte Amateure „sich selbst“ überlassen werden. Für diese gibt es kaum engagierte Angebote für Unterricht, Theorie, Interpretation etc. Die werden meist als „Beschäftigungstherapie“ abgekanzelt. Würde es wirklich ernsthafte Alternativen geben, die einen geregelten Zugang haben und nicht auf soviel „Glück“ basieren jemanden zu finden der es ernst meint mit einem, würden viele nicht „zum Spaß“ mal Klavier studieren obwohl sie die beruflichen Risiken nicht stemmen wollen.
Hallo Carnina,

Vielen Dank für deine nette Nachricht! Ich habe auch überlegt, erst Klavier zu studieren und dann Jura. Der Hintergedanke war, dass ich dann immernoch relativ jung bin und mit arbeiten sowieso früh genug anfange. Dieser Gedanke klingt an sich auch ganz gut, nur bin ich nach meinem Klavierbachelor immerhin schon 24. Das ist noch nicht zu alt für ein Jurastudium aber ganz jung ist man dann auch nicht mehr.

Natürlich hast du eigentlich schon Recht, einfach zu sagen "Ich habe zu spät angefangen" und deshalb alles hin zu werfen ist sehr naiv und auch ein bisschen dumm. Andererseits gibt es in der Berufssparte, die ich eigentlich anstrebe, also als konzertierender Pianist einigermaßen gut zu leben und nicht unterrichten zu müssen, ziemlich wenige, die nicht spätestens mit 10-12 angefangen haben, täglich 2 oder mehr Stunden zu üben.

Man muss anerkennen, dass das die Leute sind, mit denen ich mehr oder weniger in Konkurrenz stehe. So ist das eben. Auch in meiner Klavierklasse gibt es Studenten, die erst 18 sind und ehrlicherweise einiges mehr drauf haben als ich. Es wird nicht offen gesagt, aber wir konkurrieren alle miteinander. Im Konzertgeschäft gibt es nur Platz für sehr wenige gute Pianisten und alle reißen sich darum.

Ich weiß, dass jeder an sich zweifelt und bei mir klingt alles gerade sehr negativ. Aber irgendwie macht man sich ja schon Gedanken.

Ich wünsche dir einen schönen Abend!
 
J
Johnny1900
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Da fällt mir direkt Paolo Conte ein: Leidenschaftlicher (und studierter) Jurist, und später noch leidenschaftlicherer (nicht-studierter) Musiker. Für mich einer der inspirierendsten Musiker überhaupt.

Ich kann dich eigentlich nur beglückwünschen dass du so viele Leidenschaften und Talente hast. Egal wie deine Entscheidung ausfällt, ich kann mir kaum vorstellen dass du damit unglücklich wirst, wenn du es weiterhin mit Leidenschaft angehst.

Eine Zeit mit finanzieller Unsicherheit im Leben kann übrigens auch sehr lehrreich sein. Da hat man Leuten (wie mir), die es gewöhnt sind immer einen festen Job und Einkommen zu haben, was voraus.
 

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Flieger
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@SkrjabinLiebhaber Ein Aspekt wurde noch nicht angesprochen: wie sehr dich deine Eltern finanziell unterstützen können und wollen. Wenn ein paar Semester mehr Studienzeit nichts ausmachen, hast du mehr Optionen.
 
Tastatula
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@SkrjabinLiebhaber, es wurde hier schon soviel Gutes gesagt. Eines noch:
Wenn keine innere Stimme Dir zuruft: Mach Musik und gehe darin auf!, dann ist ein Musikstudium sowieso nicht richtig.
Ich bewundere Deine Selbstkritik und finde es klasse, dass Du so ehrlich mit Dir umgehst.
Du wirst Deinen Weg machen! Davon bin ich überzeugt.
Aber Musik wird es nicht.
 
Rheinkultur
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Mein wichtigster Punkt: du unterrichtest nicht gerne! Dann ist ein pures Klavierstudium ausgeschlossen, denn ohne zu unterrichten wirst du das zum Leben nötige Geld nicht zusammen bekommen. Du würdest sehr unglücklich werden, denn entweder musst du etwas sehr Ungeliebtes tun (unterrichten) oder verdienst viel zu wenig.

Ich rate dir also dringend, Jura zu wählen! Von dem guten Verdienst kannst du dir hervorragenden Klavierunterricht leisten.
Aus dieser plausiblen Argumentation ergibt sich eine Anschlussfrage: Welche anderen Betätigungsfelder in musikalischer/pianistischer Hinsicht wären in Reichweite? Ich habe mich stets gegen das Erteilen von Klavierunterricht entschieden, war aber im Schwerpunkt Komponist und Musiktheoretiker. Dafür habe ich viele Jahre lang als professioneller Unterhaltungspianist ordentlich verdient und betätige mich seit vielen Jahren als Arrangeur, bin gleichzeitig als Kirchenmusiker intensiv tätig (ohne entsprechende Scheine zu haben, habe aber auf der Orgel und nicht auf dem Klavier begonnen) und bin gerade zurückgekommen von einer Musicalproduktion, die ich als musikalischer Leiter betreut habe (die Miete fürs nächste Halbjahr ist gesichert). Sehr intensiv arbeite ich beispielsweise auch als Korrepetitor, Klavierbegleiter, Kammermusiker, Ensemblespieler und im Kleinkunstbereich. Es ist also nicht gänzlich unmöglich, ohne das ungeliebte Unterrichten über die Runden zu kommen, aber man benötigt eine Menge zusätzlicher Begabungen und Qualifikationen.

Hier muss ich dem Fadenersteller eine etwas unbequeme Gegenfrage stellen, die er für sich schlüssig beantworten sollte - nicht unbedingt für uns hier öffentlich im Forum. Wir haben einige Negativaspekte (nicht unterrichten wollen, späterer Beginn der ernsthaften pianistischen Ausbildung, schlechteres Spielniveau als die Kommilitonen...) von ihm erfahren, nicht aber ebenso plausibel Zusatzqualifikationen, die im oben dargestellten Sinne zu weiteren Betätigungsmöglichkeiten befähigen könnten. Die Gegenfrage lautet demnach: wie sieht es mit weiteren Tätigkeitsfeldern aus? Auch hier ist es wichtig, frühzeitig in diese Bereiche gezielt hineinzusteuern und positive Substanz anzubieten. Wer es etwa mal mit Jazz und Popularmusik vor dem Hintergrund probieren will, als klassischer Musiker nicht gut genug zu sein, wird auch mit den Ausweichtätigkeiten Schiffbruch erleiden. Jurist werden wollen, weil man als Musiker nicht erfolgreich war? Das geht genauso schief wie die umgekehrte Variante: Musiker werden wollen, weil es mit Jura nicht geklappt hat. Verlegenheitslösungen führen in der Regel nicht zum Erfolg.

@SkrjabinLiebhaber Ein Aspekt wurde noch nicht angesprochen: wie sehr dich deine Eltern finanziell unterstützen können und wollen. Wenn ein paar Semester mehr Studienzeit nichts ausmachen, hast du mehr Optionen.
Ein weiterer wäre auch noch wichtig: wie sieht es mit finanziellen Abhängigkeiten durch Familiengründung und angestrebten Lebensstandard aus? Ist ein relativ zeitnahes Erwirtschaften eines eher hohen und regelmäßig eintreffenden Arbeitseinkommens gefragt? Da ist die Lebenssituation bei Juristen unter Umständen nicht ganz so prekär. Aber auch da ist die berufliche Karriere längst kein Selbstläufer mehr.

LG von Rheinkultur
 
Tastenjunkie
Tastenjunkie
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Du hast Jura ab- bzw. unterbrochen und den Klavier-Bachelor angefangen. Die Bachelor Studienzeit ist im Vergleich zu den früheren Diplom-Studiengängen doch überschaubar. Mit 24 wirst im Jurastudium als Wiedereinsteiger nicht zu den Jungen aber auch nicht zu den Ältesten gehören. Wenn es finanziell irgendwie möglich ist, würde ich den Bachelor durchziehen und dann Jura weitermachen. Mit einem fertigen Abschluss (Klavier-Bachelor) im Lebenslauf machst Du dann später bei der Rückkehr an Jura-Fakultäten auch mit 24 möglicherweise einen besseren Eindruck als mit 21 und Zustand nach hin und her.

Ich bin selbst Mediziner (nicht top aber solide) und ohne Musikstudium engagierter und glücklicher Hobby-Pianist. Mit Musik verdiene ich nichts nennenswertes, allenfalls mal ein Taschengeld, aber das macht nichts. Durch das geregelte Einkommen im Hauptberuf bin ich auch nicht gezwungen musikalisch irgendetwas ungeliebtes abseits von meinen Interessen zu tun. Vom Top-Pianisten, selbst vom Top-Hobby-Pianisten bin ich weit entfernt, aber für mich passt das.

Wäge pragmatisch Deine realistischen Optionen ab und frage dann das Bauchgefühl!
 
Ambros_Langleb
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Ich fürchte, die Erzählungen des Typs "ich kenne da wen, der auch ein Doppelstudium..." beziehen sich weitgehend auf die Vor-Bologna-Zeit, wo man ein Studium viel flexibler gestalten konnte als heute. Mit der gegenwärtigen starren Modularisierung wird ein Doppelstudium zu einem Stress, denn wirklich nur außergewöhnliche Naturelle (die gibt es, aber sie sind sehr selten) erfolgreich duchstehen. Viele, die von ihren manchmal etwas illusionsgetriebenen Lehrern zu solchen Unternehmungen ermutigt wurden, geben irgendwann auf oder erzielen am Ende in beiden Fächern mediokre Ergebnisse. Schon bei normalen Fächerkombinationen kann es Probleme geben. Manche unserer Studenten haben ein Zweitfach, das sie zwingt, zwischen zwei Lehrveranstaltungen eine Landpartie von 20km zu machen. Spaß ist das keiner mehr, und ich würde die Dinge eher, wie oben schon empfohlen, nacheinander angehen. Oder mich dafür entscheiden, ein guter Jurist und ein guter Hobbypianist zu werden.
 
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SkrjabinLiebhaber
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Aus dieser plausiblen Argumentation ergibt sich eine Anschlussfrage: Welche anderen Betätigungsfelder in musikalischer/pianistischer Hinsicht wären in Reichweite? Ich habe mich stets gegen das Erteilen von Klavierunterricht entschieden, war aber im Schwerpunkt Komponist und Musiktheoretiker. Dafür habe ich viele Jahre lang als professioneller Unterhaltungspianist ordentlich verdient und betätige mich seit vielen Jahren als Arrangeur, bin gleichzeitig als Kirchenmusiker intensiv tätig (ohne entsprechende Scheine zu haben, habe aber auf der Orgel und nicht auf dem Klavier begonnen) und bin gerade zurückgekommen von einer Musicalproduktion, die ich als musikalischer Leiter betreut habe (die Miete fürs nächste Halbjahr ist gesichert). Sehr intensiv arbeite ich beispielsweise auch als Korrepetitor, Klavierbegleiter, Kammermusiker, Ensemblespieler und im Kleinkunstbereich. Es ist also nicht gänzlich unmöglich, ohne das ungeliebte Unterrichten über die Runden zu kommen, aber man benötigt eine Menge zusätzlicher Begabungen und Qualifikationen.

Hier muss ich dem Fadenersteller eine etwas unbequeme Gegenfrage stellen, die er für sich schlüssig beantworten sollte - nicht unbedingt für uns hier öffentlich im Forum. Wir haben einige Negativaspekte (nicht unterrichten wollen, späterer Beginn der ernsthaften pianistischen Ausbildung, schlechteres Spielniveau als die Kommilitonen...) von ihm erfahren, nicht aber ebenso plausibel Zusatzqualifikationen, die im oben dargestellten Sinne zu weiteren Betätigungsmöglichkeiten befähigen könnten. Die Gegenfrage lautet demnach: wie sieht es mit weiteren Tätigkeitsfeldern aus? Auch hier ist es wichtig, frühzeitig in diese Bereiche gezielt hineinzusteuern und positive Substanz anzubieten. Wer es etwa mal mit Jazz und Popularmusik vor dem Hintergrund probieren will, als klassischer Musiker nicht gut genug zu sein, wird auch mit den Ausweichtätigkeiten Schiffbruch erleiden. Jurist werden wollen, weil man als Musiker nicht erfolgreich war? Das geht genauso schief wie die umgekehrte Variante: Musiker werden wollen, weil es mit Jura nicht geklappt hat. Verlegenheitslösungen führen in der Regel nicht zum Erfolg.


Ein weiterer wäre auch noch wichtig: wie sieht es mit finanziellen Abhängigkeiten durch Familiengründung und angestrebten Lebensstandard aus? Ist ein relativ zeitnahes Erwirtschaften eines eher hohen und regelmäßig eintreffenden Arbeitseinkommens gefragt? Da ist die Lebenssituation bei Juristen unter Umständen nicht ganz so prekär. Aber auch da ist die berufliche Karriere längst kein Selbstläufer mehr.

LG von Rheinkultur
Interesse in anderen Themengebieten habe ich definitiv. Musiktheorie, Jazz etc interessiert mich eigentlich sehr. Ich habe auch schon viel Kammermusik gespielt und auch ziemlich erfolgreich.

Korrepetition interessiert mich tatsächlich nicht so sehr, auch weil mir von meiner ehemaligen Klavierlehrerin, welche als Korrepetitorin gearbeitet hatte, davon abgeraten wurde.

Interessant finde ich deine Ansicht, dass es fatal wäre Jurist werden zu wollen, nur weil es als Musiker nicht geklappt hat. Ich denke, dass Menschen mehr als nur ein Talent und Interesse haben können.

Ich habe in meinen zwei Semestern Jura teilweise überdurchschnittliche Ergebnisse erzielt, obwohl ich mich gleichzeitig auf die Aufnahmeprüfung vorbereiten musste. Die Vorlesungen und der Stoff war teilweise sehr interessant. Es hat mir Spaß gemacht.

Ich weiß, dass der Rest des Studiums anstrengender ist aber ich denke, dass man durchaus auch als „gescheiterter“ Musiker noch sehr erfolgreich Jura studieren kann.
 
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SkrjabinLiebhaber
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Es hat Dir also "sogar" "etwas" Spaß gemacht.

Aha.

Frage an Dich: Sollte man etwas als Beruf ergreifen, das einem "etwas Spaß macht"?
Da habe ich mich falsch ausgedrückt. Es hat mir sogar ziemlich gut gefallen. Ich finde aber deine Argumentation etwas schwierig. Wieviele Menschen kennst du, denen das Studium, sei es Jura, Wirtschaft, Informatik, Lehramt oder Soziologie immer Spaß macht?

Ich kenne viele Freunde, welche diese Sachen studieren und große Leidenschaften haben aber trotzdem nicht immer unheimlich viel Lust auf das Studieren haben. Vor allem bei diesen akademischen Studiengängen unterscheidet sich der Berufsalltag stark vom Studium. Anders als bei dem Klavierstudium.

Ob der Beruf mir Spaß macht, weiß ich erst, wenn ich ihn ausübe. Man kann das Jurastudium, genauso wie ein Wirtschafts oder Lehramtsstudium nur sehr bedingt mit dem Beruf vergleichen.

Damit will ich sagen, dass ich mir tatsächlich im Moment vorstellen kann, Jura zu studieren und dabei Spaß zu haben. Auch wenn ich vielleicht mehr "Spaß" beim Klavierstudium hätte.
 
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SkrjabinLiebhaber
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Du hast Jura ab- bzw. unterbrochen und den Klavier-Bachelor angefangen. Die Bachelor Studienzeit ist im Vergleich zu den früheren Diplom-Studiengängen doch überschaubar. Mit 24 wirst im Jurastudium als Wiedereinsteiger nicht zu den Jungen aber auch nicht zu den Ältesten gehören. Wenn es finanziell irgendwie möglich ist, würde ich den Bachelor durchziehen und dann Jura weitermachen. Mit einem fertigen Abschluss (Klavier-Bachelor) im Lebenslauf machst Du dann später bei der Rückkehr an Jura-Fakultäten auch mit 24 möglicherweise einen besseren Eindruck als mit 21 und Zustand nach hin und her.

Ich bin selbst Mediziner (nicht top aber solide) und ohne Musikstudium engagierter und glücklicher Hobby-Pianist. Mit Musik verdiene ich nichts nennenswertes, allenfalls mal ein Taschengeld, aber das macht nichts. Durch das geregelte Einkommen im Hauptberuf bin ich auch nicht gezwungen musikalisch irgendetwas ungeliebtes abseits von meinen Interessen zu tun. Vom Top-Pianisten, selbst vom Top-Hobby-Pianisten bin ich weit entfernt, aber für mich passt das.

Wäge pragmatisch Deine realistischen Optionen ab und frage dann das Bauchgefühl!
Das habe ich mir schon überlegt. Es wäre mir jedoch neu, dass es für die Fakultät einen Unterschied macht, ob ich mit 21 wieder anfange, sozusagen nach einem "hin und her" oder mit 24, mit einem Abschluss. Also falls das einen Unterschied machen sollte, würde ich mir vielleicht überlegen den Bachelor weiter zu machen.

Jedoch bin ich mir ziemlich sicher, dass ich auch mit 21 weiter Jura studieren kann. Ich möchte eben eigentlich ungerne das Klavierstudium bzw. den Bachelor abschließen, einfach nur um es zu tun. Ich weiß eigentlich schon jetzt relativ sicher, dass ich nicht vom Konzerte geben alleine mein Geld verdienen kann und Unterrichten kommt auch nicht in Frage. Weiter zu studieren wäre nichts als Selbstverwirklichung. Das ist natürlich schön aber auch irgendwie komisch, wenn man weiß, dass man dann noch was anderes machen soll.
 
 

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