Klavier stimmen und Lärmbelastbarkeit

S

Styx

Guest
ein etwas skurriles Thema, aber des tät mich jetzt doch mal interessieren:

Cheffe und die Lehrlinge setzen bei etwas geräuschvollen Arbeiten wie beziehen Kopfhöhrer auf, i lehn des ab, mich stört der Krach ned.
Nun ist des aber auch so daß Cheffe und Lehrlinge ned gern stimmen, kann es sein daß das stimmen eines Klavieres eine gewisse Lärmresistenz voraussetzt?

Viele Grüße

Styx
 
Wiedereinaussteiger

Wiedereinaussteiger

Dabei seit
1. Feb. 2011
Beiträge
1.996
Reaktionen
1.099
Eine etwas skurrile Fragestellung. Drollig, oder trollig?

Du bist Klavierbauer, kennst aber die Rahmenbedingungen deines Berufes nicht?

Das sind keine "Kopfhöhrer", auch keine "Kopfhörer", sondern Gehörschutzmittel.

Deren Einsatz ist - je nach Bestimmungen einer Branche - oftmals verpflichtend. Das Zauberwort: "Arbeitsschutzgesetz". Der Betrieb hat lärmige Bereiche (Branchen-Werte, BG, und gesetzliche Werte, alles über 95 dB(A) ist per se des Teufels) zu kennzeichnen, blaues rundes Schild mit weißer Kopf-Silhouette, mit den "Mickymäusen".

Der Mensch, der in diesen Bereichen arbeitet, wird von einer korrekt arbeitenden Betriebsleitung beim EINTRITT erst einmal sachgerecht angeleitet, wozu die Instruktion mit den Arbeitsschutzmitteln gehört (mitsamt Unterschrift von Mitabeiter und Betriebsleiter unter das Protokoll der Einweisung)..

... dann im Falle eines Verstoßes gegen die Arbeitsschutzvorschriften EINMAL angesprochen, beim ZWEITEN MAL hierzu schriftlich abgemahnt, und beim DRITTEN Mal fliegt er dann: Wegen Arbeitsverweigerung, Verstoß gegen verbindliche Anweisungen zum gesetzlich verpflichtenden Mitarbeiterschutz.

Denn nur eine sichere Arbeit ist eine fachmännische. Und "sicher" bedeutet auch: Vermeiden einer Selbstschädigung infolge unverantwortlicher Dickfelligkeit und Bockigkeit. (Indiz: "i lehn des ab"...)

"Resistenz" gibt es da auch nicht.

Das Wort heißt "Renitenz".

Von renitenten Mitarbeitern sollte man sich schnell trennen. Die von ihnen verursachten Reibungsverluste können schnell zu hoch werden, bis hin zum Verlust des kleinen Häuschens des Betriebsleiters, der der BG für solche Fälle im Regress haften kann. ....

Und ein Betriebsleiter, der nicht verarmen will, nur weil einer seiner Mitarbeiter in seiner Merkbefreitheit es nicht für nötig erachtet, sein Gehör zu schützen, ist best beraten, solch einen MA schnellstmöglich, hart und wirksam aufzunorden entweder , wie man richtig arbeitet, oder aber ihn nach Hause zu schicken.
 
cwtoons

cwtoons

Dabei seit
28. Apr. 2011
Beiträge
8.910
Reaktionen
7.069
Howgh! (Winnetou)

CW
 
Moderato

Moderato

Dabei seit
5. Jan. 2009
Beiträge
4.045
Reaktionen
2.381
Muß ich als Auftraggeber mir jetzt so ein Schild besorgen und das beim Stimmtermin an meine Tür nageln und mir dann ein Unterweisungprotokoll unterzeichnen lassen?
 
S

Styx

Guest
seltsames Thema.....aber gut, was ist Lärm, oder was wird als solches empfunden? Bewirbeln/beziehen find ich jetzt nicht so schlimm, einige Maschinen können aber schon schmerzhaft sein. Am scheußlichsten empfinde ich das feilen von Metall, das ist zwar nicht laut, aber dringt durch Marx und Engels :D :D :D


Viele Grüße

Styx
 
Barratt

Barratt

Lernend
Dabei seit
14. Juli 2013
Beiträge
11.443
Reaktionen
16.787
Wie man Lärm empfindet, ist individuell extrem verschieden. Die Schwingungen, aus denen das Geräusch besteht und die auf das Sinnesorgan treffen, sind objektivierbar.

Auch wenn es einem JETZT, in der Blüte der Jugend, nichts auszumachen scheint - später wird man dann u.U. schwerhörig.

Die meisten Hufschmiede hören nicht mehr gut (schlag mal den ganzen Tag mit nem Eisenhammer auf ein Eisen, das auf einem Amboss liegt *schmerz*) und die Leute in metallverarbeitenden Betrieben sind vernünftigerweise auch mit Mickymaus unterwegs. So gern ich dem Klavierbauer zuschaue - beim Stimmen muss ich den Raum verlassen und mindestens eine Tür schließen. *aua*
 
J

jensen1

Dabei seit
28. Apr. 2009
Beiträge
613
Reaktionen
472
Es gibt Untersuchungen zu dem Thema Hörminderung bei Klavierstimmern, in einer älteren Europiano Ausgabe war dazu auch mal ein Artikel, vielleicht finde ich ihn irgendwo.

Die Ergebnisse waren so, dass beim Stimmen durchaus sehr hohe Pegel auftreten können, abhängig von Stimmmethode und natürlich auch Instrument. Es wurde in diesem Artikel empfohlen, einen Gehörschutz zumindest für bestimmte Situationen zu tragen. Ich stimme seit Jahren nur noch mit Ohrstöpseln und das ist überhaupt kein Problem, wenn man gute Stöpsel, nämlich solche mit Filtern, verwendet. Alpine hat ein paar gute Produkte im Angebot, oder wenn man sich einen Gehörschutz anfertigen lassen möchte, würde ich Elacin empfehlen, da kann man ebenso wie bei Alpine verschiedene Filter verwenden. Diesen verwende ich auch auf der Bühne und je nach Situation kommen 9 oder 15dB Filter zum Einsatz. Das ist in den meisten Fällen ausreichend und wenn man die Stöpsel heraus nimmt, kann man nach dem Konzert das Ticken einer Armbanduhr hören, oder andere leise Geräusche, wo sonst ohne Gehörschutz nur alles dumpf klingt.
 
S

Styx

Guest
Ich hab des mal ausprobiert mit Gehörschutz zu stimmen, klar die Töne hört man noch recht gut, nur nicht eventuelle Nebengeräusche wie zirpen der Dämpferfedern, quietschen der Stoßzungen, das klacken loser Gegenfänger usw. Beim Stimmen kann man hier die "Patienten " gleich markieren und anschließend richten. Mit Gehörschutz entgegen muß man alles noch mal durchgehen, und das Instrument scheint unerträglich laut zu sein. Das Kunden das Weite suchen sobald ich mit dem stimmen loslege erlebe ich auch schon mal, aber nett ist´s immer wenn ein anhänglicher Hund zugegen ist; die Frage des Kunden: "stört Sie der Hund?" Ich dann scheinheilig "aber nein"...ich weiß ja genau, spätestens ab b2 nimmt das Zamperl Reißaus :D :D :D

Viele Grüße

Styx
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
Barratt

Barratt

Lernend
Dabei seit
14. Juli 2013
Beiträge
11.443
Reaktionen
16.787
Meine Hunde sind immer am anderen Ende des Hauses eingesperrt, wenn Handwerker am Werk sind. Die interessieren sich SEHR für Werkzeuge und entführen eins nach dem anderen... :D

Sorry, OT.
 
S

Styx

Guest
Meine Hunde sind immer am anderen Ende des Hauses eingesperrt, wenn Handwerker am Werk sind. Die interessieren sich SEHR für Werkzeuge und entführen eins nach dem anderen... :D

I hab mal a Kunden gehabt der ließ sein Dackel mit mir im Raum wo ich stimmte, und meinte dann der Dackel sei so musikalisch, der singe immer mit - nun ja, i kann mich irren, aber für mich klang des eher wie ein schmerzverzerrtes Jaulen. Katzen scheinen die Höhen hingegen weniger zu stören als die Bässe, auch einmal des Kundschafts Katzerl (oder war des n Ozelot?) fing an zu knurren und zu fauchen als ich zur großen Oktave hinkam - i dacht die springt mir gleich ins Gesicht :D :D

Viele Grüße

Styx
 
Wiedereinaussteiger

Wiedereinaussteiger

Dabei seit
1. Feb. 2011
Beiträge
1.996
Reaktionen
1.099
Die meisten Hufschmiede hören nicht mehr gut

SEHR viele Klavierbauer auch nicht. Von Fostle und Goldenberg lernte ich, sehr ernstzunehmende These, dass der riesige Erfolg der Fa. Steinway nach der Mitte des 19. JHdts. nicht zuletzt darauf zurückzuführen war, dass sämtliche maßgeblich entwickelnden Technikusse, Vattern Heinrich, Söhne Henry Jr. und Albert, schlecht hörten.

Das war sozusagen kongenial, mit dem Trend des steigenden Wohlstands einhergehend, der immer größere Konzerthallen brachte, die man beschallen musste. Die Steinways fanden Wege, ihre Klaviere besser, d.h. LAUTER zu hören. Ohne großen Verlust an der klanglichen Qualität.

Damit waren die klassisch mit Anhangplatte und Streben gebauten Instrumente Broadwood, Pleyel, Erard, Bösendorfer et al. überfordert. Mit denen gingen Konzertsäle von 1.500 oder mehr Personen zu beschallen nicht so richtig, wirklich...

Als dann 1858/59 die einteilige Gussplatte für Flügel, zusammen mit der Basssteg-Verlegung in die Resoboden-Mitte kam, per Bass-Überkreuzung, hatte Steinway dann in wenigen Jahren alles rechts und links überholt und abgeräumt. Firmen wie Erard, Pleyel und Broadwood, die anfangs des 19. Jahrhunderts weltmeisterlich waren, verschwanden danach recht schnell in der Bedeutungslosigkeit.

Hörschäden... als Trigger, Auslöser, Knüller, Mit-Erklärer musikalischen und wirtschaftlichen Erfolges.

Bei den Steinways/Steinwegs waren die Hörschäden allerdings nur teils per Krach beim Stimmen verursacht, weitenteils war da auch wohl eher noch irgend ein Mist-Gen in der Familie, zu vermuten.

= = =

Ohnehin nimmt das Hörvermögen im Alter ab, nur Babys hören Töne über 20.000 Hertz. In der Cochlea, der Hörschnecke mit den Sinneshäärchen, die - Milz an Großhirn, Otto - melden, was tönt, sitzen die für die höchsten Frequenzen verantwortlichen kleinsten und dünnsten Häärchen ganz innen. Die werden schon per Alterungsprozessen als erste lahmgelegt. ....

Sowohl senkt sich die Empfindsamkeit für das Hören insgesamt ab unter Lärm, als auch sinkt insbesondere das Hörvermögen für hohe Töne. Sehr schnell sind heute auch bereits die Diskanttöne bis in die Gegend von 4 kHz von Erwachsenen schon in ihren 40er, 50er Lebensjahren nicht mehr zu hören. Das Stimmen geschieht dann mehr auf Verdacht bzw. mittels elektronischen Stimmgeräten, weil, gehört wird da "in echt" nichts mehr, von den älteren Kollegen Klavierbauern...

Diese Prozesse beschleunigen sich rapide per Lärm. Dauerlärm ist schädlich, geht auch auf den Blutdruck und belastet damit hart den Kreislauf.

Besonders übel ist harter Impuls-Lärm (Schmiede, Hammerschläge etc.)

Gleiches hat der Klavierbauer, wenn er Saiten beim Stimmen "einklopft"; hart anschlägt, damit die Saitenlage sicher bleibt und nichts mehr rutscht etc.

Zu Betriebsleitern etc., Chefs, die verantwortlich sind für das Einstellen von Leuten...

Man sollte in der Neuzeit mittlerweile auch bei sehr jungen Leuten aufpassen. Dass sie evtl. schon Lärmschwerhörigkeit mitbrächten, per häufigem Disco-Gang oder an der Drucklufttröte auf Schalke, bei Bayern München oder BVB etc., oder Sportschützen... die auch keine Lust hatten auf Mickymäuse ...

(NB die Herren Steinway waren allesamt fit an der Flinte..)

Sorgsame Betriebe machen stets Arbeitsmedizinische Einstellungsuntersuchungen mit Hörtests bzw. beauftragen die bei Arbeitsmedizinern. Nicht, dass man sich einen jungen Klavierbauer oder Schmied oder oder einstellt, der u.U. schon schwere Vorschädigungen aus der Freizeit mitbringt, dann aber bald darauf schon traurig beim Arzt sitzt - und zuletzt Rente will, weil er (berufsbedingt..?..tüüdeli düüh..) lärmgeschädigt sei.
 
S

Styx

Guest
Das Stimmen geschieht dann mehr auf Verdacht bzw. mittels elektronischen Stimmgeräten, weil, gehört wird da "in echt" nichts mehr, von den älteren Kollegen Klavierbauern...

Nö, i bin ja auch schon jenseits der 50 - es gibt natürlich Instrumente wo in den letzten Tönen nichts mehr wahrnehmbar ist, des nimmt aber ein Stimmgerät auch nimmer wahr, hier liegen einfach mal Konstruktionsfehler wie falsche Anschlagslinie o.ä. vor.
aber in der Regel ist für mich die Tonskala zumindest bis zum C5 noch gut wahrnehmbar, ein anschließender Vergleich mit dem Stimmgerät zeigt da aucvh nur eine leicht überschwebende Tendenz zur unteren Oktave.
Schwieriger empfinde ich die Bässe im Subkontrabereich, da gerate ich doch oft 3-4 hz zu tief.

Viele Grüße

Styx
 
Klimperer

Klimperer

Dabei seit
17. Aug. 2009
Beiträge
2.179
Reaktionen
296
Ohnehin nimmt das Hörvermögen im Alter ab, nur Babys hören Töne über 20.000 Hertz. In der Cochlea, der Hörschnecke mit den Sinneshäärchen, die - Milz an Großhirn, Otto - melden, was tönt, sitzen die für die höchsten Frequenzen verantwortlichen kleinsten und dünnsten Häärchen ganz innen. Die werden schon per Alterungsprozessen als erste lahmgelegt. ....

Quark. Wenn schon klugscheißen, dann bitte richtig.

Die feinen Häärchen für die höchsten Frequenzen sitzen direkt am Eingang der Cochlea, unmittelbar hinter'm ovalen Fenster. (Logisch, weil hohe Frequenzen nicht weit ins flüssige Medium penetrieren können, die tiefen dahingegen schon.) An diesen Zellen zieht wirklich alles vorüber: laut, leise, hoch, tief (Sinn, Unsinn :p ) ... daher sind sie auch am ersten kaputt.
 
 

Top Bottom