Klavier günstig online kaufen?


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xenomania
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hallo liebes Forum,

ich habe vor ein paar Monaten mit Klavierunterricht angefangen. Jetzt spiele ich mit dem Gedanken ein Klavier zu kaufen. Leider ist mein Budget äußerst begrenzt...
Deshalb habe ich mich im Inet auf die Suche gemacht (und weil ich weit weg von irgendeinem Händler wohne). Das Problem ist natürlich, dass man aus der Ferne schlecht einen Eindruck von Qualität und Klang bekommen kann. Deswegen wollte ich fragen ob ihr mir etwas über die Klaviere sagen könnt, die ich in die nähere Auswahl genommen habe:

Das erste ist ein Carl Ebel 115 K (ich habe von der Marke noch nie gehört). Es ist neu.

Das zweite ist ein Yamaha U1, von 1970.

Das dritte ist ein mysteriöses Römhildt. Ich habe versucht zu recherchieren und herausgefunden, das es die Firma seit 1933 nicht mehr gibt. Auf dem Foto sieht das Klavier aber viel neuer aus (sehr ähnlich dem Yamaha), woraus ich schließen würde, das es restauriert wurde. Aber was ist dann an dem Klavier Römhildt und was nicht? Und taugt dass denn noch was wenn es wirklich so alt ist?
Alle drei bewegen sich ungefähr im gleichen Preissegment (~1400 €). Das Ebel ist das billigste, das Römhildt das teuerste.

Ich weis das es schwer ist, aus der Ferne ein Urteil abzugeben, aber vielleicht könnt ihr mir eine Einschätzung geben, z.B. über das Ebel, denn davon habe ich noch nie gehört. Oder ob es überhaupt möglich ist zu so einem Preis ein zuverlässiges Klavier zu kriegen (z.B. habe ich sonst nur wesentlich teurere Yamaha U1 gefunden). Oder sollte man grundsätzlich dei Finger von Online-Angeboten machen?

Ich wäre für jeden Rat dankbar

mfg
Elli
 
Shigeru
Shigeru
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Hallo Elli,

ich würde es mal so sagen: Die Wahrscheinlichkeit, dass du ein gutes Instrument unter diesen dreien erwischt ist sehr, sehr klein - Die Wahrscheinlichkeit, dass du auf "die Schnauze" fällst oder Geld hinaus schmeisst, sehr, sehr, sehr gross. Römhildt und Ebel sind neue, aber sehr billige Chinesen Klaviere. Das Yamaha wird wahrscheinlich ein in Japan "entsorgtes" Klavier sein.

Günter
 
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Chopinist
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Bei solchen Summen würde auch ich dir von einem reinen Onlinekauf abraten. Gespielt sollte man es vorher schon haben. Ich selbst habe damit schlechte Erfahrungen machen müssen. Erst wenn man drauf gespielt hat, weiß man ob es das richtig ist!

Man kann ja bei Ebay auch lokal suchen oder kijiji.de benutzen, um Klaviere aus der Gegend zum anspielen zu finden.

Oder konfrontiere einen Händler in deiner Nähe damit, dass du ein günstiges Klavier suchst.

Ich habe mich letztendlich auch für ein Yamaha U1 BJ86 für 4000 entschieden, weil mich der Klang überzeugt hat. Obwohl ich gar nicht so viel Geld ausgeben wollte. Daneben standen jedoch andere Yamaha´s, deren Klang mich weniger überzeugt hatten. Deshalb immer Probespielen!

Viel Erfolg!

ps: Kannst dir ja den Thread: https://www.clavio.de/forum/klavier-keyboard-kaufen-reparieren/6673-steinway-sons-3.html anschauen, indem mein Kaufmaraton dokumentiert ist.
 
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xenomania
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Ok vielen Dank

ich werde dann die Finger davon lassen und weitersuchen
(und Lotto spielen....)

aber ich habe mir schon gedacht dass man für so wenig Geld auch nur so wenig Klavier bekommt (naja, die Hoffnung stirbt zuletzt)

Gruß
Elii
 
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xenomania
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Ich noch mal.

Habe bei Eby gestöbert. So viel gescheite Auktionen sind nich dabei.
Was haltet ihr von dem:http://cgi.ebay.de/SCHIMMEL-KLAVIER...72132QQptZTasteninstrumenteQQsalenotsupported
wie hoch schätzt ihr den Wert?

oder dem:
http://cgi.ebay.de/Klavier_W0QQcmdZ...08208QQptZTasteninstrumenteQQsalenotsupported

mittlerweile bin ich am überlegen, ob für den Anfang zum lernen und so ein Digitalpiano eine Alternative wäre. Ich denke da an Clavinova. Das soll ja gewichtete Tasten haben.
Was wäre eurer Meinung nach das kleinere Übel: Ein China-Akustik Klavier mit (höchstwarscheinlich) billigen Klang oder ein Digitalklavier mit.... naja eben digitalem Klang?
Denn ich habe noch mal meinen Schatzmeister gefragt und mehr als 1500 sind einfach nicht drin. Also entweder ein billiges oder keins.
 
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Muri
Guest
Du müsstest das Klavier schon probespielen. Jedes Klavier hat einen unterschiedlichen Anschlag und jeder bervorzugt was anderes!
 
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jensen1
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Für 1.400 bekommst Du auf alle Fälle ein nutzbares Klavier.

mittlerweile bin ich am überlegen, ob für den Anfang zum lernen und so ein Digitalpiano eine Alternative wäre.

Eine Alternative ja, aber wenn Du mich fragst: keine gute. Nimm lieber ein richtiges Klavier.


Und trotzdem ist der Anschlag meilenweit vom echten Klavier entfernt.

Was wäre eurer Meinung nach das kleinere Übel: Ein China-Akustik Klavier mit (höchstwarscheinlich) billigen Klang oder ein Digitalklavier mit.... naja eben digitalem Klang?

Gutes Gebrauchtinstrument, das wäre m.E. die beste Alternative. Klaviere können z.B. nach 30 Jahren "herumstehen im Wohnzimmer" noch praktisch neuwertig sein, und nur ein paar Handgriffe benötigen, um sie wieder in einen sehr guten Zustand zu versetzen. Maßgeblich ist hier immer, die Spreu vom Weizen zu trennen.

Schau Dir mal diesen Thread hier aus dem Forum an, da stehen ein paar Hinweise, was derzeit nicht so gefragt ist:

https://www.clavio.de/forum/klavier-keyboard-kaufen-reparieren/7676-ist-mein-klavier-noch-wert.html

Wenn Du bereit bist, ein paar Kompromisse zu machen (Gehäusefurnier), so findest Du sicher ein Klavier aus Fernost, was im gebrauchten Zustand um die 1000€ (plus/minus) kostet. Dann hast Du sogar noch etwas Budget, um das Klavier in Ordnung bringen zu lassen.

Mit viel Glück findet man auch hin- und wieder für kleines Geld (ein paar hundert Euro bis etwas über tausend Euro) ältere gebrauchte Markenklaviere aus deutscher Fertigung. Wenn ein Instrument z.B. 60 oder mehr Jahre auf dem Buckel hat, so muss man es sehr genau anschauen, um abzuschätzen, welche Kosten noch auf einen zu kommen, um es wieder in einen guten Zustand zu versetzen, bzw. man kann dann damit rechnen, dass ein paar Sachen zu richten sind. Es gibt aber durchaus 60 Jahre alte Klaviere mit sehr guter Substanz.

Ich halte nicht viel vom unbesehenen Gebrauchtklavierkauf über Ebay. Man muss ein Instrument immer vor Ort anschauen und begutachten lassen. Alles andere ist russisch Roulette. Wer will ein Klavier, was im schlimmsten Fall übel riecht und eine Mottenpopulation beherbergt, die dann munter die gesamte Wohnungseinrichtung in Beschlag nimmt? All diese Dinge kann man auf Bildern nicht oder nur schwierig erkennen. Immer anschauen. Also braucht man selbst über Ebay viel Geduld, weil man vielleicht nicht unbedingt 800km fahren möchte, für ein Klavier was vielleicht max. 1000€ kostet, nur um dann unverrichteter Dinge wieder abzureisen, weil das Klavier nicht den Erwartungen entsprach..... Anders sieht es aus, wenn man bewusst ein Restaurationsobjekt erwirbt, weil es vielleicht ein besonders schönes Gehäuse hat. Aber da muss man dann das entsprechende Budget einplanen (ein paar Tausend Euro) um alles komplett überholen zu lassen.
 
fisherman
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ich würde Jensen1 widersprechen. Die Wahrscheinlichkeit, für 1.400,- ein vernünftiges Klavier (und keinen Schrott oder eine Baustelle) zu bekommen ist recht gering (bei ebay eher bei Null).

Natürlich ist ein Digi kein 100%iger Klavier-Ersatz und ich plädiere eigentlich für "echte", sehe aber beim Budget das Problem. Für 1400,- bekommst Du aber bei Digis schon ein echtes oberes Mittelklasse-Modell (Ich favorisiere Kawai). Das sollte für die ersten 24 Monate reichen. Laufende Kosten hast Du hier keine und vielleicht kannst Du die Zeit nutzen, solange auf was Echtes zu sparen. Wenn Dir das gelingt, hast Du mit dem Digi was feines für die Zeiten, in denen man Nachbarn oder Familie nicht stören möchte. Bei der Überlegung ist natürlich auch die Wohnsituation zu berücksichtigen.
 
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Chopinist
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Ich allerdings, lange auf einem E-Piano gespielt, würde nie wieder mich an eins setzen wollen, nachdem ich mir nun endlich ein richtiges Klavier besorgt habe. Da liegen leider Welten dazwischen! Ich denke, dass es zwar schwer sein wird für den Preis ein wertvolles Klavier zu finden, jedoch kann sich die Suche dennoch lohnen. Ich kann da nur wieder auf ein Händler in deiner Nähe verweisen. Der hat doch bestimmt auch ein Klavier in deiner Preisklasse zum Anspielen!
 
fisherman
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He, Chopinist, ich teile ja Deine Meinung, aber bei 1400,- und erst einigen Monaten Erfahrung? Da muss man schon gute Berater und viel Glück haben. Meinst Du nicht? Was bei Händlern in der Preisklasse steht, ist zu 99,5% vom Klang und Anschlag so, dass ein neues (!) zeitgemäßes Digi Klassen besser ist.
1400 sind eben nicht 2.500 oder 3.000 - da würde ich anders antworten...

Was hattest Du für ein Digi?
 
Mindenblues
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ich würde Jensen1 widersprechen. Die Wahrscheinlichkeit, für 1.400,- ein vernünftiges Klavier (und keinen Schrott oder eine Baustelle) zu bekommen ist recht gering (bei ebay eher bei Null).

Jensen1 hat bei diesem Preis nicht von einem vernünftigen, sondern einem nutzbaren Klavier geschrieben. Und da glaube ich schon, man bekommt für diesen Preis ein Klavier, was spielbereit ist. Auch über ebay.

Und ich gehöre auch wohl eher der puristischen Fraktion an, ein akustisches Klavier einem E-Piano in jedem Fall vorzuziehen, es sei denn, Lärmschutzgründe sprechen für Kopfhörerbetrieb.
 

klaviermacher
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Ich kann mich Mindenblues und Jensen1 nur anschließen. Ich bevorzuge einfach den echten Klang.

Dieses Klavier hier ist bestimmt maßlos verstimmt und ausgewerkelt, trotzdem klingt es für mich um Welten besser als ein noch so teures Digitalpiano.

LG
Michael
 
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jensen1
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Einfach mal ein paar Beispiele, die Ebay so auf die Schnelle ausspuckt:

http://cgi.ebay.de/Klavier-KAWAI_W0QQitemZ150353246327QQcmdZViewItemQQptZTasteninstrumente?hash=item2301c07877&_trksid=p3286.c0.m14&_trkparms=65%3A12|66%3A2|39%3A1|72%3A1229|240%3A1318|301%3A0|293%3A1|294%3A50

Sieht gehäusemäßig nicht ganz so attraktiv aus (nach meinem Geschmack), aber das Klavier ist vielleicht maximal 30 bis 40 Jahre alt. Auch die Höhe von 111cm verspricht einen gewissen "Mindestklang". Hände weg von winzigen Instrumenten. Das ist nur eine absolute Notlösung.

http://cgi.ebay.de/Schoenes-kleines-Klavier-Marke-Rameau-Baujahr-1975-Nuss_W0QQitemZ280359215162QQcmdZViewItemQQptZAntike_Musikinstrumente?hash=item4146b6203a&_trksid=p3286.c0.m14&_trkparms=65%3A12|66%3A2|39%3A1|72%3A1229|240%3A1318|301%3A0|293%3A1|294%3A50

Würde es mal anschauen, evtl. kann man am Preis noch ein bischen was drehen. Wenn die Überarbeitung nachvollziehbar ist, und das Klavier gut spielt, könnte man vielleicht viel Freude daran haben.

http://cgi.ebay.de/Klavier-Piano-von-Alexander-Herrmann_W0QQitemZ250448493069QQcmdZViewItemQQptZTasteninstrumente?hash=item3a4fe4ba0d&_trksid=p3286.c0.m14&_trkparms=65%3A12|66%3A2|39%3A1|72%3A1229|240%3A1318|301%3A0|293%3A2|294%3A50

Hier ein Ost-Klavier für wenig Geld. Das sind keine sehr guten Instrumente, aber für Anfänger allemal besser als ein Digital-Klavier. Diese VEB-Piano Union-Klaviere gibt es unter diversen Namen ständig im Überfluss bei Ebay. Ordentlich gewartet durchaus brauchbar. Mehr als ein paar hundert Euro würde ich dafür nicht ausgeben. Dennoch ein echtes Klavier.

http://cgi.ebay.de/Klavier-der-Marke-Rippen-Eiche-Wundervoller-Klang_W0QQitemZ180371572961QQcmdZViewItemQQptZTasteninstrumente?hash=item29fefbc8e1&_trksid=p3286.c0.m14&_trkparms=65%3A12|66%3A2|39%3A1|72%3A1229|240%3A1318|301%3A0|293%3A2|294%3A50

Auch dieses Klavier dürfte aufgrund des Furniers schwer verkäuflich sein. Einfach mal anschauen. Wenn die Stimmhaltung wirklich gut ist, ist das immer ein gutes Zeichen. Generell sind Stimmhaltungsprobleme bei relativ jungen Instrumenten (30/40 Jahre) nicht verbreitet. Wenn solche Aussagen, wie, "wurde ein Jahr nicht gestimmt und klingt noch gut" verifizierbar sind, dann spricht das für einen guten Standort und ein gesundes Instrument. Es geht dabei natürlich darum, ob man der Aussage vertrauen kann. Als Klavierstimmer wird man zwar dennoch das Instrument mit einer Stimmung deutlich verbessern können, aber wenn es keine sofort auffälligen Verstimmungen zu beklagen gibt, so ist das ein gutes Zeichen.

http://cgi.ebay.de/Sehr-gutes-Klavier-BERDUX_W0QQitemZ170347259061QQcmdZViewItemQQptZAntike_Musikinstrumente?hash=item27a97ce4b5&_trksid=p3286.c0.m14&_trkparms=65%3A12|66%3A2|39%3A1|72%3A1229|240%3A1318|301%3A1|293%3A3|294%3A50

Dieses Klavier könnte schon ein bischen älter sein (vielleicht so 40-50 Jahre). Aber wenn es im guten Zustand ist, so hätte man doch noch viele Jahrzehnte Freude daran und manchmal müssen nur ein paar kleine Dinge gerichtet werden. Das ist ein schönes großes Klavier mit 120cm Bauhöhe, was eine entsprechende Klangfülle verspricht. Für dieses Berdux Klavier würde ich 800€ hinlegen, ohne mit der Wimper zu zucken, wenn es keine größeren Schäden aufweist.

Hinweis: keines dieser Klaviere habe ich näher begutachtet. Ich habe nur mal eine etwas willkürliche und schnelle Recherche bei Ebay betrieben, um ein paar Instrumente zu finden, die man sich anschauen könnte, wenn man für geringes Budget ein Klavier kaufen möchte. Man muss Kompromisse machen (schwarz hochglanz ist nicht drin, wobei die Frage ist, ob dies überhaupt erstrebenswert ist). Einige der Instrumente finde ich aber vom Furnier her durchaus ansprechend. Und nicht zu vergessen: Das Spielgefühl: Selbst das Alexander Herrmann - Ost- Klavier wird noch mehr Spaß machen, als ein Digitalpiano. Ein Klavierhändler kann im Preissegment 1.500€ im Grunde nichts (oder kaum) an einem Klavier verdienen. Hier sollte man sich einfach aufschwingen und die Sache selbst in die Hand nehmen.

Ich würde es so machen. Auktionen mit einem Startpreis im Bereich von einigen Hundert Euro finden oft keine Bieter. Also wartet man das Ende der Auktion ab. Dann fragt man, ob das Klavier noch zum Verkauf steht. Erfolgt der Verkauf nicht über Ebay, so hat der Verkäufer grundsätzlich einen gewissen Verhandlungsspielraum, da er keine Verkaufsprovision an Ebay zahlen muss. Darüber hinaus gibt es immer (einen gewissen) Verhandlungsspielraum.

Dann würde ich einige Klavierstimmer bzw. -bauer vor Ort anrufen und fragen, ob sie ggfs. kurzfristig eine Besichtigung vor Ort durchführen könnten. Ich würde hinfahren und das Klavier anschauen und dann vor Ort entscheiden, ob es mir gefällt. Falls das der Fall ist, könnte man den Klavierstimmer bitten, das Instrument anzuschauen. Findet dies am selben Tag statt, so wäre es möglich, den Deal perfekt zu machen (Vertrag und ggfs. Anzahlung), wenn der Klavierstimmer sein OK gibt. Möglich ist auch, den Klavierbauer nachträglich zu rufen, nachdem man das Klavier angeschaut hat (unabhängiger Termin). Wenn einem das Klavier gefällt, so sollte man die geringen zusätzlichen Kosten für eine Begutachtung ausgeben. Das ist eine Art Versicherung.

Ich würde nur Instrumente auswählen, die mir persönlich gefallen (rede nicht von der Optik, sondern vom Klang und Bespielbarkeit). So vermeidet man hohe Kosten für die Beurteilung durch einen Fachmann. Am Ende lässt man vielleicht ein Klavier beurteilen, welches man dann auch nimmt.

Wenn Klaviere nicht in einer Auktion zum Festpreis (bzw. Mindestpreis) verkauft werden, so bedeutet das oft, dass es keine Interessenten gibt. Klaviere sind nicht so schnell zu verkaufen wie Brot und Butter. Oft müssen die Leute Wohnungen auflösen oder ziehen um, so dass man durchaus einen Nachlass aushandeln kann, weil das Klavier irgendwie weg muss. Wenn dieses Handeln respektvoll geschieht, muss sich niemand dabei schlecht fühlen.

Den Transport kann man als Beiladung manchmal mit etwas Geduld günstig organisieren.

Es gibt so viele schöne Klaviere ("schön" vor allem: klanglich interessant und mit guter Spielart), dass ich schon ein paar Kilometer auf mich nehmen würde. Dies insbesondere, wenn man ein begrenztes Budget hat. Man kann einfach nicht erwarten, dass einem die gebratenen Tauben vor Ort in den Mund fliegen. Fährt man mit dem Auto, so kann man z.B. immer bei der Mitfahrzentrale die Route eingeben. Bei zwei bis drei Mitfahrern fährt man relativ günstig, zumindest kann man damit die Fahrt etwas subventionieren.

Ein paar Dinge, die man selbst anschauen kann, bevor man den Klavierstimmer ruft: Rost auf den Blanksaiten ---> Klavier stand zu feucht (nicht gut). Auf Mottenfraß achten. Auf hängende Tasten achten. Fragen, wann das Klavier zuletzt gestimmt wurde. Vorsicht bei starken Verstimmungen (man drückt eine Taste, hört aber deutlich mehrere Töne, oder zwei nebeneinander liegende Tasten haben annähernd dieselbe Tonhöhe ---> dies deutet auf Stimmhaltungsprobleme). Ein Blick auf die Hammerköpfe zeigt, ob sich dort tiefe Rillen befinden. Wenn die Hammerköpfe nur ganz geringe Rillen haben, so wurde das Klavier wenig benutzt, oder die Hammerköpfe wurden abgezogen. Diese wenigen Punkte ersetzen nicht die Begutachtung durch einen Fachmann, aber man kann evtl. bestimmte Widersprüche aufdecken. "Klavier wurde kaum gespielt", aber tiefe Rillen in den Hammerköpfen = Widerspruch in sich ----> Vorsicht, hier muss man die Vertrauenswürdigkeit des Verkäufers genau hinterfragen. Tiefe Rillen sind ansich kein Problem, das kann man alles in Ordnung bringen. Aber ein stark genutztes Klavier muss natürlich intensiver reguliert und intoniert werden, als ein nur geringfügig genutztes.
 
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robimarco
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Also ich habs, auch so gemacht, daß ich mir zuerst ein Roland FP7 um 1.400,- zugelegt und anschließend auf ein richtiges Klavier gesapart habe. Allerdings hat mich der sterile Klang des Digi recht bald genervt, daher kaufte ich mir schon nach einem Jahr mein Schimmelchen um ca. 7.000,-. Jetzt habe ich eine ideale Kombination mit dem klangvollen Schimmel und dem transportablen Digi, das ich besonders in den Nachtstunden mit Kopfhörern zu schätzen weiß.
 
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@jensen1 - Tolle Recherche!

Ich hab sowas für ein paar Mitglieder auch schon gemacht;) Gibt jede Menge Arbeit...

ChrisSilver ist sicher nicht enttäuscht worden, obwohl er es dann aufgrund der Distanz blind oder eher "taub" gekauft hat. Er hat mir allerdings mehr Bilder zukommen lassen, weil er mit dem Verkäufer in Kontakt trat.

Das Berdux würde mich von Deinen Vorschlägen vermutlich am ehesten ansprechen.

LG
Michael
 
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Apfelmännchen
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mensch jensen1,
vielen dank für deine schönen ausführlichen erläuterungen über die verschiedenen möglichkeiten ein klavierkaufs von privat :)

Ich habe jetzt in Zukunft auch ein Klavierkauf für meine Musikschule vor mir, mit recht begrenzten bugdet und da sind solche tipps echt Gold wert, Jensen1

freut mich echt das hier immer mehr experten dazukommen.
Danke nochmal. Super Beitrag!
 
K
Klavierbaumeister
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Das Berdux würde mich von Deinen Vorschlägen vermutlich am ehesten ansprechen.

Berdux hat SUPER Klaviere gebaut, aber wenn Ihr mich fragt, ist dieses ein grausam modernisiertes Exemplar, das ursprünglich in der Zeit zwischen den Weltkriegen gebaut wurde.
Ich tippe auf ca. 1924-1930.

Der tatsächliche Zustand ist aufgrund des Alters also auch eher ungewiss, auf die angegebene Taxe würde ich nicht vertrauen.

Wenn ich mir ein Instrument dieser Zeit heraussuchen sollte, dann würde ICH (!!!) lieber eines, das noch nicht umgebaut wurde und auch optisch noch eine Akttraktion darstellt.
 
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jensen1
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Berdux hat SUPER Klaviere gebaut, aber wenn Ihr mich fragt, ist dieses ein grausam modernisiertes Exemplar, das ursprünglich in der Zeit zwischen den Weltkriegen gebaut wurde.
Ich tippe auf ca. 1924-1930.

Der tatsächliche Zustand ist aufgrund des Alters also auch eher ungewiss, auf die angegebene Taxe würde ich nicht vertrauen.

Da bin ich mir nicht sicher. Gut möglich, dass Du recht hast, die Fotos geben nicht genügend her für eine abschließende Beurteilung (zumindest aus meiner Sicht). Hier würde ich nach der Seriennummer fragen und Detailfotos anfordern. Möglich, dass es umgebaut wurde. Dies wäre dann ein Grund, mit dem Preis noch etwas nach unten zu gehen. Von den alten Berdux-Instrumenten halte ich sehr viel, da habe ich schon ein paar wirklich schöne Exemplare gesehen (Klaviere und Flügel).

Es ging mehr um den Umstand, dass es sehr ansehenswerte Instrumente in der genannten Preiskategorie gibt.

dann würde ICH (!!!) lieber eines, das noch nicht umgebaut wurde und auch optisch noch eine Akttraktion darstellt.

Dem stimme ich zu, wobei ich mich mit dem o.g. Berdux durchaus anfreunden könnte. Ich finde das Gehäuse nicht extrem ansprechend, aber auch nicht unansehnlich. Ist sicher eine Geschmacksfrage.


Mal hat man Zeit, mal nicht.

Es geht für mich in erster Linie um die Grundaussage, dass es einen Haufen interessanter Instrumente im Preisbereich einige Hundert bis c.a. 1.500€ gibt. Man muss sie nur finden und ein paar Bemühungen auf sich nehmen. Allemal besser, als ein Digitalklavier für 1.500€ zu kaufen, was einen nach kürzester Zeit langweilt und nur einen massiv geschmälerten Wiederverkaufswert hat.
 
fisherman
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nachtrag

Wenn Elli sich die Mühe dieser www-Suche machen will und den Organisationsaufwand nicht scheut - dann haben die Verteidiger des "echten" Klaviers natürlich recht. Jensen1 - prima und sehr freundschaftlicher Beitrag!

Was aber relativ deutlich rüberkam: Im Handel wird es "eng" bis unmöglich.

Das Berdux würde auch ich mir anschauen - uns soooo daneben ist die Optik weiß Gott nicht. Allemal besser als die anderen Angebote.
 
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xenomania
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so viel feedback ist ja der wahnsinn!

Natürlich schlägt sogar mein Anfängerherz für ein akustisches Klavier, trotzdem sind die vorteile des Digi nicht so leicht unter den Tisch zu kehren. Ich werde in absehbahrer Zeit umziehen (Stadt-> Nachbarn, OG, usw), und das wird auch nur übergangsweise sein (max. 2 Jahre). Wenn man dann die Transport- und Wartungskosten berücksichtigt, wird mir klar, dass ich mir ein Klavier nicht nur nicht leisten, sondern auch nicht unterhalten kann.

So Leid es mir tut, eigentlich hat mein Verstand schon gesiegt. Und der sagt, jetzt ein gebrauchtes besseres Digi (bei Ebay), sparen, und in zwei oder drei Jahren, wenn es auch hoffentlich finanziell etwas besser aussieht, ein akustisches.

Zusätzlich kann ich ein altes akustisches Klavier geschenkt bekommen, und ich denke das werde ich auch annehmen (einem geschenkten Gaul und so weiter).
Es klingt gar nicht mal so schlecht und ist auch nicht ernsthaft beschädigt. Bei ein paar Tasten kommt ein schräger Ton raus und der Wiederstand beim Anschlag ist von Taste zu Taste teilweise sehr unterschiedlich, aber es ist immer noch besser als nichts. Ich denke es reicht zum klimpern um das Feeling einen echten Klaviers über dem Digi nicht zu verlieren. Das würde ich dann beim Umzug auch nicht mitnehmen.
Oder vielleicht kann ich ja auch etappenweise reparieren lassen, anstatt ein anderes zu kaufen.
Es ist ein Arion, warscheinlich um 1920.


Trotzdem vielen Dank, auch an Jensen für die aufwendige Recherche.
 
 

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