Ist Zählen nicht mehr modern"

Klafina

Klafina

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ein Kind ist in der 4. Klasse der Grundschule, es steht der Übertritt auf die weiterführende Schule an. Es gibt unmengen von Aufgabenzetteln, die auf dem Schulhof wöchentlich abgeholt werden müssen. Keine Erklärungen zu den Aufgaben, keinerlei Kontakt zu den Lehrern. Die erledigten Aufgaben werden nicht mehr von den Lehrern kontrolliert. Es gibt keine Rückmeldung.
Ui, das ist aber heftig. Dass es einer Grundschule an der digitalen Infrastruktur fehlt, kann ich noch nachvollziehen. Aber gar keine Rückmeldung über die Arbeit der vergangenen Woche bei der Abgabe der Aufgaben in der folgenden Woche finde ich schon dürftig.
 
M

mirandris

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@Klafina : Das scheint aber leider kein Einzelschicksal bei uns zu sein. Das höre ich von vielen Eltern. Der Freude am Lernen und am Wissen an sich wird gerade erfolgreich getötet durch sinnloses Abarbeiten von noch viel sinnloseren Aufgaben. Aber das ist ein anderes Thema. Es tun mir die Kinder leid, in deren Familien so etwas nicht aufgefangen werden kann. Aber das war ja leider auch schon vor Corona so. Es wird groß von Gleichberechtigung in der Bildung geredet aber wirklich was geändert wurde nie. Echte Chancengleichheit hat es nie gegeben und wird es vermutlich auch nicht. Und mir blutet das Herz, wenn ich mit Kindern rede und höre, wie ungerecht doch die Chancen verteilt sind.
 
Hekse

Hekse

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Ui, das ist aber heftig. Dass es einer Grundschule an der digitalen Infrastruktur fehlt, kann ich noch nachvollziehen. Aber gar keine Rückmeldung über die Arbeit der vergangenen Woche bei der Abgabe der Aufgaben in der folgenden Woche finde ich schon dürftig.

Ist bei uns auch so. An den 3 Tagen an denen ich arbeite geht mein Zweitklässler in die Notbetreuung in der Schule. Da sitzen dann die Kinder von der ersten bis zur vierten Klasse zusammen in der Aula, beaufsichtigt von wechselnden Lehrkräften und erledigen ihre Zettel. Jedes Kind hat ein Tablet, um sich das YT Erklärvideo zu neuen Themen anzuhören. Wenn der letzte fertig ist, schauen sie Pettersson& Findus Folgen. Persönliche Ansprache der Kinder oder Korrektur ist nicht vorgesehen, dass macht Mama dann am Nachmittag...(@mirandris: Solltest du Befürchtungen haben, dass die Kinder in der Notbetreuung einen deutlichen Vorsprung haben könnten. Entspann dich 😉)
 
Ralph_hh

Ralph_hh

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Die Corona Maßnahmen dienen vor allem zwei Zwecken: der Entlastung der Krankenhäuser und dem Schutz der Bevölkerung jenseits der 70. Ausgetragen wird das Ganze auf dem Rücken der Kinder, die keine sozialen Kontakte mehr haben und ihre Zukunft aus Spiel setzen wenn Sie ein Jahr nicht beschult werden. Sowie auf dem Rücken der Wirtschaft, die immense Schäden erleidet, was unser aller Wohlstand gefährdet.

Aber wer wollte sich anmaßen, zu sagen, dann lassen wir halt ein paar hunderttausend Leute sterben. Wer will diese Abwägung entscheiden? Die Entscheidung fällt vermutlich bei jedem anders aus, je nachdem vor wegen Problem er gerade steht. Ein junger Mensch, der selbständig war und inzwischen pleite ist mit zwei Kindern zu Hause, die langsam durchdrehen wird das sicher ganz anders sehen, als ein pensionierter kinderloser Beamter, dessen Finanzen in trockenen Tüchern sind.

Es gibt keine perfekte Lösung.
 
Demian

Demian

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Richtig. Wahre, kluge Worte @Ralph_hh. Diese Krise zeigt unsere Gesellschaft ungeschminkt, mit all ihren Stärken und Schwächen. Und sie zeigt in bisher nie gekannter Klarheit, dass unser aller Zusammenleben nur mit Kompromissen funktionieren kann. Der Satz von Arnold Schönberg: „Alle Wege führen nach Rom, nur nicht der goldene Mittelweg“ hat in der Kunst seine Gültigkeit, im Leben hat er es nicht. Wer politisch in Entweder-oder-Kategorien denkt, ist letztlich ein Extremist.
 
Shigeru

Shigeru

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Aber wer wollte sich anmaßen, zu sagen, dann lassen wir halt ein paar hunderttausend Leute sterben. Wer will diese Abwägung entscheiden?
Die Politiker sagen das nicht, lassen aber die Leute sterben. Bis jetzt sind es in D ca 68000 klinisch Tote und von den wirtschaftlichen Toten gibt es (auch durch die ausgesetzte Insolvenzanmeldung) keine Statistik. Ich wurde im Mai negativ getestet. Kein Wunder nach 2 Monaten Lockdown mit Onlineunterricht. Da der Durchschnittscoronatote 82 Jahre alt ist, und ca 75-80% der Coronatoten in Heimen waren, die monatelang nicht getestet wurden, interpretiere ich das mal als sterben lassen. Dass die sehr großen Industriebetriebe, die Bauwirtschaft, die Bahn, der öffentliche Verkehr so gut wie keinen Lockdown und auch kein Hygienekonzept hatten und auch nicht brauchten zeigt doch, um was es geht: 💸
Dafür machen sie Frisöre, Restaurants, Musikschulen, Fahrschulen, Kinos, Theater usw zu. Das ist doch wie wenn ich mir das linke Bein gebrochen habe und mir wird dann das rechte eingegipst, die Krankenkasse zahlt und alles ist wieder gut.
 
Sven

Sven

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Hoffentlich werden wenigstens die Retenbeiträge gesenkt, wenn so viele Rentner aus dem Leistungsbezug heraussterben.
 
Shigeru

Shigeru

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Hoffentlich werden wenigstens die Retenbeiträge gesenkt, wenn so viele Rentner aus dem Leistungsbezug heraussterben.
Da wäre ich mir nicht sicher: Für die Rentenversicherung kommen doch in den nächsten 10/20 Jahren erst die schwierigen Jahre mit den geburtenstarken Jahrgängen

Aber die Rente bleibt trotzdem sicher 😉 und die Erhöhung der Arbeitslosenversicherungsbeiträge, sowie Steuern, Gebühren und die steigende Inflation nach den Wahlen sind sogar so sicher wie noch nie
 
Rheinkultur

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Ja, ich unterrichte auch online. Aber man MUSS das immer NUR als das sehen: Eine Notlösung, die NUR ihre Berechtigung hat, weil sonst viele Musiker pleite wären. Peng, aus.
Das Fettgedruckte muss man dem Kunden (sprich dem Schüler) gegenüber mit großer Vorsicht kommunizieren, da man nun mal eine Lehrkraft nicht aus Mitleid konsultiert, sondern, weil man von ihr eine Dienstleistung in der Form von Musikvermittlung erwartet. Aber es gehören zwei Seiten dazu - auch wenn man wie in meinem Fall Musikvermittlung als Chorleiter praktiziert, der im Falle eines Gesangvereins einer Gemeinschaft von (fast immer) Laiensängern zum Erlernen und Aufführen mehrstimmiger Chorsätze verhilft. Als Chorleiter wäre ich in der Lage, mit schnellem Internet, Übertragungsmöglichkeiten und Piano/Keyboard und weiteren Instrumenten von zu Hause aus virtuelle Proben durchzuführen. Und mehr als das: in den vergangenen Jahren habe ich alles verfügbare Notenmaterial gescannt, zigtausende von Chorsätzen auf Abruf gespeichert, selbstverständlich auch meine eigenen Sätze - dazu Konzertmitschnitte, MIDI-Files zum Üben, Computersimulationen noch nicht aufgeführter Sachen..., kurzum, alles aus der Welt der Chormusik ist verfügbar und sekundenschnell auf der Gegenseite verfügbar, sofern die technischen Einrichtungen allseits zuverlässig funktionieren. Das wären sogar Unterschiede in positiver Hinsicht gegenüber dem gewohnten Chorbetrieb. In der Praxis kam jedoch bis heute nicht eine einzige virtuelle Chorprobe zustande. Warum? Hinsichtlich der ältesten Chormitglieder jenseits der achtzig Lebensjahre mögen die bewährten Klischees zutreffen, dass diese kein schnelles Internet, teilweise noch nicht einmal einen Computer zu Hause haben. Aber auch der arbeitenden Bevölkerung zugehörige jüngere Chormitglieder versichern, dass ihnen das miese Bild und der miese Ton beim virtuellen Meeting via ZOOM von der Firma her als Zumutung genügen. Sich dann auch noch in der Freizeit mit schlechten Online-Übertragungen herumzuärgern, bei denen ständig das Signal instabil wird - nein danke. Entweder eine vernünftige Chorprobe wie gewohnt - oder es besser bleiben lassen. Und dass eine Zweiklassengesellschaft dem Zusammengehörigkeitsgefühl im Verein nicht zuträglich ist (die einen machen mit und die anderen bleiben halt draußen), versteht sich wohl von selbst. Schon aufgrund der weitaus größeren Teilnehmerzahl als beim Einzelunterricht mit einer Lehrkraft und einem Schüler sind technische Probleme eher die Regel als die Ausnahme. Gerade auf dem Lande gibt es längst noch nicht überall schnelles Internet - und es wird noch geraume Zeit ins Land gehen, bis man komplette Chorprojekte in guter Qualität online realisieren kann, ohne dass das jetzt als billige Ausrede eines faulen und technisch inkompetenten Ensembleleiters herhalten soll.

LG von Rheinkultur
 
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das ist das Eine. Ich habe außerdem die Erfahrung gemacht, dass seit die Konzerte verboten sind, auch die Motivation weggebrochen ist. Vorher war schon noch der Wille da, sich in kleinen Gruppen zu treffen, mit Abstand etc. Ich habe das selbst so praktiziert, das hat schon geklappt. Aber wenn man dann zum dritten Mal kurz vor dem geplanten Auftritt die Absage von der Behörde bekommt, bleiben die SängerInnen allein aus Frust weg.
Aber auch der arbeitenden Bevölkerung zugehörige jüngere Chormitglieder versichern, dass ihnen das miese Bild und der miese Ton beim virtuellen Meeting via ZOOM von der Firma her als Zumutung genügen. Sich dann auch noch in der Freizeit mit schlechten Online-Übertragungen herumzuärgern, bei denen ständig das Signal instabil wird - nein danke.
 
FünfTon

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Dass die sehr großen Industriebetriebe, die Bauwirtschaft, die Bahn, der öffentliche Verkehr so gut wie keinen Lockdown und auch kein Hygienekonzept hatten und auch nicht brauchten zeigt doch, um was es geht: 💸
Dafür machen sie Frisöre, Restaurants, Musikschulen, Fahrschulen, Kinos, Theater usw zut.
Ich beobachte mit einem Schmunzeln, was für ein Aufstand bei uns am Sonntag Vormittag getrieben wird. Inzwischen darf nicht mehr als ein Musiker mehr gleichzeitig auf die Bühne, denn der könnte ja sonst tot umfallen. Dann verlaufe ich zwischendurch mal in eine systemrelevante Rundfunkproduktion und dort herrscht einfach kompletter Normalbetrieb. Entsprechend schwer fällt es, angesichts des anderenorts zelebrierten Hygiene-Kultes nicht in schallendes Gelächter auszubrechen.
 
 

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