Hiromi Uehara - ein neuer Stern am Jazzhimmel ?

Dieses Thema im Forum "Klavier und Jazz" wurde erstellt von Koan, 29. Jan. 2007.

  1. Koan
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    Koan

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    Hallo Klavierfreunde,

    im alten Forum hatte ich auf meine Entdeckung von vor ein paar Tagen hingewiesen - die japanische Jazzpianistin Hiromi Uehara (www.hiromimusic.com).

    Darüber gab es schon einige Postings, insbesondere über die Fingerhaltung von ihr. Desweiteren bekam sie viel Lob und Anerkennung.

    Sie hat vor, in Nashville demnächst ein neues Album einzuspielen ...
     
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 29. Jan. 2007
  2. tomi
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    tomi

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    Also um den alten (verlorengegangenen) Thread wieder aufzunehmen: Ich hab mir nun ein paar Platten von ihr angehört -- es gibt ein paar Highlights die ja eh auf YouTube sind (old castle, love and laughter) aber das wärs dann von musikalischen auch schon. Sie ist technisch sicher super und auch recht innovativ aber die Wahnsinnsinnovation ist es nicht. Manche Nummern sind fad und diese Nummern mit viel Elektronikeinsatz sind sogar eher nervtötend -- ist aber sicher Geschmacksache. Fazit: Ich würde sie in die Kategorie "Another good one" einreihen aber zu meinen Jazzpiano Lieblingen zähle ich sie (noch) nicht. Vielleicht macht sie ja einmal eine Solo Platte ... a'la Enrico Pieranunzi oder Brad Mehldau.

    Tomi
     
  3. Koan
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    Koan

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    Was ich ihr wünsche ...

    ... ist, dass sie noch mehr zu einer eigenen Identität findet.

    Sie gibt in Interviews an, dass sie alles und jede/n gut findet und ich meine, so spielt sie im Moment auch.

    Ich meine die Kunst, mit minimalen sanften Tönen eine Atmosphäre zu zaubern, Bilder zu malen ... aber vielleicht entwickelt sich diese Seite noch. Immerhin ist sie erst 28 ;)
     
  4. Toccata
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    Toccata

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    Ich hab mich mit Koan schon über sie unterhalten. Ich mag sie nicht besonders.
    Sie ist mir zu perfekt, zu makellos, zu orkanartig, mit einem Wort: zu japanisch. (Entschuldigung.)
    Ihr ewiges Lächeln - immer freundlich, immer nett, immer hinter einer Fassade versteckend.
    Ihre Musik ist mir zu durchkomponiert, zu durchdacht - einfach alles (inkl. ihrer Klaviertechnik) zu perfekt. Zu kalt, zu emotionslos - eine Musik, auf Perfektionismus hingedrillt. Aber es ist keine Musik um sich hinzusetzen, zuzuhören und abzuschalten. Koan hat sie als "Lehr-CD`s" bezeichnet und das finde ich sehr treffend.
    Ein Freund von mir hat 2 ihrer CD`s, daher kenne ich sie auch. Aber selbst werde ich mir bestimmt keine zulegen, da bleib ich dann doch lieber bei Keith Jarrett und Co.....
     
  5. Wu Wei
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    Wu Wei

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    Und trotzdem ist dieser Titel: http://www.youtube.com/watch?v=5mK2fv7y9YY
    immer noch einer meiner derzeitigen Lieblinge. Natürlich gehen auch mir bei einigen Aufnahmen auf YouTube Hiromis Dauergrinsen und kokettes Augenrollen auf den Keks – doch Lang Lang ist diesbezüglich auch nicht besser zu ertragen. Jedenfalls ist es für mich mal eine jazzpianistische Belebung, wie ich sie seit der Zadeh nicht mehr hatte. Die Jarrett, Hancock, Corea in allen Ehren, aber irgendwie habe ich mir die alten Männer einfach im Laufe der letzten Jahrzehnte etwas überhört.

    Gerne nehmen wir Ihre weiteren Vorschläge für frisches Rock-und-Jazz-Pianoblut entgegen.
     
  6. Heglandio
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    Heglandio

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    Der klassische Touch ist genial, dass fehlt den meisten Jazz-Pianisten (leider). Wirklich modern und frisch gespielt... bin noch ein wenig sprachlos.
     
  7. Koan
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    Koan

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    Heglandio ... hatte das gleiche Erlebnis

    Die erste Begegnung hat mich aus dem Stuhl gepustet und mir einen riesigen Motivationsschub verpasst, das Klavierüben wieder intensiver zu betreiben.

    Ich brauchte erstmal musikalischen Abstand, bis sich die Euphorie gelegt hat ("Wow so kann man also auch spielen ... also ran ans Klavier !") und ich feststellte, dass ihre Musik für mich mehr eine Inspiration zum Klavierspielen ist ... wenn ich in einer "jazzigen" Stimmung bin und ich mich gemütlich bei Kerzenlicht und einem guten Tee auf die Couch setze, höre ich lieber ruhigere Töne ... (z.B. Jan Garbarek, Tord Gustavsen und Pat Metheny mit Charlie Haden).

    (Lustig wäre es bestimmt, mal mit Hiromi zusammenzuspielen, ich glaube, dass würde total Spass machen. ;) ).
     
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 2. Feb. 2007
  8. Koan
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    Koan

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    Tja ...

    ... ich bin weder Chick Corea noch Akiko Yano.

    Aber mit anderen zusammenzuspielen/improvisieren finde ich klasse. Ich finde, das gibt einen guten Einblick in den Mitspieler es macht ausserdem noch total viel Spass :)
     
  9. Heglandio
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    Heglandio

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    @Pianomobile

    Fehlt Dir bei klassischen Pianisten auch der jazzige touch?

    Antwort:

    Ganz klar Nein: weil sie bereits Jazz spielen! Hör dir Satie, Ravel, Skrjabin, Debussy an... ;-) Ganz nach meinen Ausbildern: Es gibt immer Option A und B... :-) und sie entscheiden.
     
  10. Heglandio
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    Heglandio

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    Des Weiteren weiß ich nochmals darauf hin, dass die meisten Jazz-Größen klassisch ausgebildet waren. Bill Evans ist ein Parade-Beispiel. :-)
     
  11. Heglandio
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    Heglandio

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    Zitat: Aber wenn sie Jazz spielen, spielen sie Jazz.

    Klar... so was hoffe ich mal ernsthaft. :-)

    Was mein Grund-Credo war, dass ich meinte, viele Jazz-Pianisten haben irgendwie keine eigene Ästhetik (Phrasierung, Umspielungen etc.). Was auch oftmals bei jungen Nachwuchskünstlern der Fall ist. Ich habe mir während einem ganzen Jahr junge Jazz-Studenten aus der Schweiz angehört und nur wenige haben mich wirklich berührt. Anderes Bsp.: Fred finde ich total Klasse, weil man bei ihm hört, dass er eben gerade hört.
     
  12. Koan
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    Koan

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    Das Kennzeichen beim Jazz ...

    ... ist doch die Improvisation oder ? Es gibt sicherlich bei modernen Komponisten regen Gebrauch von Jazz-typischen Harmonien etc. und viele Jazz Standards sind als "Stücke" aufgeschrieben. Aber zum richtigen Jazz wird das meiner Meinung nach erst durch das Improvisieren... :eek:

    War dann Bach auch schon Jazzer, wenn er in einem Konzert ganz spontan über ein Thema variiert hat ? *grübel* :rolleyes:
     
  13. Wu Wei
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    Wu Wei

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    ... und wenn er nicht gelebt hätte, gäbe es den Jazz in der bekannten Form heute nicht. (Davon abgesehen, dass die gesamte Musikgeschichte sicher anders verlaufen wäre.)
     
  14. Heglandio
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    Heglandio

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    Harmonisch betrachtet ist der Jazz nichts Neues. Das sagt auch ein Sikora und andere Fachleute. Gerade die Romantik beinhaltet schon fast alles harmonische, was man im Jazz braucht.

    Der einzige Unterschied ist der Rhythmus, nicht einmal die Improvisation, dass ist belegt und haben die Klassiker auch schon gemacht. Die schwarzen mussten sich halt irgendwie abheben. Darum die vielen Synkopen etc.

    Auch harmonisch haben sie vieles noch ein wenig abgewandelt. Aber nur minimal...

    Daher finde ich nach wie vor, dass die Klassik mehr mit Jazz zu tun hat, wie manch einer meint.

    Aber darüber soll jeder seine eigene Meinung bilden.
     
  15. no peil
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    no peil

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    uiuiuiu

    Na, wenn das nicht mal sehr gewagte Thesen sind, Heglandio.

    --
    Die Dame ist wohl handwerklich sehr gut aber die Musik ist mir zu glatt. (Mein persönlicher Geschmack isse nich!)
    Ansonsten hatte ich allerdings noch nie was von ihr gehört, so dass mein bescheidener Horizont sich hiermit bissle erweitert hat. **

    no peil
     
  16. Fred
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    Fred Guest


    Und ein Jazzer der sich an einer Fuge zu schaffen macht ist noch lange kein Klassiker. :D
    Hier ein kleiner Versuch

     
  17. no peil
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    no peil

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    Kunst der Fuge

    Vielleicht ein Fliesenleger ?
     
  18. Wu Wei
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    Wu Wei

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    Auf alle Fälle ein Profi – ansonsten Gefahr der Unfuge.
     
  19. Fred
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    Fred Guest

    Ich habe mein Bad zwar nicht selbst verfugt, aber zutrauen würde ich es mir. :) Dann würde ich in der Badewanne vielleicht noch besser "präludieren".
     
  20. Wu Wei
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    Wu Wei

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    Ja, aber die Aufnahme hat auch ohne Badewanne schon sehr gefallen. War das frei oder gab's ein bestimmtes Original als Anregung?