H.-G. Heumann- woher dieser "Hass"?

  • Ersteller des Themas Gast28962
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Ich finde, dieses Heumann-Zeugs und ähnliches dann OK (aber in keinem Fall notwendig oder besonders hilfreich), wenn:

- Es wirklich nur als einfaches Anfängerstück gespielt wird

- Wenn es nicht den Großteil des Repertoire ausmacht

- GANZ WICHTIG: Den Schülern klar macht, dass die gerade nicht das und das große Werk spielen, sondern einen verstümmelten Ausschnitt als kleine billige Anregung des Belohnungszentrums. Wie wenn Kinder ne Milchschnitte kriegen. Jeder weiß, die ist keine kulinarische Kostbarkeit und eigentlich nicht gut, kann aber ab und dann in geringer Dosis eine Freude machen, ohne zu schaden.

Vielleicht, wenn Zeit vorhanden ist, die Schüler das echte Stück mal hören lassen und versuchen, dass sie das verstehen.
Die müssen die wachsende Komplexität mit ihrem Programm von den einfachsten Stückchen aus irgendeiner Schule oder Heumannzeugs über Album für die Jugend und Burgmülleretüden zu Sonatinen usw. - ich kenne Leute, die auch in einer städtischen Musikschule bis zur h-Moll-Sonate von Liszt oder Paganinivariationen von Brahms gekommen sind.

Ich hatte außerdem diese dämlichen Arrangements nie gespielt, wäre auch gegen meinen Stolz gewesen. Nach den Kinderstücken kamen Burgmülleretüden dran, die ich auch bis heute nicht mag.

Nicht unbedingt schlecht finde ich die Zusammenstellung "Der Klassikband" von Heumann mit einfachen Originalstücken, aus dem ich auch im Klavierunterricht gespielt habe.
In Zeiten von IMSLP braucht man sowas aber auch nicht.
 
Ich musste als Kind eine Weile aus etwas mit Heumann Vergleichbarem spielen: „It‘s easy to play classics“: https://www.worldofbooks.com/de-de/buecher/chester-music/it-s-easy-to-play/9780711942011?gclid=EAIaIQobChMI34HF89Se7gIVC95RCh0DAg_IEAQYAyABEgKuSPD_BwE#GOR004846363

Das waren auch nur hässliche Rudimente verschiedener „Klassik-Hits“.
Ein riesiges Problem ist übrigens bisher noch nicht genannt worden: Diese schlechten Arrangements waren z.T. meine ersten Berührungen mit der jeweiligen Musik, der sie entlehnt waren. Und das bedeutet, dass ich z.B. das Largo aus Dvoraks 9. Sinfonie, den ersten Satz aus Griegs Klavierkonzert oder Mendelssohns Hebriden-Ouvertüre nicht hören kann, ohne dabei diese grausligen Bearbeitungen im Ohr zu haben. Auch das sollte jedem Klavierlehrer klar sein, der Kindern das antut.
 
Zuletzt bearbeitet:
@Rheinkultur
Wollen wir mal nicht hoffen, dass der Heumacher hier mitliest...
 
Erstaunlich übrigens, was für eine Ausbildung Heumann genossen hat, siehe hier:

Das ist offenkundig ein direktes Zitat von seiner eigenen Webseite. Als "außergewöhnlich" kann man das dort Vorfindbare kaum bezeichnen. Studium an einer MH, dann "Kompositionsstudien in New York und New Orleans" ohne Angabe von Lehrern und Dauer; das können also auch Stippvisiten zu einem Meisterkurs o.ä. gewesen sein. Du warst keine vier Wochen in New Orleans? Na dann schäm dich, aber sofort. ;)
 
Puh, ganz schön heftig, was hier so geschrieben wird. Sehr schlechter Stil! Über „Niveau“, in welchem Zusammenhang auch immer, habt ihr sicher gar nichts zu meckern...... :010:
 
wenn ich dich richtig verstehe, trauerst du bisweilen der Möglichkeit nach, mit deinem geschätzten Klavierlehrer auch nicht barocke bzw. auch mal romantische Kompositionen zu erarbeiten. Da hast du mein vollstes Verständnis! :)

Liebe Chiarina,

ausnahmsweise;-) liegst du mit deiner Vermutung diesmal total daneben!:chr02:

Zwischen 1959 und 1969 habe ich ja durchaus neben Bach einiges von den oben erwähnten "Brüdern" sowie auch von Schumann, Mendelssohn, Brahms, Bartok und Chatschaturjan gespielt, dazu nicht wenige Lieder vor allem von Schubert, Schumann und Hugo Wolf begleitet. Leider hatte ich erst in den letzten 4 Unterrichtsjahren einigermaßen ernsthaft geübt.
Beim Wiedereinstieg nach 47 Jahren habe ich mit meinem KKL/KCL/KOL vereinbart, daß wir uns ausschließlich Werke eines mitteldeutschen Barockkomponisten, der in meiner Heimatstadt 10 Monate tätig war, vornehmen werden.
Einzige Ausnahme soll Beethovens WoO 80 sein. Wenn ich diese Variationen gut bewältige, sagt er, daß es dann bei Bach keine größeren technischen Probleme mehr geben sollte.:super:
Vor 2 Jahren kam mir leider eine ganz fiese Pneumonie in die Quere, sodass ich nach meiner Resurrectio mortuorum im Juni 2019 nochmals fast von Null anfangen durfte. Mit den noch ausstehenden 5 Partiten, 5 Englischen und 4 Französischen Suiten sowie ca. 75% des WTC I/II, die Goldberg-V. nicht zu vergessen, werde ich in den nächsten Jahren wohl gut zu tun haben.;-):-D:lol:Ab März wartet zunächst die "Chromatische" auf Kopf und Finger.
Auf der Orgel möchte ich gerne zumindest BWV 547 und 582 spielen.:geheim:
Danach:-Dwürden mich durchaus einige Sachen von Schönberg, Berg, Webern und vor allem Ligeti interessieren. Da habe ich allerdings beschlossen, daß mir diese Trauben viel zu sauer sind.:cry2::-D

Mit Liszt, Skrjabin, Rachmaninow kann ich (als Spieler) nichts anfangen.:schweigen:
 
H.G. Heumann: ausnahmsweise, aber nur zu Beginn im Kindesalter und wenn es zeitgleich der Musikbegeisterung hilft.

Unser jüngstes Familienmitglied mit sehr kleinen Fingern spielte gerade mal ein Jahr Klavier als sie in der Grundschule den Karneval der Tiere durchnahmen. Da wir noch eine Leonard Bernstein/N.Y. Philharmonic Orchestra Schallplatte hatten, die wir dann umgehend digitalisierten für wiederholten Audiospaß war die Lütte sowas von angefixt von der Qualität und der Vielseitigkeit der Stücke. Mal abgesehen davon, dies ist mit Abstand die beste Version des Karnevals, die es gibt. Bernstein halt. Sie wollte das unbedingt nachspielen. Ihr Wunsch, mit großen Augen, händereibend, jubelnd! Wir also Heumann‚s vereinfachte Version gekauft. Das meiste (außer die V.Voliere) hat sie in einem halben Schuljahr komplett gelernt, es war Spaß und Herausforderung zugleich. Anhand der Original-Aufnahme von Bernstein, die hier derzeit gefühlt täglich lief, hat aber bereits schon die 7, dann 8-jährige Schülerin gelernt, da stimmt was nicht…. das eine oder andere Stück war so stark von Heumann verändert worden, dass es grenzwertig war, ob man es noch gutheissen könnte, weil, wenn etwas zu stark verändert wird, dann schmerzt es.

Bestes Beispiel war das Aquarium. Und ich bin jetzt so frech zu sagen, Heumann hatte es SO ARG gekürzt, weil es die Anzahl der Druckseiten nicht ermöglicht hätte, das Stück länger zu umschreiben. Was herauskam war ein halbes Aquarium, welches quasi mittendrin aufhörte mit einem kurzen Schluss-Akkord.
DIES war der Grund warum wir dann erstmal MuseScore finden und herunterladen mussten, dann die Noten einer älteren, gut arrangierten Vollversion des Carnaval des Animaux für Klavier aus dem Internet, um zusammen die Noten-Teile zu finden, die fehlten, um Heumanns Version und das Klavier-Original in MuseScore nachzubauen. Am Ende war ‘unsere‘ Version dann gut ein drittel länger und beinhielt wenigstens die wichtigsten Teile des Stückes und einen adäquaten Übergang zu einem adäquaten Ende. Danach waren wir zwar ganz zufrieden über unsere eigene Heumann-Version, gleichzeitig aber war dies bereits der Anfang vom Ende unserer Beziehung zu Heumann's Literatur.
Das Kind lernte von klein an: das hier ist nicht das Gelbe vom Ei, und sowas (Heumann Version) bringt keine echte Befriedigung. Für den Moment war es gut, ein Ziel war für die Lütte erreicht: den Karneval selber nachspielen, komplett. Wir haben uns aber seither nicht mehr mit gekürzten, so stark veränderten Noten befassen wollen, seither spielt sie nur Originale.
Jetzt, mittlerweile im 5. Jahr angekommen, wehrt sie sich sogar gegen Aussagen der Klavierlehrerin, wenn es um Vereinfachungen geht (schwierige Triller, umfangreiche Akkorde) mit den Worten „ich will das aber nicht vereinfachen!“

Jeder Schüler ist da anders; manche sind froh über Vereinfachungen, vielleicht auch mal aus Faultheit oder anderen Gründen, aber es ist schön, wenn ein Kind sich entscheidet, den schwierigeren Weg zu gehen, um dem Original gerecht zu werden, auch wenn dies mehr Arbeit bedeutet.

Das hart erarbeitete Ergebnis ist unfassbar befriedigend, vor allem für den Schüler bzw die Schülerin.
Und erst wenn man weiss, wie unschön eine Vereinfachung sein kann, weiss man das Juwel des Originals IM DETAIL zu schätzen.
In ein paar Jahren möchte sie die original Klavierversion komplett spielen. Vielleicht bleibt dies Utopie, und es wäre auch nicht schlimm, denn sie hat auch nach wie vor kleine Hände, vieles bleibt wortwörtlich unerreichbar. Aber es bleibt im Hinterkopf, und…wer weiss….. 🎶
 

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