Gebrauchten Blüthner-Flügel überholen lassen oder doch was anderes?

N

Nitrofunk

Dabei seit
Dez. 2012
Beiträge
18
Reaktionen
3
Hallo liebes Forum,

vorneweg: Sorry, wenn meine Frage etwas vage daherkommt. Ich bin eben noch am Anfang meines Entscheidungsprozesses, erhoffe mir von Euch aber schon mal einige Denkanstöße.
Über einen Bekannten könnte ich für rund 500 Euro einen Blüthner-Flügel bekommen. Leider habe ich das Instrument noch nicht persönlich gesehen, und die Angaben des Bekannten sind ebenfalls recht ungenau. Was ich bisher weiß:
- Der Flügel ist rund 50 bis 60 Jahre alt,
- Er ist zwischen 1,50 und 1,60 Metern lang,
- Er muss restauriert werden, ist also in einem eher schlechten Zustand.
- Über den Tasten steht wohl nur "Blüthner", nicht "Blüthner Leipzig".

Mein Budget liegt bei rund 10.000 Euro für das Instrument. Die Frage ist nun, ob ich das Angebot meines Bekannten annehme und dann noch mehrere Tausend Euro in eine umfassende Restaurierung investiere (was für mich ok wäre), oder ob es für diesen Preis bereits gute, generalüberholte Gebrauchtinstrumente (oder gar Neuinstrumente) gibt. Falls ja: Was wäre bei diesem Preis drin? Ich lege Wert auf einen eher strammen, keinesfalls zu leichten Anschlag und einen eher weichen, vollen nicht zu knalligen/drahtigen Klang - wobei das alles von einem guten Klavierbauer zu regulieren wäre, richtig?

Zu meinem Hintergrund: Ich bin professioneller Pianist (Jazz und Pop), habe Flügel bislang aber nur bei Konzerten gespielt. Meine eigenen Instrumente sind zwei Fender Rhodes, ein Nord Stage 2, ein Yamaha CP-70 (ok - immerhin so eine ART Flügel ;)), und ich besaß mal ein günstiges Klavier. Kurzum: Ich brauche dringend etwas "Echtes" ;)
Da wir uns demnächst ein Haus kaufen, bin ich vom Platz her in Maßen flexibel. Die Obergrenze für den Flügel wären aber rund 1,90 bis zwei Meter.
Ich bin gespannt auf Eure Antworten!
Vielen Dank!
Peter
 
dilettant

dilettant

Dabei seit
März 2012
Beiträge
8.054
Reaktionen
9.845
Hallo,

da sich hier keiner erbarmt, geb' ich mal meinen Senf ab.

Ob sich der angebotene Blüthner restaurieren lässt, muss sicher ein Klavierbauer beurteilen. Allerdings habe ich aus den Gesprächen hier, Gesprächen mit Klavierbauern sowie den Preisen für restaurierte Flügel den Eindruck gewonnen, dass das rein finanziell eine realistische Option ist. Der Einstandspreis von 500 Euro ist ja quasi nix und dann bleiben Dir nach Transport etc. noch knapp 9000 Euro für die Restaurierung. Dafür lässt sich ein Flügel wohl recht umfassend restaurieren (eben abhängig von der Grundsubstanz). Das um so mehr, wenn Du noch Zugeständnisse an die Optik machen kannst.

Die Frage ist allerdings, ob Du eine Restaurierung (mit ungewissem Ausgang) selbst organisieren willst. Da gehen die Meinungen im Forum stark auseinander: Die einen wollen wissen und mitbestimmen, was gemacht wird und was nicht. Es geht dann darum, dass der Charakter des Instruments nicht leichtfertig kompromittiert wird, indem z. B. auf einen vermeintlich moderneren (vornehmlich lauteren) Klang hingearbeitet wird. Es geht aber auch darum, das vorhandene Budget in die wirksamsten Arbeiten zu stecken (akustische Anlage, Regulierung) und nicht in die, die man hinterher am besten sieht (z. B. Lackierung). Die anderen wollen die damit verbundenen Risiken beim Experten abkippen und lieber ein fertiges Instrument kaufen, das sich anspielen können und dessen endgültiger Charakter sich bereits abzeichnet. Ich persönlich stelle mir eine Flügelrestaurierung ähnlich wie einen Hausbau vor, und da bin ich sehr froh, einen Bauträger gehabt zu haben. Da musst Du in den Spiegel schauen, was für ein Typ Du bist.

Was den Schriftzug angeht, in meiner Erinnerung haben sich ein geschwungender "Blüthner"-Schriftzug und einer mit aufrechten Versalien eingebrannt. Beide ohne "Leipzig". Ich meine, das geht so in Ordnung. Erfrage die Seriennummer, dann kannst Du Tabellen ergoogeln, die die Seriennummer auf das Baujahr zurückführt. Könnte übrigens sein, dass die Seriennummer auf der Mechanik steht und von außen nicht zu sehen ist.

Was die Größe angeht: Zwischen 150 und 160 cm lässt auf ein Modell 11 (152cm) schließen. Das ist sehr klein. Es ist die Untergrenze dessen, was Markenhersteller überhaupt bauen. Im Rahmen der physikalischen Möglichkeiten ist der Blüthner ein gutes Instrument, ich interessiere mich selbst für ein solches, aber wenn Du bis 190 cm stellen kannst, solltest Du das unbedingt ausnutzen. Gerade von 150 auf 170, 180, 190 cm scheint mir der Zuwachs an Klang und Spielgefühl erheblich zu sein. Und dabei sind die Flügel in diesem Bereich nicht mal teurer als die Zwergflügel.

Wenn Du einen "nicht zu leichten Anschlag" bevorzugst ... ich meine, so ein Blüthner hat normalerweise einen sehr leichten Anschlag. Spricht also auch eher dagegen.

Für 10.000 Euro bekommst Du mit etwas Glück einen gebrauchten (aber nicht restaurierten) Yamaha C3. Der ist jetzt recht langweilig, weil ihn quasi jeder hat. Aber auch das wird ja einen Grund haben. Der ist jedenfalls sofort einsatzbereit und hat einen knackigen Anschlag. Allerdings hat der tendentiell nicht den gewünschen "weichen" Klang. Das schöne beim C3 ist, Du findest relativ leicht einen zum Ausprobieren.

So, jetzt können sich die Klavierbauer auch noch hier melden.

Ciao
- Karsten
 
K

Klavierbauermeister

Dabei seit
Jan. 2008
Beiträge
1.961
Reaktionen
710
Was machst Du denn mit dem Flügel wenn er Dir nach der Restaurierung gar nicht gefällt?
 
dilettant

dilettant

Dabei seit
März 2012
Beiträge
8.054
Reaktionen
9.845
Was machst Du denn mit dem Flügel wenn er Dir nach der Restaurierung gar nicht gefällt?
Danke, Du bringst meine länglichen Überlegungen auf den Punkt :)

Ich kann zwar nicht für den Themenersteller antworten, aber ... kann ja sein, dass man gerade dann eine innige Bindung zum Instrument entwickelt, wenn man es selbst aufpäppelt. Selbst, wenn der Klang dann nicht perfekt ist, man weiß dann vielleicht, warum er ist, wie er ist?
 
Destenay

Destenay

Dabei seit
Dez. 2010
Beiträge
9.212
Reaktionen
6.494
bevor Du dir weitere Gedanken machst, würde ich mir zuerst mal von zwei - drei Klavierrestauratoren einen Kostenvoranschlag machen. 10000 Euro sind im nu aufgefressen. Ich meine danach kannst Du dich einfacher entscheiden

Cordialement
Destenay
 
Tastenjunkie

Tastenjunkie

Dabei seit
Dez. 2011
Beiträge
1.267
Reaktionen
799
Ich schließe mich allen vor-Postern an.

Außerdem: Schau Dir das unrestaurierte Ding erstmal selbst an. Wenn Du in dem Instrument Potenzial fühlst, ok, wenn er Dich kalt lässt oder sogar abstößt, dann wars das.

Blüthner gilt als sehr speziell in Klang und Anschlag. Manche schwören drauf, viele können damit nichts anfangen. Vielleicht hilft es Dir in einem Laden neue Bluetners dieser Größe anzutesten. Dann bekommst du einen Eindruck, in welche Richtung die Restaurierung laufen könnte.

Ich habe mal einen ähnlich kleinen Blüthner in einem Laden stehen sehen zu einem attraktiven Preis. Davor hatte ich schon andere Instrumente dort angespielt und der Händler hatte gelauscht. Noch bevor ich den B angespielt habe sagte der Händler: Der ist nichts für Sie, den spielen sie in Grund und Boden. Ich setzte mich dran und ... er hatte recht. Der Anschlag war extrem leicht und der Klang zwar nicht unschön aber auch irgendwie dünn (lag wahrscheinlich an der Größe). Ich bin kein Profi-Pianist, spiele aber auch überwiegend Jazz. Subtil bloppende Swing-Phrasierung wäre auf dem Instrument für mich nicht drin gewesen und mit Rock-Piano-Gehämmer hätte man es töten können.

10000 ist ein Budget, bei dem Du auf riskannte Schnäpchen aus dem Bekanntenkreis nicht angewiesen bist.
 
fisherman

fisherman

Dabei seit
Dez. 2007
Beiträge
21.111
Reaktionen
9.221
Jetzt hätte ich gerne auch was gesagt, aber Dilettant hat meine ganzen Gedanken aufs Trefflichste formuliert.

Ich gehöre definitiv zur Fraktion der "Selbstbestimmer", denke aber, dass es dafür (und für Dich) geeignetere Instrumente gibt, die Deine Möglichkeiten (190 cm) und Deine Wünsche besser widerspiegeln. Die mögen dann deutlich mehr kosten, dafür ist der Anteil der Renovierungskosten aber auch geringer. Bei einem Preis von 500,- ist wohl eher eine 3/4-Leiche zu erwarten. ICH würde ein Instrument suchen, bei dem der Renovierungsanteil eher bei 2- max.5 TEUR liegt. Da ist dann aber auch soviel Substanz da, dass sich das Ergebnis ziemlich gut einschätzen lässt.

PS. Mich wundert, dass Du bei Deinen derzeitigen Instrumenten nun einen nicht weichen, knackigen Anschlag suchst. Kontrastprogramm?

PPS. Waren die 50er Jahre nicht eher weniger gute Jahrgänge?
 
Bassplayer

Bassplayer

Dabei seit
Nov. 2011
Beiträge
1.898
Reaktionen
829
Falls ja: Was wäre bei diesem Preis drin? Ich lege Wert auf einen eher strammen, keinesfalls zu leichten Anschlag und einen eher weichen, vollen nicht zu knalligen/drahtigen Klang - wobei das alles von einem guten Klavierbauer zu regulieren wäre, richtig?
Von der Beschreibung her würde ich schätzen, dass ein Bösendorfer-Flügel vom Klang und Anschlag her passt. So empfand ich zumindest zwei 225er in Bezug auf Deine Beschreibung. Das angegebene Budget dürfte aber der Haken an dieser Einschätzung sein.
 
N

Nitrofunk

Dabei seit
Dez. 2012
Beiträge
18
Reaktionen
3
Vielen Dank für die wertvollen Meinungen und Antworten. Ich werde mir das Instrument demnächst mal anschauen, aber tendenziell ist mir das dann doch zu heikel. Wie ich Euch verstanden habe, gibt es für 10.000 Euro durchaus schöne restaurierte Instrumente, richtig (die Optik ist zweitrangig - das Instrument muss technisch top in Schuss sein)? Könntet Ihr mir da vielleicht noch drei, vier Kandidaten nennen, die gebraucht und mit restaurierten "Innereien" innerhalb dieses Preisrahmens liegen?
Ach so: Das Zimmer, in dem er stehen würde (Wohnzimmer), hat knapp 36qm und ist L-förmig.
Vielen Dank!
Peter
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
 

Top Bottom