Flügel Ferd. Manthey 163

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ajoachim

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Hallo,

ich möchte das Ergebnis meiner Flügelsuche vorstellen. Vorgabe war ein Flügel nicht länger als 170 cm wg. Wohnsituation, möglicht voller, "warmer" Klang, gute Spielbarkeit, Preis bis 6000 EUR, als Klavieranfänger wollte ich erstmal nicht mehr ausgeben. Bei meiner ersten Suche im Umkreis bei Händlern und Privat habe ich nichts passendes gefunden, entweder war der Klang nichts oder das Spielgefühl.

Ich habe mich dann an einen "Klavier-Klanggestalter" gewendet, der auch Kaufberatung anbietet. Bei ihm habe ich dann auch bei Instrumenten, die etwas weiter weg waren um Rat gefragt, ob sich da evtl. mit einer Überarbeitung und Optimierung etwas machen ließe.

Ich habe dann bei einem Händler einen "Ferd. Manthey"-Flügel mit 163 cm Länge für 3990,- Bj. 1968 entdeckt und er wurde mir als möglicherweise interessant empfohlen. Bin dann hingefahren, der Klang hat mir gefallen, aber schon etwas "muffig", das Spielgefühl war gerade so in Ordnung. Preis-Leistungsverhältnis war aber insgesamt gut und ich habe ihn gekauft.

Im Dezember dann kam der Klaviermensch und hat das Instrument drei Tage bei mir überarbeitet: Stimmen (über die ganze Prozedur insg. 4 Mal), Hämmer ausrichten, Hammerköpfe überarbeiten, Mechanik einstellen, jeder Schritt gründlich mit vielen zeitaufwendigen Einzelaktionen ... Preis 1150,-

Mit dem Ergebnis bin ich nun sehr zufrieden. Der Klang ist wieder "frisch" und hat genau den Charakter den ich suchte und ist über die Tasten leicht kontrollierbar von ganz leise bis laut. Für nun insgesamt 5140,- habe ich sonst auf dem Markt nichts vergleichbares gefunden.

Der Flügel hat allerdings schon ein paar "Eigenheiten": z.B. etwas wackelige dünne Beinchen, und insgesamt ausgeprägter "Leichtbau", siehe Fotos ...

Mich würde auch interessieren, wieviel Flügel denn Manthey überhaupt gebaut hat, es waren wohl nicht viele. Mein Instrument hat auf dem Resonanzboden die Nr. 29800 eingeprägt.
 

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Tastenscherge

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Von Manthey kenne ich eigentlich nur Klaviere, wobei das Modell Klaviano ganz oben auf meiner Liste der meist gehassten Instrumente steht ;)

Was mich aber wundert, ist dass ein von einem Händler gekauftes Instrument noch so viel Arbeit benötigt. Anscheinend inklusive Hämmer abziehen, Scheitel machen und regulieren. War das ein Klavierhändler, also ein Fachbetrieb, oder eher ein Antiquitäten- und Möbelhändler? Und hat dieser Händler dir den Flügel als aufgearbeitet verkauft oder dich darauf hingewiesen, dass noch einiges an Arbeit drin steckt :confused:
 
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ajoachim

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Ja, daß das etwas brauchbares sein sollte hätte ich zuerst auch nicht gedacht, da ich unter "Manthey" auch meist nur diese Kleinklaviere gefunden habe.

Der Flügel war so wie er vom Händler kam durchaus brauchbar und wurde auch nicht als großartig überarbeitet verkauft. Im Vergleich zu den ca. 20 Flügeln die ich sonst noch bei Händlern probiert habe war das fürs Geld gebotene schon recht gut.

Aber ich wollte was perfekt spielbares mit gutem Klang, deswegen habe ich noch etwas draufgelegt.

Wenn ich die passenden Mikrofone und etwas mehr Übung habe gibt es auch Klangproben.

Noch als Info: Die Mechanik ist eine Renner und die schwingende Länge der tiefsten Saite ist 123 cm, der Flügel ist hinten etwas breiter gebaut.
 
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PianoCandle

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Hallo ajoachim... na da bin ich ja überrascht! Dank für den freundlichen Bericht; wie du siehst, bin ich inzwischen auch hier zugegen, seit ein paar Tagen. Ich werde mich auch noch in der Vorstellungsrunde zeigen.

@Tastenscherge:
Den Klaviano-Hass versteh ich gut. Ich hab auch schon Sorgenfalten, weil mir in Kürze ein Exemplar zur Bearbeitung ansteht. Doch hab ich auch großen Respekt vor dem Ding, denn immerhin hat die Herstellerfirma es in der hohen Zeit der Kleinklaviere fertig gebracht, aus diesem ultrawinzigen Teil noch die vernehmliche Ahnung eines guten Klanges und erste Ansätze einer brauchbaren Spielart heraus zu zaubern.
Mein Kalkül war also: Wenn so jemand einen wohnzimmertauglichen Flügel baut, kann der nicht wirklich schlecht sein, sondern gehört womöglich zur Geheimtipp-Abteilung.
Genau das hat sich auch bewahrheitet. Nach umfassender Feinbearbeitung bietet der Flügel einen schönen Klang ohne wirkliche Schwächen, der sehr überzeugend das alte Bechstein-Flügelklang-Konzept interpretiert. Und dass eine komplett gründlich durchregulierte Renner-Mechanik prima läuft, wird sowieso niemand bezweifeln.
Übrigens: Dass ein Klavier oder Flügel, gleich ob von privat oder vom Handel, sich über gründliche bis Grund legende feine Zuwendung noch sehr freut, ist nach meiner Erfahrung völlig normal. Ich käme nicht auf die Idee, daraus jemandem einen Strick zu drehen. Letztlich tut jeder das, was er/sie am besten kann.;)

Gruß
Martin
PianoCandle
 
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Klavierbaumeister

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Zitat von PianoCandle:
...aus diesem ultrawinzigen Teil noch die vernehmliche Ahnung eines guten Klanges und erste Ansätze einer brauchbaren Spielart heraus zu zaubern.
Das Ding ist überflüssig wie ein Kropf:
Die Version mit 80 Tasten ist schon 137cm breit und 53cm tief, damit ergibt sich kein Vorteil gegenüber z.B. einem kleinen Schimmel oder dem 104er May, die bei geringerer Stellfläche (May 104: 133cm breit, 51cm tief) 88 Tasten und eine normaler (Renner-)Mechanik und nicht diesem Untertasten-Wahnsinn haben.


Und dass eine komplett gründlich durchregulierte Renner-Mechanik prima läuft, wird sowiso niemand bezweifeln.

Das ist extrem gewagt.:rolleyes:
Ich kenne sehr viele Instrumente aus den 60/70ern, die trotz Renner-Mechanik nie vernünftig spielbar waren. Auch als Neuinstrument nicht.
Die Tatsache, dass ein Hersteller Renner-Teile verbaut, garantiert nicht, dass er um die richtigen Hebenverhältnisse wusste.
Hier kann man noch einige Konstruktionsfehler ausmerzen, aber nicht immer kann man die Situation retten.
 
PianoCandle

PianoCandle

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In der Tat, Klavierbaumeister: Überflüssig wie ein Kropf ist das gesamte Konzept der unterschlägigen Klaviere, entsprechend hat es sich zum Glück auch überlebt. Aber innerhalb dieses Konzepts, das es nun mal gab, spielte m. E. das Klaviano von Manthey eine Rolle, die mir in puncto Ingenieursleistung und Design Respekt entlockt. Dabei bleib ich, und genau so sag ichs auch den Kundinnen und Kunden, die's betrifft.

Zur Renner-Mechanik: Mag sein, dass mir im Lauf der Jahrzehnte manches erspart geblieben ist. Manche gründliche komplette Regulierung war in der Tat sehr aufwändig bis hin zu mehreren Durchgängen und notwendigen Ideen, aber am Ende stand dann doch mindestens ein befriedigendes Ergebnis, meist aber gut oder besser. Insbesondere bei Flügeln. Und, gottlob: der Manthey-163 macht da keine Ausnahme.

Gruß
Martin
PianoCandle
 
 

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