Falscher Ton bei Barenboim???

Gut und geschmackvoll gespielt von Barenboim.
 
Wenn T22 so wie von Dir vorgeschlagen finde ich das eis in T23 geradezu folgerichtig, wenn man so wöllte .

Nein, ist es nicht (weder die von mir beschriebene Variante in T. 22 noch das eis in Takt 23). Es sprengt die Proportion in diesem Satz. Wenn das Thema zum ersten und zweiten mal erscheint, schreibt Mendelssohn in den Paralleltakten zu T. 23 eine Subdominante; hier variiert er, indem er stattdessen die Wendung Doppeldominante/Dominante wählt. Das ist angemessen und geschmackvoll. Chromatische Durchgänge bzw. Alterationen würden dieser Stelle mit einem Gewicht beschweren, das sie gar nicht tragen kann.
 
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diese melodramatischen Verzögerungen vor fast jedem Hochton

macht er nicht. Sein Timing ist sehr ausgewogen - bei großen Intervallen nimmt er sich minimal Zeit; das passt sehr gut, weil jeder Sänger diese Zeit bei großen Legato-Intervallen ebenfalls benötigen würde. Und es handelt sich hier zweifellos um eine Gesangslinie. Manchmal erzeugt er auch die Sforzandi durch Agogik - das ist ebenfalls nicht falsch und wirkt weniger platt als eine reine Lautstärkezunahme.
 
Takt 5 auf 6 ist ein Halbton. Diese und Parallelstellen kommen mehrfach vor.
Da ist eine der Stellen, an der er das Sforzando durch Agogik erzeugt. Und es gibt hier auch kaum eine andere Möglichkeit - denn da das Sforzando auf der ohnehin betonten ZZ. 1 steht, wirkt eine dynamische Hervorhebung nur, wenn sie recht stark ausfällt. Das wäre dann die Holzhammer-Methode.
 
Gewicht beschweren, das sie gar nicht tragen kann.
Aha.
Ich finde das Stück zu kurz für seine Schönheit, vielleicht habe ich daher den Wunsch es zu verlängern.

Mag sein, dass in der fluchtsamen Schnelllebigkeit alles anders gehört, und vielleicht waren es bei Mendelsohn hier ja wirklich nur zwei vorbeitreibende Blättchen im Wind des unsteten Gefühls.

Andererseits kann ich mir nicht vorstellen , wie Felix eher nüchtern und trocken seiner damals mindestens hochverehrten Elise v. Woringen so liebäugeln wollte....
 
Andererseits kann ich mir nicht vorstellen , wie Felix eher nüchtern und trocken seiner damals mindestens hochverehrten Elise v. Woringen so liebäugeln wollte....
In dem Jahr, als Mendelssohn sein op. 38 komponierte, verlobte er sich mit Cécile Jeanrenaud, die er im folgenden Jahr heiratete. Mit Elise von Woringen hat er da eher nicht geliebäugelt; die war eine Freundin seiner Schwester und Tochter eines Mäzens, der ihn unterstützt hat.

Davon mal abgesehen halte ich solchen Biografismus grundsätzlich für überflüssige Spekulation. Jeder professionelle Komponist kann Stücke verfassen, die nichts mit seiner aktuellen persönlichen Situation zu tun haben.
 
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