1. Ich würde eines Tages gern das Andante Maestoso von Tschaikoswsky / Pletnev (Pas de deux) spielen und Reflets dans l'eau von Debussy. Es gibt natürlich auch noch andere Stücke, doch diese 2 bedeuten mir persönlich besonders viel.
2. Beide Stücke habe ich in einer Phase für mich entdeckt (ich hatte sie auch zuvor gehört, doch noch nicht so bewusst), als ich meine Beziehung zum Klavierspielen und zur Musik, meine Art, zu üben, zu hören, Stücke zu erarbeiten und wie ich unterrichtet worden bin bzw. wie ich selbst unterrichte, radikal hinterfragt habe. Ein Mittelhandbruch sowie ein Hörsturz einer geliebten Person, der glücklicherweise keine Folgeschäden nach sich zog, hatten mich ohnehin sehr nachdenklich gestimmt. Ich begann damit, sehr viel klassische Musik zu hören und zu analysieren.
Die 2 Stücke wurden auf eine Art und Weise gespielt, die mich tief berührt hat - mit Leidenschaft, mit Hingabe, frei, völlig versunken und über den Dingen stehend.
Genau danach habe ich gesucht, ohne dass es mir zu diesem Zeitpunkt wohl komplett bewusst war. Ich wollte bloß kein mechanisches und gleichgültiges Klavierspiel hören, sondern die Stücke sollten durch denjenigen, der sie spielt, lebendig werden.
3./4./5. Die Noten habe ich mir bereits besorgt, die Stücke ganz grob analysiert und mir verschiedene Versionen angehört.
Aktuell denke ich ganz am Rande neben der Beschäftigung mit meinen aktuellen Stücken immer mal darüber nach, wie ich sie schnellstmöglich, aber trotzdem tiefgehend erarbeiten könnte. In diesem Kontext gibt es noch sehr viele unbeantwortete Fragen. Vor einigen Monaten und zuletzt am Samstag wieder habe ich beispielsweise darüber nachgedacht, wie ich meine Blattlesekompetenz verbessern und inwieweit sich Lesestrategien auch auf Instrumentalstücke übertragen lassen. Außerdem möchte ich lernen, Musik noch tiefgreifender zu verstehen. Deshalb muss ich unbedingt ermitteln, wie ich an diesem Punkt ankommen kann. Im Optimalfall sollte die Erarbeitung eine gewisse Leichtigkeit mit sich bringen, sich wie im Flow, wie ein Spiel anfühlen. Ich bin mir jedoch nicht sicher, inwieweit letztgenannter Punkt tatsächlich umsetzbar ist.
Faszinieren würde mich außerdem der Ansatz, ein anspruchsvolles Stück größtenteils durch Analyse zu erarbeiten, ohne es großartig zu spielen. Dazu müsste man jedoch ein extrem vernetztes Gehirn haben, das nicht einfach so über Nacht entsteht. Außerdem müsste man diesen Ansatz zuvor an einfacheren Stücken erprobt haben, da es sonst utopisch wäre, anspruchsvollere Stücke auf diese Weise zu erarbeiten. Des Weiteren sollte beachtet werden, dass man sich mit bestimmten Stilen bereits intensiver, mit anderen hingegen weniger intensiv befasst hat. Auch die Vorkenntnisse sind einzukalkulieren.
Man kann auch zusammenfassend sagen, dass ich erst noch Antworten auf einige Fragen finden muss, bevor ich mich bereit dazu fühle, mich solchen Herausforderungen zu stellen. Davor fühlt es sich einfach nicht richtig an. Die Zeit ist noch nicht gekommen.
Es ist realistisch, diese Stücke eines Tages zu spielen, zwar sehr herausfordernd, aber umsetzbar. Ich müsste lernen, endlich mutig zu werden und aus meiner Komfortzone herauszukommen, an meiner Persönlichkeitsentwicklung zu arbeiten. Manchmal versteckt sich in Stücken indirekt die beste Version von sich selbst, ansonsten wäre man nämlich nicht in der Lage, sie zu spielen. Man müsste über sich hinauswachsen, alles hinter sich lassen, was einen derzeit noch bremst, zögern und zweifeln lässt und frei sein.
Ich bin 30 Jahre alt und spiele seit meinem 6. Lebensjahr Klavier.
Hoffentlich bringen Ihnen meine (groben) Antworten noch etwas.
Forschen Sie unbedingt weiter. Tiefgründigkeit wird in der pädagogischen Praxis ganz dringend gebraucht.
In Bezug auf eine Frage wäre ich außerdem dankbar für Antworten:
Inwieweit begünstigen Einflussfaktoren wie beispielsweise das Temperament oder der Erziehungsstil bzw. das Verhalten von Vorbildern eine bestimmte Art und Weise zu lernen?