Eure "Traumstücke"?

  • #81
An ein qualitatives Forschungsdesign kann man auch ein quantitatives anschließen (das nennt man dann Triangulation).
Aus dem Quali-Projekt holt man dann die Kategorisierungen für ein Quantiprojekt, bei dem man dann ermittelt, wie sich die im Quali-Schwerpunkt gefundenen, Individuellen Merkmalsausprägungen auf eine größere Gruppe (gar die Grundgesamtheit) verteilen.

Aber es ist fraglich, in wie fern das hier angepeilt ist ... ich glaube nicht, dass es um Häufigkeitsverteilungen geht ... und was anderes kann der Quanti-.Schwerpunkt ja im Grunde nicht.
 

  • #82
Ich frage mich, ob Traumstücke als Übemotivation überhaupt auf lange Sicht gut geeignet sind. Ich habe immer viele Stücke, die ich eines Tages spielen will und ständig kommen neue dazu. Noch öfter kommen Stücke dazu, die ich nie spielen wollte (weil ich sie gar nicht kannte). Viele davon gefallen mir dann sehr gut - besonders gut gefällt mir dann oft, was ich kann...

An manchen Stücken, die ich unbedingt spielen wollte, kämpfe ich mich dann mühsam ab und mache mein "Traumstück" damit vielleicht zum Albtraum für kundige Zuhörer und manchmal auch mich.

Ich glaube, wenn sich meine Motivation auf einige Traumstücke gründen würde, würde ich gar nicht die tägliche Motivation zum üben aufbringen und hätte viel weniger Spass am Klavierspielen.

Ich versuche deswegen meine "Traumstücke" an mein Niveau anzupassen: was gibt es "in Reichweite", was ich gern spielen würde. Mein nächstes "Traumstück" wechselt daher immer...
 
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  • #83
Also wenn ich den die Transcription - Teil 2c vom Köln concert von Keith Jarrett spielen könnte - mit dem gleichen Ausdruck, dann wär ich bestimmt ein glücklicherer Mensch...
 
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  • #84
1. Ich würde eines Tages gern das Andante Maestoso von Tschaikoswsky / Pletnev (Pas de deux) spielen und Reflets dans l'eau von Debussy. Es gibt natürlich auch noch andere Stücke, doch diese 2 bedeuten mir persönlich besonders viel.

2. Beide Stücke habe ich in einer Phase für mich entdeckt (ich hatte sie auch zuvor gehört, doch noch nicht so bewusst), als ich meine Beziehung zum Klavierspielen und zur Musik, meine Art, zu üben, zu hören, Stücke zu erarbeiten und wie ich unterrichtet worden bin bzw. wie ich selbst unterrichte, radikal hinterfragt habe. Ein Mittelhandbruch sowie ein Hörsturz einer geliebten Person, der glücklicherweise keine Folgeschäden nach sich zog, hatten mich ohnehin sehr nachdenklich gestimmt. Ich begann damit, sehr viel klassische Musik zu hören und zu analysieren.
Die 2 Stücke wurden auf eine Art und Weise gespielt, die mich tief berührt hat - mit Leidenschaft, mit Hingabe, frei, völlig versunken und über den Dingen stehend.
Genau danach habe ich gesucht, ohne dass es mir zu diesem Zeitpunkt wohl komplett bewusst war. Ich wollte bloß kein mechanisches und gleichgültiges Klavierspiel hören, sondern die Stücke sollten durch denjenigen, der sie spielt, lebendig werden.


3./4./5. Die Noten habe ich mir bereits besorgt, die Stücke ganz grob analysiert und mir verschiedene Versionen angehört.
Aktuell denke ich ganz am Rande neben der Beschäftigung mit meinen aktuellen Stücken immer mal darüber nach, wie ich sie schnellstmöglich, aber trotzdem tiefgehend erarbeiten könnte. In diesem Kontext gibt es noch sehr viele unbeantwortete Fragen. Vor einigen Monaten und zuletzt am Samstag wieder habe ich beispielsweise darüber nachgedacht, wie ich meine Blattlesekompetenz verbessern und inwieweit sich Lesestrategien auch auf Instrumentalstücke übertragen lassen. Außerdem möchte ich lernen, Musik noch tiefgreifender zu verstehen. Deshalb muss ich unbedingt ermitteln, wie ich an diesem Punkt ankommen kann. Im Optimalfall sollte die Erarbeitung eine gewisse Leichtigkeit mit sich bringen, sich wie im Flow, wie ein Spiel anfühlen. Ich bin mir jedoch nicht sicher, inwieweit letztgenannter Punkt tatsächlich umsetzbar ist.
Faszinieren würde mich außerdem der Ansatz, ein anspruchsvolles Stück größtenteils durch Analyse zu erarbeiten, ohne es großartig zu spielen. Dazu müsste man jedoch ein extrem vernetztes Gehirn haben, das nicht einfach so über Nacht entsteht. Außerdem müsste man diesen Ansatz zuvor an einfacheren Stücken erprobt haben, da es sonst utopisch wäre, anspruchsvollere Stücke auf diese Weise zu erarbeiten. Des Weiteren sollte beachtet werden, dass man sich mit bestimmten Stilen bereits intensiver, mit anderen hingegen weniger intensiv befasst hat. Auch die Vorkenntnisse sind einzukalkulieren.

Man kann auch zusammenfassend sagen, dass ich erst noch Antworten auf einige Fragen finden muss, bevor ich mich bereit dazu fühle, mich solchen Herausforderungen zu stellen. Davor fühlt es sich einfach nicht richtig an. Die Zeit ist noch nicht gekommen.

Es ist realistisch, diese Stücke eines Tages zu spielen, zwar sehr herausfordernd, aber umsetzbar. Ich müsste lernen, endlich mutig zu werden und aus meiner Komfortzone herauszukommen, an meiner Persönlichkeitsentwicklung zu arbeiten. Manchmal versteckt sich in Stücken indirekt die beste Version von sich selbst, ansonsten wäre man nämlich nicht in der Lage, sie zu spielen. Man müsste über sich hinauswachsen, alles hinter sich lassen, was einen derzeit noch bremst, zögern und zweifeln lässt und frei sein.

Ich bin 30 Jahre alt und spiele seit meinem 6. Lebensjahr Klavier.
Hoffentlich bringen Ihnen meine (groben) Antworten noch etwas.
Forschen Sie unbedingt weiter. Tiefgründigkeit wird in der pädagogischen Praxis ganz dringend gebraucht.

In Bezug auf eine Frage wäre ich außerdem dankbar für Antworten:
Inwieweit begünstigen Einflussfaktoren wie beispielsweise das Temperament oder der Erziehungsstil bzw. das Verhalten von Vorbildern eine bestimmte Art und Weise zu lernen?
 
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  • #85
Als Teenager oder in meinen früheren Twenties hatte ich noch so absolute Traumstücke, wie La Campanella, Ondine und Le Gibet.... Und minimal realistischere Ziele wie Chopin Balladen oderer schwerere Beethoven Sonaten.

Aber ich hab gemerkt, ich bin nicht dafür gemacht andauernd schwere klassische Stücke zu lernen. Mich zieht es viel mehr in die Ecke Improvisation, in ner Indie Electro Band Keyboard spielen, Songs schreiben und Videospielmusik zu komponieren und etwas Jazz. Also lieber was eigenes machen als Stücke nachzuspielen, die andere eh viel besser nachspielen können.

Das einzige was ich so als Traumstücke immer noch gerne schaffen würde ist viele Bach-Stücke möglichst gut zu spielen und die Kunst der Fuge halbwegs zu meistern und die Toccata & Fuge BVW 565 oder die Dorische auf Klavier und Orgel spielen zu können. Und generell ein großes Barock und Renaissance Repertoire aufzubauen.

 
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  • #86
Als Teenager oder in meinen früheren Twenties hatte ich noch so absolute Traumstücke, wie La Campanella, Ondine und Le Gibet.... Und minimal realistischere Ziele wie Chopin Balladen oderer schwerere Beethoven Sonaten.

In meinen frühen Twenties habe ich auch immer von Le Gibet geträumt - und mich auch während des Studiums dann doch nicht rangetraut.

Fast Forward 35 years:



Ich musste 7 Töne unter den Tisch fallen lassen, weil meine Hände einfach nicht groß und geschmeidig sind. Wurscht.
 
  • #87
[…] als Stücke nachzuspielen, die andere eh viel besser nachspielen können.
ich finde es schade, wenn Du das so empfindest. Wenn ich mich mit Werken beschäftige, die Andere um ein Vielfaches besser spielen können, dann nicht, um diese Stücke „nachzuspielen“, sondern um zu erfahren, was da eigentlich passiert. Wenn ich dann das Stück „durchdrungen“ und gestalterisch plausible Lösungen gefunden habe, dann wiederum ist es reizvoll zu hören, wie andere Pianisten dieses Stück auffassen.
 
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  • #88
Wenn ich mich mit Werken beschäftige, die Andere um ein Vielfaches besser spielen können, dann nicht, um diese Stücke „nachzuspielen“, sondern um zu erfahren, was da eigentlich passiert.
Analysieren lassen sich die Werke auch mit dem Notentext allein.
 
  • #89
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  • #90
Das glauben Musikwissenschaftler tatsächlich zuweilen im Ernst!
Wenn ein Dirigent ein Orchesterwerk erarbeitet, muss er das vorab aus der Partitur auf dem Klavier gespielt haben, um zu einer schlüssigen Interpretation zu kommen?
 
  • #92
Wenn ein Dirigent ein Orchesterwerk erarbeitet, muss er das vorab aus der Partitur auf dem Klavier gespielt haben, um zu einer schlüssigen Interpretation zu kommen?
Nein. Aber es benötigt sehr viel Erfahrung, Übung und Ausdauer, um allein aus dem Notentext eine vollständige innere Klangvorstellung und eine schlüssige Interpretation zu erschließen. Das können selbst viele Profis nicht; unter Amateuren dürfte diese Fähigkeit seltener sein als ein Sechser im Lotto.
 
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  • #93
Es geht ja nicht darum, den Notentext nach musiktheoretischen Kriterien zu analysieren sondern darum, aus ihm "Musik" zu machen.
Das klappt auch, ohne das Stück vorher analytisch durchdrungen zu haben, und gleichzeitig ist es keine zwingende Analysevorraussetzung, ein Stück auch passabel spielen zu können.

Beides kann sich aber ergänzen.
 
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  • #94
Analysieren lassen sich die Werke auch mit dem Notentext allein.
Zum (oberflächlichen) Analysieren brauche ich in der Tat bloß den Notentext. Aber mit „erfahren“ meine ich auch das für mich viel wichtigere sinnliche Erleben, platt gesprochen: was macht diese und jene Akkordverbindung, Stimmführung etc. mit mir. Verstandesmäßig weiß ich auch das, aber der Gänsehaut-Effekt stellt sich bei mir am intensivsten ein, wenn ich selber agiere/spiele.
 
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  • #95
ich finde es schade, wenn Du das so empfindest. Wenn ich mich mit Werken beschäftige, die Andere um ein Vielfaches besser spielen können, dann nicht, um diese Stücke „nachzuspielen“, sondern um zu erfahren, was da eigentlich passiert. Wenn ich dann das Stück „durchdrungen“ und gestalterisch plausible Lösungen gefunden habe, dann wiederum ist es reizvoll zu hören, wie andere Pianisten dieses Stück auffassen.
Ja da hast du natürlich Recht. Hab mich da vielleicht zu drastisch ausgedrückt. Ich sehe das eigentlich fast genau so wie du. Mir macht das analysieren der Stücke auch sehr viel Spaß, es ist ja auch ne viel bessere Erfahrung, sich das Stück selbst zu erschließen, sowohl technisch als auch musikalisch.
 
  • #96
Ich habe nun auch was neues angefangen.

Chopin, nocturne e-moll op. posth. 72.1.

Aber es ist weniger ein Traum-, als ein Alptraumstück.
Das macht irgendwie süchtig und mir bleibt nur die Hoffnung, dass diese Sucht dazu führen könnte, dass ich das irgendwann gut spiele.
Am dritten Tag schreit das natürlich noch nach Arbeit.
Vor allem die Verzierungen der r.H. bei der Wiederholung (nach dem H-Dur-Part) machen mir noch Probleme, weil die Finger sich noch nicht auf einen FS für die Läufe eingeschossen haben. Auch rhythmisch sind die nicht ganz ohne ... 2 gegen 3 geht ja easy, 6tolen auch ... aber 8 oder 11 gegen 3 ist schon echt ne Ansage. Da ist mir bisher nicht besseres eingefallen, als auf den Zielton zuzuspielen. Bei der Chromatik läuft das ... aber der verminderte absteigende Akkord (8 gegen 3), erschließt sich mir noch nicht so ganz.
Könnte es helfen, das ausgelassene g hier anfangs doch zu spielen (9 gegen 3 sind ja kein Problem) und anschließend ein kleines ritadando einzubauen, bei dem dieser Ton nicht mehr dabei ist?

Ansonsten übe ich momentan die beiden Hände auch immer wieder getrennt ... Ich möchte sie beide "möglichst musikalisch" spielen. Dabei ist mir allerdings aufgefallen, dass man sich da wunderbar verlaufen kann, wenn beim Auswendigspiel die Orientierung der jeweils anderen Hand fehlt. Also läuft die jetzt im Geist immer mit, damit ich immer weiß, wo ich gerade bin.
 
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  • #97
Chopin, nocturne e-moll op. posth. 72.1.

... Auch rhythmisch sind die nicht ganz ohne ... 8 oder 11 gegen 3 ...
Als ich das Stück erarbeitet habe, habe ich mir die Läufe erst einmal so aufgeteilt, dass sie eine eindeutige Zuordnung zu den Triolen hatten, also z.B. 8 = 3+3+2, 10 = 3+3+4 und 11 = 4+4+3. Mit steigendem Tempo sind diese Verzierungen dann automatisch gleichmäßiger geworden.
 
  • #98
Eigentlich sollte das auf dauer ja zur relativen Entkopplung der beiden Hände führen.
Das hilft sicherlich auch beim gebundenen Rubato.

Ich versuche einfach, die Läufe musikalisch sinnvoll klingen zu lassen ... und die linke "panzert" dann eben in Triolen da durch. Das kriegt die schon hin.

Das mit der Aufteilung in 2er, 3er und 4er ist aber durchaus interessant.
Stelle ich mir das richtig vor, wenn ich denke, dass (bis auf den 10er) ein kleines ritardando zum ende entsteht?
Beim 10er ist es mit 3-3-4 eher ein kleines accellerando zum Zielton.
In eine ähnliche Richtung bewege ich mich momentan auch ... allerdings spiele ich das zu schnell, um es so auszählen zu können.

Auch betrachte und übe ich die Läufe nicht isoliert, sondern stelle sie in einen melodischen Kontext. Wo kommt das her, und wo geht es hin?
Deine Aufteilung klappt für mich bei dem 8er aber sehr gut.
Bei der Chromatik in 11tolen denke ich, dass sich dieser Lauf sinnvoll aus den zwei davor zu spielenden Trillern ergeben muss ... sozusagen als Vervollständigung des Aufstiegs zum hohen h, der schon mit dem ersten Triller (h-cis) im Takt davor beginnt. Den 10er davor fühle ich ähnlich ... auch der kommt aus dem Triller.
Als Bild eventuell die Luftblasen eines Tauchers?
 
  • #99
... Stelle ich mir das richtig vor, wenn ich denke, dass (bis auf den 10er) ein kleines ritardando zum ende entsteht?
Beim 10er ist es mit 3-3-4 eher ein kleines accellerando zum Zielton.
...
Genau, je nach Aufteilung 3-3-4 oder 4-3-3 gibt es ein accelerando oder ritardando
Als Bild eventuell die Luftblasen eines Tauchers?
Wäre ich nicht drauf gekommen, finde ich aber ein nettes Bild.
 
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