Eigenheiten "typisch" orientalischer Musik

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Konkolefski

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Hallo,
Und zwar geht es um Folgendes: Ich würde gern für ein Stück, das ziemlich orientalisch anmutet, ein Intro erstellen. Nun ist aber meine Frage, was ich beachten muss, damit Musik auch "orientalisch" klingt. Gibt es da spezielle Tonleitern oder Intervalle oder etwas in der Art?
Hier mal ein Beispiel, was ich damit ungefähr meine:

http://www.youtube.com/watch?v=vu3mH0xrCIE

Hoffe ihr könnt mir da weiterhelfen; ich würde mich über eine Antwort freuen! :)
Christoph
 
hasenbein

hasenbein

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Was für Dich eine ausgezeichnete Übung und Einführung wäre, wäre Folgendes:

- Höre mal (mit Hilfe des Klaviers) die Melodie des von Dir verlinkten Stücks raus.

- Stelle zuvor fest, welcher Ton der Grundton des Stücks ist. (Ist einfach, hört man sogleich.)

- Wenn Du damit fertig bist, stellst Du, vom Grundton aus beginnend, zusammen, welche Töne in der Melodie vorkommen. Voila - eine orientalische Tonleiter!

- Das Ergebnis postest Du dann hier!

Viel Spaß!

LG,
Hasenbein
 
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Gomez de Riquet

Guest
Hallo, Konkolefski!

Wenn's Dir nicht um Authentizität geht,
sondern nur um ein orientalisch anmutendes Flair:
Mit der phrygischen Tonleiter kann man gut und gerne Orientalismen erzeugen -
so macht Orff das im "Trionfo di Afrodite".

Auch die sogenannte Zigeunertonleiter ist hilfreich,
für heutige Verhältnisse aber auch ziemlich abgeschmackt
(heißt sie politisch korrekt jetzt "Sinti- und Roma-Tonleiter"?)

Gruß, Gomez

.
 
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kristian

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Noch ein Vorschlag:

Alexander Borodin - Steppenskizze aus Mittelasien
 
rolf

rolf

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Noch ein Vorschlag:

Alexander Borodin - Steppenskizze aus Mittelasien
ebenfalls Borodin: Polowzer Tänze aus der Oper Fürst Igor

Verdi "maurische Arie" (Arie der Eboli) aus Don Carlos

na ja, und wie der Name schon sagt: "Islamey, orientalische Fantasie" von Balakirew

ganz praktisch:
orientalisierende Wirkungen kriegt man hin, wenn man nur die ersten vier Töne einer Durskale für eine melodische Introfloskel nimmt, aber die Sekunde (den zweiten Ton) um einen Halbton erniedrigt - z.B. c-des-e-f
 
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DoctorGradus

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Hallo,

dein youtube Video erinnert mich sehr an indische Musik. Dazu lohnt es sich im Clavio Forum nach Guendolas Beiträgen zur indischen Musik zu suchen.
 
Guendola

Guendola

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Hallo,

dein youtube Video erinnert mich sehr an indische Musik. Dazu lohnt es sich im Clavio Forum nach Guendolas Beiträgen zur indischen Musik zu suchen.
Klassische indische Musik ist allerdings nicht typisch orientalisch sondern indisch. Man könnte sich an Bollywood Filmmusik orientieren, aber noch besser ist vermutlich persische oder türkische Musik. Das Video ist wohl ägyptisch - klingt ziemlich arabisch.
 
Guendola

Guendola

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hübsche Zusammenstellung.
Wegen der 1/4 Tonschritte für Klavier teils eher von akademischem Nährwert.
Man kann sich aber überlegen, wie man mit Vierteltönen umgeht, weglassen ist natürlich keine Lösung.

C Des E F G As H C
und
C Des Es F G As B C

Sind zwei ganz passende Tonleitern für den Anfang. Es ist noch viel wichtiger, typische Phrasen und Motive zu finden. Ich habe den Eindruck, daß viele Phrasen auf Quinte und Tonika einsetzen und eine Terz höher enden, dann in der Subdominante von Phrasen beantwortet werden, die einen Ton versetzt beginnen. Allerdings bin ich nicht gerade Expertin für arabische Musik, ich habe zwar viel gehört aber mich nie intensiv damit beschäftigt. Daß ich aber nicht ganz falsch liege, beweist die Tatsache, daß ein Sänger aus Palestina extra seinen Vater angerufen hat, um ihm ein arabisch angehauchtes Gitarrensolo von mir vorzuspielen :D

Viel hören, nachspielen und experimentieren ist der beste Weg. Gerade das Hören und Nachspielen darf man nicht unterschätzen, Noten sind Gift, wenn man sich in eine Musik hineinfühlen will, die man noch nicht kennt. Das scheint dem frühen Notenlernen bei klassischem Musikunterricht zu widersprechen, aber die Kinder wachsen ja mit europäischer Musik auf und haben somit schon viel Hörerfahrung.
 
hasenbein

hasenbein

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Viel hören, nachspielen und experimentieren ist der beste Weg. Gerade das Hören und Nachspielen darf man nicht unterschätzen
Diesen richtigen und wertvollen Ratschlag konterkarierst Du aber leider, gemeinsam mit einigen Vorpostern hier, indem Ihr, statt meinen Vorschlag an Konkolefski zu unterstützen, ihm verratet, welche Skalen benutzt werden könnten. :rolleyes:

Das oberflächlich betrachtet "Netteste" und "Unterstützendste" ist nicht unbedingt das pädagogisch Beste, liebe Kollegen!

So wird er doch vermutlich, statt das Youtube-Ding rauszuhören, einfach nur mit Euren Skalen rumdudeln...

LG,
Hasenbein
 

Guendola

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Diesen richtigen und wertvollen Ratschlag konterkarierst Du aber leider, gemeinsam mit einigen Vorpostern hier, indem Ihr, statt meinen Vorschlag an Konkolefski zu unterstützen, ihm verratet, welche Skalen benutzt werden könnten.
Wenn jemand Flöte lernen will, muß er wenigstens wissen, daß er sie blasen muß, auf welcher Seite und wozu die ganzen Löcher gut sind. Mehr beinhalten die von mir gegebenen Hinweise auch nicht. Die Skalen und auch meine melodischen Vorschläge sind ja in europäischer Musik auch zu finden und klingen dort nicht mal arabisch. Man kann auch in C-Dur sehr arabische Musik machen, wenn man die wirklichen Besonderheiten kennt und zu der melodischen Seite kommt ja auch noch die Rhytmik. Man könnte Konkolefski auch die arabische Musik im Detail erklären und er würde trotzdem nicht zurecht kommen, ohne viel arabische Musik zu hören.
 
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hasenbein

hasenbein

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Ich denke, Rolf, es war mit etwas gutem Willen und mit sorgfältigem Lesen schon recht deutlich erkennbar, daß ich nicht Eure Stück-Hör-Vorschläge meinte (denn Stücke hören haut ja schließlich in "meine" Kerbe), sondern nur, daß konkrete Skalen genannt werden, wie es z.B. Guendola getan hat... :rolleyes:
 
rolf

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Ich denke, Rolf, es war mit etwas gutem Willen und mit sorgfältigem Lesen schon recht deutlich erkennbar, daß ich nicht Eure Stück-Hör-Vorschläge meinte (denn Stücke hören haut ja schließlich in "meine" Kerbe), sondern nur, daß konkrete Skalen genannt werden, wie es z.B. Guendola getan hat... :rolleyes:
na ja, irgendwo unterwegs hatte ich abgesehen vom Hören empfohlen, mal mit einer Intervallfolge (c-des-e-f) herumzuprobieren - diese findet sich übrigens in etlicher Filmmusik, wenn es auf der Leinwand arabisch oder orientalisch wird

Küken muss man anfangs füttern, nicht einfach sagen raus ausm Nest - so jedenfalls machen es fast alle Piepmätze :) :) :)
 
hasenbein

hasenbein

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Naja, wenn man den Vergleich mit den Küken bemüht, dann muß man in diesem Fall natürlich auch sehen, daß Konkolefski offensichtlich schon ein relativ erwachsener Mensch ist.

Und als ein solcher muß er nicht "gefüttert" werden.

Er hätte, wenn er keinen Bock auf Raushören hat, z.B. auch einfach "orientalische Tonleiter" bei wikipedia.de eingeben können (so hätte ich es jedenfalls im Jahre 2010 im Internetzeitalter erstmal gemacht), und dabei wäre er sofort u.a. auf die Artikel "Phrygischer Modus", "Spanische und jüdische Tonleiter", "Zigeunertonleiter" und "Orientalische Musik" gestoßen.

Ein erwachsener Mensch wird nicht gefüttert, sondern er kauft sich sein Essen selbst ein, bereitet es sich selber zu und ißt es eigenhändig.

LG,
Hasenbein
 
rolf

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Gomez de Riquet

Guest
Als Nachtrag zu dem Thema noch eine Empfehlung:

die sechs "Gnossiennes" von Satie,

Beispiel für eine glückliche Kombination von orientalisierender Melodik
in der rechten Hand ("griechisch-chromatische Tonleiter" nennt sich's bei Grete Wehmeyer)
und modaler Harmonik in der linken Hand.
 
NewOldie

NewOldie

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Als Nachtrag zu dem Thema noch eine Empfehlung:

die sechs "Gnossiennes" von Satie,
.
Vielen Dank für diese Empfehlung. Weißer Fleck auf meiner Landkarte.

Erik Satie klingt so entspannt hörbar, dass ich mir gerade in einem Anfall von Größenwahn die Noten für Gnossiennes 1-3 bestellt habe, von denen ich vorerst wohl nur Takte zitieren können werde.

Das ist für mich eine gute Alternative, wenn man der Musik des "Unaussprechlichen":D, dessen Name ich nur ungern laut nenne, ihr wisst schon (Yann T....en), etwas künstlerisches entgegensetzen möchte!

Gruß, NewOldie
 
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Stuemperle

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... die Noten für Gnossiennes 1-3 bestellt habe, von denen ich vorerst wohl nur Takte zitieren können werde.
Also, wenn Du den ersten Takt spielen kannst, kannst Du eigentlich schon zufrieden sein (lass' Dich überraschen... :floet:).

Aber es lohnt sich. Von der Gnossienne #1 gab's hier auch einen Faden (ich hab's aus den Augen verloren, muss es unbedingt mal wieder auffrischen).

@Gomez de Riquet: habe beim Googeln über die griechisch-chromatische Tonleiter nix rechtes gefunden - ist das so eine Art Kirchentonart? Und ist die besonders bei der Gnossienne #3 (da gab es ein Zitat) oder auch schon bei #1?

Grüße
Hanfred
PS: wem's reicht: http://imslp.org/wiki/Gnossiennes_(Satie,_Erik)
 
 

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