Fisherman wird die Kraft aufbringen, den Schock zu verdauen. ;)
Also zunächst mal - es rührt mich, wie viel Herzblut Ihr in Eure Antworten legt und ich weiß es absolut zu schätzen!
@ WEAS - Was Du beschreibst klingt romantisch und schön. So sehr mir Dein Ansatz gefällt - er ist nicht meiner. Rumreisen und Sightseeing inkl. Flügelkennenlernen ist generell nicht meins. Ich bin extrem sesshaft und verlasse das Haus eher ungern... ich fahr auch nie in den Urlaub oder so. Mir wäre es schon extrem recht, wenn ich in Mainz/Wiesbaden/Frankfurt zum Zuge käme; überspitzt würde ich sogar formulieren, es ist eine conditio sine qua non. Auch nerven mich "ungeklärte Situationen".
@ Joeach - Grand merci! In drei der genannten Anlaufstellen war ich schon. :) Bei einem der genannten Wiesbadener Adressen war ich heute. Über das Pianohaus und die dortige Beratung kann ich zunächst mal nur "mehr als Positives" sagen. Da fühlte ich mich als Kunde richtig gut aufgehoben.
Und dort lernte ich heute wieder einige Instrumente kennen, ich beginne mit dem eindrucksvollsten:
1. Bösendorf 130 CL. Ein Konzertklavier der Premiumklasse. Vom Klang her sehr ansprechend - strahlend, ohne kühl zu sein, präzise, ohne eng zu wirken, voll, ohne erschlagend zu sein. Die Anschlagsituation hat mich allerdings etwas erschreckt. SEHR griffig, um es vorsichtig auszudrücken. Im pedalierten Zustand "normal". Den Unterschied zwischen pedaliertem und nichtpedaliertem Spiel fand ich irritierend. Eine gute Beratung macht es natürlich aus, mein spezifisches Thema zu erkennen und flugs den Werkstattleiter herbeizurufen, der die Mechanik mal eben anders reguliert.
Respekt dafür! Er hat die Federn an den Dämpfern etwas weniger stramm eingestellt, während ich mich anderweitig umgesehen habe. Später spielte ich auf der umgechinchten Mechanik, da war es etwas leichtgängiger. Lt. Aussage des Beraters waren das ca. 50% von dem, was möglich ist, bis man es ausgereizt hat. Das Modell gibt es gegen Aufpreis auch mit Sostenuto-Pedal.
2. Schimmel Concert 125. Wie Schimmel tendenziell halt ist - eher stramm und wenig offen vom Klang her - um den Begriff "dumpf" zu vermeiden.
An dieser Stelle sei die Anekdote erwähnt: Ich habe einEN Schimmel. Im Stall. :D Und ich mag Schimmel (graue/weiße Pferde). Der Tastenschimmel mag aber irgendwie nicht so recht an mich ran... Sorry, Schimmel!
3.
Yamaha YUS 1 (ohne Silent). Ein Upright, das man gern haben und vor dem auch der Kontostand keine Angst bekommen muss. Mich wunderte aber, dass DIESES YUS hübscher klang als das mit eingebautem Silent-System. Vielleicht nimmt letzteres doch etwas weg vom Klang?
4. Grotrian-Steinweg Carat 116. Das ist "mein" Klavier. Sieht aus wie meins, klingt wie meins, spielt sich wie meins und hat dieselben Schwachstellen wie meins. Sehr positiv die zarte Anschlagsituation. Weniger positiv der undifferenzierte Diskant. Wie erwähnt, genau SO EIN Klavier habe ich daheim.
5. Seiler 122. Klingt blechern. Ich entschuldige mich sofort bei allen Seiler-Fans für diese Ausdrucksweise - aber so war mein Eindruck.
6. May 121 Modern Cubus Chrom. Ein Instrument, das man nicht haben will.
7. Edel & Sohn T 114. Dito.
8. Steingräber & Söhne. Unpräziser Anschlag.
9. Pfeiffer 135 Bj. 1931. Nicht schlecht, weder vom Anschlag noch vom Klang her. Leider auch nicht mehr. Für das Alter allerdings fröhlich und gut in Schuss.
10. "Wilhelm Schimmel 114". Ich habe nicht gefragt, was das für ein Instrument ist. Hat wohl einige Auszeichnungen gewonnen. Warum, erschließt sich mir nicht. Banal.
11. Vogel (weiß nicht mehr, wie hoch, über 120 mit Sicherheit). Erstaunlich nichtssagend für die Größe des Instruments. Verheimlicht nicht die Verwandschaft zu Schimmel. Nur dass Schimmel besser klingt.
(4 - 9 waren Gebraucht-Instrumente)
12. Ein gebrauchter Alt-C.-Bechstein (116er roundabout). Scheußliches helles Holz, aber ein bezaubernder Klang und schön zu spielen.
Einige weitere neue Yamahas und Kawais habe ich noch berührt.
Kawai scheint besser, als ich bislang so glaubte. Ist aber aus Geschmacksgründen nicht "mein Ding".
Flügel:
1. Bösendorfer (der kleinste, ich glaube 160 oder 170). Sehr schönes Instrument, sehr schöner Klang, sehr angenehmer Anschlag (nicht so fest wie das Upright). Ein Instrument, dessen Qualität sich prompt im Preis niederschlägt. Für den Preis fände ich ihn allerdings nicht "umwerfend" genug. Die größeren habe ich auch angespielt, auf sie trifft die o.g. EInschätzung genauso zu.
2. Wilhelm Steinberg 165. Ein ziemlich verblüffender Flügel - er kostet nämlich unter 10.000. Ein reines Chinaprodukt, das in Thüringen nur noch intoniert und verkaufsfertig gemacht wird. Verblüffend deshalb, weil das Instrument wirklich nicht schlecht ist. Klanglich angenehm - es fehlt ihm vielleicht die Grundaussage. Wer mit schmalem Kontostand auf der Suche nach einem gut spielbaren Flügel ist, sollte diese Marke mal ausprobieren. Sein neutraler Klang ist sicher kompatibel mit allem, was man darauf spielen möchte.
3. Sauter 160 (neuwertig gebraucht). Sympathisches Instrument, das sich nach meinem Eindruck flexibel an die Spielweise anpasst. Nicht zu griffig, nicht zu zart. Mich störte allerdings das vernehmliche Mechanikgeräusch - sowohl bei Wegnahme der Dämpfer als auch beim Aufsetzen.
4. Schimmel K 189 T. Deutlich besser als die Uprights dieser Marke (wie immer: nur für mein persönliches Empfinden). Fällt aber im Vergleich mit den Bösendorfern ab, sowohl was Klang als auch Spielweise angeht.
5. Der Oldtimer: Ein
Blüthner aus 1912. Die sichtbaren Schellackschäden lasse ich mal außen vor. Ein altersweises Instrument, das sich dem Fremden gegenüber freundlich zeigte und mit einem erstaunlich jugendlichen Klang aufwarten konnte. Die Mechanik aber wirkte auf mich müde. An diesem Instrument müsste man viel "machen". Dafür soll er auch nur ganz kleines Geld kosten. Falls jemand Interesse hätte, gern per PN an mich, dann sag ich, wo er steht. ;)
6. Erneut ein C 3 Studio. Identischer Eindruck zu dem vor einigen Tagen angespielten Intrument. Klingt nett, spielt sich nett.
7. Ein mittelgroßer Kawai. Die genaue Modellbezeichnung weiß ich nicht mehr. Fühlt sich genauso an wie die Uprights dieser Marke und klingt im wesentlichen auch so. Ich habe den Eindruck, bei dieser Marke ist es eigentlich egal, welches Modell man anspielt. Sie klingen alle irgendwie gleich. Das soll nichts Negatives heißen. Ein Grundcharakter, der sich durch eine Produktlinie zieht, kann ja auch durchaus Vorteile haben - falls einem der Grundcharakter zusagt.
Ich ziehe schon mal ein eher technisches Fazit:
1.) Es ist eine gute Idee, zur Ferienzeit auf Klaviersuche zu gehen. Die Innenstädte sind geradezu leer, die Pianohäuser SIND leer. Macht die Sache unstressig und die Beratung intensiver.
2.) LEIDER macht es für mich keinen Sinn, im preislichen Mittelklassesegment zu suchen. Je mehr Instrumente ich kennenlerne, desto überraschter bin ich über mein eigenes. Um einen wirklich substanziellen Unterschied zu hören und zu fühlen, bringen die Klaviere so um 15 herum keinen wirklichen Zugewinn, für den eine Investition sich lohnen würde. So bleibt es dabei, leider, dass erst die Region jenseits bis deutlich jenseits der 20 interessant wird.
Morgen kommt
Steinway zum Zug. Und danach besuche ich noch mal den Concert 8.